Der makedonische Zankapfel Montag, Jan 9 2012 

– Die Balkankriege

1912 sah’s in Südosteuropa nicht so aus, wie es heute in Südosteuropa aussieht, sondern anders. Etwa so:

Der Balkan vor dem Ersten Balkankrieg. Klicken zum Vergrößern

Nicht alles, was Griechisch sprach, war auf Teil des griechischen Staates, nicht alles, was Serbisch sprach, war Serbien, dito bei Bulgarien. Was taten also diese drei Staaten? Sie schlossen sich zusammen und forderten in einem Anflug von Nationalismus das Osmanische Reich heraus – Krieg!

Ein sehr erfolgreicher Krieg für die Balkanstaaten, denn die Osmanen wurden bis auf einen kleinen Zipfel 1913 komplett aus Europa vertrieben. Dann ging es um die Aufteilung des eroberten Gebietes. Alle bekamen ein großes Stück vom Kuchen und alle waren damit unzufrieden. Gerade auf die Region, in der alle drei Länder aufeinanderstießen, hatten die Mitglieder des Balkanbundes ihr Auge geworfen: Makedonien.

Der Balkan nach dem Krieg. Makedonien ist grob gesagt die Region, in der Bulgarien, Serbien und Griechenland aufeinandertreffen. Klicken zum Vergrößern.

Die Serben sagten, die Mazedonier sind Slawen, also gehören sie zu uns. Die Griechen sagten, Makedonien ist eine griechische Region mit Griechen, die bloß kein Griechisch sprechen. Die Bulgaren sagten, die Mazedonier sprechen Bulgarisch, also sind sie Bulgaren. Recht hatten alle ein bisschen.

Es kam also, wie es kommen musste. Alle Seiten waren sich nicht ganz grün und es kam schon wieder zum Krieg. Nur dieses Mal nicht gegen die Osmanen, sondern gegen den ehemaligen Verbündeten. Besonders Bulgarien überschätzte seine Möglichkeiten arg und musste nach diesem kurzen Zweiten Balkankrieg am Meisten einstecken. Auf den Friedensverhandlungen verlor Bulgarien weite Teile Makedoniens an Serbien und Griechenland und darüber hinaus auch noch an Rumänien. Und sogar die Osmanen bekamen einen Teil wieder zurück.

Der Balkan nach dem Zweiten Balkankrieg. Bulgarien verliert jede Menge Gebiete. Klicken zum Vergrößern.

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Piefke, wa? Dienstag, Jul 5 2011 

– Herkunft einer Abfälligkeit

Bevor ich zum Thema komme, noch kurz etwas in eigener Sache: den englischen Stammbaum mache ich im Laufe der nächsten Woche fertig, das wird ganz, ganz großartig, wenn das funktioniert.

Aber nun zum Thema:

Wenn man sich südlich der Donau als Deutscher ausgibt, der aus den zivilisierten nördlichen Gefilden Mitteleuropas stammt, hat man – sofern man denn rummault oder sich anderweitig unbeliebt macht – schnell ein abfälliges „Piefke!“ aufgedrückt bekommen.

Warum verunglimpfen uns unsere südländischen Bergbewohner so? Wo kütt dat her, wie der Kölner zu fragen pflegt?

Im Jahre 1866 gab’s Krieg; Österreich hatte mit seinem Verbündeten Sachsen dem Königreich Preußen den Krieg erklärt, es ging um Schleswig und Holstein. Anfang Juli kam es zur Entscheidungsschlacht im böhmischen Königgrätz.

Auf dem Schlachtfeld selbst saß auf preußischer Seite ein Komponist, der noch während der Schlacht den Siegesmarsch für die preußischen Truppen komponiert haben soll. Er wurde zum Symbol für den immerkorrekten Preußen. Sein Name: Johann Gottfried Piefke.

Der Krieg aller Kriege VIII Samstag, Jun 18 2011 

– Der Westfälische Friede

Ab 1642 kamen die Gesandten aller am Krieg beteiligten Parteien an den Kongressorten zusammen, um endlich Frieden zu schließen. In Münster und Osnabrück sollte also der Krieg ein für allemal beendet werden. In Münster verhandelte der Kaiser mit den Franzosen, in Osnabrück der Kaiser mit Schweden. Ferdinand III. wollte verhindern, dass die Reichsfürsten und -städte selber Gesandte nach Westfalen schicken, was ihm aber nicht gelang. Schließlich musste er akzeptieren, dass nicht der Gesandte des Kaisers allein mit den auswärtigen Mächten verhandelt, sondern dass er die Fürsten des Reichs im Rücken hatte.

Der Friedenskongress war etwas bisher nie da gewesenes, noch nie hatten sich alle Kriegsparteien zusammengesetzt und versucht, Frieden zu schließen. Da verwundert’s nicht, dass es allereli Probleme mit dem Protokoll gab. Selbst solche Kleinigkeiten, wie die Anrede der Gesandten, war eine Herausforderung. Die Franzosen erkannten Ferdinand beispielsweise nicht als Kaiser an, weil ihrer Auffassung nach die Wahl Ferdinands nicht rechtens war – denn der Kurfürst von der Pfalz hatte ja nicht mitgestimmt; seine Kurwürde hatte Maximilian von Bayern – nach französischer Auffassung widerrechtlich – erhalten. Für die französischen Gesandten war Ferdinand nicht Kaiser, sondern bloß König von Ungarn, sodass die Botschafter Richelieus zunächst nur über Dritte mit den Gesandten des ungarischen Königs Kaisers redeten.

Aber wenigstens redete man überhaupt!

Eigentlich sollte sowohl in Osnabrück wie auch in Münster nicht direkt miteinander verhandelt werden, sondern über Mediatoren. In Münster übernahmen Botschafter aus Venedig und dem Vatikan die Leitung der Verhandlungen zwischen den Franzosen, den Reichsständen und dem Kaiser – denn es war ja konfessionell getrennt: in Münster das katholische Frankreich mit dem katholischen Kaiser hatte katholische Mediatoren. In Osnabrück sollte eigentlich das protestantische Dänemark diese Mediatorenrolle übernehmen, aber das protestantische Schweden weigerte sich, die dänischen Vertreter auch nur mit den Fußsohlen anzugucken. Schweden führte nämlich gerade Krieg gegen Dänemark. Es ging – mal wieder – um die Vorherrschaft im Ostseeraum. Also verhandelte man in Osnabrück ohne Mediator und direkt miteinander.

Währenddessen ging der Krieg unvermindert weiter. Osnabrück, Münster und die Verbindungsstraßen dazwischen waren neutral, dort durfte sich kein Soldat aufhalten. Alle Botschafter zögerten die Verhandlungen gerne heraus, weil sie hofften, dass das Kriegsglück sich noch wenden würde und man so eine bessere Ausgangsposition haben könnte und dementsprechend höhere Forderungen an den Feind stellen dürfte.

Was wollten die einzelnen Parteien überhaupt?

Fangen wir an mit Schweden. Schweden wollte vor allem einen ehrenvollen Frieden, bei dem Königin Christina nicht absolut blamiert darsteht. Der schwedische Reichskanzler Oxenstierna, dessen Sohn in Osnabrück die schwedische Delegation anführte, forderte finanzielle Entschädigung für die Armee und Gebiete in Norddeutschland. Besonders die Bistümer Bremen und Verden, Vorpommern und die Stadt Wismar wollte man gern haben.

Die Reichsfürsten, ob katholisch oder protestantisch, wollten vor allem den Ausgleich zwischen den Konfessionen und die Macht des Kaisers beschneiden, damit dieser nicht wieder so viel Unfug anstellen könne. Die Reichsstände wollten im Reich ein gehöriges Wort mitreden können.

Die Niederlande wollten ihre Unabhängigkeit festschreiben und von Spanien hochoffiziell anerkennen lassen.

Frankreich wollte um jeden Preis die Einklammerung von Habsburgern verhindern. Die Franzosen forderten, dass die Habsburger im Reich kein Bündnis mehr mit den Habsburgern in Spanien eingehen dürfen. Der Kaiser sollte den Reichsfürsten erlauben, sich wieder Bündnispartner im Ausland suchen zu dürfen (was durch den Prager Frieden ja verboten worden war). Damit wollten die Franzosen sich die Möglichkeit offen halten, notfalls eine antihabsburgische Allianz im Reich gründen zu können, damit man wenigstens den Kaiser beschäftigen könnte, falls es gegen die Spanier geht. Außerdem wollte Frankreich die Bistümer Verdun, Toul und Metz und den ganzen habsburgischen Besitz im Elsass haben, sowie die Vogtei (also die Rechtssprechung im weitesten Sinn) über zehn elsässische Reichsstädte. Die Gebiete hätte man gerne als Reichslehen bekommen, womit Frankreich mit Sitz und Stimme im Reichstag vertreten gewesen wäre und in der Reichspolitik ordentlich hätte mitmischen können.

Der Kaiser wollte nun unbedingt Frankreich aus dem Reich halten und das Reich nicht auseinanderfallen lassen. Vielen Forderungen musste er nachgeben.

Schweden erhielt genau das, was es auch gefordert hatte, nämlich Geld, Wismar, die Bistümer Bremen und Verden und Vorpommern samt Rügen und der Odermündung. Sie waren damit glücklich.

Die Niederlande bekamen ihre Unabhängigkeit von Spanien und schauten nun skeptisch nach Frankreich, das mit Spanien im Krieg war. Die Spanischen Niederlande (etwa das heutige Belgien) blieben bei Spanien und Frankreich hätte dieses Gebiet gerne gehabt und so eine direkte Grenze mit den nun unabhängigen Niederlanden gehabt. Doch den Holländern gefiel der inzwischen ziemlich schwache Pufferstaat zwischen ihnen und den übermächtigen Franzosen, weswegen man sich rasch mit Spanien einigen konnte. Im Windschatten der Niederlande schlüpften auch die Schweizer aus dem Reich hinaus und wurden unabhängig.

Frankreich war der größte Absahner auf dem Kongress. Verdun, Metz und Toul wurden französisch, den Sundgau (das liegt zwischen dem Elsass und der schweizerischen Grenze) habsburgischen Elsassbesitz auch und die Vogtei über die zehn Reichsstädte bekamen sie auch, sowie die rechtsrheinische Stadt Breisach bei Freiburg und die Festung Phillipsburg bei Speyer. Allerdings bekamen sie die Gebiete nicht als Reichslehen, sondern als souveräne Territorien, womit’s mit der Reichsstandschaft essig war. Der Kaiser und der spanische König mussten auf Bündnisse verzichten, was beide vernünftig akzeptierten.

Das Reich mit seinen Territorien und abgetretenen Gebieten. Schweden im Norden bekam seine Gebiete als Reichslehen und war – ebenso wie Dänemark – mit Sitz und Stimme auf dem Reichstag vertreten. Klicken für größere Karte.

Die Reichsstände durften dafür wieder Bündnisse eingehen, wie sie wollten, solange sie sich nicht gegen das Reich richteten. Und noch mehr! Das ständige Gerangel um die Konfession wurde endlich beigelegt. Als Normaljahr wurde 1624 festgelegt. Alle Klöster, die danach aufgelöst worden waren, mussten wieder hergestellt werden. Das galt für das ganze Reich, aber nicht für Böhmen. 1624 war für alle Beteiligten Annehmbar, denn es lag nach der Niederschlagung des Aufstands in Böhmen, aber vor dem Restitutionsedikt. Damit war der Grundsatz cuius regio, eius religio hinfällig, denn man hatte den Zustand von 1624 festgebacken und an dem durfte niemand mehr rütteln. Die Landesherren konnten nicht mehr einfach so nach gutdünken über die Religion ihrer Untertanen bestimmen. Die Calvinisten wurden endlich als protestantische Glaubensgemeinschaft offiziell anerkannt

Außerdem wurden alle Institutionen des Reiches paritätisch besetzt. Das bedeutet, dass überall genauso viele Protestanten wie Katholiken vorhanden sein mussten. In Reichsstädten wie Augsburg, wo Protestanten und Katholiken etwa gleich stark vertreten waren, wurde der Rat ebenso aufgeteilt.

Die Kurpfalz wurde wieder hergestellt! Aber Maximilan von Bayern weigerte sich, die pfälzische Kurwürde wieder rauszurücken, weswegen eine neue, eine achte Kurwürde eingerichtet wurde, die der Sohn des Winterkönigs, Karl Ludwig, bekam. Damit gab es nun acht Kurfürsten im Reich.

Insgesamt war der Westfälische Friede der Startschuss für das moderne Völkerrecht. Politikwissenschaftler sprechen von den internationalen Beziehungen zwischen Staaten heutzutage immer noch vom ‚Westphalian System‘, denn in Münster und Osnabrück sprachen zum ersten Mal Staaten auf Augenhöhe miteinander. Staaten, wie wir sie immer noch kennen.

Die Unterzeichnung des Friedens von Münster. Klicken für größeres Bild.

1648 war es also endlich geschafft, die Friedensschlüsse von Münster und Osnabrück wurden unterzeichnet. Im ganzen Reich war die Freude groß, überall läuteten die Kirchenglocken, als das Ende eines Krieges bekannt gegeben wurde, von dem viele schon gar nicht mehr glaubten, dass er überhaupt mal enden würde. Der Frieden sollte für die Ewigkeit halten (was 40 Jahre lang auch ganz gut klappte) nach diesen dreißig Jahren Krieg.

1648 endete das, was 1618 in Prag anfing und sich zum schlimmsten Krieg entwickelte, den man sich damals vorstellen konnte. Nach dreißig Jahren endete endlich für die Zeitgenossen der Krieg aller Kriege.

Der Krieg aller Kriege VII Donnerstag, Jun 9 2011 

– Der Prager Friede

Nach dem Tod des Schwedenkönigs übernahm der schwedische Reichskanzler Oxenstierna die Führung der Armee und versuchte, den Krieg für Schweden weiter günstig laufen zu lassen. Die Chancen standen nicht schlecht, denn mit Wallenstein fehlte der kaiserlichen Armee ihr fähigster Heerführer und nun musste sich der Kaiser mehr oder weniger auf die Liga stützen.

Allerdings lief es für die Schweden alles andere als gut, denn ihr Bündnis mit den protestantischen Fürsten begann zu bröckeln. Besonders bockig verhielt sich Sachsen, das im Bund die Führung der protestantischen Reichsstände beanspruchte, was den Schweden weniger lieb war; man wollte selber das Sagen haben. So kam es, dass die Verbündeten langsam entfremdeten. Das kaisertreue Sachsen näherte sich wieder an den Kaiser an, stieg aus dem Bündnis mit Schweden aus – und schloss mit dem Kaier Frieden! 1635 unterzeichneten der Kaiser und der Kurfürst von Sachsen den Frieden von Prag, dem alle anderen Fürsten des Reiches beitreten konnten (was im Laufe der Zeit auch fast alle taten).

Ziel und Hoffnung des Kaisers war es, alle Fürsten des Reichs, ob protestantisch oder katholisch, wieder zu einen und die schwedischen Truppen und die französischen Soldaten (die inzwischen auch Krieg führten, aber dazu gleich mehr) aus dem Reich zu drängen und so Frieden zu schaffen. Um die Bedingungen für alle betroffenen Fürsten akzeptabel zu machen, einigte man sich auf ein Normaljahr, nämlich 1627. Alle religiösen Änderungen in den Gebieten und alle Kirchengüter, die bis 1627 eingezogen wurden, durften so bestehen bleiben. Alles, was seit 1627 geändert wurde, musste wieder auf den stand von 1627 gebracht werden.

Diese Aussichten waren für die allermeisten Fürsten annehmbar und sie traten dem Frieden bei. Alle Truppen der Fürsten sollten zu einer einzigen Reichsarmee zusammen gelegt werden, die dann formal dem Kaiser unterstand. Und damit sich die Fürsten nicht bei der nächstbesten Gelegenheit wieder aus dem Bund mit dem Kaiser lösten und sich dem König von Frankreich oder Schweden um den Hals warfen, wurde allen Fürsten verboten, Bündnisse einzugehen. Weder mit ausländischen Mächten – womit Schwedens Bündnis zusamenfiel wie ein Kartenhaus – noch untereinander. Damit war auch die Katholische Liga Geschichte.

Allein geholfen hatte es wenig. Während man gegen die Schweden ein paar Erfolge feiern konnte, machten die Franzosen mehr Druck. Frankreich befand sich schon seit iniger Zeit mit Spanien im Krieg. In Paris fürchtete man, irgendwann von Habsburgern umzingelt zu sein: Spanien im Süden, im Osten das Reich und der Kaiser und im Norden die Spanischen Niederlande. Dass der Kaiser den Reichsfürsten verboten hatte, mit ausländischen Mächten Bündnisse zu schließen, traf Frankreich schwer, verschärfte da doch ihre Lage in der Habsburgklammer.

Der König von Frankreich hatte einen hervorragenden Staatsminister, nämlich Kardinal Richelieu. Richelieu wusste genau, was zu tun war: man musste Schweden davon abhalten, aus dem Krieg auszusteigen.

Kardinal Richelieu (links, rechts und mitte)

Dazu musste Schweden irgendwie in ein Bündnis mit Frankreich gebracht werden. Und da half das liebe Geld. Schweden war seit so ziemlich immer pleite und konnte sich nur durch Kontributionen aus den besetzten Gebieten über Wasser halten. Der Vormarsch der Reichstruppen verkleinerte das potentiell auspressbare Gebiet und damit die Möglichkeit, eine schlagkräftige Armee zu unterhalten. Frankreich lockte die Schweden also mit Geld in ein Bündnis.

Das protestantische Schweden im Bund mit dem katholischen Frankreich kämpfen gegen den katholischen König von Spanien, den katholischen Kaiser und seine katholischen und protestantischen Reichsfürsten – wir sehen, um Religion ging es schon lange nicht mehr.

Die Franzosen bekämpften besonders die Spanier, die über die sogenannte Spanische Straße in die Niederlande marschierten, um die abtrünnigen Holländer zu bekämpfen. Eigentlich hatte sich Spanien schon mit der Abspaltung der Niederlande abgefunden und war theoretisch auch bereit, deren Unabhängigkeit anzuerkennen. Was man aber in Madrid gar nicht gerne sah, waren die Kaperfahrten, die niederländische Schiffe in der Karibik durchführten. Im Zuge dessen verlor Spanien Schiffsladungen von Gold und Silber, die für ein ganzes Jahr hätten reichen müssen.

Die Spanische Straße. Orange und violett sind die Besitzungen der spanischen Habsburger, grün sind die Besitztümer des Kaisers.

Der Krieg hatte sich im Grunde festgefahren, keine Seite konnte seine Ansprüche allein durch Soldaten durchsetzen. Richelieu verlangte für Frankreich Gebiete im Elsass und Bündnisfreiheit für die Reichsfürsten, Oxenstierna verlangte für Schweden einen ehrenvollen Frieden, das bedeutet, Geld für den Unterhalt der Armee und Gebiete im Norden des Reiches, am liebsten an der Ostseeküste. Der Kaiser wollte unterdessen nur Einzelfrieden mit den Schweden und Franzosen schließen, keinen gemeinsamen, der alle drei Kriegsparteien umfasst.

1637 starb Kaiser Ferdinand II. und sein Sohn, Ferdinand III., folgte ihm auf den Thron. Geändert an der Situation hat es nichts.

Vier Jahre später schlossen die drei Parteien in Hamburg einen Vertrag, dass man bald Friedensverhandlungen einberufen sollte. Hier konnte sich Richelieu durchsetzen, der einen Friedenskongress für alle beteiligten Fürsten wollte, auch für die einzelnen Reichsfürsten, was der Kaiser den Fürsten aber verbieten wollte. Der Kongress sollte nach Konfessionen getrennt ablaufen und als Verhandlungsort wurden zwei Städte samt ihrer Verbindungsstraßen als neutrale Zone vereinbart, die nicht angegriffen werden durfte. An anderen Orten ging der Krieg weiter, als sei nichts gewesen.

Ab 1642 traf man sich zu Friedensverhandlungen in Westfalen. In Münster und in Osnabrück.

Der Krieg aller Kriege VI Samstag, Jun 4 2011 

– Der Schwedische Krieg

1630 landete eine gewaltigte Streitmacht in Norddeutschland: Schwedenkönig Gustav Adolf hatte mobil gemacht und mischte sich nun in den Krieg im Reich ein.

Gustav Adolf, König der Schweden und knapp bei Kasse

Die schwedische Armee krankte fast den gesamten Krieg über an dem gleichen Problem wie die kaiserlichen Truppen (wenn nicht gerade Wallenstein bezahlte): sie konnte nur schwerlich die eigenen Soldaten bezahlen.  Glücklicherweise gab es ja Frankreich und die Franzosen hassten nichts so sehr wie die mächtigen Habsburger. Die saßen mit dem Kaiser ja nicht nur an der Ostgrenze Frankreich, sondern ja auch noch in Spanien; die Franzosen waren quasi von Habsburgern umzingelt. Das tat ihnen recht missfallen und so ein Gustav Adolf, der sich anschickte, Krieg gegen die Habsburger zumindest im Reich zu führen, kam ihnen gerade recht. Also überwiesen sie regelmäßig Geld an die Schweden.

Aber genug davon, was machte Gustav Adolf nun eigentlich im Reich, warum ist er in Pommern gelandet? Zum einen war Schweden ein protestantisches Land und Gustav Adolf gefiel es gar nicht, dass der katholische Kaiser den Protestantismus im Norden des Reiches bedrohte. Und zum anderen gefiel es ihm noch weniger, dass die mächtigen Habsburger sich mit Mecklenburg ein Standbein an der Ostsee verschafften. Also war Krieg das Mittel der Wahrheit.

Und Gustav Adolf war unheimlich erfolgreich, schlug eine Schlacht nach der anderen und gewann Kampf um Kampf. Viele protestantische Reichsfürsten hießen den ‚Löwen aus Mitternacht‘ willkommen, bejubelten den Befreier. Viele von ihnen gingen ein Bündnis mit dem Schwedenkönig ein.

Nur das Kurfürstentum Sachsen hielt sich heraus. Sachsen wollte weder an der Seite des Schwedenkönigs kämpfen – weil der ja gegen den Kaiser kämpfte – und auch nicht an der Seite des Kaisers – der ja gerade den Katholizismus zu neuen Höhenflügen verhalf. Sachsen wollte sich als dritte Partei etablieren und formte zusammen mit anderen Reichsfürsten den Leipziger Bund – gerichtet gegen die Schweden und gegen den Kaiser und die Liga. Man hoffte, sich zwischen den beiden großen Kriegsparteien durchwurschteln zu können, quasi ein ausgleichendes Gegengewicht zu bilden. Dazu wurde kräftig aufgerüstet.

1631 belagerte Tilly, Heerführer der Liga und der kaiserlichen Truppen (der in Ungnade gefallene Wallenstein hatte sein Herzogtum Mecklenburg an die Schweden verloren und war auf sein Gut in Böhmen zurückgekehrt), die protestantische Stadt Magdeburg, die im Bündnis mit Schwedenwar. Und die Belagerung war erfolgreich, denn die Stadt wurde eingenommen und völlig verwüstet. Die Soldaten plünderten, was nicht niet- und nagelfest war, der Rest wurde angezündet oder sonstwie kaputt gemacht. An der Bevölkerung verübten die katholischen Truppen ein Massaker (20.000 Zivilisten sollen umgekommen sein).

Die Belagerung und Zerstörung Magdeburg schockierte alle Kriegsparteien, selbst Tilly und andere Beteiligte. Klicken, um das Bild zu vergrößern.

Die protestantische Seite schlachtete die Zerstörung Magdeburgs propagandistisch aus. Klicken, um das Bild zu vergrößern.

Die Zerstörung einer protestantischen Stadt gab vielen protestantischen Reichsfürsten einen guten Grund, sich auf die Seite Schwedens zu schlagen – wer konnte schon sagen, ob die katholischen Truppen nicht auch andere Städte ‚magdeburgisieren‘?

Auch der Leipziger Bund sah sich genötigt, weiter aufzurüsten. Der Kaier beobachtete das argwöhnisch, vor allem, weil Schweden versuchte, Sachsen auf die eigene Seite zu ziehen. Und ein militärisch hochgerüstetes Sachsen auf der Seite Gustav Adolfs wäre nun wirklich nicht das gewesen, was Kaiser Ferdinand II. gebraucht hätte. Also stellte er dem Kurfürsten ein Ultimatum. Er solle seine Rüstungsanstrengungen bleiben lassen oder die kaiserliche Armee rückt in das Land ein. Tilly marschierte schon richtung sächsischer Grenze – und Sachsen sah sich in arger Bedrängnis. Der Leipziger Bund scheiterte schließlich, weil der Kaiser das ehemals treue Kurfürstentum Sachsen geradewegs in die Arme der Schweden trieb. Schweden, zusammen mit vielen protestantischen Reichsständen und Sachsen, gegen den Kaiser!

1632 blieb dem Kaiser keine andere Wahl, händeringend suchte er eine Möglichkeit die drohende Katastrophe abzuwenden. Gustav Adolfs Armee walzte durch das Reich, der Schwedenkönig gewann die Kontrolle über weite Teile des Reiches – und fiel sogar in Bayern ein! Das Land wurde verwüstet, München von den schwedischen Truppen erobert und Gutsav Adolf nahm Anlauf auf Wien. Der Kaiser war in arger Bedrängnis. Mehr noch, viele Katholiken fürchteten (zu Unrecht allerdings), dass der Schwed‘ über die Alpen nach Rom marschieren könnte und den Katholizismus ein für alle mal auslöschen könnte!

In letzter Not entschied sich der Kaiser für einen unpopulären Schritt: er holte Wallenstein zurück. Der Heerführer wurde wieder zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen, stellte eine schlagkräftige Truppe auf und sollte sich dem Schwedenkönig stellen. Das erste Zusammentreffen der beiden Schlachtenlenker ereignete sich in Nürnberg. Dort brach Wallenstein Gustav Adolfs Nimbus der Unbesiegbarkeit. Und er setzte dem Schwedenkönig weiter zu.

Bei Lützen kam es nun 1632 zur entscheidenen Schlacht zwischen dem Schwedenkönig Gustav Adolf und Wallenstein.

Die Schlacht von Lützen auf einem Flugblatt. Klicken, um das Bild zu vergrößern.

Für den Kaiser und seinen Generalissmus Wallenstein lief der Krieg wie am Schnürchen, für die Schweden war die Schlacht von Lützen jedoch eine riesige Niederlage: Gustav Adolf fiel auf dem Schlachtfeld. Damit waren die Schweden nicht nur ihres Königs beraubt, sondern verloren auch einen brillianten Herrführer.

Der Tod Gustav Adolfs – erschossen aus nächster Nähe von einem kaiserlichen Söldner. Klicken zum Vergrößern.

Der Tod des Königs traf die Schweden schwer, denn die Thronfolgerin Christina war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal sechs Jahre alt. Vorübergehend übernahm der schwedische Kanzler Axel Oxenstierna die Amtsgeschäfte und den Oberbefehl über das schwedische Heer.

Beim Kaiser in Wien hätten nun die Korken knallen können. Doch wieder wurden Proteste der Reichsstände über Wallenstein laut, dessen militärischer Erfolg vielen Fürsten ein wenig unheimlich wurde. Vor allem Herzog Maximilian von Bayern, der Führer der Liga, kritisierte wieder diesen Emporkömmling Wallenstein, weil die Erfolge des Aufsteigers mit seiner kaiserlichen Armee wieder die Liga an den Rand drängten. Aber anders als beim ersten Mal waren die Proteste und Anschuldigungen deutlich schärfer. Man fürchtete, Wallenstein könnte zu mächtig werden oder könnte sich gegen den Kaiser wenden – immer wieder versuchte Wallenstein, mit den Schweden zu verhandeln, um die Kämpfe zu beenden. Der Generealissimus war in den Augen der Fürsten gefährlich – zu gefährlich. Der Kaiser ließ seinen Oberfehelshaber ein zweites Mal fallen wie eine heiße Kartoffel – und diesmal endgültig.

1634 wurde Wallenstein vom Kaiser wegen Verrats verurteilt. Einige ehemalige Offiziere Wallensteins schickten daraufhin ein paar Soldaten nach Eger in Böhmen, wo sich Wallenstein aufhielt, und ließen den ehemaligen Heerführer der kaiserlichen Armee auf Geheiß des Kaisers ermorden.

Die Mordnacht von Eger. Klicken für ein größeres Bild.

Gustav Adolf tot, Wallenstein tot. Das Kriegsbündnis der Schweden begann zu bröckeln.

Und ein erster Versuch zum Frieden wurde gemacht.

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