– Der Bau des Kölner Doms

Wer in einer Stadt lebt, die sich ein Großprojekt mit zwielichtiger Finanzierung baut, der weiß, dass sich so ein Bau ein paar Jährchen ziehen kann. Nicht anders verhält es sich mit dem Bau einer Kathedrale.

Zum Beispiel dem Dom zu Köln, dem wohl berühmtesten Sakralbau Deutschlands und nebenbei dem zweithöchsten (nach dem Ulmer Münster).

An der Stelle, an der heute der Kölner Dom steht, stand auch vor dem Kölner Dom ein Dom, doch dieser war zu klein für die Pilgermassen, die nach Köln und in den Dom kamen, um die Reliquien der Heiligen Drei Könige zu sehen (und zwar im Kölner Dom). Also beschloss man, einen neuen, größeren Dom im gotischen Stil zu bauen. Gotik, das bedeutet viele Spitzbögen, hohe, große Fenster und zahlreiche Verzierungen. 1248 begann man mit dem Bau.

Und man baute und baute. Gut hundert Jahre lang, immer ein Stückchen. Anfang des 15. Jahrhunderts erreichte der Südturm nach etwa  50-jähriger Bauzeit bereits die zweite Etage. Der Chor war bereits fertiggestellt; Messen konnten gehalten werden. Auch wenn die meisten Kirchgänger noch unter freiem Himmel saßen, weit hinter ihnen stand irgendwo der bisher zweistöckige Südturm.

Die Bauarbeiten wurden immer zäher und langsamer. Um 1500, also gut 250 nach Baubeginn, erfolgte die Grundsteinlegung des Nordturms. Das Geld für den Dombau wurde immer knapper; der Ablasshandel brachte nur noch wenig Geld ein, weil ein verrückter thüringischer Mönch dagegen protestierte. Da weniger Pilger in die Stadt kamen, gab’s von deren Seite auch immer weniger Geld für den Dombau. Um 1530 kam jener schließlich komplett zum erliegen.

Ein Stich aus der Zeit um 1820. Etwa so sah der Dom 300 Jahre lang aus.

Seit dem bestimmte der halbfertige Geisterdom das Bild der Stadt Köln. Wahrzeichen der Stadt war der Baukran auf dem Südturm.

So stand er da, der Dom. Und das gut dreihundert Jahre lang. 1814 wurde Köln und das gesamte Rheinland preußisch. Und die neuen Herren konnten den Anblick dieser halbfertigen Kirchenruine überhaupt nicht ertragen, also gab der preußische König Friedrich Wilhelm IV. den Startschuss zur Wiederaufnahme des Baus.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde wieder gebaut.

Fleißig ging’s voran; Mitte des 19. Jahrhunderts verschwand der Baukran, der bisher Wahrzeichen Kölns war, denn der Südturm konnte endlich fertiggestellt werden. Ebenso der Nordturm und der Rest des Doms. 1880 war es schleißlich so weit: nach 632 Jahren Bauzeit hatte Köln nun endlich seinen Dom. Gestern hatte der Dom Geburtstag; er wurde 130 (wenn man die sechshundert Jahre Bauzeit mal außen vor lässt)! Dafür alles Gute, Dom, und viel Glück für die nächsten 600 Jahre.

Der Kölner Dom heute. Mit Gerüst, natürlich.

Seit seiner Fertigstellung wird der Dom kontinuierlich restauriert, sodass das Baugerüst am Dom genauso zur Silhouette Kölns gehört wie damals der Baukran.

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