– Der Schwedische Krieg

1630 landete eine gewaltigte Streitmacht in Norddeutschland: Schwedenkönig Gustav Adolf hatte mobil gemacht und mischte sich nun in den Krieg im Reich ein.

Gustav Adolf, König der Schweden und knapp bei Kasse

Die schwedische Armee krankte fast den gesamten Krieg über an dem gleichen Problem wie die kaiserlichen Truppen (wenn nicht gerade Wallenstein bezahlte): sie konnte nur schwerlich die eigenen Soldaten bezahlen.  Glücklicherweise gab es ja Frankreich und die Franzosen hassten nichts so sehr wie die mächtigen Habsburger. Die saßen mit dem Kaiser ja nicht nur an der Ostgrenze Frankreich, sondern ja auch noch in Spanien; die Franzosen waren quasi von Habsburgern umzingelt. Das tat ihnen recht missfallen und so ein Gustav Adolf, der sich anschickte, Krieg gegen die Habsburger zumindest im Reich zu führen, kam ihnen gerade recht. Also überwiesen sie regelmäßig Geld an die Schweden.

Aber genug davon, was machte Gustav Adolf nun eigentlich im Reich, warum ist er in Pommern gelandet? Zum einen war Schweden ein protestantisches Land und Gustav Adolf gefiel es gar nicht, dass der katholische Kaiser den Protestantismus im Norden des Reiches bedrohte. Und zum anderen gefiel es ihm noch weniger, dass die mächtigen Habsburger sich mit Mecklenburg ein Standbein an der Ostsee verschafften. Also war Krieg das Mittel der Wahrheit.

Und Gustav Adolf war unheimlich erfolgreich, schlug eine Schlacht nach der anderen und gewann Kampf um Kampf. Viele protestantische Reichsfürsten hießen den ‚Löwen aus Mitternacht‘ willkommen, bejubelten den Befreier. Viele von ihnen gingen ein Bündnis mit dem Schwedenkönig ein.

Nur das Kurfürstentum Sachsen hielt sich heraus. Sachsen wollte weder an der Seite des Schwedenkönigs kämpfen – weil der ja gegen den Kaiser kämpfte – und auch nicht an der Seite des Kaisers – der ja gerade den Katholizismus zu neuen Höhenflügen verhalf. Sachsen wollte sich als dritte Partei etablieren und formte zusammen mit anderen Reichsfürsten den Leipziger Bund – gerichtet gegen die Schweden und gegen den Kaiser und die Liga. Man hoffte, sich zwischen den beiden großen Kriegsparteien durchwurschteln zu können, quasi ein ausgleichendes Gegengewicht zu bilden. Dazu wurde kräftig aufgerüstet.

1631 belagerte Tilly, Heerführer der Liga und der kaiserlichen Truppen (der in Ungnade gefallene Wallenstein hatte sein Herzogtum Mecklenburg an die Schweden verloren und war auf sein Gut in Böhmen zurückgekehrt), die protestantische Stadt Magdeburg, die im Bündnis mit Schwedenwar. Und die Belagerung war erfolgreich, denn die Stadt wurde eingenommen und völlig verwüstet. Die Soldaten plünderten, was nicht niet- und nagelfest war, der Rest wurde angezündet oder sonstwie kaputt gemacht. An der Bevölkerung verübten die katholischen Truppen ein Massaker (20.000 Zivilisten sollen umgekommen sein).

Die Belagerung und Zerstörung Magdeburg schockierte alle Kriegsparteien, selbst Tilly und andere Beteiligte. Klicken, um das Bild zu vergrößern.

Die protestantische Seite schlachtete die Zerstörung Magdeburgs propagandistisch aus. Klicken, um das Bild zu vergrößern.

Die Zerstörung einer protestantischen Stadt gab vielen protestantischen Reichsfürsten einen guten Grund, sich auf die Seite Schwedens zu schlagen – wer konnte schon sagen, ob die katholischen Truppen nicht auch andere Städte ‚magdeburgisieren‘?

Auch der Leipziger Bund sah sich genötigt, weiter aufzurüsten. Der Kaier beobachtete das argwöhnisch, vor allem, weil Schweden versuchte, Sachsen auf die eigene Seite zu ziehen. Und ein militärisch hochgerüstetes Sachsen auf der Seite Gustav Adolfs wäre nun wirklich nicht das gewesen, was Kaiser Ferdinand II. gebraucht hätte. Also stellte er dem Kurfürsten ein Ultimatum. Er solle seine Rüstungsanstrengungen bleiben lassen oder die kaiserliche Armee rückt in das Land ein. Tilly marschierte schon richtung sächsischer Grenze – und Sachsen sah sich in arger Bedrängnis. Der Leipziger Bund scheiterte schließlich, weil der Kaiser das ehemals treue Kurfürstentum Sachsen geradewegs in die Arme der Schweden trieb. Schweden, zusammen mit vielen protestantischen Reichsständen und Sachsen, gegen den Kaiser!

1632 blieb dem Kaiser keine andere Wahl, händeringend suchte er eine Möglichkeit die drohende Katastrophe abzuwenden. Gustav Adolfs Armee walzte durch das Reich, der Schwedenkönig gewann die Kontrolle über weite Teile des Reiches – und fiel sogar in Bayern ein! Das Land wurde verwüstet, München von den schwedischen Truppen erobert und Gutsav Adolf nahm Anlauf auf Wien. Der Kaiser war in arger Bedrängnis. Mehr noch, viele Katholiken fürchteten (zu Unrecht allerdings), dass der Schwed‘ über die Alpen nach Rom marschieren könnte und den Katholizismus ein für alle mal auslöschen könnte!

In letzter Not entschied sich der Kaiser für einen unpopulären Schritt: er holte Wallenstein zurück. Der Heerführer wurde wieder zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen, stellte eine schlagkräftige Truppe auf und sollte sich dem Schwedenkönig stellen. Das erste Zusammentreffen der beiden Schlachtenlenker ereignete sich in Nürnberg. Dort brach Wallenstein Gustav Adolfs Nimbus der Unbesiegbarkeit. Und er setzte dem Schwedenkönig weiter zu.

Bei Lützen kam es nun 1632 zur entscheidenen Schlacht zwischen dem Schwedenkönig Gustav Adolf und Wallenstein.

Die Schlacht von Lützen auf einem Flugblatt. Klicken, um das Bild zu vergrößern.

Für den Kaiser und seinen Generalissmus Wallenstein lief der Krieg wie am Schnürchen, für die Schweden war die Schlacht von Lützen jedoch eine riesige Niederlage: Gustav Adolf fiel auf dem Schlachtfeld. Damit waren die Schweden nicht nur ihres Königs beraubt, sondern verloren auch einen brillianten Herrführer.

Der Tod Gustav Adolfs – erschossen aus nächster Nähe von einem kaiserlichen Söldner. Klicken zum Vergrößern.

Der Tod des Königs traf die Schweden schwer, denn die Thronfolgerin Christina war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal sechs Jahre alt. Vorübergehend übernahm der schwedische Kanzler Axel Oxenstierna die Amtsgeschäfte und den Oberbefehl über das schwedische Heer.

Beim Kaiser in Wien hätten nun die Korken knallen können. Doch wieder wurden Proteste der Reichsstände über Wallenstein laut, dessen militärischer Erfolg vielen Fürsten ein wenig unheimlich wurde. Vor allem Herzog Maximilian von Bayern, der Führer der Liga, kritisierte wieder diesen Emporkömmling Wallenstein, weil die Erfolge des Aufsteigers mit seiner kaiserlichen Armee wieder die Liga an den Rand drängten. Aber anders als beim ersten Mal waren die Proteste und Anschuldigungen deutlich schärfer. Man fürchtete, Wallenstein könnte zu mächtig werden oder könnte sich gegen den Kaiser wenden – immer wieder versuchte Wallenstein, mit den Schweden zu verhandeln, um die Kämpfe zu beenden. Der Generealissimus war in den Augen der Fürsten gefährlich – zu gefährlich. Der Kaiser ließ seinen Oberfehelshaber ein zweites Mal fallen wie eine heiße Kartoffel – und diesmal endgültig.

1634 wurde Wallenstein vom Kaiser wegen Verrats verurteilt. Einige ehemalige Offiziere Wallensteins schickten daraufhin ein paar Soldaten nach Eger in Böhmen, wo sich Wallenstein aufhielt, und ließen den ehemaligen Heerführer der kaiserlichen Armee auf Geheiß des Kaisers ermorden.

Die Mordnacht von Eger. Klicken für ein größeres Bild.

Gustav Adolf tot, Wallenstein tot. Das Kriegsbündnis der Schweden begann zu bröckeln.

Und ein erster Versuch zum Frieden wurde gemacht.

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