– Der Prager Friede

Nach dem Tod des Schwedenkönigs übernahm der schwedische Reichskanzler Oxenstierna die Führung der Armee und versuchte, den Krieg für Schweden weiter günstig laufen zu lassen. Die Chancen standen nicht schlecht, denn mit Wallenstein fehlte der kaiserlichen Armee ihr fähigster Heerführer und nun musste sich der Kaiser mehr oder weniger auf die Liga stützen.

Allerdings lief es für die Schweden alles andere als gut, denn ihr Bündnis mit den protestantischen Fürsten begann zu bröckeln. Besonders bockig verhielt sich Sachsen, das im Bund die Führung der protestantischen Reichsstände beanspruchte, was den Schweden weniger lieb war; man wollte selber das Sagen haben. So kam es, dass die Verbündeten langsam entfremdeten. Das kaisertreue Sachsen näherte sich wieder an den Kaiser an, stieg aus dem Bündnis mit Schweden aus – und schloss mit dem Kaier Frieden! 1635 unterzeichneten der Kaiser und der Kurfürst von Sachsen den Frieden von Prag, dem alle anderen Fürsten des Reiches beitreten konnten (was im Laufe der Zeit auch fast alle taten).

Ziel und Hoffnung des Kaisers war es, alle Fürsten des Reichs, ob protestantisch oder katholisch, wieder zu einen und die schwedischen Truppen und die französischen Soldaten (die inzwischen auch Krieg führten, aber dazu gleich mehr) aus dem Reich zu drängen und so Frieden zu schaffen. Um die Bedingungen für alle betroffenen Fürsten akzeptabel zu machen, einigte man sich auf ein Normaljahr, nämlich 1627. Alle religiösen Änderungen in den Gebieten und alle Kirchengüter, die bis 1627 eingezogen wurden, durften so bestehen bleiben. Alles, was seit 1627 geändert wurde, musste wieder auf den stand von 1627 gebracht werden.

Diese Aussichten waren für die allermeisten Fürsten annehmbar und sie traten dem Frieden bei. Alle Truppen der Fürsten sollten zu einer einzigen Reichsarmee zusammen gelegt werden, die dann formal dem Kaiser unterstand. Und damit sich die Fürsten nicht bei der nächstbesten Gelegenheit wieder aus dem Bund mit dem Kaiser lösten und sich dem König von Frankreich oder Schweden um den Hals warfen, wurde allen Fürsten verboten, Bündnisse einzugehen. Weder mit ausländischen Mächten – womit Schwedens Bündnis zusamenfiel wie ein Kartenhaus – noch untereinander. Damit war auch die Katholische Liga Geschichte.

Allein geholfen hatte es wenig. Während man gegen die Schweden ein paar Erfolge feiern konnte, machten die Franzosen mehr Druck. Frankreich befand sich schon seit iniger Zeit mit Spanien im Krieg. In Paris fürchtete man, irgendwann von Habsburgern umzingelt zu sein: Spanien im Süden, im Osten das Reich und der Kaiser und im Norden die Spanischen Niederlande. Dass der Kaiser den Reichsfürsten verboten hatte, mit ausländischen Mächten Bündnisse zu schließen, traf Frankreich schwer, verschärfte da doch ihre Lage in der Habsburgklammer.

Der König von Frankreich hatte einen hervorragenden Staatsminister, nämlich Kardinal Richelieu. Richelieu wusste genau, was zu tun war: man musste Schweden davon abhalten, aus dem Krieg auszusteigen.

Kardinal Richelieu (links, rechts und mitte)

Dazu musste Schweden irgendwie in ein Bündnis mit Frankreich gebracht werden. Und da half das liebe Geld. Schweden war seit so ziemlich immer pleite und konnte sich nur durch Kontributionen aus den besetzten Gebieten über Wasser halten. Der Vormarsch der Reichstruppen verkleinerte das potentiell auspressbare Gebiet und damit die Möglichkeit, eine schlagkräftige Armee zu unterhalten. Frankreich lockte die Schweden also mit Geld in ein Bündnis.

Das protestantische Schweden im Bund mit dem katholischen Frankreich kämpfen gegen den katholischen König von Spanien, den katholischen Kaiser und seine katholischen und protestantischen Reichsfürsten – wir sehen, um Religion ging es schon lange nicht mehr.

Die Franzosen bekämpften besonders die Spanier, die über die sogenannte Spanische Straße in die Niederlande marschierten, um die abtrünnigen Holländer zu bekämpfen. Eigentlich hatte sich Spanien schon mit der Abspaltung der Niederlande abgefunden und war theoretisch auch bereit, deren Unabhängigkeit anzuerkennen. Was man aber in Madrid gar nicht gerne sah, waren die Kaperfahrten, die niederländische Schiffe in der Karibik durchführten. Im Zuge dessen verlor Spanien Schiffsladungen von Gold und Silber, die für ein ganzes Jahr hätten reichen müssen.

Die Spanische Straße. Orange und violett sind die Besitzungen der spanischen Habsburger, grün sind die Besitztümer des Kaisers.

Der Krieg hatte sich im Grunde festgefahren, keine Seite konnte seine Ansprüche allein durch Soldaten durchsetzen. Richelieu verlangte für Frankreich Gebiete im Elsass und Bündnisfreiheit für die Reichsfürsten, Oxenstierna verlangte für Schweden einen ehrenvollen Frieden, das bedeutet, Geld für den Unterhalt der Armee und Gebiete im Norden des Reiches, am liebsten an der Ostseeküste. Der Kaiser wollte unterdessen nur Einzelfrieden mit den Schweden und Franzosen schließen, keinen gemeinsamen, der alle drei Kriegsparteien umfasst.

1637 starb Kaiser Ferdinand II. und sein Sohn, Ferdinand III., folgte ihm auf den Thron. Geändert an der Situation hat es nichts.

Vier Jahre später schlossen die drei Parteien in Hamburg einen Vertrag, dass man bald Friedensverhandlungen einberufen sollte. Hier konnte sich Richelieu durchsetzen, der einen Friedenskongress für alle beteiligten Fürsten wollte, auch für die einzelnen Reichsfürsten, was der Kaiser den Fürsten aber verbieten wollte. Der Kongress sollte nach Konfessionen getrennt ablaufen und als Verhandlungsort wurden zwei Städte samt ihrer Verbindungsstraßen als neutrale Zone vereinbart, die nicht angegriffen werden durfte. An anderen Orten ging der Krieg weiter, als sei nichts gewesen.

Ab 1642 traf man sich zu Friedensverhandlungen in Westfalen. In Münster und in Osnabrück.

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