– Der Westfälische Friede

Ab 1642 kamen die Gesandten aller am Krieg beteiligten Parteien an den Kongressorten zusammen, um endlich Frieden zu schließen. In Münster und Osnabrück sollte also der Krieg ein für allemal beendet werden. In Münster verhandelte der Kaiser mit den Franzosen, in Osnabrück der Kaiser mit Schweden. Ferdinand III. wollte verhindern, dass die Reichsfürsten und -städte selber Gesandte nach Westfalen schicken, was ihm aber nicht gelang. Schließlich musste er akzeptieren, dass nicht der Gesandte des Kaisers allein mit den auswärtigen Mächten verhandelt, sondern dass er die Fürsten des Reichs im Rücken hatte.

Der Friedenskongress war etwas bisher nie da gewesenes, noch nie hatten sich alle Kriegsparteien zusammengesetzt und versucht, Frieden zu schließen. Da verwundert’s nicht, dass es allereli Probleme mit dem Protokoll gab. Selbst solche Kleinigkeiten, wie die Anrede der Gesandten, war eine Herausforderung. Die Franzosen erkannten Ferdinand beispielsweise nicht als Kaiser an, weil ihrer Auffassung nach die Wahl Ferdinands nicht rechtens war – denn der Kurfürst von der Pfalz hatte ja nicht mitgestimmt; seine Kurwürde hatte Maximilian von Bayern – nach französischer Auffassung widerrechtlich – erhalten. Für die französischen Gesandten war Ferdinand nicht Kaiser, sondern bloß König von Ungarn, sodass die Botschafter Richelieus zunächst nur über Dritte mit den Gesandten des ungarischen Königs Kaisers redeten.

Aber wenigstens redete man überhaupt!

Eigentlich sollte sowohl in Osnabrück wie auch in Münster nicht direkt miteinander verhandelt werden, sondern über Mediatoren. In Münster übernahmen Botschafter aus Venedig und dem Vatikan die Leitung der Verhandlungen zwischen den Franzosen, den Reichsständen und dem Kaiser – denn es war ja konfessionell getrennt: in Münster das katholische Frankreich mit dem katholischen Kaiser hatte katholische Mediatoren. In Osnabrück sollte eigentlich das protestantische Dänemark diese Mediatorenrolle übernehmen, aber das protestantische Schweden weigerte sich, die dänischen Vertreter auch nur mit den Fußsohlen anzugucken. Schweden führte nämlich gerade Krieg gegen Dänemark. Es ging – mal wieder – um die Vorherrschaft im Ostseeraum. Also verhandelte man in Osnabrück ohne Mediator und direkt miteinander.

Währenddessen ging der Krieg unvermindert weiter. Osnabrück, Münster und die Verbindungsstraßen dazwischen waren neutral, dort durfte sich kein Soldat aufhalten. Alle Botschafter zögerten die Verhandlungen gerne heraus, weil sie hofften, dass das Kriegsglück sich noch wenden würde und man so eine bessere Ausgangsposition haben könnte und dementsprechend höhere Forderungen an den Feind stellen dürfte.

Was wollten die einzelnen Parteien überhaupt?

Fangen wir an mit Schweden. Schweden wollte vor allem einen ehrenvollen Frieden, bei dem Königin Christina nicht absolut blamiert darsteht. Der schwedische Reichskanzler Oxenstierna, dessen Sohn in Osnabrück die schwedische Delegation anführte, forderte finanzielle Entschädigung für die Armee und Gebiete in Norddeutschland. Besonders die Bistümer Bremen und Verden, Vorpommern und die Stadt Wismar wollte man gern haben.

Die Reichsfürsten, ob katholisch oder protestantisch, wollten vor allem den Ausgleich zwischen den Konfessionen und die Macht des Kaisers beschneiden, damit dieser nicht wieder so viel Unfug anstellen könne. Die Reichsstände wollten im Reich ein gehöriges Wort mitreden können.

Die Niederlande wollten ihre Unabhängigkeit festschreiben und von Spanien hochoffiziell anerkennen lassen.

Frankreich wollte um jeden Preis die Einklammerung von Habsburgern verhindern. Die Franzosen forderten, dass die Habsburger im Reich kein Bündnis mehr mit den Habsburgern in Spanien eingehen dürfen. Der Kaiser sollte den Reichsfürsten erlauben, sich wieder Bündnispartner im Ausland suchen zu dürfen (was durch den Prager Frieden ja verboten worden war). Damit wollten die Franzosen sich die Möglichkeit offen halten, notfalls eine antihabsburgische Allianz im Reich gründen zu können, damit man wenigstens den Kaiser beschäftigen könnte, falls es gegen die Spanier geht. Außerdem wollte Frankreich die Bistümer Verdun, Toul und Metz und den ganzen habsburgischen Besitz im Elsass haben, sowie die Vogtei (also die Rechtssprechung im weitesten Sinn) über zehn elsässische Reichsstädte. Die Gebiete hätte man gerne als Reichslehen bekommen, womit Frankreich mit Sitz und Stimme im Reichstag vertreten gewesen wäre und in der Reichspolitik ordentlich hätte mitmischen können.

Der Kaiser wollte nun unbedingt Frankreich aus dem Reich halten und das Reich nicht auseinanderfallen lassen. Vielen Forderungen musste er nachgeben.

Schweden erhielt genau das, was es auch gefordert hatte, nämlich Geld, Wismar, die Bistümer Bremen und Verden und Vorpommern samt Rügen und der Odermündung. Sie waren damit glücklich.

Die Niederlande bekamen ihre Unabhängigkeit von Spanien und schauten nun skeptisch nach Frankreich, das mit Spanien im Krieg war. Die Spanischen Niederlande (etwa das heutige Belgien) blieben bei Spanien und Frankreich hätte dieses Gebiet gerne gehabt und so eine direkte Grenze mit den nun unabhängigen Niederlanden gehabt. Doch den Holländern gefiel der inzwischen ziemlich schwache Pufferstaat zwischen ihnen und den übermächtigen Franzosen, weswegen man sich rasch mit Spanien einigen konnte. Im Windschatten der Niederlande schlüpften auch die Schweizer aus dem Reich hinaus und wurden unabhängig.

Frankreich war der größte Absahner auf dem Kongress. Verdun, Metz und Toul wurden französisch, den Sundgau (das liegt zwischen dem Elsass und der schweizerischen Grenze) habsburgischen Elsassbesitz auch und die Vogtei über die zehn Reichsstädte bekamen sie auch, sowie die rechtsrheinische Stadt Breisach bei Freiburg und die Festung Phillipsburg bei Speyer. Allerdings bekamen sie die Gebiete nicht als Reichslehen, sondern als souveräne Territorien, womit’s mit der Reichsstandschaft essig war. Der Kaiser und der spanische König mussten auf Bündnisse verzichten, was beide vernünftig akzeptierten.

Das Reich mit seinen Territorien und abgetretenen Gebieten. Schweden im Norden bekam seine Gebiete als Reichslehen und war – ebenso wie Dänemark – mit Sitz und Stimme auf dem Reichstag vertreten. Klicken für größere Karte.

Die Reichsstände durften dafür wieder Bündnisse eingehen, wie sie wollten, solange sie sich nicht gegen das Reich richteten. Und noch mehr! Das ständige Gerangel um die Konfession wurde endlich beigelegt. Als Normaljahr wurde 1624 festgelegt. Alle Klöster, die danach aufgelöst worden waren, mussten wieder hergestellt werden. Das galt für das ganze Reich, aber nicht für Böhmen. 1624 war für alle Beteiligten Annehmbar, denn es lag nach der Niederschlagung des Aufstands in Böhmen, aber vor dem Restitutionsedikt. Damit war der Grundsatz cuius regio, eius religio hinfällig, denn man hatte den Zustand von 1624 festgebacken und an dem durfte niemand mehr rütteln. Die Landesherren konnten nicht mehr einfach so nach gutdünken über die Religion ihrer Untertanen bestimmen. Die Calvinisten wurden endlich als protestantische Glaubensgemeinschaft offiziell anerkannt

Außerdem wurden alle Institutionen des Reiches paritätisch besetzt. Das bedeutet, dass überall genauso viele Protestanten wie Katholiken vorhanden sein mussten. In Reichsstädten wie Augsburg, wo Protestanten und Katholiken etwa gleich stark vertreten waren, wurde der Rat ebenso aufgeteilt.

Die Kurpfalz wurde wieder hergestellt! Aber Maximilan von Bayern weigerte sich, die pfälzische Kurwürde wieder rauszurücken, weswegen eine neue, eine achte Kurwürde eingerichtet wurde, die der Sohn des Winterkönigs, Karl Ludwig, bekam. Damit gab es nun acht Kurfürsten im Reich.

Insgesamt war der Westfälische Friede der Startschuss für das moderne Völkerrecht. Politikwissenschaftler sprechen von den internationalen Beziehungen zwischen Staaten heutzutage immer noch vom ‚Westphalian System‘, denn in Münster und Osnabrück sprachen zum ersten Mal Staaten auf Augenhöhe miteinander. Staaten, wie wir sie immer noch kennen.

Die Unterzeichnung des Friedens von Münster. Klicken für größeres Bild.

1648 war es also endlich geschafft, die Friedensschlüsse von Münster und Osnabrück wurden unterzeichnet. Im ganzen Reich war die Freude groß, überall läuteten die Kirchenglocken, als das Ende eines Krieges bekannt gegeben wurde, von dem viele schon gar nicht mehr glaubten, dass er überhaupt mal enden würde. Der Frieden sollte für die Ewigkeit halten (was 40 Jahre lang auch ganz gut klappte) nach diesen dreißig Jahren Krieg.

1648 endete das, was 1618 in Prag anfing und sich zum schlimmsten Krieg entwickelte, den man sich damals vorstellen konnte. Nach dreißig Jahren endete endlich für die Zeitgenossen der Krieg aller Kriege.

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