Die Kopie zurückfordern Montag, Jan 24 2011 

– Die Büste der Nofretete

Wahrscheinlich wurde kein anderes Land hinsichtlich seiner antiken Schätze so leergeräumt wie Ägypten. Tonnenweise hatte man versucht, altägyptische Kulturgüter an der ägyptischen Altertumsbehörde vorbeizuschleusen, um sie nach Europa zu schaffen. Seitdem füllen diese Kostbarkeiten Museen aller Welt. Im Neuen Museum Berlin steht die Büste der Nofretete, ein besonders tolles Stück. Das finde nicht nur ich so, sondern auch das ägyptische Kulturministerium und das hat nun offiziell die Büste der Nofretete zurückgefordert. Als ich das gelesen habe, ist mir die kleine Anekdote eingefallen, von der ich allerdings nicht weiß, ob sie stimmt oder nicht, aber interessant ist sie allemal. Im Neuen Museum könnte nämlich gar nicht die echte Nofretete stehen.

Nofretete - hübsch, nicht wahr? Dafür, dass sie gut dreitausend Jahre alt ist.

Dazu geht’s ein paar Jahre in der Zeit zurück, in die vierziger Jahre des vorigen Jahrhunderts. Deutschland ist seit gut dreißig Jahren im Besitz der Nofretete und führt gerade Krieg, auch gegen Großbritannien. Die Briten sitzen in Ägypten und werden von den Ägyptern nicht gerade geliebt. Diesen Umstand würde Hitler gerne nutzen und die Ägypter gegen die Briten aufhetzen, damit sie ihm im Kampf um Nordafrika unterstützen. Um die Ägypter auf seine Seite zu ziehen, sollen sie ein Geschenk erhalten, dessen Wert sie davon überzeugen soll, gegen die Royal Army zu kämpfen. Und das Präsent soll die Büste der Nofretete sein.

Beziehungsweise nicht, denn Hitler findet, dass es schade um die schöne Büste wäre, sie den Ägyptern zu überlassen. Deswegen habe er eine Kopie anfertigen, die in jeglicher Hinsicht kaum vom Original zu unterscheiden sei – und die Ägypter zufrieden stellen sollte.

So weit kam es aber nie; der Krieg ging verloren und es herrschte bezüglich der Kunstgegenstände ein Riesenchaos, weil auch alles das, was die Nationalsozialisten im Krieg zusammengeraubt hatten, wieder an seinen Ursprungsort zurück sollte. In diesem Tohuwabohu fand sich auch eine Kiste mit Pharaoninnenbüste. Preisfrage nun: steht in Berlin die echte Nofretete oder die Kopie? Vor ein paar Jahren durchleuchteten Wissenschaftler die Büste und untersuchten die einzelnen Schichten und kamen zu dem Ergebnis, dass man heute auf der Museumsinsel wohl die echte Büste der Nofretete sehen kann.

Womöglich, vielleicht.

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Der Kampf gegen die Ungläubigen Mittwoch, Aug 25 2010 

– Die Kreuzzüge

Seit gut 400 Jahren wurde das Heilige Land von den Arabern beherrscht. Das war bisher auch kein allzu großes Problem, konnten Christen doch ungestört ihre Religion ausüben. Doch Horrorgeschichten der Byzantiner machten die Runde, nach denen die Christen unter den Moslems zu leiden hätten.

1095 trat Papst Urban II. im französischen Clermont vor tausenden Christen auf und lieferte unter Tränen eine hochdramatische Rede über die Lage der unterdrückten Christen im Heiligen Land ab. Dabei begründet er das Motto der Kreuzzüge:

Deus lo vult!

Gott will es! So riefen es Adlige aus Frankreich und Italien aus und rüsteten zum ersten Kreuzzug ins Heilige Land, um die heiligen Stätten von den Ungläubigen zu befreien und den Pilgern freien Zugang zu verschaffen. Weder der französische König, noch Kaiser Heinrich IV. nahmen am Kreuzzug teil; beide waren zur Zeit exkommuniziert.

1099 war das Ziel der Kreuzritter erreicht. Jerusalem war erobert, die Heiligen Stätten befreit. Jetzt konnte man nicht einfach abziehen und Jerusalem wieder den Moslems überlassen. Also gründete man die sogenannten Kreuzfahrerstaaten:

  • Das Königreich Jerusalem
  • Das Fürstentum Antiocha
  • Die Grafschaft Tripolis und
  • Die Grafschaft Edessa

Diese vier Staaten hatten die Aufgabe, das Heilige Land zu verteidigen. Aber wie das so ist mit christlichen Staaten, kaum war die Bedrohung von außen weg, begannen die Staaten, sich gegenseitig das Leben mies zu machen.

Die vier Kreuzfahrerstaaten, das Byzantinische Reich, die Rum-Seldschuken, Damaskus und Ägypten. Die Assassinen waren im Grunde eine Bande von mittelalterlichen Profikillern.

Da die Kreuzfahrerstaaten die meiste Zeit mit sich selbst beschäftigt waren, war es nur eine Frage der Zeit, bis einer von ihnen das Zeitliche segntete. 1144 fiel Edessa, was die Christenheit Europas zum Anlass nahm, einen zweiten Kreuzzug auszurufen. Papst Eugen III. verkündete ihn, der Abt Bernhard von Clairvaux rührte die Werbetrommel. Und konnte neben Flandern, Italienern und Engländern auch den französischen König Ludwig VII. für die Sache gewinnen. Ludwig erhielt den Oberbefehl über den Kreuzzug. Nach einigem Knatsch gab auch der deutsche König Konrad III. (Kaiser war er zu dem Zeitpunkt noch nicht) nach und verkündete seine Teilnahme.

Die Route des zweiten Kreuzzugs

Der Beginn wurde für das Jahr 1147 festgelegt. Und damit begann die Zeit des Versagens für die Kreuzfahrer, denn nur zwei Jahre später endete der Kreuzzug absolut ergebnislos. Denn Misstrauen durchzog die Kreuzfahrer untereinander und den byzantinischen Kaiser, sodass die Belagerung von Damaskus abgebrochen werden musste und das gute Verhältnis zwischen Damaskus und dem Königreich Jerusalem völlig zertrümmert war.

In den folgenden Jahren schmolz der Kreuzfahrerbesitz im Nahen Osten zusammen. Im Jahre 1187 eroberte Sultan Saladin Jerusalem.

Das Herrschaftsgebiet der einzelnen Parteien 1190. Nicht mehr da: Kreuzfahrerstaaten

Die Eroberung Jerusalems war der Anlass für Kreuzzug nummer drei. Die drei wohl mächtigsten Monarchen Europas nahmen persönlich daran teil: Richard I. Löwenherz, König von England, Philip II., König von Frankreich und Friedrich I. Barbarossa, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.

Richard Löwenherz

Philip II. (rechts), hier mit einem päpstlichen Gesandten. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, wie scheiße ich mittelalterliche Kunst finde. Nämlich sehr.

Kaiser Barbarossa. Er erhielt den Namen wegen seines roten Bartes.

Barbarossa stellte das größte Kreuzfahrerheer der Geschichte; mit 100.000 Mann zog der Kaiser über Kleinasien in Richtung Heiliges Land. In anfänglichen Scharmützeln ging das Reichsheer erfolgreich hervor, der Kreuzzug verlief bisher vielversprechend. Doch im Frühsommer 1190 gelangen der Kaiser und seine mächtige Streitmacht an den Fluss Saleph in Kleinasien. Von der flimmernden Hitze erschöpft, hüpfte der Kaiser in den Fluss, um sich abzukühlen. Barbarossa erlitt einen Herzinfarkt, wurde vom Gewicht seiner Rüstung unter Wasser gezogen und ertrank.

Das nun führerlose Heer löste sich auf, ein paar gingen unverrichteter Dinge nach Hause, andere schlossen sich den anderen Kreuzfahrern an und wieder andere versuchten sich, allein nach Jerusalem durchzuschlagen. Der Versuch, den Leichnahm des Kaisers zu pökeln und ihn in einem Fass nach Jerusalem zu bringen, scheitere an den mangelhaften Mumifizierungskenntnissen der Kreuzfahrer.

Die Unternehmungen des französischen und des englischen Königs waren ebensowenig erfolgreich; Jerusalem blieb im Besitz Saladins. Immerhin, das Königreich Jerusalem konnte wiedergegründet werden, mit Akkon als Hauptstadt. Auch die übrigen Kreuzfahrerstaaten konnten vor der völligen Vernichtung bewahrt werden.

1202 wurde der vierte Kreuzzug ausgerufen, an dem vor allem französische Adlige und Venezianer teilnahmen; Venedig finanzierte und organisierte das ganze Unternehmen. Nicht ganz selbstlos, denn obwohl der Kreuzzug angesetzt war, um Ägypten zu erobern, lenkte Venedig das Kreuzfahrer um – 1204 wurde Konstantinopel erobert und damit ein großer Konkurrent im Mittelmeerhandel ausgeschaltet.

Der fünfte Kreuzzug wurde 1213 ausgerufen und hatte die Rückeroberung Jerusalems als Ziel. 1238 brach Kaiser Friedrich II. ins Heilige Land auf. Der Kaiser war ein hochgebildeter Mann, der Arabisch fließend spach. Bei seiner Ankunft nahm er sofort Kontakt mit den muslimischen Herrschern auf und konnte sogar eine Herausgabe Jerusalems heraushandeln. In Jerusalem setzte er sich selbst die Krone des Königreiches Jerusalem auf.

Kaiser Friedrich II. (links) und Sultan al-Kamil

Damit brachte er den Papst zum schäumen, denn Friedrich II. war exkommuniziert und somit gar nicht berechtigt, an einem Kreuzzug teilzunehmen. Den anderen Kreuzfahrern war es außerdem ein Dorn im Auge, dass der Kaiser fast ausschließlich seine eigenen Truppen im Kampf einsetzte und alle anderen Truppen links liegen ließ. Außerdem kämpfte Friedrich 2 nicht, sondern verhandelte lieber und sah die Ungläubigen als gleichberechtigt an. Das machte seinen Vertrag bei allen anderen Christen außerordentlich unbeliebt.

Der sechste Kreuzzug von 1248 war eine einzige Katastrophe; der einzige Herrscher Europas, der teilnehmen konnte, war der französische König Ludwig der Heilige. Das Ziel war Ägypten, um die Kreuzfahrerstaaten zu entlasten. Schlachten gingen verloren, Hunger, Durst und Krankheiten schwächten das Kreuzfahrerheer weiter und bedeutende Befehlshaber kamen ums Leben. Nach zwei Jahren ergebnislosem Gehacke kehrte Ludwig schließlich wieder nach Frankreich zurück, als er vom Tod seiner Mutter erfuhr.

Der siebte und letzte Kreuzzug wurde halbherzig begonnen und ebenso halbherzig geführt. Angeführt wurde er wieder von Ludwig dem Heiligen, dem französischen König. Das Ziel war zunächst Tunis, damit ein Stützpunkt vorhanden war, von dem man aus weitere Angriffe auf Ägypten durchführen konnte, um die Kreuzfahrerstaaten zu entlasten. Doch so weit kam es nicht, denn Krankheitswellen schwächten das Kreuzfahrerheer, das gerade Tunis belagerte. König Ludwig erkrankte während der Belagerung an Durchfall und starb daran. 27 Jahre später wurde er dafür vom Papst heilig gesprochen. Völlig ergebnislos wurde der Kreuzzug abgebrochen – halt, nein! Ein Ergebnis gab es; 1291 wurden die letzten Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land vertrieben.

Ein Versuch, einen neuen Kreuzzug auszurufen, scheiterte am höflichen Desinteresse der europäischen Monarchen. Damit war die Zeit der Kreuzzüge ins Heilige Land ein für alle mal vorbei, diese schmachvolle Geschichte des Scheiterns.

Die Sieben Weltwunder III Donnerstag, Mai 27 2010 

– Die Pyramiden von Gizeh

Heute – nach langer Abstinenz meinerseits – gibt’s das dritte und wohl bekannteste Weltwunder: Die Pyramiden von Gizeh. Jedes Kind kennt sie und sind wohl das erste, was einem in den Sinn kommt wenn jemand „Ägypten!“ ruft. Pyramiden. Riesige Dreiecke aus Stein.

Gebaut wurden die Pyramiden vor etwa 4500 Jahren, also ca. 2500 vor Christus. Sie dienten, und das ist ja allgemein bekannt, als Grabstätte der Pharaonen. Ein Pharao baute noch zu Lebzeiten seine eigene Pyramide, die bestenfalls ganz knapp vor seinem Tod fertig wurde, sodass er darin beerdigt werden konnte. Um die Pyramiden herum wurden außerdem noch verschiedene Tempel gebaut, die jedoch nicht mehr erhalten sind – weswegen die Pyramiden etwas einsam anmutend im Sand stehen.

Einsam, aber mächtig. Beeindruckend, wie diese beinahe 150 Meter hohen Pyramiden da so stehen. Die höchste von ihnen ist wohl auch die berühmteste, nämlich die Cheopspyramide, benannt nach ihrem Erbauer und späteren Bewohner. Wie die Pyramiden genau gebaut wurden, weiß man nicht. Was den ein oder anderen Spinner „Forscher“ (Ich meine Sie, Erich von Däniken!) zu der Behauptung hinreißen lässt, dass überhaupt keine Menschen die Pyramiden gebaut hätten, sondern Außerirdische.

Wie dem auch sei, gebaut wurden die Pyramiden von einem riesigen Sklavenheer, das die gigantischen Steinblöcke (auf welche Weise auch immer) aufeinandergeschichtet hat. Interessant ist auch der Ort, auf dem die Pyramiden gebaut sind: Nicht nur ist Gizeh eine Art Friedhofsstadt im ganz alten Ägypten gewesen, sondern die Pyramiden selbst sind an interessanten Orten gebaut  worden. Sie stehen nämlich halb auf vom Nilwasser fruchtbar gemachten Boden und halb in der Wüste, was den Übergang vom Leben ins Jenseits verdeutlichen soll.

Genug gebrabbelt, hier nun ein Bild der Pyramiden. Falls sie wer noch nicht kennt:

Die Pyramiden von Gizeh (Obacht, Bild ist ziemlich groß)

Zum Schluss noch die Frage: Was wurde aus den Pyramiden? Ja. Sie stehen da nun. Seit über viertausend Jahren. Der Zahn der Zeit hat ein bisschen an ihnen genagt, wie man sehen kann, aber ansonsten stehen sie so da. Und werden wohl auch noch weitere vier Jahrtausende da so stehen. Diese unverwüstlichen Dinger! Die Pyramiden. Das einzige Weltwunder, das wir heute noch bestaunen dürfen.

Die Sieben Weltwunder I Donnerstag, Mai 13 2010 

 – Der Pharos von Alexandria

Die Sieben Weltwunder. Jeder hat schon einmal von ihnen gehört, aber kaum einer bekommt alle sieben aufgezählt.

Fangen wir heute also mit dem berühmten Leuchtturm von Alexandria an. Dieser wurde bereits unter dem Pharao Ptolemaios I. geplant, aber erst unter seinem Nachfolger Ptolemaios II. gebaut. Die Bauzeit betrug etwa zwanzig Jahre; fertiggestellt wurde er spätestens 282 v. Chr, in diesem Jahr wird er zum ersten mal in einer schriftlichen Darstellung erwähnt, der Leuchtturm.

Manch einer wird sich fragen, warum ich das Ding in der zweiten Überschrift ‚Pharos‘ von Alexandria genannt habe und nicht Leuchtturm und was mir denn einfiele und überhaupt. Nun, der Leuchtturm wurde im Grunde nach der Insel nahe der Stadt Alexandria benannt, auf der er erbaut wurde: der Insel Pharos.

Was macht diesen Leuchtturm nun zu einem Weltwunder? Der Pharos von Alexandria war der größte seiner Zeit – und mit 145 bis 152 Metern (je nach dem, wie man quellenmäßig schaut) das drittgrößte Gebäude der Welt.

Der Pharos von Alexandria in einer Rekonstruktion

Bleibt nur noch zu klären, was aus dem Leuchtturm wurde. Im achten Jahrhundert nach Christus wurde der Pharos durch ein Erdbeben schwer beschädigt, aber wieder repariert. Endgültig zerstört wurde er im 14. Jahrhundert, wieder durch ein Erdbeben. Die Trümmer wurden im Meer liegengelassen. Knapp hundert Jahre später wurden die Reste des Turmes in einer Küstenfestung verbaut.

Ein Königshaus reinsten Blutes Dienstag, Mai 4 2010 

 – Der Stammbaum der Ptolemäer

Alexander der Große beherrschte ein gewaltiges Reich. Nach seinem Tod zerfiel es; seine makedonischen Generäle teilten das Reich unter sich auf. Der Feldherr Ptolemaios riss sich Ägypten unter den Nagel, ließ sich zum Pharao krönen – und begründete somit die Dynastie der Ptolemäer, die für die nächsten 300 Jahre Ägypten regieren sollte. Anders als bei anderen Dynastien dieser Zeit waren die Ptolemäer allesamt Makedonen. Reine Makedonen. Denn der ptolemäische  Stammkreis Stammbaum sieht so aus:

Puh. Na, dann will ich das ganze mal aufdröseln!

Ptolemaios I. Soter („Retter“) hatte zwei Kinder: einen Sohn, Ptolemaios II.  und Arsinoe II. Ptolemaios II. war zunächst mit Arsinoe I. verheiratet (aus dieser Ehe ging Ptolemaios III. hervor), doch nach dem Tod seines Vaters heiratete er seine Schwester – und begründete so die ptolemäische Tradition des Inzests. Ptolemaios II. bekam den Beinamen „Philadelphos“, was soviel bedeutet wie „der Geschwisterliebende“ . Wie kam das bei der Bevölkerung Ägyptens an? Nun, die Griechen und Makedonen in Ägypten schlugen die Hände über den Köpfen zusammen – immerhin hatte gerade der Pharao seine eigene Schwester geehelicht. Die Ägypter selbst ließ das kalt; in ihrer Vorstellung war nichts dabei, wenn der Pharao mit der Schwester schnackselt. Schaut man sich die ägyptische Mythologie an, sieht man, dass da auch jeder Gott mit jedem mal, ne?, und alle waren sie miteinander verwandt.

Da Ptolemaios III. Euergetes („Wohltäter“) Einzelkind war, musste er sich seine Frau von außerhalb suchen, doch sein Sohn Ptolemaios IV. Philopator („der Vaterliebende“ – nein… ich weiß, was ihr jetzt denkt. Das bedeutet nur, dass er einen guten Draht zum Papa hatte) konnte seine Schwester Arsinoe III. heiraten. Deren Sohn/Neffe, Ptolemaios V. Epiphanes („der Gott, der erschienen ist“) heiratete die seleukidische Königstochter Kleopatra I. aus politischem Kalkül – und um den Genpool wenigstens ein bisschen auffrischen zu können.

Nach Ptolemaios V. wurden die Dinge unschön und ich meine wirklich, wirklich hässlich. Denn der Pharao hatte drei Kinder: Ptolemaios VIII., Kleopatra II. und Ptolemaios VI.

Ptolemaios VI. Philometor („der Mutterliebende“ – und wieder: nein, nicht so liebend) heiratete seine Schwester Kleopatra II. Soweit, so gewöhnlich (wie man’s nimmt). Die beiden hatten eine Tochter, nämlich Kleopatra III. Nach dem Tod Ptolemaios‘ VI., heiratete Kleopatra II. ihren anderen Bruder, Ptolemaios VIII. Physkon („Fettsack“). Der Sohn der beiden, Ptolemaios VII., wurde zwar zum Pharao gekrönt, regierte jedoch nie, weil er ermordet wurde. Also kam Ptolemaios VIII. Physkon auf den Thron – und heiratete Kleopatra III., seine Nichte.

Mit ihr hatte er vier Kinder: Kleopatra IV., Ptolemaios IX., Kleopatra V. Selene und Ptolemaios X.

Und jetzt wird’s nochmal kompliziert: Kleopatra IV. und Ptolemaios IX. hatten einen Sohn, Ptolemaios XII. und Ptolemaios IX. und Kleopatra V. Selene hatten eine Tochter, Berenike III., während ebenjene Kleopatra V. Selene mit Ptolemaios X. einen Sohn hatte, nämlich Ptolemaios XI. Die beiden Stiefgeschwister Berenike III. und Ptolemaios XI. waren verheiratet, aber ohne irgendwelche Nachkommen. Berenike III. war dann mit ihrem Onkel/Stiefvater Ptolemaios X. verheiratet; die beiden hatten eine Tochter, Kleopatra VI. (auf dem Diagramm fälschlicherweise Kleopatra V.), die wiederum mit ihrem … ach, ich geb’s auf, welches Verwandschaftsverhältnis das ist, jedenfalls war Kleopatra VI. mit Ptolemaios XII. verheiratet.

Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor, von denen uns aber nur drei zu interessieren brauchen: nämlich Ptolemaios XIV., Ptolemaios XV. und Kleopatra VII. – ja, die Kleopatra. Die mit der Nase. Kleopatra VII. war im Grunde die Matratze des Mittelmeers, jeder durfte mal drüber. Sie hat sowohl mit ihrem Brude Ptolemaios XIV. angebandelt, als auch mit ihrem anderen Bruder Ptolemaios XV. und auch mit einem römischen Feldherrn namens Gaius Julius Caesar, der ein oder andere wird ihn kennen. Mit Caesar hatte Kleopatra VII. einen Sohn, Ptolemaios Caesarion („Kaiserlein“).

Nach der Ermordung Caesars warf sich das Flittchen dem nächsten römischen Herrscher an den Hals, nämlich Mark Anton. Dieser hatte sich mit Octavian, dem späteren Kaiser Augustus, auf eine Teilung der Einflusssphären geeinigt: Octavian regiert im Westen des römischen Reiches, Mark Anton im Osten. Und als Herrscher des Ostens kam er alsbald mit Kleopatra VII. von Ägypten in Kontakt, bandelte mit ihr an und soll ihr sogar seinen Teil des römischen Reiches als Geschenk angeboten haben. Wie dem auch sei, in der Seeschlacht von Actium besiegte Octavian die Ägypter, Mark Anton nahm sich das Leben, Kleopatra VII. nahm sich das Leben und Ägypten wurde römische Provinz.

Noch ein letztes Wort zu Kleopatra VII.: Angeblich soll sie gar nicht die Tochter von Kleopatra VI. gewesen sein, sondern aus einer Liebelei Ptolemaios‘ XII. mit einer Ägypterin hervorgegangen sein. Das zeigt, dass Kleopatra VII. nicht so belämmert gewesen ist wie ihre inzestuösen Vorfahren – und dass die Ptolemäer auch ab und zu doch mal außerhalb der eigenen Familie rummachten.

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