Mer losse d’r Dom in Kölle Samstag, Okt 16 2010 

– Der Bau des Kölner Doms

Wer in einer Stadt lebt, die sich ein Großprojekt mit zwielichtiger Finanzierung baut, der weiß, dass sich so ein Bau ein paar Jährchen ziehen kann. Nicht anders verhält es sich mit dem Bau einer Kathedrale.

Zum Beispiel dem Dom zu Köln, dem wohl berühmtesten Sakralbau Deutschlands und nebenbei dem zweithöchsten (nach dem Ulmer Münster).

An der Stelle, an der heute der Kölner Dom steht, stand auch vor dem Kölner Dom ein Dom, doch dieser war zu klein für die Pilgermassen, die nach Köln und in den Dom kamen, um die Reliquien der Heiligen Drei Könige zu sehen (und zwar im Kölner Dom). Also beschloss man, einen neuen, größeren Dom im gotischen Stil zu bauen. Gotik, das bedeutet viele Spitzbögen, hohe, große Fenster und zahlreiche Verzierungen. 1248 begann man mit dem Bau.

Und man baute und baute. Gut hundert Jahre lang, immer ein Stückchen. Anfang des 15. Jahrhunderts erreichte der Südturm nach etwa  50-jähriger Bauzeit bereits die zweite Etage. Der Chor war bereits fertiggestellt; Messen konnten gehalten werden. Auch wenn die meisten Kirchgänger noch unter freiem Himmel saßen, weit hinter ihnen stand irgendwo der bisher zweistöckige Südturm.

Die Bauarbeiten wurden immer zäher und langsamer. Um 1500, also gut 250 nach Baubeginn, erfolgte die Grundsteinlegung des Nordturms. Das Geld für den Dombau wurde immer knapper; der Ablasshandel brachte nur noch wenig Geld ein, weil ein verrückter thüringischer Mönch dagegen protestierte. Da weniger Pilger in die Stadt kamen, gab’s von deren Seite auch immer weniger Geld für den Dombau. Um 1530 kam jener schließlich komplett zum erliegen.

Ein Stich aus der Zeit um 1820. Etwa so sah der Dom 300 Jahre lang aus.

Seit dem bestimmte der halbfertige Geisterdom das Bild der Stadt Köln. Wahrzeichen der Stadt war der Baukran auf dem Südturm.

So stand er da, der Dom. Und das gut dreihundert Jahre lang. 1814 wurde Köln und das gesamte Rheinland preußisch. Und die neuen Herren konnten den Anblick dieser halbfertigen Kirchenruine überhaupt nicht ertragen, also gab der preußische König Friedrich Wilhelm IV. den Startschuss zur Wiederaufnahme des Baus.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde wieder gebaut.

Fleißig ging’s voran; Mitte des 19. Jahrhunderts verschwand der Baukran, der bisher Wahrzeichen Kölns war, denn der Südturm konnte endlich fertiggestellt werden. Ebenso der Nordturm und der Rest des Doms. 1880 war es schleißlich so weit: nach 632 Jahren Bauzeit hatte Köln nun endlich seinen Dom. Gestern hatte der Dom Geburtstag; er wurde 130 (wenn man die sechshundert Jahre Bauzeit mal außen vor lässt)! Dafür alles Gute, Dom, und viel Glück für die nächsten 600 Jahre.

Der Kölner Dom heute. Mit Gerüst, natürlich.

Seit seiner Fertigstellung wird der Dom kontinuierlich restauriert, sodass das Baugerüst am Dom genauso zur Silhouette Kölns gehört wie damals der Baukran.

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Wikinger im Kosovo Freitag, Aug 27 2010 

– SPON über das Tor im Danewerk

Ich habe mich ziemlich gefreut, als ich auf SPON gelesen habe, dass Archäologen eine tolle Entdeckung gemacht haben, auch wenn ich vorher noch nie etwas vom Danewerk gehört habe. Drum nur kurz zusammengefasst: Das Danewerk war ein dreißig Kilometer langer Wall der Wikinger in der Nähe von Schleswig im heutigen Schleswig-Holstein. Den Dänen gilt die Mauer als Nationaldenkmal. Das Danewerk besaß nur ein einziges Tor und das hat man nun gefunden.

Und SPON hat einen Artikel darüber geschrieben, der meine anfängliche Freude über den Fund wieder eindampfte. Warum das so ist, möchte ich nun zeigen.

Dass dem Autor des Artikels einer abging, zeigt schon der erste Satz:

Mit ihren Überfällen in schnellen Drachenbooten gelten die Wikinger als Erfinder des Blitzkrieges.

Blitzkrieg, jene Technik, bei der Land-, See- und Luftstreitkräfte aufeinander abgestimmt überfallartig angreifen. Die Wikinger gelten also als Erfinder, soso. Nebst Drachenbooten besaßen die Wikinger ja auch noch richtige Drachen, mit denen sie fremde Länder überfielen.

Gefürchteter Wikinger mit Drachen

Schluss mit dem Spaß, weiter im Text:

Dass die parasitären Räuber, im Comic zu drolligen Hägars und Wickis verniedlicht, auch gern Steine schleppten, weiß kaum jemand.

Die „parasitären Räuber“, oder wie man heute sagt: SPON-Autoren, sind heute nur noch drollige Comicfiguren und keiner weiß, dass sie „auch gern“ Steine zu Mauern auftürmten. Einfach darum, weil sie es nicht so oft taten, wie der Autor später noch selber einräumen wird.

Nahe Haithabu bei Schleswig legten sie [die Archäologen, Anm. Quax] eine drei Meter dicke Mauer aus dem 8. Jahrhundert frei, erbaut aus Feldsteinen. Manche sind nur faustgroß, andere wiegen Zentner.

Eiderdaus, die Wikinger schleppten nicht nur gerne Steine, sondern auch noch unterschiedlich große! Halt das, was man braucht, wenn man eine Mauer baut, aber gut. Inmitten dieser Mauer nun also das Tor, das Wiglesdor, dem einzigen Durchgang durch die Mauer.

Chroniken zufolge strömten durch das „Wiglesdor“ einst „Reiter und Wagen“. Daneben befanden sich eine Zollstation sowie eine Schänke samt Bordell.

Was man halt so braucht, nach einem harten Blitzkriegplündertag – aber wieso die Anführungszeichen bei „Reiter und Wagen“? Ist es so unwahrscheinlich, dass da wirklich Reiter und Wagen hindurchgefahren sind, dass man das lieber mal als Zitat kennzeichnet? Und wieso ist der Autor an dieser Stelle so überkorrekt und ansonsten überhaupt nicht?

Kommen wir nun zu meiner persönlichen Lieblingsstelle im Artikel:

Die findigen Seefahrer von den Nordseeinseln kabbelten sich damals mit gleich drei anderen Völkern – Dänen, Slawen und Sachsen – um die Vormacht in der Region.

So weit, so gut. Und daraus schlussfolgert man:

„Hier war das Kosovo des Frühmittelalters.“

Was zur Hölle? Wieviele faustgroße und zentnerschwere Steine müssen jemandem auf die Birne donnern, damit er sich diesen Blödsinn ausdenkt? Ich mein‘, niemand würde sowas dämliches sagen, wie „Oh, der Caesar ist der Napoleon des Römischen Reiches!“, nur weil beide in Frankreich waren…

Damit war meine Stimmung auf dem Niedrigpunkt, aber es geht ja noch weiter.

Am Ende gewannen die Dänen die Oberhand. Die Reichsannalen berichten fürs Jahr 808, dass ein König Göttrik beschloss, „die Grenze seines Reichs nach Sachsen zu mit einem Wall zu schirmen“.

So ganz spontan frag‘ ich mich da, was denn nun mit den Slawen passiert ist, waren die keine große Gefahr? Es ist ja schön, dass sich der Autor hier die Mühe macht, aus den Reichsannalen zu zitieren, aber trotzdem würde ich doch nun gern wissen, warum die Slawen einfach verschwiegen werden.

Aber viel erhoffte ich mir von dem Artikel ohnehin nicht mehr und ich sollte nicht enttäuscht werden, denn nun ging es an die Frage, warum die Wikinger denn das Danewerk überhaupt gebaut haben:

Weshalb türmten die Wikinger Millionen Tonnen Geröll zu einer Grenze auf?

Die Antwort steht doch zwei Zeilen drüber! Der König beschloss, „die Grenze seines Reichs nach Sachsen zu mit einem Wall zu schirmen“, darf das denn wahr sein? Wurde der Artikel eigentlich nochmal angeschaut, bevor er auf SPON erschien oder hat man sich gedacht: „Is‘ Geschichte, intersiert eh keine Sau“?

Wer sich bis jetzt noch nicht die Stirn an der Tischplatte blutig geschlagen hat, ob des vielen Quatsches, der bisher zu lesen war, dann spätestens jetzt:

Vergleichbare Bauwerke wie der Limes und die Chinesische Mauer sollten Barbaren abhalten. In diesem Fall aber waren die Erbauer selber welche.

Da friert’s einem das Hirn doch ein! Wer Barbar und wer zivilisiert ist, das ist doch keine objektive Feststellung! Sondern eine Frage des Standpunktes, schließlich sahen die Germanen in der Antike sich selbst auch nicht als Barbaren, sondern wurden von den limesbauenden Römern so gesehen. Oder die Chinesen, an denen lässt es sich besonders schön zeigen: Die Chinesen sahen sich selbst als zivilisiert und diese komischen Europäer als Barbaren. Die Europäer hingegen, die nach China kamen, sahen sich selbst als fortschrittlich und wollten den barbarischen Chinesen die Zivilisation bringen – klingelt’s?

Und überhaupt, weil die Wikinger selber Barbaren seien, hätten sie keinen Wall gegen ihre Feinde gebaut? Wurde das nicht aber genau so vorhin noch aus den Reichsannalen zitiert?

Weiter oben hatte der Autor ja festgestellt, dass die Wikinger nicht für’s Steineschleppen berühmt waren und jetzt rückt er damit heraus, warum das so ist. Weil sie nämlich sonst nie Steine zum Bau verwendeten:

Im 8. Jahrhundert besaß Dänemark weder gepflasterte Wege noch Steinhäuser.

Was man nicht braucht, das baut man auch nicht. Was die Wikinger sehr wohl hatten, waren gute Schiffe, wie es auch der Autor anerkennt. Und was, außer Blitzkriegen, haben sie mit den Schiffen gemacht?

Mit diesen Schiffen erschufen die gefürchteten Nordmänner bald ein gewaltiges Handelsnetz.

Huch, die gerne mal steinetragenden, zu Comicwickis verniedlichten Blitzkriegbarbaren aus dem Kosovo waren gar keine blutrünstigen Krieger, sondern auch friedliche Händler? Wer hätte das gedacht. Außer so ziemlich jedem Menschen auf dem Planeten?

Ungeheure Kostbarkeiten glitten so gleichsam durch die Hintertür Europas[…]. Um diese Schlagader zu bewachen, […] wurde das mächtige Bollwerk aus Stein, Erde und Ziegeln erbaut. Das Danewerk war ein Schutzschild für den Warenverkehr.

Oha, das Danekwerk war also auch dafür da, den Handel zu schützen? Und vor wem? Nicht ganz zufällig vor den zivilisierten Sachsen?

Zu guter letzt noch ein schmissiger Satz, der die ganze Tolligkeit des Fundes dramatisch zusammenfasst:

Es wären Reste der Pforte ins Wikingerreich.

Dankeschön.

Der erste Kaiser von China Samstag, Aug 21 2010 

– Qin Shihuangdi

China, im dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Wobei, das ist eigentlich nicht richtig, denn ein China gibt es noch nicht, sondern eher so sieben. In der Zeit der Streitenden Reiche kämpfen die Reiche der Qin, Zhao, Wei, Han, Chu, Yan und Qi mit, um und gegeneinander.

Unübersichtliche Karte über die Reiche in China. Die Qin befinden sich im Westen, östlich von ihnen sind die Zhao, Wei, Han und Chu. Die Qi sind im Westen und ganz im Norden sind die Yan. Die anderen Reiche sind erstmal unwichtig.

Als mächtigstes Reich stellte sich rasch das der Qin heraus; die Qin schluckten die anderen sechs Reiche, eins nach dem anderen. 221 v. Chr. fiel mit Qi das letzte und zum ersten mal war China geeint. Der König der Qin wurde Kaiser von China und gab sich einen neuen Namen: 秦始皇帝, was in lateinischen Lettern Qin Shihuangdi ist und das bedeutet soviel wie ‚Erster Erhabener Kaiser der Qin‘.

Qin Shihuangdi

Sein neues Reich musste nun auch im Inneren geeint werden. Das schaffte der Kaiser, indem er ein einheitliches Verwaltungssystem mit Beamten einführte, die ihre Ämter nicht vererben konnten, so wie das stellenweise vorher üblich war. Außerdem wurde der Schriftverkehr vereinheitlicht, sodass die Zentralregierung in der Hauptstadt auch über regionale Dialekte hinweg die einzelnen Präfekturen und Kreise verwalten konnte.

Als besonders einheitsstiftend gab sich Qin Shihuangdi aber gleich selbst. Als „Erster Kaiser“ implizierte er, dass er Dynastiebegründer sei und auf ihn ungefähr unendlich viele andere Kaiser folgen werden. Weiterhin ließ er sich als Gottkaiser verehren und bündelte in seiner Person so auch alle Religion; er stand allen Regionalgöttern vor.

Der Kaiser war das Zentrum des Reiches und das Reich war das Zentrum der Welt, daher spricht man auch vom ‚Reich der Mitte‘, wenn man China meint. Der Kaiser sah sich selbst schon mehr als Gott denn als Mensch, denn seine Palastanlage war eine Nachahmung eines Sternbildes und Sitz des obersten Himmelsgottes war. Dass er sich als Mittelpunkt empfand, zeigte Qin Shihuangdi auch nach seinem Tod. Sein Grabmal stellte das gesamte Universum im Kleinformat dar. Dort wurde der Kaiser beerdigt – mitsamt all seinen Konkubinen, die ihm keine Kinder gebaren.

Wie das Mausoleum genau aussieht, weiß man (noch) nicht, denn das Grab wurde bisher noch nicht geöffnet. Was man jedoch entdeckt hat, kennt wohl jeder. Denn wie’s sich für einen Gottkaiser gehört, hatte er in seinem Miniuniversum auch eine Armee:

Und von diesen Tonkriegern hatte Qin Shihuangdi nicht gerade wenige. Die ganze Armee besteht aus über 7000 Figuren. Darunter sind nicht nur Fußsoldaten, sondern auch Streitwagen. Jede der Figuren war aufwändig bemalt, jeder Krieger hat ein eigenes Gesicht.

Links und rechts, jeweils vorne, sieht man Pferde. Das ist nur eine der Hallen, die mit den Tonkriegern gefüllt war.

Sobald alle bisher gefundenen Teile erfasst und bearbeitet worden sind, will man den eigentlichen Grabhügel öffnen. Das Innere soll wie eine Palaststadt angelegt sein und die Decke, so schreibt der chinesische Historiker Sima Qian im 1. Jahrhundert v. Chr., soll mit Edelsteinen verziert sein, die den Himmel symbolisieren. Auf dem Boden sei die Landschaft Chinas dargestellt, die Flüsse bestünden aus Quecksilber und würden durch einen raffinierten Mechanismus immer fließen. Der Weg zum Sarg des Kaiser sei gesäumt von Tieren aus Ton.

Das klingt alles nicht übel, vielleicht lasse ich mich mal ähnlich beerdigen. Hoffen wir mal, dass die Archäologenteams sich beeilen und den Grabhügel schon bald anschneiden können. Harren wir der Dinge, die da kommen.

Die Sieben Weltwunder VII Dienstag, Jun 8 2010 

– Das Grabmal des Mausolos

Endspurt! Noch dieses eine Weltwunder, dann haben ihr und ich die Weltwunder der Antike hinter uns. Ich bedanke mich bei allen drei Lesern, die täglich das (missglückte) Experiment „Siebenteilige Serie über die Weltwunder“ durch- und mitgemacht haben. Jetzt habe ich erstmal genug von Antike, als nächstes gibt’s mal was aus anderen Epochen. Nun also das Grabmal des Mausolos, das in Halikarnassos stand.

Mausolos II. war im vierten Jahrhundert v. Chr. König und Statthalter des persischen Großkönigs, der unter anderem Kleinasien unterworfen hatte, wo Halikarnassos lag. Obwohl die Stadt unter persischer Herrschaft stand, hatte sie eine griechische Tradition und Mausolos baute seine Hauptstadt deswegen mit schmucken griechischen Gebäuden voll. Den Auftrag zum Bau des Grabmals soll Mausolos nicht persönlich gegeben haben, sondern seine Frau Artemisia – die auch seine Schwester war (oh Gott, schon wieder).

Mausolos erlebte die Fertigstellung seines Grabmals nicht; er starb während der Bauarbeiten und seine Schwester/Frau Artemisia folgte ihm bald in den Hades. Die Baumeister führten den Bau schließlich in Eigenregie zuende.

Das Grabmal hatte eine Höhe von über 45 Metern, war mit Statuen der Götter und Herrscher aus Mausolos‘ Familie (über den Stammbaum mag ich gar nicht nachdenken) üppig verziert und komplett schneeweiß. Denn er wurde aus weißem Marmor gebaut.

Darstellung des Grabmals aus dem 16. Jahrhundert.

Rekonstruktion des Grabmals im Miniaturenpark von Istanbul.

im 12./13. Jahrhundert stürzte das Grabmal ein. Wegen – Überraschung! – Erdbeben natürlich. Die Trümmer und das stabile Fundament blieben jedoch gut zweihundert Jahre unberührt, bis die Ritter des Johanniterordens in die Stadt kamen. Sie befanden sich auf dem Rückzug vor den immer weiter vordringenden Türken und trugen das Grabmal ab. Die Steine verbauten sie in ihrer Küstenfestung. Bei den Steinbrucharbeiten entdeckten die Ritter das Innere des Grabmals wieder und taten das, was jeder anständige Historiker getan hätte: sie zerstörten das Grabmal vollständig…

Das Grabmal des Mausolos wurde zwar vernichtet (und Versuche, es im 19. Jahrhundert wieder aufzubauen, scheiterten), doch der Name Mausolos lebt weiter. Nach ihm und seinem Bauwerk wurde jener Gebaudetyp benannt, den man wohl eher kennt: Das Mausoleum.

Die Sieben Weltwunder VI Sonntag, Jun 6 2010 

– Der Artemistempel von Ephesos

Der Tempel der Artemis ist wohl das zweitunbekannteste Weltwunder (das allerunbekannteste gibt’s nächstes mal). Er stand in Ephesos, einer der größten Städte Kleinasiens zu der Zeit. Ephesos selbst lag an der Küste Kleinasiens, also in der heutigen Türkei.

Der Bau des Artemistempels wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. begonnen und dauerte etwa hundert Jahre. Was kein Wunder ist, denn der Tempel stand im Grunde auf Sumpf, also musste zunächst der Untergrund trockengelegt werden. Der weiche Boden war jedoch auch von Vorteil, denn er bot Schutz gegen Erdbeben! Endlich! Ein Weltwunder, dass nicht von einem Erdbeben zerstört wurde!

Wie dem auch sei, so ein aufwändiger Bau kostete freilich einen Riesenhaufen Geld. Ephesos war eine reiche Stadt und wurde kurz vorher von König Kroisos von Lydien erobert, besser bekannt als König Krösus. Krösus war als, naja, Krösus eben, unglaublich reich und pumpte Geld in den Tempelbau. Das tat er nicht aus purer Nächstenliebe, sondern um sich mit seinen frisch eroberten Untertanen gut zu stellen.

Gewaltig muss er gewesen sein, der Artemistempel, mit seinen über hundert Säulen von denen jede fast zwanzig Meter hoch waren. Ein atemberaubendes, unzerstörbares Gebäude, das für die Ewigkeit geschaffen war.

Beinahe. Denn wenige Jahre nach seiner Fertigstellung kam ein Verrückter namens Herostratos. Herostratos hatte einen Traum, er wollte unbedingt berühmt werden. Und er hatte einen Plan, wie er berühmt werden würde und setzten diesen in die Tat um: er brannte den Artemistempel nieder.

Man könnte ja meinen, dass Artemis ihren Tempel hätte beschützen sollen, doch die war am gleichen Tag anderweitig beschäftigt. Sie musste über die Geburt Alexanders des Großen wachen. Und zum Danke dafür leistete Alexander finanzielle Hilfe beim Wiederaufbau des Tempels.

Andere hätten die Steine liegengelassen (nicht wahr, Rhodos?), doch der Tempel wurde wieder aufgebaut. In Sachen Prunk und Größe legte man noch eine Schippe drauf.

So stellte man sich den Tempel im 16. Jahrhundert vor.

Nachbau des Tempels im Miniaturenpark Istanbul

Im dritten Jahrhundert nach Christus kam es zum Gotensturm. Das germanische Volk der Goten drängte ins römische Reich, zu dem Ephesos seit 133 v. Chr. gehörte. Die Goten plünderten und zerhauten alles, was in Reichweite war – was auch für den Artemistempel galt. Als das römische Reich nochmals hundert Jahre später christlich wurde, verschwand der Kult um die heidnische Göttin Artemis und Ephesos verlor seine Bedeutung. Ebenso wie der Tempel. Er diente als Steinbruch für Neubauten in der Umgebung.

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