Gold und Grabkronen Freitag, Mai 13 2011 

– Die Speyerer Ausstellung „Die Salier – Macht im Wandel“

Nachdem ich im Oktober die Stauferausstellung in Mannheim so runtergeputzt habe, gibt’s nun ein Beispiel für eine wirklich schöne Ausstellung über eine mittelalterliche Dynastie. Mit weniger Steinen und weniger Papier.

In Speyer, der Salierstadt schlechthin, gibt sich das Historische Museum der Pfalz die Ehre, eine tolle Ausstellung über das Geschlecht der Salier zu machen. Und es ist wirklich schön gemacht.

Fast alles, was man an der Stauferausstellung in Mannheim zu kritisieren hatte, war in Speyer wunderbar gelöst. Die Objekte waren alle schon ausgeleuchtet und gut zu erkennen, auch die Bücher und Urkunden. Alle Objekte waren beschriftet und diese Beschriftungen waren gut zu lesen.

Aber ich gehe ein bisschen durcheinander vor, deswegen ersteinmal etwas über den Aufbau. Zu Beginn wird man von Claus Kleber begrüßt, der über die Ereignisse um Heinrich V. berichtet (Heinrich hatte seinem Vater die Königswürde über das Reich genommen und später den Papst gefangen nehmen lassen, damit er zum Kaiser gekrönt werden konnte). Kleber spricht darüber, als würde er ein aktuelles Ereignis in den Nachrichten verlesen, das ist sehr schön. Als nächstes lernt man die einzelnen Kaiser und ihre Frauen kennen. Dann folgt noch etwas über Alltags- und Architekturgeschichte – insbesondere mit Blick auf den Speyerer Dom, dem höchsten Gebäude seiner Zeit – und über den Fund der Grablege der Salier im Dom. Dann ist die Ausstellung auch schon wieder zu Ende.

Kommen wir zu den Objekten. Zu sehen gibt’s viel und viel verschiedenes. Da wären die Grabkronen der salischen Könige und Kaiser, denn sie wollten als Könige vor Gott treten und dafür wurden ihnen Krönchen mit ins Grab gelegt. Braucht man halt, so als König. Dann gibt es viele Urkunden und Bücher, die teilweise aufgeschlagen wurden, sodass man die tollen Illustrationen sehen kann. Für die Abteilung Architektur hat man die Entwicklung des Doms zu Speyer als Video und kunstvolle, steingewordene Handwerkskunst, unter anderem aus dem berühmten Kloster Cluny (das wäre übrigens ein eigener Eintrag wert. Aber das werde ich bald schon vergessen habe und selbst wenn nicht, ich bin ja nicht so der Riesenmittelaltermensch – ich sollte mir einen Mittelalterschreiberling auf den Blog holen). Das Thema der mittelalterlichen Burg wird auch behandelt, gezeigt wird nicht nur eine schöne computergenerierte 360°-Ansicht einer Burg – man steht in der Mitte eines Raumes und ist umgeben von Fotowänden, von den ich zuerst dachte, dass es tatsächlich echte Fotos wären – sondern auch Handwerkszeug, mit dem man im Mittelalter nunmal so arbeitete. Eine Menge Münzen und kirchlicher Kultgegenstände gibt es zu sehen oder auch Waffen und Spielsteine, mit denen man die Zeit, bzw. seine Feinde totschlug. Nebenbei, zahlreiche andere Alltagsgegenstände, wie Keramik, Werkzeug und Kleidung (!) kann man auch noch bestaunen.

Insgesamt eine kurzweilige, schöne Ausstellung, die einen Besuch wert ist. Was jedoch sauer aufstößt, ist der Preis. 12€ (ermäßigt 10€) kostet der Spaß, doch es gibt ein großes „aber“: ABER. Man kann für das Geld nicht nur die Salierausstellung ansehen, sondern auch den ganzen Rest des Museums, einschließlich der ebenfalls nett gemachten Dauerausstellung zur Römerzeit und dem Domschatz (den Teil über die Neuzeit habe ich nicht gesehen, ist aber bestimmt auch nicht von schlechten Eltern).

Kann man sich also mal ansehen.

Die Ausstellung „Die Salier – Macht im Wandel“ läuft noch bis zum 30. Oktober 2011 im Historischen Museum der Pfalz am Domplatz, Speyer.

Mehr Infos gibt’s auf der Seite vom Museum.

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Reiss-Engelhorn-Museen: Staufer und Italien Montag, Okt 18 2010 

– Die Mannheimer Ausstellung „Die Staufer und Italien – Drei Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa“

Nach dem gigantischen Erfolg der großen Stauferausstellung in Stuttgart 1977 gibt sich nun Mannheim die Ehre und präsentiert mit großen Werbeaufwand „Die Staufer und Italien – Drei Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa“. Heute hatte ich das Vergnügen, mir den Spaß einmal anzuschauen.

Was kann man Gutes von der Ausstellung sagen? Nun, zum einen sind wirklich viele Exponate auf drei Etagen ausgestellt, sodass man ohne Weiteres mehrere Stunden in der Ausstellung verbringen kann. Die Ausstellung selbst ist nicht chronologisch, sondern nach Themenkomplexen sortiert. Ob man diese Art und Weise der Konzeption gut findet oder nicht, das bleibt jedem selbst überlassen. Für ganz blöde sind die einzelnen Themen farblich markiert. Die drei Regionen, die „Innovationsregionen“, sind je durch große Tore getrennt, die typische Reliefs aus derjenigen Region zeigt, die man als nächstes begutachten kann.

Die „Innovationsregionen“, das ist auch schon ein großer Schwachpunkt der Ausstellung. Denn diese Regionen, die so typisch für die Staufer seien, sind Norditalien (Okay), das Königreich Sizilien – also sowohl die Insel Sizilien als auch der Süden der Halbinsel – (Okay) und der Rhein-Neckar-Raum. Rhein-Neckar-Raum deshalb, weil die Ausstellung in Mannheim stattfindet und von den drei benachbarten Bundesländern Rheinland-Pfalz, Hessen und natürlich Baden-Württemberg unterstützt wird. Nun kann man Norditalien, also Mailand und all die anderen Städte, die sich gegen die staufische Herrschaft erhoben, als Innovationsregion sehen, ebenso Sizilien, wo normannischer und arabischer Einfluss aufeinanderwirkten. Aber das Sorgenkind Rhein-Neckar-Region… Inwiefern ist eine solch beliebige Region eine „Innovationsregion“? Diese Frage mussten sich auch die Kuratoren stellen und eine Antwort fanden sie augenscheinlich nicht; stattdessen konstruierten sie sich eine besondere Bedeutung der Region zusammen. Eines dieser Konstrukte, die den Rhein-Neckar-Raum so besonders machen soll, ist die Dichte an Königspfalzen in der Region. Auf etwa diesem Niveau phantasiert man sich die Bedeutung schließlich zusammen.

Eine derart konstruiert wirkende Sache ließe sich verschmerzen, wenn denn der Rest stimmen würd‘. Der bedeutendste Part einer Ausstellung sind schließlich die gezeigten Objekte. Die Stauferausstellung gibt sich ob des Umfangs keine Blöße, wohl aber was die Auswahl angeht. Leider lassen sich die Objekte in zwei Kategorien sortieren: alte Steine und altes Papier. Viele alte Bücher mit wunderschönen Illustrationen und Urkunden mit beeindruckenden Siegeln können bestaunt werden. Unter diesen Büchern und Urkunden sind jedoch auch viele, die nicht diejenige Bedeutung haben, die ihnen das Recht geben, in einer Ausstellung für die breite Öffentlichkeit gezeigt zu werden.

Noch mehr vorhanden sind jedoch Steine. Bruchstücke. Viele Statuen und Statuenfragmente sind ohne Frage beeindruckend. Überhaupt nicht spektakulär und viel zu überrepräsentiert sind hingegen kleine Säulen und Kapitellen, von denen eine beliebiger als die nächste zu sein scheint.

Die schier erdrückende Anzahl der Exponate sorgt dafür, dass eigentliche Glanzstücke, wie der Cappenberger Barbarossakopf oder der sitzende Herrscher, mit dem die Ausstellung beworben wird, in den Hintergrund treten.

Weiterhin sorgen die vielen Schriftstücke dafür, dass die Lichtverhältnisse in der gesamten Ausstellung mäßig sind. Die dunkel gehaltenen Räume mit den erleuchteten Exponaten sind eine schöne Idee, doch leidet die gesamte Ausstellung unter der Dunkelheit. Viele Exponate sind nicht ausreichend beleuchtet oder schwer zu erkennen, einige halb im Schatten. Die Beschriftungen zu den einzelnen Stücken sind im dunkeln kaum zu erkennen; oftmals werden ganze Exponate durch die tragenden Säulen des Museums verdeckt, manchmal nur die Beschriftungen. Manche Ideen der Aussteller funktionieren erst gar nicht. Da wird das Grab Kaiser Friedrichs II. in Originalgröße gezeigt und um einen räumlichen Eindruck zu verschaffen, ist das Bild in mehreren Lagen auf hintereinander hängende, halbdurchsichtige Vorhänge gedruckt. Der Räumlichkeitseffekt versagt dabei; das Bild wirkt vielmehr wie das, was es ist: mehrere bedruckte Vorhänge.

Eine schiere Schande ist die Darstellung des Fahnenwagens, dem Wahrzeichen des mittelalterlichen Mailands. Vom Wagen selbst ist nur noch ein großes Rechteck aus hölzernen Balken erhalten; dieses wurde auf ein provisorisch anmutendes Metallgestänge gelegt, in der Mitte steht ein großes Banner. Dafür, dass der Wagen den Mittelpunkt des Abschnitts ausmacht und als solcher in der Mitte des Raumes steht, sieht es so dermaßen jämmerlich aus, dass es kaum in Worte zu fassen ist.

Insgesamt krankt die gesamte Konzeption der Ausstellung jedoch an einer großen Sache: sie ist nicht für Laien gedacht. Ohne Vorwissen ist die Ausstellung schlicht und ergreifend nicht zu verstehen. Bringt man hingegen das nötige Vorwissen mit, hat man die Möglichkeit eine große Ausstellung mit vielen Objekten zu besichtigen, unter denen sich auch einige wenige besonders sehenswerte befinden.

Die Ausstellung „Die Staufer und Italien – drei Innovationsregionen im mittelalterlichen Europa“ ist läuft noch bis zum 20. Februar 2011 in den Reiss-Engelhorn-Museen im Zeughaus in C5, Mannheim.

Mehr Infos zur Ausstellung gibt’s auf diesem Link.