Der Krieg aller Kriege IV Freitag, Mai 27 2011 

– Der böhmisch-pfälzische Krieg

Die klugen Leute an Matthias‘ Kaiserhof suchten nun nach Grauzonen im Majestätsbrief und wurden fündig. Es wurde nämlich trotz aller Zugeständnisse an die Protestanten nämlich nichts darüber ausgesagt, was mit protestantischen Kirchen auf katholischem Gebiet in Böhmen passieren soll. Frei von der Leber weg interpretierte der Kaiserhof diese Lücke ganz im eigenen Sinne und begann, protestantische Kirchen in Böhmen abzureißen, insofern sie sich auf Gebiet befanden, das mehrheitlich katholisch war. Das ließen sich die böhmischen Adligen natürlich nicht gefallen, kochend vor Wut marschierten sie flugs nach Prag in die Prager Burg. Dort stellten sie die kaiserlichen Gesandten zur Rede. Nachdem man sich einige Zeit angeschrieen hatte, beschlossen die böhmischen Adligen Nägel mit Köpfen zu machen, packten die Gesandten und warfen sie aus dem Fenster. Das war im Jahre 1618.

Der Prager Fenstersturz. Wer klickt, sieht’s größer.

Die Gesandten überlebten den Sturz und petzten natürlich sofort beim Kaiser. Matthias ließ sich das nicht gefallen und begann, die böhmischen Aufständischen zu vertreiben und das Land wieder in das Reich der Habsburger einzugliedern. Aber die Aufstellung einer Armee sollte seine Zeit dauern.

Die böhmischen Adligen saßen nun in Prag und überlegten fieberhaft, was nun zu tun sei. Dass der Kaiser mit einer Armee anrücken würde, war klar – also musste man sich Verbündete suchen. Am besten bei den protestantischen Reichsfürsten. Doch von denen wollte niemand etwas mit den Rebellen zu tun haben; Sachsen und andere Fürsten erklärten ihre Neutralität in diesem Konflikt und auch die Protestantische Union lehnte ein Beitrittsgesuch Böhmens ab.

Nur einer wollte Böhmen unterstützen. Friedrich V. von der Pfalz ließ sich von den böhmischen Adligen zum König wählen, reiste nach Prag und stellte eine Armee auf. Eine Zumutung für den Kaiser! Die böhmische Krone gehörte dem Haus Habsburg, nicht dem krawalligen Kurfürsten aus der Pfalz!

Friedrich V. von der Pfalz, der Winterkönig. Warum er so hieß, kommt gleich.

Während der Pfalzfritz sich 1619 zum König von Böhmen wählen ließ, gab es für das Reich einen neuen Kaiser. Matthias war gestorben und hatte noch zu seinen Lebzeiten Ferdinand zu seinem Nachfolger wählen lassen. Als Kaiser Ferdinand II. saß jener nun auf dem Thron.

Kaiser Ferdinand II. Er wird uns einige Zeit begleiten.

Ferdinand versuchte nun, händeringend Truppen zusammenzukratzen, um die Aufständischen fortzujagen. Da kam ihm die Katholische Liga zur Hilfe. Das Oberhaupt der Liga war Herzog Maximilian I. von Bayern, erzkatholisch und Feind des Protestantismus. Die Ligatruppen rückten mit den Truppen des Kaisers in Böhmen ein.

Maximilian I., der Ligaführer. Hier ist er schon ein wenig älter.

Am Weißen Berge kam es schließlich zur Entscheidungsschlacht. Zahlenmäßig waren die Truppen Friedrichs überlegen. Es sah nicht gut aus für die Liga. Doch unerwarteterweise ging die böhmische Armee ab-so-lut unter. Die Schlacht am Weißen Berge endete so dermaßen desaströs für Friedrich, dass er ins holländische Exil fliehen musste, als die kaisertreuen Soldaten nach Prag marschierten. Die totale Niederlage Friedrichs und weil er nur ein paar Monate König war, wurde er schnell als ‚Winterkönig‘ verspottet.

In Böhmen wurde mit den Aufständischen kurzen Prozess gemacht; die Anführer wurden hingerichtet, andere Beteiligte mussten hohe Geldstrafen zahlen oder ihren Grundbesitz abgeben. Damit Ferdinand seine Söldnerarmee irgendwie bezahlen konnte, hatte er den Silbergehalt in den Münzen verringern lassen, um mehr davon prägen zu können. Nach dem Sieg der Truppen, wurde der Wert wieder erhöht. Der eingezogene Grundbesitz wurde nun versteigert – und hier tat sich besonders ein Mann hervor, der Grund und Boden in Böhmen mit minderwertigem Geld aufkaufte und so reich und sogar adlig wurde. Er wird uns später nochmal begegnen.

Die Hinrichtung des Anführers des böhmischen Aufstands. Wer klickt, sieht mehr.

Auf der anderen Seite des Reiches begann Spanien gerade wieder Krieg mit den Niederlanden. Spanien hoffte, dass der habsburgische Vetter in Wien ihn unterstützen würde und überwies dem Kaiser in hübscher Regelmäßigkeit Geld, um die kaiserliche Armee bei Laune zu halten. Und weil die Spanier, die von Norditalien aus nach Norden in die Niederlande marschierten, gerade in der Gegend waren, eroberten sie im Handstreich die quasi leerstehende Kurpfalz.

Nun, was tun mit der pfälzischen Kurwürde? Der Kaiser entschied sich, Maximilian zu belohnen und übergab ihm die Pfalz und übertrug die Kurwürde auf das Herzogtum Bayern. Das schreckte viele Fürsten und Städte im Reich auf. Wenn der Kaiser mal eben so ein Kurfürstentum von der Karte streicht und die Kurwürde wem anders gibt, warum sollte er dann nicht auch das ganze Reich wieder katholisch machen wollen? Das war die Furcht der protestantischen Reichsstände, die nun mit der Aufrüstung begannen. Diese unbegründete Sorge wurde noch verstärkt, denn Friedrich war zwar besiegt, aber es gab noch immer protestantische Söldner, die nun durch das Reich eierten. Angeführt wurden sie von einem Heerführer, den man den ‚tollen Christian‘ oder ‚tollen Halberstädter‘ nannte, weil er so toll war und ein Faible für reichlich abenteuerliche Aktionen hatte.

Die kaisertreuen Truppen stießen den tollen Protestanten nach, immer weiter nach Norden.

Wie Bayern fast in Belgien war Freitag, Apr 15 2011 

– Der Tausch Bayerns gegen Österreich

Im Heiligen Römischen Reich waren die Wittelbacher eine der mächtigsten Dynastien (auch wenn sie nie einen König stellen konnten, hihi), herrschten über das Kurfürstentum Bayern, über die Kurpfalz und die Herzogtümer Berg und Jülich.

Die hellgrünen Flächen sind von Wittelsbachern beherrschte Gebiete. Das Gebiet nördlich von Regensburg und östlich von Nürnberg ist die Oberpfalz.

Die ganzen Gebiete waren natürlich nicht ein zusammenhängender Staat, sondern mehrere. Wichtig ist erstmal nur die Kurpfalz und Bayern. Kurfürst von der Pfalz war Karl Theodor, er stammte aus der Linie Pfalz-Sulbach, während in Bayern Maximilian III. aus der Linie der bayerischen Wittelsbacher herrschte.

Maximilian III.

1777 starb Maximilian III., ohne einen direkten Erben zu haben. Damit starb auch die ganze bayerische Wittelsbacherlinie aus. Durch einen Vertrag wurde schon vor dem Ableben des bayerischen Herzogs festgelegt, dass Karl Theodor von Mannheim nach München ging und damit zwei Kurfrüstentümer regieren konnte – einmal die Kurpfalz und einmal das Kurfürstentum Bayern. Damit eine Person nun nicht dauerhaft zwei Stimmen bei der Königs- und Kaiserwahl hatte, durfte er nur eine seiner zwei Kurfürstenwürden ausführen. Aber das nur am Rande.

In Österreich begann man, vor Sorge zu rotieren – eine neue Großmacht im Reich? Erst vor ein paar Jahren hatte man Schlesien an Preußen verloren und Friedrich dem Großen so geholfen, sein Königreich Preußen zur Großmacht zu erheben. In Wien steckte man also die Köpfe zusammen und grübelte, wie man nun selbst vom Aussterben der Wittelsbacher profitieren könnte. Und man hatte eine Idee! Der Kaiser erhob für sein Österreich einfach Anspruch auf Bayern, genauer gesagt auf Niederbayern und die Oberpfalz.

Bayern haben, das gefiel den Österreichern. Um Karl Theodor nicht vor den Kopf zu stoßen, bot man an, Gebiete zu tauschen. Österreich bekommt Bayern und Karl Theodor bekommt Vorderösterreich, also den Breisgau. Die Idee gefiel Karl Theodor und er willigte ein.

Vorderösterreich, im Südwesten Deutschlands. Einiges davon wollte man gegen Niederbayern und die Oberpfalz eintauschen. Klicken zum vergrößern

Aber wie das nunmal so ist, es gibt immer jemanden, der den Miesepeter spielt. In diesem Fall war der Miesepeter Preußen. Auch andere Fürsten im Reich stieß das Tauschgeschäft übel auf, aber Preußenkönig Friedrich II. erklärte Österreich gleich den Krieg. Damit hatte er Erfahrung, denn er hatte auf diese Weise Schlesien von Österreich geklaut. Also wieder Krieg, der Alte Fritz schickte seine Armee ins österreichische Böhmen.

Allerdings verhoben sich beide Kriegsparteien; früh kam es zu logistischen Problemen. Schlachten gab es keine, stattdessen eierten die Armeen durch die Lande und versorgten sich irgendwie, weswegen die Preußen das ganze auch „Kartoffelkrieg“ nannten. Die Österreich waren die meiste Zeit damit beschäftigt, Lebensmittel für ihre Armee zu beschlagnahmen. Zwischen dem Kaiser in Wien und dem König aus Berlin herrschte stillschweigend die Abmachung, von einer Schlacht abzusehen. Ein Jahr später wurde ein Frieden vereinbart und das Tauschprojekt stillschweigend bleiben gelassen.

Zumindest für ein paar Jahre.

Sechs Jahre später, also 1785, erhob Österreich erneut Ansprüche auf Bayern, aber diesmal wollte man sich in Wien nicht mit Niederbayern und der Oberpfalz zufrieden geben, sondern beanspruchte das ganze Kurfürstentum. Und wieder machte man Karl Theodor ein verlockendes Angebot, diesmal die Österreichischen Niederlande, also das heutige Belgien. Damit wären die Besitztümer Karl Theodors, nämlich Jülich, Berg und die Kurpfalz alle ganz kompakt beieinander gelegen. Und damit nicht genug, der Kaiser versprach Karl Theodor auch noch, ihn zum König zu erheben – zum König von Burgund. Da wurden Karl Theodors Augen feucht, ein großes Gebiet beherrschen und König sein! Das wäre was. Also willigte er ein.

Da freut sich Karl Theodor!

Und wieder schrieen die Preußen und formten mit anderen Fürsten im Reich einen Fürstenbund, um die Österreicher von ihrem Vorhaben abzuhalten. Und wieder ließ man in Wien von dem Vorhaben ab. Bis 1793. Da änderten die Preußen urplötzlich ihre Meinung und sagten, dass die Österreich tauschen könnten, was sie wollten. Das tat man nicht, weil man in Berlin auf einmal so österreichfreundlich geworden wäre, sondern weil man gerade dabei war, Polen aufzuteilen und aus Wien grünes Licht für die Teilung wollte. Was Preußen schließlich auch bekam.

Zum Tauch Bayern gegen Belgien kam’s jedoch nicht mehr, denn Österreich hatte schon bald nichts mehr zum tauschen. Die Heere der Französischen Revolution rollten bis an den Rhein heran und besetzten auch die Österreichischen Niederlande.

Alle König, außer uns Montag, Sep 20 2010 

– Die Wittelsbacher und die Königswürde

Im 18. Jahrhundert war es äußerst schick, sich „König“ nennen zu dürfen. Markgraf oder Herzog konnte jeder, aber König, das war was besonderes!

Frankreich hatte einen König, die Spanier auch und die Englischen Könige besaßen gleich zwei Königskronen, nämlich die von England (wenig überraschend) und die von Schottland. Die Dänen und Schweden waren auch Könige. Nur im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation sah die Sache etwas anders aus. Nur der Kaiser durfte Standeserhöhungen im Reich vornehmen und so andere Fürsten in den Rang eines Königs erheben. Darauf hatte der Kaiser aber vergleichsweise wenig Lust, denn mehr Könige hätte auch mehr Konkurrenz bedeutet. Außerdem war er selbst Mehrfachkönig; als Kaiser war er ja auch gleichzeitig deutscher König. Nebenbei war er zu der Zeit auch König von Böhmen und König von Ungarn.

Also suchten sich die deutschen Fürsten ihre Königskronen eben im Ausland. Zum Beispiel Hannover. Der Kurfürst von Hannover ging eine Personalunion mit England ein und wurde so auch König von Großbritannien. Der Kurfürst von Sachsen ließ sich einfach zum König wählen; Polen war eine Wahlmonarchie, ähnlich wie das Heilige Römische Reich. So wurden die Herzöge von Sachsen Könige von Polen.

Die Brandenburger machten sich ihre Königswürde im Grunde selbst. Ihnen gehörte das Gebiet, was man heute als Ostpreußen kennt. der Markgraf von Brandenburg krönte sich dann selbst zum König in Preußen, später nannte er sich König von Preußen. Das konnte er machen, weil Preußen kein Teil des Heiligen Römischen Reiches war und der Kaiser dort nichts zu melden hatte.

Das Heilige Römische Reich am Ende des 18. Jahrhunderts. Draufklicken zum Vergrößern. Und mit "Vergrößern" meine ich richtig, richtig groß vergrößern.

Weil nun König größer als Markgraf ist, nannte man den Markgrafen von Brandenburg bald nur noch König von Preußen.

Alle großen Fürsten hatten sich also Königstitel besorgt. Nur die Bayern, respektiv das Herrschergeschlecht der Wittelsbacher, hatte keine Königskrone. So sehr sie sich auch bemühten, es wollte einfach nicht hinhauen.

Dann schließlich ergab sich eine Gelegenheit; der geisteskranke König von Spanien starb und hinterließ keinen Thronfolger. Also ging das Geschachere um den spanischen Thron los. Die Verhandlungen endeten und die Wittelsbacher standen fünf Meter vor dem Ziel! Der Sohn des bayerischen Kurfürsten sollte spanischer König werden, damit waren alle einverstanden. Also begab sich der König in spe auf die Reise nach Spanien. In München ließ man schonmal die Korken knallen – immerhin hatte es endlich jemand aus dem Hause Wittelsbach zu etwas gebracht!

Nach der Freude kam der Schock, der Bayernspross starb unerwartet in Brüssel. Damit stand die Thronfrage in Spanien wieder offen und es kam zum Krieg. Österreich und Frankreich rangelten um den Thron. Am Ende des Spanischen Erbfolgekrieges kam ein Franzose auf Spaniens Thron. Wieder gingen die Bayern leer aus.

Bis eines Tages ein kleiner Franzose namens Napoleon durch Europa zog und den Bayern die Königswürde spendierte. Das war toll für die Bayern, hatte aber auch einen bitteren Nachgeschmack.

Denn Napoleon machte alles zu Königen, was nicht bei drei auf den Bäumen war.