Der Krieg aller Kriege VIII Samstag, Jun 18 2011 

– Der Westfälische Friede

Ab 1642 kamen die Gesandten aller am Krieg beteiligten Parteien an den Kongressorten zusammen, um endlich Frieden zu schließen. In Münster und Osnabrück sollte also der Krieg ein für allemal beendet werden. In Münster verhandelte der Kaiser mit den Franzosen, in Osnabrück der Kaiser mit Schweden. Ferdinand III. wollte verhindern, dass die Reichsfürsten und -städte selber Gesandte nach Westfalen schicken, was ihm aber nicht gelang. Schließlich musste er akzeptieren, dass nicht der Gesandte des Kaisers allein mit den auswärtigen Mächten verhandelt, sondern dass er die Fürsten des Reichs im Rücken hatte.

Der Friedenskongress war etwas bisher nie da gewesenes, noch nie hatten sich alle Kriegsparteien zusammengesetzt und versucht, Frieden zu schließen. Da verwundert’s nicht, dass es allereli Probleme mit dem Protokoll gab. Selbst solche Kleinigkeiten, wie die Anrede der Gesandten, war eine Herausforderung. Die Franzosen erkannten Ferdinand beispielsweise nicht als Kaiser an, weil ihrer Auffassung nach die Wahl Ferdinands nicht rechtens war – denn der Kurfürst von der Pfalz hatte ja nicht mitgestimmt; seine Kurwürde hatte Maximilian von Bayern – nach französischer Auffassung widerrechtlich – erhalten. Für die französischen Gesandten war Ferdinand nicht Kaiser, sondern bloß König von Ungarn, sodass die Botschafter Richelieus zunächst nur über Dritte mit den Gesandten des ungarischen Königs Kaisers redeten.

Aber wenigstens redete man überhaupt!

Eigentlich sollte sowohl in Osnabrück wie auch in Münster nicht direkt miteinander verhandelt werden, sondern über Mediatoren. In Münster übernahmen Botschafter aus Venedig und dem Vatikan die Leitung der Verhandlungen zwischen den Franzosen, den Reichsständen und dem Kaiser – denn es war ja konfessionell getrennt: in Münster das katholische Frankreich mit dem katholischen Kaiser hatte katholische Mediatoren. In Osnabrück sollte eigentlich das protestantische Dänemark diese Mediatorenrolle übernehmen, aber das protestantische Schweden weigerte sich, die dänischen Vertreter auch nur mit den Fußsohlen anzugucken. Schweden führte nämlich gerade Krieg gegen Dänemark. Es ging – mal wieder – um die Vorherrschaft im Ostseeraum. Also verhandelte man in Osnabrück ohne Mediator und direkt miteinander.

Währenddessen ging der Krieg unvermindert weiter. Osnabrück, Münster und die Verbindungsstraßen dazwischen waren neutral, dort durfte sich kein Soldat aufhalten. Alle Botschafter zögerten die Verhandlungen gerne heraus, weil sie hofften, dass das Kriegsglück sich noch wenden würde und man so eine bessere Ausgangsposition haben könnte und dementsprechend höhere Forderungen an den Feind stellen dürfte.

Was wollten die einzelnen Parteien überhaupt?

Fangen wir an mit Schweden. Schweden wollte vor allem einen ehrenvollen Frieden, bei dem Königin Christina nicht absolut blamiert darsteht. Der schwedische Reichskanzler Oxenstierna, dessen Sohn in Osnabrück die schwedische Delegation anführte, forderte finanzielle Entschädigung für die Armee und Gebiete in Norddeutschland. Besonders die Bistümer Bremen und Verden, Vorpommern und die Stadt Wismar wollte man gern haben.

Die Reichsfürsten, ob katholisch oder protestantisch, wollten vor allem den Ausgleich zwischen den Konfessionen und die Macht des Kaisers beschneiden, damit dieser nicht wieder so viel Unfug anstellen könne. Die Reichsstände wollten im Reich ein gehöriges Wort mitreden können.

Die Niederlande wollten ihre Unabhängigkeit festschreiben und von Spanien hochoffiziell anerkennen lassen.

Frankreich wollte um jeden Preis die Einklammerung von Habsburgern verhindern. Die Franzosen forderten, dass die Habsburger im Reich kein Bündnis mehr mit den Habsburgern in Spanien eingehen dürfen. Der Kaiser sollte den Reichsfürsten erlauben, sich wieder Bündnispartner im Ausland suchen zu dürfen (was durch den Prager Frieden ja verboten worden war). Damit wollten die Franzosen sich die Möglichkeit offen halten, notfalls eine antihabsburgische Allianz im Reich gründen zu können, damit man wenigstens den Kaiser beschäftigen könnte, falls es gegen die Spanier geht. Außerdem wollte Frankreich die Bistümer Verdun, Toul und Metz und den ganzen habsburgischen Besitz im Elsass haben, sowie die Vogtei (also die Rechtssprechung im weitesten Sinn) über zehn elsässische Reichsstädte. Die Gebiete hätte man gerne als Reichslehen bekommen, womit Frankreich mit Sitz und Stimme im Reichstag vertreten gewesen wäre und in der Reichspolitik ordentlich hätte mitmischen können.

Der Kaiser wollte nun unbedingt Frankreich aus dem Reich halten und das Reich nicht auseinanderfallen lassen. Vielen Forderungen musste er nachgeben.

Schweden erhielt genau das, was es auch gefordert hatte, nämlich Geld, Wismar, die Bistümer Bremen und Verden und Vorpommern samt Rügen und der Odermündung. Sie waren damit glücklich.

Die Niederlande bekamen ihre Unabhängigkeit von Spanien und schauten nun skeptisch nach Frankreich, das mit Spanien im Krieg war. Die Spanischen Niederlande (etwa das heutige Belgien) blieben bei Spanien und Frankreich hätte dieses Gebiet gerne gehabt und so eine direkte Grenze mit den nun unabhängigen Niederlanden gehabt. Doch den Holländern gefiel der inzwischen ziemlich schwache Pufferstaat zwischen ihnen und den übermächtigen Franzosen, weswegen man sich rasch mit Spanien einigen konnte. Im Windschatten der Niederlande schlüpften auch die Schweizer aus dem Reich hinaus und wurden unabhängig.

Frankreich war der größte Absahner auf dem Kongress. Verdun, Metz und Toul wurden französisch, den Sundgau (das liegt zwischen dem Elsass und der schweizerischen Grenze) habsburgischen Elsassbesitz auch und die Vogtei über die zehn Reichsstädte bekamen sie auch, sowie die rechtsrheinische Stadt Breisach bei Freiburg und die Festung Phillipsburg bei Speyer. Allerdings bekamen sie die Gebiete nicht als Reichslehen, sondern als souveräne Territorien, womit’s mit der Reichsstandschaft essig war. Der Kaiser und der spanische König mussten auf Bündnisse verzichten, was beide vernünftig akzeptierten.

Das Reich mit seinen Territorien und abgetretenen Gebieten. Schweden im Norden bekam seine Gebiete als Reichslehen und war – ebenso wie Dänemark – mit Sitz und Stimme auf dem Reichstag vertreten. Klicken für größere Karte.

Die Reichsstände durften dafür wieder Bündnisse eingehen, wie sie wollten, solange sie sich nicht gegen das Reich richteten. Und noch mehr! Das ständige Gerangel um die Konfession wurde endlich beigelegt. Als Normaljahr wurde 1624 festgelegt. Alle Klöster, die danach aufgelöst worden waren, mussten wieder hergestellt werden. Das galt für das ganze Reich, aber nicht für Böhmen. 1624 war für alle Beteiligten Annehmbar, denn es lag nach der Niederschlagung des Aufstands in Böhmen, aber vor dem Restitutionsedikt. Damit war der Grundsatz cuius regio, eius religio hinfällig, denn man hatte den Zustand von 1624 festgebacken und an dem durfte niemand mehr rütteln. Die Landesherren konnten nicht mehr einfach so nach gutdünken über die Religion ihrer Untertanen bestimmen. Die Calvinisten wurden endlich als protestantische Glaubensgemeinschaft offiziell anerkannt

Außerdem wurden alle Institutionen des Reiches paritätisch besetzt. Das bedeutet, dass überall genauso viele Protestanten wie Katholiken vorhanden sein mussten. In Reichsstädten wie Augsburg, wo Protestanten und Katholiken etwa gleich stark vertreten waren, wurde der Rat ebenso aufgeteilt.

Die Kurpfalz wurde wieder hergestellt! Aber Maximilan von Bayern weigerte sich, die pfälzische Kurwürde wieder rauszurücken, weswegen eine neue, eine achte Kurwürde eingerichtet wurde, die der Sohn des Winterkönigs, Karl Ludwig, bekam. Damit gab es nun acht Kurfürsten im Reich.

Insgesamt war der Westfälische Friede der Startschuss für das moderne Völkerrecht. Politikwissenschaftler sprechen von den internationalen Beziehungen zwischen Staaten heutzutage immer noch vom ‚Westphalian System‘, denn in Münster und Osnabrück sprachen zum ersten Mal Staaten auf Augenhöhe miteinander. Staaten, wie wir sie immer noch kennen.

Die Unterzeichnung des Friedens von Münster. Klicken für größeres Bild.

1648 war es also endlich geschafft, die Friedensschlüsse von Münster und Osnabrück wurden unterzeichnet. Im ganzen Reich war die Freude groß, überall läuteten die Kirchenglocken, als das Ende eines Krieges bekannt gegeben wurde, von dem viele schon gar nicht mehr glaubten, dass er überhaupt mal enden würde. Der Frieden sollte für die Ewigkeit halten (was 40 Jahre lang auch ganz gut klappte) nach diesen dreißig Jahren Krieg.

1648 endete das, was 1618 in Prag anfing und sich zum schlimmsten Krieg entwickelte, den man sich damals vorstellen konnte. Nach dreißig Jahren endete endlich für die Zeitgenossen der Krieg aller Kriege.

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Der Krieg aller Kriege VII Donnerstag, Jun 9 2011 

– Der Prager Friede

Nach dem Tod des Schwedenkönigs übernahm der schwedische Reichskanzler Oxenstierna die Führung der Armee und versuchte, den Krieg für Schweden weiter günstig laufen zu lassen. Die Chancen standen nicht schlecht, denn mit Wallenstein fehlte der kaiserlichen Armee ihr fähigster Heerführer und nun musste sich der Kaiser mehr oder weniger auf die Liga stützen.

Allerdings lief es für die Schweden alles andere als gut, denn ihr Bündnis mit den protestantischen Fürsten begann zu bröckeln. Besonders bockig verhielt sich Sachsen, das im Bund die Führung der protestantischen Reichsstände beanspruchte, was den Schweden weniger lieb war; man wollte selber das Sagen haben. So kam es, dass die Verbündeten langsam entfremdeten. Das kaisertreue Sachsen näherte sich wieder an den Kaiser an, stieg aus dem Bündnis mit Schweden aus – und schloss mit dem Kaier Frieden! 1635 unterzeichneten der Kaiser und der Kurfürst von Sachsen den Frieden von Prag, dem alle anderen Fürsten des Reiches beitreten konnten (was im Laufe der Zeit auch fast alle taten).

Ziel und Hoffnung des Kaisers war es, alle Fürsten des Reichs, ob protestantisch oder katholisch, wieder zu einen und die schwedischen Truppen und die französischen Soldaten (die inzwischen auch Krieg führten, aber dazu gleich mehr) aus dem Reich zu drängen und so Frieden zu schaffen. Um die Bedingungen für alle betroffenen Fürsten akzeptabel zu machen, einigte man sich auf ein Normaljahr, nämlich 1627. Alle religiösen Änderungen in den Gebieten und alle Kirchengüter, die bis 1627 eingezogen wurden, durften so bestehen bleiben. Alles, was seit 1627 geändert wurde, musste wieder auf den stand von 1627 gebracht werden.

Diese Aussichten waren für die allermeisten Fürsten annehmbar und sie traten dem Frieden bei. Alle Truppen der Fürsten sollten zu einer einzigen Reichsarmee zusammen gelegt werden, die dann formal dem Kaiser unterstand. Und damit sich die Fürsten nicht bei der nächstbesten Gelegenheit wieder aus dem Bund mit dem Kaiser lösten und sich dem König von Frankreich oder Schweden um den Hals warfen, wurde allen Fürsten verboten, Bündnisse einzugehen. Weder mit ausländischen Mächten – womit Schwedens Bündnis zusamenfiel wie ein Kartenhaus – noch untereinander. Damit war auch die Katholische Liga Geschichte.

Allein geholfen hatte es wenig. Während man gegen die Schweden ein paar Erfolge feiern konnte, machten die Franzosen mehr Druck. Frankreich befand sich schon seit iniger Zeit mit Spanien im Krieg. In Paris fürchtete man, irgendwann von Habsburgern umzingelt zu sein: Spanien im Süden, im Osten das Reich und der Kaiser und im Norden die Spanischen Niederlande. Dass der Kaiser den Reichsfürsten verboten hatte, mit ausländischen Mächten Bündnisse zu schließen, traf Frankreich schwer, verschärfte da doch ihre Lage in der Habsburgklammer.

Der König von Frankreich hatte einen hervorragenden Staatsminister, nämlich Kardinal Richelieu. Richelieu wusste genau, was zu tun war: man musste Schweden davon abhalten, aus dem Krieg auszusteigen.

Kardinal Richelieu (links, rechts und mitte)

Dazu musste Schweden irgendwie in ein Bündnis mit Frankreich gebracht werden. Und da half das liebe Geld. Schweden war seit so ziemlich immer pleite und konnte sich nur durch Kontributionen aus den besetzten Gebieten über Wasser halten. Der Vormarsch der Reichstruppen verkleinerte das potentiell auspressbare Gebiet und damit die Möglichkeit, eine schlagkräftige Armee zu unterhalten. Frankreich lockte die Schweden also mit Geld in ein Bündnis.

Das protestantische Schweden im Bund mit dem katholischen Frankreich kämpfen gegen den katholischen König von Spanien, den katholischen Kaiser und seine katholischen und protestantischen Reichsfürsten – wir sehen, um Religion ging es schon lange nicht mehr.

Die Franzosen bekämpften besonders die Spanier, die über die sogenannte Spanische Straße in die Niederlande marschierten, um die abtrünnigen Holländer zu bekämpfen. Eigentlich hatte sich Spanien schon mit der Abspaltung der Niederlande abgefunden und war theoretisch auch bereit, deren Unabhängigkeit anzuerkennen. Was man aber in Madrid gar nicht gerne sah, waren die Kaperfahrten, die niederländische Schiffe in der Karibik durchführten. Im Zuge dessen verlor Spanien Schiffsladungen von Gold und Silber, die für ein ganzes Jahr hätten reichen müssen.

Die Spanische Straße. Orange und violett sind die Besitzungen der spanischen Habsburger, grün sind die Besitztümer des Kaisers.

Der Krieg hatte sich im Grunde festgefahren, keine Seite konnte seine Ansprüche allein durch Soldaten durchsetzen. Richelieu verlangte für Frankreich Gebiete im Elsass und Bündnisfreiheit für die Reichsfürsten, Oxenstierna verlangte für Schweden einen ehrenvollen Frieden, das bedeutet, Geld für den Unterhalt der Armee und Gebiete im Norden des Reiches, am liebsten an der Ostseeküste. Der Kaiser wollte unterdessen nur Einzelfrieden mit den Schweden und Franzosen schließen, keinen gemeinsamen, der alle drei Kriegsparteien umfasst.

1637 starb Kaiser Ferdinand II. und sein Sohn, Ferdinand III., folgte ihm auf den Thron. Geändert an der Situation hat es nichts.

Vier Jahre später schlossen die drei Parteien in Hamburg einen Vertrag, dass man bald Friedensverhandlungen einberufen sollte. Hier konnte sich Richelieu durchsetzen, der einen Friedenskongress für alle beteiligten Fürsten wollte, auch für die einzelnen Reichsfürsten, was der Kaiser den Fürsten aber verbieten wollte. Der Kongress sollte nach Konfessionen getrennt ablaufen und als Verhandlungsort wurden zwei Städte samt ihrer Verbindungsstraßen als neutrale Zone vereinbart, die nicht angegriffen werden durfte. An anderen Orten ging der Krieg weiter, als sei nichts gewesen.

Ab 1642 traf man sich zu Friedensverhandlungen in Westfalen. In Münster und in Osnabrück.

Der Krieg aller Kriege VI Samstag, Jun 4 2011 

– Der Schwedische Krieg

1630 landete eine gewaltigte Streitmacht in Norddeutschland: Schwedenkönig Gustav Adolf hatte mobil gemacht und mischte sich nun in den Krieg im Reich ein.

Gustav Adolf, König der Schweden und knapp bei Kasse

Die schwedische Armee krankte fast den gesamten Krieg über an dem gleichen Problem wie die kaiserlichen Truppen (wenn nicht gerade Wallenstein bezahlte): sie konnte nur schwerlich die eigenen Soldaten bezahlen.  Glücklicherweise gab es ja Frankreich und die Franzosen hassten nichts so sehr wie die mächtigen Habsburger. Die saßen mit dem Kaiser ja nicht nur an der Ostgrenze Frankreich, sondern ja auch noch in Spanien; die Franzosen waren quasi von Habsburgern umzingelt. Das tat ihnen recht missfallen und so ein Gustav Adolf, der sich anschickte, Krieg gegen die Habsburger zumindest im Reich zu führen, kam ihnen gerade recht. Also überwiesen sie regelmäßig Geld an die Schweden.

Aber genug davon, was machte Gustav Adolf nun eigentlich im Reich, warum ist er in Pommern gelandet? Zum einen war Schweden ein protestantisches Land und Gustav Adolf gefiel es gar nicht, dass der katholische Kaiser den Protestantismus im Norden des Reiches bedrohte. Und zum anderen gefiel es ihm noch weniger, dass die mächtigen Habsburger sich mit Mecklenburg ein Standbein an der Ostsee verschafften. Also war Krieg das Mittel der Wahrheit.

Und Gustav Adolf war unheimlich erfolgreich, schlug eine Schlacht nach der anderen und gewann Kampf um Kampf. Viele protestantische Reichsfürsten hießen den ‚Löwen aus Mitternacht‘ willkommen, bejubelten den Befreier. Viele von ihnen gingen ein Bündnis mit dem Schwedenkönig ein.

Nur das Kurfürstentum Sachsen hielt sich heraus. Sachsen wollte weder an der Seite des Schwedenkönigs kämpfen – weil der ja gegen den Kaiser kämpfte – und auch nicht an der Seite des Kaisers – der ja gerade den Katholizismus zu neuen Höhenflügen verhalf. Sachsen wollte sich als dritte Partei etablieren und formte zusammen mit anderen Reichsfürsten den Leipziger Bund – gerichtet gegen die Schweden und gegen den Kaiser und die Liga. Man hoffte, sich zwischen den beiden großen Kriegsparteien durchwurschteln zu können, quasi ein ausgleichendes Gegengewicht zu bilden. Dazu wurde kräftig aufgerüstet.

1631 belagerte Tilly, Heerführer der Liga und der kaiserlichen Truppen (der in Ungnade gefallene Wallenstein hatte sein Herzogtum Mecklenburg an die Schweden verloren und war auf sein Gut in Böhmen zurückgekehrt), die protestantische Stadt Magdeburg, die im Bündnis mit Schwedenwar. Und die Belagerung war erfolgreich, denn die Stadt wurde eingenommen und völlig verwüstet. Die Soldaten plünderten, was nicht niet- und nagelfest war, der Rest wurde angezündet oder sonstwie kaputt gemacht. An der Bevölkerung verübten die katholischen Truppen ein Massaker (20.000 Zivilisten sollen umgekommen sein).

Die Belagerung und Zerstörung Magdeburg schockierte alle Kriegsparteien, selbst Tilly und andere Beteiligte. Klicken, um das Bild zu vergrößern.

Die protestantische Seite schlachtete die Zerstörung Magdeburgs propagandistisch aus. Klicken, um das Bild zu vergrößern.

Die Zerstörung einer protestantischen Stadt gab vielen protestantischen Reichsfürsten einen guten Grund, sich auf die Seite Schwedens zu schlagen – wer konnte schon sagen, ob die katholischen Truppen nicht auch andere Städte ‚magdeburgisieren‘?

Auch der Leipziger Bund sah sich genötigt, weiter aufzurüsten. Der Kaier beobachtete das argwöhnisch, vor allem, weil Schweden versuchte, Sachsen auf die eigene Seite zu ziehen. Und ein militärisch hochgerüstetes Sachsen auf der Seite Gustav Adolfs wäre nun wirklich nicht das gewesen, was Kaiser Ferdinand II. gebraucht hätte. Also stellte er dem Kurfürsten ein Ultimatum. Er solle seine Rüstungsanstrengungen bleiben lassen oder die kaiserliche Armee rückt in das Land ein. Tilly marschierte schon richtung sächsischer Grenze – und Sachsen sah sich in arger Bedrängnis. Der Leipziger Bund scheiterte schließlich, weil der Kaiser das ehemals treue Kurfürstentum Sachsen geradewegs in die Arme der Schweden trieb. Schweden, zusammen mit vielen protestantischen Reichsständen und Sachsen, gegen den Kaiser!

1632 blieb dem Kaiser keine andere Wahl, händeringend suchte er eine Möglichkeit die drohende Katastrophe abzuwenden. Gustav Adolfs Armee walzte durch das Reich, der Schwedenkönig gewann die Kontrolle über weite Teile des Reiches – und fiel sogar in Bayern ein! Das Land wurde verwüstet, München von den schwedischen Truppen erobert und Gutsav Adolf nahm Anlauf auf Wien. Der Kaiser war in arger Bedrängnis. Mehr noch, viele Katholiken fürchteten (zu Unrecht allerdings), dass der Schwed‘ über die Alpen nach Rom marschieren könnte und den Katholizismus ein für alle mal auslöschen könnte!

In letzter Not entschied sich der Kaiser für einen unpopulären Schritt: er holte Wallenstein zurück. Der Heerführer wurde wieder zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen, stellte eine schlagkräftige Truppe auf und sollte sich dem Schwedenkönig stellen. Das erste Zusammentreffen der beiden Schlachtenlenker ereignete sich in Nürnberg. Dort brach Wallenstein Gustav Adolfs Nimbus der Unbesiegbarkeit. Und er setzte dem Schwedenkönig weiter zu.

Bei Lützen kam es nun 1632 zur entscheidenen Schlacht zwischen dem Schwedenkönig Gustav Adolf und Wallenstein.

Die Schlacht von Lützen auf einem Flugblatt. Klicken, um das Bild zu vergrößern.

Für den Kaiser und seinen Generalissmus Wallenstein lief der Krieg wie am Schnürchen, für die Schweden war die Schlacht von Lützen jedoch eine riesige Niederlage: Gustav Adolf fiel auf dem Schlachtfeld. Damit waren die Schweden nicht nur ihres Königs beraubt, sondern verloren auch einen brillianten Herrführer.

Der Tod Gustav Adolfs – erschossen aus nächster Nähe von einem kaiserlichen Söldner. Klicken zum Vergrößern.

Der Tod des Königs traf die Schweden schwer, denn die Thronfolgerin Christina war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal sechs Jahre alt. Vorübergehend übernahm der schwedische Kanzler Axel Oxenstierna die Amtsgeschäfte und den Oberbefehl über das schwedische Heer.

Beim Kaiser in Wien hätten nun die Korken knallen können. Doch wieder wurden Proteste der Reichsstände über Wallenstein laut, dessen militärischer Erfolg vielen Fürsten ein wenig unheimlich wurde. Vor allem Herzog Maximilian von Bayern, der Führer der Liga, kritisierte wieder diesen Emporkömmling Wallenstein, weil die Erfolge des Aufsteigers mit seiner kaiserlichen Armee wieder die Liga an den Rand drängten. Aber anders als beim ersten Mal waren die Proteste und Anschuldigungen deutlich schärfer. Man fürchtete, Wallenstein könnte zu mächtig werden oder könnte sich gegen den Kaiser wenden – immer wieder versuchte Wallenstein, mit den Schweden zu verhandeln, um die Kämpfe zu beenden. Der Generealissimus war in den Augen der Fürsten gefährlich – zu gefährlich. Der Kaiser ließ seinen Oberfehelshaber ein zweites Mal fallen wie eine heiße Kartoffel – und diesmal endgültig.

1634 wurde Wallenstein vom Kaiser wegen Verrats verurteilt. Einige ehemalige Offiziere Wallensteins schickten daraufhin ein paar Soldaten nach Eger in Böhmen, wo sich Wallenstein aufhielt, und ließen den ehemaligen Heerführer der kaiserlichen Armee auf Geheiß des Kaisers ermorden.

Die Mordnacht von Eger. Klicken für ein größeres Bild.

Gustav Adolf tot, Wallenstein tot. Das Kriegsbündnis der Schweden begann zu bröckeln.

Und ein erster Versuch zum Frieden wurde gemacht.

Der Krieg aller Kriege V Sonntag, Mai 29 2011 

– Der Dänisch-Niedersächsische Krieg und das Kontributionssystem

Die Söldner der Protestanten waren in arger Bedrängnis und zogen sich nach Norden zurück; die Armee der Katholischen Liga, angeführt vom Heerführer Tilly, folgte ihnen. Die Protestantische Union hatte sich längst aufgelöst, quasi pünktlich zu Kriegsbeginn.

Die protestantischen Fürsten im Norden, im niedersächsischen Reichskreis, wurden ein wenig nervös. Dieser Umstand kam dem dänischen König Christian IV. ganz gelegen.

Die Reichskreise. Der niedersächsische Reichskreis ist der rote im Norden. Klicken für’s größere Bild

Denn Christian IV. war ein Reichsfürst, denn er war der Herzog von Holstein, das zum Reich gehörte, und gehörte als solcher zum niedersächsischen Kreis. Insgeheim hoffte er, irgendwie an ein paar geistliche Territorien, wie das Erzstift Bremen, zu kommen. Einfach, damit er ein paar Herrschaftsgebiete für seinen Filius hatte (nicht zuletzt, weil die Schweden ihm im Ostseeraum langsam die Butter vom Brot nahmen). Dazu wollte er die Angst der anderen Kreisangehörigen nutzen und ließ sich 1625 zum Kreisobersten wählen. Die norddeutschen Fürsten erwarteten, dass König Christian ein Heer aufstellt, um sie gegen die katholischen Truppen der Liga zu schützen – und vor den unterbezahlten Protestantensöldnern des tollen Halberstädters.

Christian IV., König von Dänemark und als Herzog von Holstein ein Fürst des Reiches.

Dem Kaiser ging indes das Geld aus und er musste seine Rüstungsanstrengungen zurückfahren und hätte fast schon gar kein eigenes Heer mehr gehabt, wenn nicht ein gewiefter Neureicher gekommen wäre. Ein Söldnerführer, der durch den Kauf böhmischer Ländereien nicht nur stinkreich, sondern auch ein wenig adlig geworden war, bot dem Kaiser an, auf eigene Kosten eine Armee aufzustellen: Albrecht von Wallenstein.

Der Generalissmimus Albrecht von Wallenstein

Eine riesige Armee, die man nicht mal selber bezahlen muss? Das ließ sich Kaiser Ferdinand II. nicht zweimal sagen und nahm Wallensteins Angebot dankend an. Doch der Söldnerführer war ja kein selbstloser Kaiserfan, sondern forderte von Ferdinand, Oberbefehlshaber aller kaiserlichen Truppen zu werden und später die angefallenen Kosten zurückzubezahlen. Der Kaiser willigte ein gab ihm den Oberbefehl.

Bevor wir nun schauen, wie’s im Norden weitergeht, sollten wir einen Blick auf die Art der Finanzierung von Wallensteins Armee werfen. Allein durch sein Vermögen ging’s natürlich nicht, sonst wäre er schnell arm gewesen. Nein, Wallenstein nutzte das sogenannte Kontributionssystem. Das funktionierte folgendermaßen: Eine Armee hatte in einem Land stets das Recht auf vier Kontributionen: Holz, Salz, Licht und Unterkunft. Das musste die Bevölkerung zur Verfügung stellen, für alles andere musste irgendwie der Söldnerführer aufkommen. Wallenstein begann, in den besetzten Gebieten Steuern einzutreiben. Damit konnte er seine Söldner bezahlen. Überhaupt, damit konnte er seine Söldner überhaupt angemessen und pünktlich bezahlen und das war keine Selbstverständlichkeit. Oft lösten sich Armeen langsam auf, weil die Heerführer ihre Soldaten nicht mehr bezahlen konnten. Bei Wallenstein war das jedenfalls nicht so. Das Kontributionssystem hatte einen Haken, man musste das besetzte Gebiet erweitern, wenn man die Armee vergrößern wollte. Oder wenn man das besetzte Gebiet ausgepresst hatte. Dann zog man ins nächste Gebiet und presste das leer, um den Krieg weiterführen zu können. Das ganze lässt sich unter einer griffigen Formel zusammenfassen: Der Krieg ernährt den Krieg. Denn schon bald übernahmen auch alle anderen Heerführer das Kontributionssystem.

Wallenstein kümmerte es wenig, ob es sich bei dem Gebiet, das er gerade besetzt hielt und auspresste wie eine Zitrone, um feindliches, neutrales oder gar mit dem Kaiser verbündetes Gebiet handelte. Dementsprechend verschnupft reagierten so ziemlich alle Reichs- und Kurfürsten auf Wallenstein, egal ob protestantisch oder katholisch.

Bei den Fürsten der Liga – insbesondere beim Bayernherzog Maximilian, der der Liga ja vorstand – machte sich Wallenstein ganz besonders unbeliebt, weil der Kaiser nun nicht mehr von Max‘ Liga abhängig war. Jetzt hatte der Kaiser ja eine eigene Armee.

Aber zurück nach Norddeutschland!

Christian IV. sah sich im Grunde also gleich zwei feindlichen Armeen ausgesetzt – der Ligaarmee unter Tilly und der Kaiserarmee unter Wallenstein. Der Dänenkönig hoffte insgeheim, Frankreich ins Boot holen zu können, um den Habsburgern irgendwie Paroli zu bieten, aber das hatte sich bereits 1625 erledigt. Die französischen Protestanten, die Hugenotten, probten den Aufstand und Frankreich war für längere Zeit mit inneren Problemen beschäftigt.

So kam es dann auch, dass die kaisertreuen Truppen einen Sieg nach dem anderen erringen konnten und besonders Wallenstein sich als hervorragender Logistiker hervortat. Bis 1628 waren die meisten protestantischen Fürsten wieder kaisertreu und die Dänen friedensbereit geschossen. 1629 schloss Dänemark mit dem Kaiser den Frieden von Lübeck. Christian IV. kam mit einem blauen Auge davon; er durfte seinen Besitz vor Kriegsbeginn behalten und musste im Gegenzug auf jegliches Engagement im Reich und im Reichskreis erstmal verzichten.

Der Herzog von Mecklenburg wurde verscheucht und das Land bekam einen neuen Herzog: Wallenstein. Bei den übrigen Reichsfürsten regte sich Widerstand gegen diesen Emporkömmling – und Angst! Der Kaiser war so mächtig, fürchteten viele, vor allem die protestantischen Reichsstände, er könnte das ganze Reich katholisch machen und in eine Erbmonarchie umwandeln! Das war natürlich beides nicht der Fall, aber die Angst war da. Wallenstein musste weg, das war der erste Punkt. Der Kaiser knickte schließlich vor dem Geschrei der Reichsfürsten, ob katholisch oder protestantisch, ob kaisertreu oder neutral, ein. Wallenstein wurde als Heerführer entlassen, blieb aber Herzog von Mecklenburg.

Damit hatten die Habsburger einen ersten Stützpunkt an der Ostsee. Und darüber hinaus die Übermacht im Reich.

Ein Königreich im Norden sah sich bedroht – und ein König setzte die Segel.

Der Krieg aller Kriege IV Freitag, Mai 27 2011 

– Der böhmisch-pfälzische Krieg

Die klugen Leute an Matthias‘ Kaiserhof suchten nun nach Grauzonen im Majestätsbrief und wurden fündig. Es wurde nämlich trotz aller Zugeständnisse an die Protestanten nämlich nichts darüber ausgesagt, was mit protestantischen Kirchen auf katholischem Gebiet in Böhmen passieren soll. Frei von der Leber weg interpretierte der Kaiserhof diese Lücke ganz im eigenen Sinne und begann, protestantische Kirchen in Böhmen abzureißen, insofern sie sich auf Gebiet befanden, das mehrheitlich katholisch war. Das ließen sich die böhmischen Adligen natürlich nicht gefallen, kochend vor Wut marschierten sie flugs nach Prag in die Prager Burg. Dort stellten sie die kaiserlichen Gesandten zur Rede. Nachdem man sich einige Zeit angeschrieen hatte, beschlossen die böhmischen Adligen Nägel mit Köpfen zu machen, packten die Gesandten und warfen sie aus dem Fenster. Das war im Jahre 1618.

Der Prager Fenstersturz. Wer klickt, sieht’s größer.

Die Gesandten überlebten den Sturz und petzten natürlich sofort beim Kaiser. Matthias ließ sich das nicht gefallen und begann, die böhmischen Aufständischen zu vertreiben und das Land wieder in das Reich der Habsburger einzugliedern. Aber die Aufstellung einer Armee sollte seine Zeit dauern.

Die böhmischen Adligen saßen nun in Prag und überlegten fieberhaft, was nun zu tun sei. Dass der Kaiser mit einer Armee anrücken würde, war klar – also musste man sich Verbündete suchen. Am besten bei den protestantischen Reichsfürsten. Doch von denen wollte niemand etwas mit den Rebellen zu tun haben; Sachsen und andere Fürsten erklärten ihre Neutralität in diesem Konflikt und auch die Protestantische Union lehnte ein Beitrittsgesuch Böhmens ab.

Nur einer wollte Böhmen unterstützen. Friedrich V. von der Pfalz ließ sich von den böhmischen Adligen zum König wählen, reiste nach Prag und stellte eine Armee auf. Eine Zumutung für den Kaiser! Die böhmische Krone gehörte dem Haus Habsburg, nicht dem krawalligen Kurfürsten aus der Pfalz!

Friedrich V. von der Pfalz, der Winterkönig. Warum er so hieß, kommt gleich.

Während der Pfalzfritz sich 1619 zum König von Böhmen wählen ließ, gab es für das Reich einen neuen Kaiser. Matthias war gestorben und hatte noch zu seinen Lebzeiten Ferdinand zu seinem Nachfolger wählen lassen. Als Kaiser Ferdinand II. saß jener nun auf dem Thron.

Kaiser Ferdinand II. Er wird uns einige Zeit begleiten.

Ferdinand versuchte nun, händeringend Truppen zusammenzukratzen, um die Aufständischen fortzujagen. Da kam ihm die Katholische Liga zur Hilfe. Das Oberhaupt der Liga war Herzog Maximilian I. von Bayern, erzkatholisch und Feind des Protestantismus. Die Ligatruppen rückten mit den Truppen des Kaisers in Böhmen ein.

Maximilian I., der Ligaführer. Hier ist er schon ein wenig älter.

Am Weißen Berge kam es schließlich zur Entscheidungsschlacht. Zahlenmäßig waren die Truppen Friedrichs überlegen. Es sah nicht gut aus für die Liga. Doch unerwarteterweise ging die böhmische Armee ab-so-lut unter. Die Schlacht am Weißen Berge endete so dermaßen desaströs für Friedrich, dass er ins holländische Exil fliehen musste, als die kaisertreuen Soldaten nach Prag marschierten. Die totale Niederlage Friedrichs und weil er nur ein paar Monate König war, wurde er schnell als ‚Winterkönig‘ verspottet.

In Böhmen wurde mit den Aufständischen kurzen Prozess gemacht; die Anführer wurden hingerichtet, andere Beteiligte mussten hohe Geldstrafen zahlen oder ihren Grundbesitz abgeben. Damit Ferdinand seine Söldnerarmee irgendwie bezahlen konnte, hatte er den Silbergehalt in den Münzen verringern lassen, um mehr davon prägen zu können. Nach dem Sieg der Truppen, wurde der Wert wieder erhöht. Der eingezogene Grundbesitz wurde nun versteigert – und hier tat sich besonders ein Mann hervor, der Grund und Boden in Böhmen mit minderwertigem Geld aufkaufte und so reich und sogar adlig wurde. Er wird uns später nochmal begegnen.

Die Hinrichtung des Anführers des böhmischen Aufstands. Wer klickt, sieht mehr.

Auf der anderen Seite des Reiches begann Spanien gerade wieder Krieg mit den Niederlanden. Spanien hoffte, dass der habsburgische Vetter in Wien ihn unterstützen würde und überwies dem Kaiser in hübscher Regelmäßigkeit Geld, um die kaiserliche Armee bei Laune zu halten. Und weil die Spanier, die von Norditalien aus nach Norden in die Niederlande marschierten, gerade in der Gegend waren, eroberten sie im Handstreich die quasi leerstehende Kurpfalz.

Nun, was tun mit der pfälzischen Kurwürde? Der Kaiser entschied sich, Maximilian zu belohnen und übergab ihm die Pfalz und übertrug die Kurwürde auf das Herzogtum Bayern. Das schreckte viele Fürsten und Städte im Reich auf. Wenn der Kaiser mal eben so ein Kurfürstentum von der Karte streicht und die Kurwürde wem anders gibt, warum sollte er dann nicht auch das ganze Reich wieder katholisch machen wollen? Das war die Furcht der protestantischen Reichsstände, die nun mit der Aufrüstung begannen. Diese unbegründete Sorge wurde noch verstärkt, denn Friedrich war zwar besiegt, aber es gab noch immer protestantische Söldner, die nun durch das Reich eierten. Angeführt wurden sie von einem Heerführer, den man den ‚tollen Christian‘ oder ‚tollen Halberstädter‘ nannte, weil er so toll war und ein Faible für reichlich abenteuerliche Aktionen hatte.

Die kaisertreuen Truppen stießen den tollen Protestanten nach, immer weiter nach Norden.

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