Englands Könige I Sonntag, Mai 8 2011 

– Vom Abzug der Römer zum ersten englischen König

Etwas verspätet, aber aus aktuellem Anlass gibt’s eine neue Reihe. Wie schön, nicht wahr? In den letzten Tagen häuften sich die Suchbegriffe zum Stammbaum des englischen Königshauses. Das ist mal ’ne Aufgabe, also rein ins Getümmel!

Am Anfang gab’s noch nicht so wahnsinnig viel Getümmel, denn da waren die Römer im keltischen Britannien – das, was wir heute England nennen, war die Provinz Britannia. Im Norden, im heutigen Schottland, lebten die Pikten. Sie waren nicht von den Römern unterworfen worden. Vermutlich, weil die Pikten sich arg dolle wehrten und das Piktenland im allgemeinen eher kalt und unwirtlich war.

Viel Freude hatten die Römer aber nicht an ihrer Provinz Britannien, sodass sie sie im 4. Jahrhundert diese unwirtliche Insel aufgaben und versuchten, ihr restliches Reich zu retten.

In den folgenden Jahren schauten drei germanische Stämme vorbei, die Angeln, die Sachsen und die Jüten. Alle drei stammen aus dem Gebiet der heutigen Niederlande, des heutigen Niedersachsen und Dänemarks und siedelten sich in Britannien an, weil’s ihnen dort gut gefiel. Und wie der Sachse halt so ist, gründete auf der Insel ein paar Königreiche. Sachsen und Angeln. Angeln und Sachsen – daraus wurden die Angelsachsen! Und das Land, das sie da besiedelten, war das Land der Angeln. Angelland, Engelland, England. Gar nicht so schwer.

Um 700 existierten sieben Königreiche in England. Essex (Ostsachsen), Sussex (Südsachsen), Wessex (das gleiche im Westen), Northumbrien, Mercia, Kent und East-Anglia (na, wofür „Anglia“ wohl stehen mag). Sieben Königreiche, weswegen diese Zeit auch mit dem griechischen Wort Heptarchie bezeichnet wird, also Herrschaft der Sieben, wenn man so will. Jedenfalls, gut hundert Jahre später, so um 800, kamen wieder fremde vom Kontinent nach England. Diesmal waren es die Wikinger, die aber erstmal nicht siedelten, sondern lieber die Küsten plünderten.

Handelte es sich zuerst um einige vereinzelte Überfälle auf Klöster (die Angelsachsen waren im Laufe der Zeit alle christlich geworden) in Küstennähe, so wurden im 9. Jahrhundert die Wikingerraubzüge pauschalreisenartig durchgeführt. England als Ziel der Plünderparty war besonders bei den Dänen sehr beliebt, sodass sie beschlossen, in England sesshaft zu werden. 865 eroberten sie die zwei angelsächsischen Königreiche Northumbrien und East-Anglia und einen Teil Mercias.

Das blaue Territorium gehörte den Dänen, das rote blieb angelsächsisch.

Weniger Erfolg hatten die dänischen Wikinger in Wessex, denn dort stellte sich ihnen ein Mann (mit seiner Armee) entgegen: der junge wessexische König Alfred. Er brachte den Dänen 878 eine so große Niederlage bei, dass der dänische König Frieden mit Alfred schloss. Die Dänen sollten nicht mehr durch die englischen Königreiche marodieren und durften im Gegenzug ihr bisher erobertes Gebiet in Nordengland behalten und dort tun und lassen, was sie wollten. Das war ein großer Erfolg für Alfred, doch er ruhte sich nicht auf seinen Lohrbeeren aus, sondern arbeitete fleißig in alle Richtungen. Er ließ Städte befestigen. Er trieb Handel mit den Dänen und den übrigen Königreichen. Er betrieb Heiratspolitik und Diplomatie.

Statue König Alfreds in Winchester

Und band so alle übrigen angelsächsischen Königreiche an sich. So wurde König Alfred von Wessex nicht nur König Alfred der Große, sondern auch König aller Angelsachsen und damit erster englischer König.

Advertisements

Der blinde Ritter Samstag, Jan 22 2011 

– Johann von  Böhmen

Es ist schon ziemlich witzig, wie deutsch das englische Königshaus ist. Nicht nur, dass die englischen Könige und Königinnen im Grunde deutschen Adelshäusern angehören (auch wenn sie sich Windsor nennen), auch der Wahlspruch des englischen Thronfolgers, dem Fürsten von Wales, ist in deutscher Sprache verfasst – weil er geklaut wurde! Und woher?

Johann wurde 1296 geboren und war der Sohn Kaiser Heinrichs VII. des Heiligen Römischen Reiches. Als sein Papa 1308 von den Kurfürsten auf den Thron gehievt wurde, bekam Johann die Grafschaft Luxemburg zugeschanzt. Dank ausreichend Vitamin B herrschte dort nun ein Zwölfjähriger. Kurze Zeit später meldeten sich zahlreiche böhmische Adlige bei Heinrich VII. und taten ihren Unmut über den amtierenden böhmischen König kund. Jener wurde kurzerhand abgesägt und der Kaiser schob 1310 Johann quer durchs Reich und gab ihm Böhmen als Lehen. Der böhmische Adel rang dem jungen König noch weitreichende Zugeständnisse ab; so durften Stellen in Böhmen auch nur von Einheimischen besetzt werden.

Johann von Böhmen

1313 war kein gutes Jahr für Johann. Vater, Mutter und Onkel tot, nun wollte der siebzehnjährige Jungspund selber Kaiser werden. Er bemühte sich bei den Kurfürsten, umsonst. Die wollten nämlich gar keinen starken Mann zum Kaiser machen und entschieden sich für einen Schwächling, Ludwig. Ein Wittelsbacher. Zumindest ein Teil der Kurfürsten, ein paar andere entschieden sich für den Kandidaten des Hauses Habsburg, Friedrich den Schönen. Der hübsche Fritz kabbelte nun mit Ludwig; Johann stand Ludwig dabei zur Seite.

Ludwig der Bayer auf seiner Grabplatte

Währenddessen rumorte es in Böhmen, der Adel verlangte mehr Rechte und Johann knickte ein. Nicht zuletzt, weil die Adligen immer wieder mit Krieg gedroht hatten und ihn abzusägen. Sie drohten, einen Habsburger zu ihrem König zu machen. Zu viel Macht kam Johann in Böhmen nicht mehr, weil er sein Engagement auf die Außenpolitik verlagerte. So versuchte er, seine Ansprüche in Polen durchzusetzen, was immerhin dazu führte, dass er ein paar schlesische Herzöge für sich gewinnen konnte. 1335 gab Johann schließlich alle Ansprüche auf den polnischen Thron auf und beschränkte sich auf Schlesien, das er inzwischen kontrollierte.

Das Heilige Römische Reich im 14. Jahrhundert. Das violette Gebiet ist luxemburgisch. Klicken zum Vergrößern.

Zwei Jahre später erblindete er auf einem Auge. Damit die Blindheit nicht auf das andere, gesunde Auge übersprang, musste Guckorgan entfernt werden. Dazu kam der berühmte Quacksalber Mediziner Guy de Chauliac an den Hof zu Prag und operierte den König. Ergebnis der Scharlatanerie war letztlich, dass Johann auch auf dem anderen Auge erblindete. Dies befähigte ihn dazu, den Beinamen „der Blinde“ zu tragen.

Johann und Ludwig begannen, sich voneinander zu distanzieren. Im Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich engagierten sich die beiden Herrscher – Ludwig bei den Engländern, Johann bei den Franzosen. In der Schlacht von Crécy trafen die Franzosen und Johann auf die englische Armee. Johann nahm blind an der Schlacht teil, geführt von seinem Sohn Karl. Die Schlacht lief gut. Für die Engländer. Irgendwann setzte sich Karl von seinem Vater ab und stürzte sich ins Getümmel und auch Johann ritt blindlings in die Schlacht, haute und stach wild umsich und wurde schließlich erschlagen. Kein Wunder, wer blind wie ein Maulwurf ist. Als die Schlacht geschlagen war, stand Edward of Woodstock, der Sohn des englischen Königs und Fürst und Wales, ehrfürchtig vor dem erschlagenen Johann und war sichtlich angetan von dessen Mut. Aus Bewunderung übernahm Edward Johanns deutschen Wahlspruch und machte ihn zum Bestandteil des Wappenzeichens der Fürsten von Wales: Ich dien.

Wappenzeichen des Fürsten von Wales

Mord in der Kathedrale Dienstag, Dez 21 2010 

– Der Fall Thomas Becket

Thomas Beckett war Lordkanzler des englischen Königs. Und er war seit 1162 Erzbischof von Canterbury. Insgesamt war Thomas Beckett also ein ziemlich hohes Tier im Königreich England. Mit König Heinrich II. gab es regelmäßig Probleme, denn beide hatten verschiedene Ansichten, wie Strafverfolgung innerhalb des Klerus auszusehen hätten. Dass mit den klerikalen Verbrechern aufgeräumt werden müsse, darüber waren sich beide einig, aber sollte man sie weltlichen oder geistlichen Gerichten zuführen?

Thomas Becket

Thomas Becket

 Heinrich II. setzte letztendlich seinen Willen durch und Thomas knickte unter dem Druck ein. Später widerrief er seine Zustimmung und machte sich aus dem Staub und floh nach Frankreich. Ein Rücktrittsgesuch Beckets lehnte der Papst ab. Die Frage nach der Gerichtsbarkeit wurde nicht gelöst. Sechs Jahre nach seiner Flucht kehrte der Erzbischof 1170 wieder nach England zurück. Kurz vorher exkommunizierte er noch alle Bischöfe, die den Thronfolger krönen sollten.

Heinrich II.

Heinrich II.

Dem König Heinrich II. schmeckte der aufrührerische Spaltpilz ganz und gar nicht. In einem Tobsuchtsanfall überzog er den Erzbischof mit Schimpftiraden und schrie Verwünschungen aus. Vier anwesende Ritter lauschten dem Wutausbruch des Königs machten sich einen eigenen Reim darauf. Sie hörten im königlichen Geschrei einen Befehl heraus und machten sich auf den Weg zur Kathedrale von Canterbury.

Dort angekommen führten sie den imaginären Befehl des Königs aus und brachten den Erzbischof um – in der Kathedrale! Auf heiligem Boden!

Die Ermordung Thomas Beckets (rechts mit Bischofstab). Links die Ritter.

Die gleiche Szene nochmal, aus den Glasfenstern der Kathedrale von Canterbury

Der Erzbischof tot! Das tat dem Papst nicht gefallen, sodass er die vier Mörder exkommunizierte. Einige pilgerten nach Rom und krochen zu Kreuze; der Heilige Vater schickte sie auf den nächstbesten Kreuzzug und ins Heilige Land. 1173 sprach der Papst Thomas Becket heilig. Ein Jahr später trat Heinrich II. zerknirscht einen Bußgang nach Canterbury an – und akzeptierte den ungeliebten neuen Heiligen als Schutzpatron.

Frauen verboten! Dienstag, Sep 14 2010 

– Englands Anspruch auf Frankreich

Die Russen hatten ihre Katharina, die Österreicher ihre Maria Theresia, die Spanier ihre Isabella und die Engländer ihre Elisabeth. Und der rechtmäßige König von Frankreich saß in London. „Wäh? Was erzählt der da? Worauf will er hinaus?“, höre ich euch unken. Ich werde euch eine Antwort auf die Frage geben, die ihr nie gestellt habt.

Zuerst, weil’s mir so viel Spaß macht, nochmal ein bisschen Heraldik. Jeder kennt die französische Flagge, die Trikolore. Aber kaum einer weiß, welches Banner die Franzosen vor der Zeit der Trikolore, also vor der Französischen Revolution, gehisst haben. Es war das Wappen des Königs. Nämlich:

Schaut man sich jetzt das Wappen des mittelalterlichen Englands an, sieht man auf diesem nicht nur die berühmten drei goldenen Löwen auf rotem Grund, sondern auch:

Die französischen Lilien! Was machen die denn im englischen Wappen?

Ganz einfach. Beziehungsweise nicht. Wir befinden uns im Hundertjährigen Krieg zwischen England und Frankreich. Karl der Schöne, König von Frankreich, ist gerade gestorben und jetzt geht’s darum, wer nun auf den französischen Thron kommt. Ansprüche erhebt da Eduard III., seines Zeichens König von England. Er ist der Sohn von Isabella von Frankreich, die wiederum eine Schwester Karls des Schönen ist.

Philipp der Schöne von Frankreich war Eduards Großvater und hatte drei Söhne, die alle Könige von Frankreich waren, aber alle höchstens sechs Jahre lang regierten. Philipps Tochter Isabella hatte nun Eduard als Sohn.

An dieser Stelle wäre es sinnvoll gewesen, Eddie zum König von Frankreich zu krönen, schließlich stammt er aus der direkten Linie der französischen Könige. Doch es kam anders.

Denn die Franzosen wollten um jeden Preis verhindern, dass der englische König auch französischer König wird und machten Philipp VI. zum König. Dessen Vater war der jüngere Bruder von Philipp dem Schönen. Statt also den direkten Weg zu nehmen, machte man jemanden aus einer Seitenlinie des Königshauses zum König von Frankreich. Als Begründung dafür dachte man sich etwas aus; man konnte das ja schlecht damit begründen, dass man keinen von der Insel als König wolle. Die Lösung nannte sich lex salica, ein uraltes Stammesrecht aus der Zeit noch vor Karl dem Großen. Dieses Recht besagt, dass nur männliche Nachkommen die Krone erben konnten und auuch nur männliche Nachkommen aus der männlichen Linie. Frauen durften in Frankreich also niemals Königinnen werden und regieren.

Und da Eduard nur über seine Mutter mit dem französischen König verwandt war, konnte er die Krone nicht haben. Das tat dem King natürlich arg missfallen, dass 1328 nun Philipp VI. gekrönt wurde und nicht er. Dennoch erhob er Anspruch auf den französischen Thron und wob diesen Anspruch in sein Wappen ein. Deswegen befinden sich die französischen Lilien im englischen Wappen.

Auch in der Titulatur des Königs macht sich der Anspruch bemerkbar; der König von England nannten sich auch einfach mal König von Frankreich:

By the Grace of God, King of England and France […]

Den Anspruch auf den französischen Thron legten die englischen Könige erst 1801 wieder ab.

 

Nachtrag: Karl der Schöne ist natürlich König von Frankreich, nicht von England gewesen. Hab‘ das mal korrigiert; danke für den Hinweis.

Der Kampf gegen die Ungläubigen Mittwoch, Aug 25 2010 

– Die Kreuzzüge

Seit gut 400 Jahren wurde das Heilige Land von den Arabern beherrscht. Das war bisher auch kein allzu großes Problem, konnten Christen doch ungestört ihre Religion ausüben. Doch Horrorgeschichten der Byzantiner machten die Runde, nach denen die Christen unter den Moslems zu leiden hätten.

1095 trat Papst Urban II. im französischen Clermont vor tausenden Christen auf und lieferte unter Tränen eine hochdramatische Rede über die Lage der unterdrückten Christen im Heiligen Land ab. Dabei begründet er das Motto der Kreuzzüge:

Deus lo vult!

Gott will es! So riefen es Adlige aus Frankreich und Italien aus und rüsteten zum ersten Kreuzzug ins Heilige Land, um die heiligen Stätten von den Ungläubigen zu befreien und den Pilgern freien Zugang zu verschaffen. Weder der französische König, noch Kaiser Heinrich IV. nahmen am Kreuzzug teil; beide waren zur Zeit exkommuniziert.

1099 war das Ziel der Kreuzritter erreicht. Jerusalem war erobert, die Heiligen Stätten befreit. Jetzt konnte man nicht einfach abziehen und Jerusalem wieder den Moslems überlassen. Also gründete man die sogenannten Kreuzfahrerstaaten:

  • Das Königreich Jerusalem
  • Das Fürstentum Antiocha
  • Die Grafschaft Tripolis und
  • Die Grafschaft Edessa

Diese vier Staaten hatten die Aufgabe, das Heilige Land zu verteidigen. Aber wie das so ist mit christlichen Staaten, kaum war die Bedrohung von außen weg, begannen die Staaten, sich gegenseitig das Leben mies zu machen.

Die vier Kreuzfahrerstaaten, das Byzantinische Reich, die Rum-Seldschuken, Damaskus und Ägypten. Die Assassinen waren im Grunde eine Bande von mittelalterlichen Profikillern.

Da die Kreuzfahrerstaaten die meiste Zeit mit sich selbst beschäftigt waren, war es nur eine Frage der Zeit, bis einer von ihnen das Zeitliche segntete. 1144 fiel Edessa, was die Christenheit Europas zum Anlass nahm, einen zweiten Kreuzzug auszurufen. Papst Eugen III. verkündete ihn, der Abt Bernhard von Clairvaux rührte die Werbetrommel. Und konnte neben Flandern, Italienern und Engländern auch den französischen König Ludwig VII. für die Sache gewinnen. Ludwig erhielt den Oberbefehl über den Kreuzzug. Nach einigem Knatsch gab auch der deutsche König Konrad III. (Kaiser war er zu dem Zeitpunkt noch nicht) nach und verkündete seine Teilnahme.

Die Route des zweiten Kreuzzugs

Der Beginn wurde für das Jahr 1147 festgelegt. Und damit begann die Zeit des Versagens für die Kreuzfahrer, denn nur zwei Jahre später endete der Kreuzzug absolut ergebnislos. Denn Misstrauen durchzog die Kreuzfahrer untereinander und den byzantinischen Kaiser, sodass die Belagerung von Damaskus abgebrochen werden musste und das gute Verhältnis zwischen Damaskus und dem Königreich Jerusalem völlig zertrümmert war.

In den folgenden Jahren schmolz der Kreuzfahrerbesitz im Nahen Osten zusammen. Im Jahre 1187 eroberte Sultan Saladin Jerusalem.

Das Herrschaftsgebiet der einzelnen Parteien 1190. Nicht mehr da: Kreuzfahrerstaaten

Die Eroberung Jerusalems war der Anlass für Kreuzzug nummer drei. Die drei wohl mächtigsten Monarchen Europas nahmen persönlich daran teil: Richard I. Löwenherz, König von England, Philip II., König von Frankreich und Friedrich I. Barbarossa, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.

Richard Löwenherz

Philip II. (rechts), hier mit einem päpstlichen Gesandten. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, wie scheiße ich mittelalterliche Kunst finde. Nämlich sehr.

Kaiser Barbarossa. Er erhielt den Namen wegen seines roten Bartes.

Barbarossa stellte das größte Kreuzfahrerheer der Geschichte; mit 100.000 Mann zog der Kaiser über Kleinasien in Richtung Heiliges Land. In anfänglichen Scharmützeln ging das Reichsheer erfolgreich hervor, der Kreuzzug verlief bisher vielversprechend. Doch im Frühsommer 1190 gelangen der Kaiser und seine mächtige Streitmacht an den Fluss Saleph in Kleinasien. Von der flimmernden Hitze erschöpft, hüpfte der Kaiser in den Fluss, um sich abzukühlen. Barbarossa erlitt einen Herzinfarkt, wurde vom Gewicht seiner Rüstung unter Wasser gezogen und ertrank.

Das nun führerlose Heer löste sich auf, ein paar gingen unverrichteter Dinge nach Hause, andere schlossen sich den anderen Kreuzfahrern an und wieder andere versuchten sich, allein nach Jerusalem durchzuschlagen. Der Versuch, den Leichnahm des Kaisers zu pökeln und ihn in einem Fass nach Jerusalem zu bringen, scheitere an den mangelhaften Mumifizierungskenntnissen der Kreuzfahrer.

Die Unternehmungen des französischen und des englischen Königs waren ebensowenig erfolgreich; Jerusalem blieb im Besitz Saladins. Immerhin, das Königreich Jerusalem konnte wiedergegründet werden, mit Akkon als Hauptstadt. Auch die übrigen Kreuzfahrerstaaten konnten vor der völligen Vernichtung bewahrt werden.

1202 wurde der vierte Kreuzzug ausgerufen, an dem vor allem französische Adlige und Venezianer teilnahmen; Venedig finanzierte und organisierte das ganze Unternehmen. Nicht ganz selbstlos, denn obwohl der Kreuzzug angesetzt war, um Ägypten zu erobern, lenkte Venedig das Kreuzfahrer um – 1204 wurde Konstantinopel erobert und damit ein großer Konkurrent im Mittelmeerhandel ausgeschaltet.

Der fünfte Kreuzzug wurde 1213 ausgerufen und hatte die Rückeroberung Jerusalems als Ziel. 1238 brach Kaiser Friedrich II. ins Heilige Land auf. Der Kaiser war ein hochgebildeter Mann, der Arabisch fließend spach. Bei seiner Ankunft nahm er sofort Kontakt mit den muslimischen Herrschern auf und konnte sogar eine Herausgabe Jerusalems heraushandeln. In Jerusalem setzte er sich selbst die Krone des Königreiches Jerusalem auf.

Kaiser Friedrich II. (links) und Sultan al-Kamil

Damit brachte er den Papst zum schäumen, denn Friedrich II. war exkommuniziert und somit gar nicht berechtigt, an einem Kreuzzug teilzunehmen. Den anderen Kreuzfahrern war es außerdem ein Dorn im Auge, dass der Kaiser fast ausschließlich seine eigenen Truppen im Kampf einsetzte und alle anderen Truppen links liegen ließ. Außerdem kämpfte Friedrich 2 nicht, sondern verhandelte lieber und sah die Ungläubigen als gleichberechtigt an. Das machte seinen Vertrag bei allen anderen Christen außerordentlich unbeliebt.

Der sechste Kreuzzug von 1248 war eine einzige Katastrophe; der einzige Herrscher Europas, der teilnehmen konnte, war der französische König Ludwig der Heilige. Das Ziel war Ägypten, um die Kreuzfahrerstaaten zu entlasten. Schlachten gingen verloren, Hunger, Durst und Krankheiten schwächten das Kreuzfahrerheer weiter und bedeutende Befehlshaber kamen ums Leben. Nach zwei Jahren ergebnislosem Gehacke kehrte Ludwig schließlich wieder nach Frankreich zurück, als er vom Tod seiner Mutter erfuhr.

Der siebte und letzte Kreuzzug wurde halbherzig begonnen und ebenso halbherzig geführt. Angeführt wurde er wieder von Ludwig dem Heiligen, dem französischen König. Das Ziel war zunächst Tunis, damit ein Stützpunkt vorhanden war, von dem man aus weitere Angriffe auf Ägypten durchführen konnte, um die Kreuzfahrerstaaten zu entlasten. Doch so weit kam es nicht, denn Krankheitswellen schwächten das Kreuzfahrerheer, das gerade Tunis belagerte. König Ludwig erkrankte während der Belagerung an Durchfall und starb daran. 27 Jahre später wurde er dafür vom Papst heilig gesprochen. Völlig ergebnislos wurde der Kreuzzug abgebrochen – halt, nein! Ein Ergebnis gab es; 1291 wurden die letzten Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land vertrieben.

Ein Versuch, einen neuen Kreuzzug auszurufen, scheiterte am höflichen Desinteresse der europäischen Monarchen. Damit war die Zeit der Kreuzzüge ins Heilige Land ein für alle mal vorbei, diese schmachvolle Geschichte des Scheiterns.

Nächste Seite »