Wie Bayern fast in Belgien war Freitag, Apr 15 2011 

– Der Tausch Bayerns gegen Österreich

Im Heiligen Römischen Reich waren die Wittelbacher eine der mächtigsten Dynastien (auch wenn sie nie einen König stellen konnten, hihi), herrschten über das Kurfürstentum Bayern, über die Kurpfalz und die Herzogtümer Berg und Jülich.

Die hellgrünen Flächen sind von Wittelsbachern beherrschte Gebiete. Das Gebiet nördlich von Regensburg und östlich von Nürnberg ist die Oberpfalz.

Die ganzen Gebiete waren natürlich nicht ein zusammenhängender Staat, sondern mehrere. Wichtig ist erstmal nur die Kurpfalz und Bayern. Kurfürst von der Pfalz war Karl Theodor, er stammte aus der Linie Pfalz-Sulbach, während in Bayern Maximilian III. aus der Linie der bayerischen Wittelsbacher herrschte.

Maximilian III.

1777 starb Maximilian III., ohne einen direkten Erben zu haben. Damit starb auch die ganze bayerische Wittelsbacherlinie aus. Durch einen Vertrag wurde schon vor dem Ableben des bayerischen Herzogs festgelegt, dass Karl Theodor von Mannheim nach München ging und damit zwei Kurfrüstentümer regieren konnte – einmal die Kurpfalz und einmal das Kurfürstentum Bayern. Damit eine Person nun nicht dauerhaft zwei Stimmen bei der Königs- und Kaiserwahl hatte, durfte er nur eine seiner zwei Kurfürstenwürden ausführen. Aber das nur am Rande.

In Österreich begann man, vor Sorge zu rotieren – eine neue Großmacht im Reich? Erst vor ein paar Jahren hatte man Schlesien an Preußen verloren und Friedrich dem Großen so geholfen, sein Königreich Preußen zur Großmacht zu erheben. In Wien steckte man also die Köpfe zusammen und grübelte, wie man nun selbst vom Aussterben der Wittelsbacher profitieren könnte. Und man hatte eine Idee! Der Kaiser erhob für sein Österreich einfach Anspruch auf Bayern, genauer gesagt auf Niederbayern und die Oberpfalz.

Bayern haben, das gefiel den Österreichern. Um Karl Theodor nicht vor den Kopf zu stoßen, bot man an, Gebiete zu tauschen. Österreich bekommt Bayern und Karl Theodor bekommt Vorderösterreich, also den Breisgau. Die Idee gefiel Karl Theodor und er willigte ein.

Vorderösterreich, im Südwesten Deutschlands. Einiges davon wollte man gegen Niederbayern und die Oberpfalz eintauschen. Klicken zum vergrößern

Aber wie das nunmal so ist, es gibt immer jemanden, der den Miesepeter spielt. In diesem Fall war der Miesepeter Preußen. Auch andere Fürsten im Reich stieß das Tauschgeschäft übel auf, aber Preußenkönig Friedrich II. erklärte Österreich gleich den Krieg. Damit hatte er Erfahrung, denn er hatte auf diese Weise Schlesien von Österreich geklaut. Also wieder Krieg, der Alte Fritz schickte seine Armee ins österreichische Böhmen.

Allerdings verhoben sich beide Kriegsparteien; früh kam es zu logistischen Problemen. Schlachten gab es keine, stattdessen eierten die Armeen durch die Lande und versorgten sich irgendwie, weswegen die Preußen das ganze auch „Kartoffelkrieg“ nannten. Die Österreich waren die meiste Zeit damit beschäftigt, Lebensmittel für ihre Armee zu beschlagnahmen. Zwischen dem Kaiser in Wien und dem König aus Berlin herrschte stillschweigend die Abmachung, von einer Schlacht abzusehen. Ein Jahr später wurde ein Frieden vereinbart und das Tauschprojekt stillschweigend bleiben gelassen.

Zumindest für ein paar Jahre.

Sechs Jahre später, also 1785, erhob Österreich erneut Ansprüche auf Bayern, aber diesmal wollte man sich in Wien nicht mit Niederbayern und der Oberpfalz zufrieden geben, sondern beanspruchte das ganze Kurfürstentum. Und wieder machte man Karl Theodor ein verlockendes Angebot, diesmal die Österreichischen Niederlande, also das heutige Belgien. Damit wären die Besitztümer Karl Theodors, nämlich Jülich, Berg und die Kurpfalz alle ganz kompakt beieinander gelegen. Und damit nicht genug, der Kaiser versprach Karl Theodor auch noch, ihn zum König zu erheben – zum König von Burgund. Da wurden Karl Theodors Augen feucht, ein großes Gebiet beherrschen und König sein! Das wäre was. Also willigte er ein.

Da freut sich Karl Theodor!

Und wieder schrieen die Preußen und formten mit anderen Fürsten im Reich einen Fürstenbund, um die Österreicher von ihrem Vorhaben abzuhalten. Und wieder ließ man in Wien von dem Vorhaben ab. Bis 1793. Da änderten die Preußen urplötzlich ihre Meinung und sagten, dass die Österreich tauschen könnten, was sie wollten. Das tat man nicht, weil man in Berlin auf einmal so österreichfreundlich geworden wäre, sondern weil man gerade dabei war, Polen aufzuteilen und aus Wien grünes Licht für die Teilung wollte. Was Preußen schließlich auch bekam.

Zum Tauch Bayern gegen Belgien kam’s jedoch nicht mehr, denn Österreich hatte schon bald nichts mehr zum tauschen. Die Heere der Französischen Revolution rollten bis an den Rhein heran und besetzten auch die Österreichischen Niederlande.

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Reise nach dem Tod Freitag, Sep 24 2010 

– Friedrichs letzter Wille

Mein heutiger Tag war sehr kartoffellastig. Aber hier soll’s ja nicht um meine gegenwärtige Situation gehen, sondern um die Vergangenheit. Sonst hätte ich den Blog ja auch „Jetzt“ nennen können.

Die Kartoffel wurde – wie allgemein bekannt – vom Preußenkönig Friedrich II. populär gemacht, indem er erst kleine Felder anlegen und diese von Soldaten bewachen ließ. Die Bauern wurden daraufhin neugierig und pflanzten ihrerseits die seltsame Erdfrucht an. Die Kartoffel war ein voller Erfolg.

Friedrich II. wurde schon zu Lebzeiten „der Große“ genannt und ebenjene gingen auch einmal zuende. 1786 starb der Alte Fritz und wünschte sich, ohne großes Tamtam in der Erde gelassen und im Garten des Schlosses Sanssouci neben seinen Hunden beerdigt zu werden.

Seinem letzten Wunsch kam sein Neffe, der neue König Friedrich Wilhelm II., nach. Fast. Also, ein wenig zumindest. Na, eigentlich überhaupt nicht.

Denn der Sarg wurde nicht neben den Hunden vergraben, noch nach Sanssouci gebracht, noch überhaupt irgendwie in die Erde gelassen. Stattdessen kam Friedrich nach Potsdam in die Garnisonskirche, wo er neben seinem verhassten Vater liegen musste. Und das ganze ging auch nicht ruhig von statten, sondern mit einer gigantischen Prozession.

Knapp 150 Jahre musste der Alte Fritz in der Garnisonskirche liegen. Im Zweiten Weltkrieg wurde sein Sarg schließlich ausgelagert, aber nicht etwa nach Sanssouci, wie er es sich wünschte, sondern noch weiter weg, nach Westen. Auf Betreiben seiner Nachkommen aus dem Haus Hohenzollern kam der Sarg schließlich anfang der fünfziger Jahre auf die Burg Hohenzollern in Baden-Württemberg. Nach Sanssouci konnte man ihn nicht bringen, denn Potsdam lag nun im Dunstkreis der Sowjetunion.

Mit der Wiedervereinigung gab es schließlich ungeahnte Möglichkeiten. 1991, über zweihundert Jahre nach seinem Tod, bekam Friedrich der Große endlich seinen letzten Willen. Sein Sarg wurde in einer großen Prozession mit totenwachehaltender Bundeswehr endlich umgebettet. Seit dem liegt der Alte Fritz endlich dort, wo er immer liegen wollte, in Sanssouci bei seinen Hunden.

Und geht man sein Grab besuchen, sieht man nicht selten, dass Friedrichfreunde dem Preußenkönig huldigen, indem sie ihm das auf sein Grab legen, wofür er berühmt ist: Kartoffeln.