Kleine Rechtsgeschichte des Reichs Freitag, Nov 19 2010 

– Die Grundgesetze des Heiligen Römischen Reiches

So ein großes Reich wie das Heilige Römische, das sich so lange halten konnte, brauchte natürlich auch ab einem gewissen Zeitpunkt Gesetze, die dem Reich einen rechtlichen Rahmen verliehen.

Beginnen tut das 1220 mit der Confoederatio cum principibus ecclesiastis, die von Kaiser Friedrich II. erlassen wurde. Mit diesem Gesetz gab der Kaiser weitreichende Herrschaftsrechte an die Bischöfe des Reiches ab; jene konnten von nun an Zölle erheben, Münzen prägen oder Burgen bauen. Mit der Confoederatio wollte Friedrich II. die Bischöfe dafür gewinnen, seinen Sohn Heinrich (VII.) zum König zu wählen. Dass sich Heinrich später als Vollniete entpuppen sollte, konnte zu diesen Zeitpunkt noch niemand ahnen.

Heinrich erließ 1231 das Statutum in favorem principum, das wiederum den einzelnen Fürsten des Reiches weitreichende Rechte gab und bereits existierende Rechte verbriefte. Der tolle König Heinrich tat dies wegen seiner städtefreundlichen Politik. Um die Fürsten milde zu stimmen verramschte er die Königsrechte. Sein Vater, immerhin Kaiser Friedrich, musste den Fürsten 1232 zähneknirschend das Statutum bestätigen.

Beide Edikte legten den Grundstein für die föderative Ordnung, die das Reich die nächsten gut 600 Jahre prägen sollte. Die geistlichen Herrscher bekamen weitreichende Rechte verbrieft, ebenso wie die weltlichen. Dadurch wurden sie ein bisschen unabhängig vom römisch-deutschen Kaiser.

Kaiser Karl IV. erließ 1356 die Goldene Bulle. Dort wurde im Grunde kein neues Recht geschaffen, sondern nur das festgeschrieben, was ohnehin schon Usus war. Der wohl wichtigste Teil der Goldenen Bulle betraf die Wahl des deutschen Königs, der sich ja immerhin später zum Kaiser krönen lassen konnte. Das Kurfürstenkolleg wurde geschaffen und die sieben Kurfürsten wurden festgelegt. Nämlich drei geistliche, die Erzbischöfe von Köln, Mainz und Trier, und vier weltliche, der Pfalzgraf bei Rhein, der König von Böhmen, der Herzog von Sachsen und der Markgraf von Brandenburg.

Altbewährte Karte des Reichs von 1648 mit Kurfürstentümern. Hellblau sind alle geistlichen Territorien. Ganz schön viele!

Kaiser Maximilian I. führte 1495 auf dem Reichstag zu Worms Reformen durch, die das Reich fit für die Zukunft machen sollten. Dazu gehörte der Ewige Landfriede, der die Fehden verbot. Bei Fehden verhielt es sich so, dass zwei Konfliktpartner, statt vor Gericht zu ziehen, sich lieber gegenseitig die Augen ausstachen und dieser Umstand sollte tunlichst eingeschränkt werden. Die zweite Reform war die Einrichtung des Reichskammergerichts, vor dem jeder klagen konnte. Die dritte Reform war der Gemeine Pfennig, eine Reichssteuer.

Im Jahre 1500 ließ Maximilian das Reich in zehn Reichskreise einteilen, was die Verwaltung vereinfachte. Jeder Reichskreis sollte für das Reich ein bestimmtes Truppenkontingent stellen, für den Fall, dass es zum Krieg kommen sollte. Manche Reichskreise funktionierten reibungslos, aber vor allem dort, wo zwei mächtige Fürsten innerhalb des Reichskreises um die Vorherrschaft stritten, war der Kreis eher lahmgelegt. 

Nach der Reformation nahmen einige Fürsten den protestantischen Glauben an und verbündeten sich, während die katholischen Fürsten das gleiche taten. Am Ende der darauf folgenden Kämpfe stand der Augsburger Religionsfriede von 1555. Der (katholische) Kaiser sicherte den protestantischen Fürsten die Sicherung ihrer Besitzstände zu und erkannte ihren Glauben an. Außerdem wurde die Formel cuius regio, eius religio eingeführt, was sich salopp mit „Wes Brot ich ess, des Lied ich sing“ übersetzt werden kann – die Fürsten bestimmten, welchen Glauben die Untertanen in ihrem Herrschaftsgebiet zu haben haben. Wenn ein katholischer Herrscher zum protestantischen Glauben übertrat, wechselten auch die Untertanen den Glauben. Besonders wild wurde dieses Spielchen in der Kurpfalz getrieben.

Der Dreißigjährige Krieg hinterließ tiefe Wunden im Reich, auf dessen Gebiet der Krieg schließlich tobte. Der Westfälische Friede von 1648 wurde wegen der Erfahrung des Schreckens des Krieges äußerst sorgfältig ausgearbeitet; er gilt als der erste Vertrag nach modernem, internationalem Recht. Für das Reich selbst wurde das Jahr 1624 als Normaljahr festgesetzt. Alle Klöster beispielsweise, die bis zu diesem Jahr enteignet wurden, blieben auch enteignet. Was danach geschah, sollte rückgängig gemacht werden. Neben dem lutherischen Glauben wurden nun auch die Calvinisten offiziell vom Reich anerkannt und das Prinzip des cuius regio, eius religio abgeschafft. Der Wechsel der Religion des Landesherrn hatte nun nicht zwangsläufig selben Wechsel der Untertanen zur  Folge, sodass in manchen Städten und Ländern sowohl Protestanten als auch Katholiken leben konnten. Für Bayern wurde eine eigene Kurwürde eingerichtet, sodass es nun acht Kurfürstentümer gab. Schweden bekam in Vorpommern und bei Bremen Gebiete und war somit Reichsstand, was bedeutet, dass Schweden auf dem Reichstag vertreten war. Dass eine ausländische Macht nun die Reichsstandschaft innehatte, war nichts ungewöhnliches, denn der König von Dänemark war schon seit längerem als Herzog von Holstein auf dem Reichstag vertreten. Außerdem bekamen die Landesfürsten mehr Unabhängigkeit; der moderne Staat war geboren.

Nach der Französischen Revolution dehnte Frankreich sich bis zum Rhein aus und die linksrheinischen Gebiete des Reichs wurden französisch. Die Fürsten, die links des Rheins nun ihr gesamtes Gebeit oder Teile davon verloren hatten, sollten nun rechts des Rheins entschädigt werden. 1803 unterschrieb der Kaiser schließlich den von einer Kommission ausgearbeiteten Reichsdeputationshauptschluss. Alle geistlichen Territorien, die seit 1220 ihre Rechte Unabhängigkeit verteidigten, wurden aufgelöst und zur Verteilungsmasse, lediglich der Deutsche Orden, der Malteserorden und der Erzbischof von Mainz, der nach Aschaffenburg verlegt wurde, blieben verschont. Die weltlichen Fürsten wurden nun mit geistlichem Gebiet entschädigt. Kleine Fürsten bekamen Entschädigungen, die etwa dem Finanzaufkommen ihres verlorenen Gebietes entsprach. Größere Fürsten, wie der Markgraf von Baden oder der Herzog von Württemberg, die das neun-, bzw. sechsfache ihres verlorenen Gebietes bekamen, profitierten sehr stark von der Umverteilung. Dabei achtete man nicht darauf, zusammenhängende Territorien zu schaffen, sondern schaute lediglich auf das Finanzielle; die Karte des Reiches blieb sehr bunt. Die Kurpfalz wurde ebenfalls aufgelöst, stattdessen wurde Salzburg, als weltliches Herrschaftsgebiet zum Kurfürstentum erhoben, ebenso Baden und Württemberg. Natürlich fielen Köln und Trier weg, die a) geistliche Kurfürstentümer waren (und als solche nicht geschont wurden) und b) ohnehin linksrheinisch lagen und nun französisch waren.

Die Auswirkungen auf das Reich konnten sich jedoch nicht entfalten, denn in der Folgezeit dachten die Reichsfürsten zuerst an sich selbst und dann an das Reich; Baden, Bayern und Württemberg kämpften sogar an der Seite von Napoleons Frankreich gegen ihren Kaiser! Ob der Reichsdeputationshauptschluss dem Reich die nötigen Reformen verpasst hätte, ist unklar, denn die Lage war inzwischen so instabil, dass es für Napoleon ein leichtes war, dem Reich den Todesstoß zu versetzen.

1806 gründete der kleine Korse den Rheinbund, dem außer Österreich und Preußen so ziemlich alle anderen deutschen Staaten angehörten. Als diese schließlich auf Druck Napoleons hin ihren Austritt aus dem Heiligen Römischen Reich bekannt gaben, legte Franz II. die Krone des Reiches nieder und beendete so das tausendjährige Bestehen des Heiligen Römischen Reiches.

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Heinrich und seine Klammer Samstag, Okt 23 2010 

– Heinrich (VII.), der Klammersiebte

Es gibt Herrscher, die sind gut und welche, die haben’s einfach nicht drauf. Geradezu tragisch ist es, wenn die Diskrepanz des Talents zwischen Vater und Sohn deutlich wird.

Kaiser Friedrich II. war eine der schillernsten Figuren des Mittelalters und wohl auch einer der besten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Sein ältester Spross Heinrich hingegen…

Friedrich II. ließ Heinrich noch zu seinen Lebzeiten von den Kurfürsten zum König wählen, da er auf den Kreuzzug gehen und einen Nachfolger bereitstehen haben wollte, man konnte ja nie wissen, was auf so einem Kreuzzug passiert. Heinrich war zu dieser Zeit noch unmündig und hatte verschiedene Vormünder, die für ihn regierten. Als Heinrich schließlich das Zepter in die Hand nehmen konnte und König spielte, machte er keine allzu gute Figur. Seinen Vater, dem Kaiser, war die Macht der Fürsten nicht geheuer und um jene zu schwächen, bevorzugte er die Städte.

Und was machte König Heinrich? Der erließ ein Statut, dass den Fürsten mehr Rechte einräumte. Zähneknirschend bestätigte der Kaiser diese neuen Rechte der Fürsten, denn er brauchte sie im Disput mit dem Papst. Gleichzeitig ließ er seinen Sohn wissen, dass er dem Kaiser zur Treue verpflichtet sei und vom Papst gebannt werde, wenn er gegen seinen kaiserlichen alten Herren arbeite. Trotzig erließ Heinrich weiter Verordnungen, von denen sein Vater einige wieder aufheben musste.

Während Friedrich gerade in Italien beschäftigt war, führte Heinrich Krieg gegen die Wittelsbacher und bezwang den bayerischen Herzog, der Geiseln stellte. Damit zeigte sich der wittelsbacher Herzog gefügig, denn wer seinem Gegner Geiseln gibt, will nicht den Zorn und damit den Tod der Geiseln heraufbeschwören. Friedrich verlangte die Freilassung der Geiseln, um sein Verhältnis zu den anderen Fürsten nicht zu verschlechtern. Der Papst drohte mit Exkommunikation und missmutig gab Heinrich die Geiseln frei.

Schließlich verkündete Heinrich ein Edikt gegen ungerechtfertigte Ketzereivorwürfe, was abermals den Papst auf den Plan rief. Diesem platzte die Hutschnur und er bannte Heinrich. Friedrich kündigte an, über die Alpen zu ziehen, um sich anzusehen, was sein Sohnemann denn da schon wieder treibe.

Heinrich der Stänkerer scharrte Verbündete um sich, meist kaiserfeindliche Fürsten, um seinem Vater militärisch entgegenzutreten. Kaisertreue Fürsten verwickelten Heinrich in kleinere Gefechte, sodass er den Kaiser nicht angreifen konnte und Friedrich durch seine pure Präsenz ein Heer schuf; der Kaiser war da und schon kamen freiwillig Soldaten zu ihm, um an seiner Seite zu kämpfen. Schließlich stellte Heinrich seinen Vater doch – und unterlag in der Schlacht.

1235 zitierte Friedrich seinen Sohn zur Kaiserpfalz Wimpfen dort kam der aufständische Heinrich angekrochen und wurde vom Kaiser belehrt, dass das so nicht weiterginge. Kurzerhand setzte Friedrich Heinrich als König wieder ab und schickte ihn nach Italien, wo er sieben Jahre später starb.

Der arme Heinrich! War König, aber bekam nie die Chance, Kaiser zu werden, weil er vom eigenen Vater abgesägt wurde! Weil er König war, ist er nach der Zählung Heinrich VII., aber weil er’s nicht bis zum Kaiser geschafft hat und überhaupt nicht allzu lang König war, wurde ihm eine Klammer um die VII verpasst, sodass er postum noch ein bisschen gedemütigt wird.

Einen Heinrich VII. sollte es erst gut hundert Jahre später geben. Und der wurde schließlich auch Kaiser.

Der Kampf gegen die Ungläubigen Mittwoch, Aug 25 2010 

– Die Kreuzzüge

Seit gut 400 Jahren wurde das Heilige Land von den Arabern beherrscht. Das war bisher auch kein allzu großes Problem, konnten Christen doch ungestört ihre Religion ausüben. Doch Horrorgeschichten der Byzantiner machten die Runde, nach denen die Christen unter den Moslems zu leiden hätten.

1095 trat Papst Urban II. im französischen Clermont vor tausenden Christen auf und lieferte unter Tränen eine hochdramatische Rede über die Lage der unterdrückten Christen im Heiligen Land ab. Dabei begründet er das Motto der Kreuzzüge:

Deus lo vult!

Gott will es! So riefen es Adlige aus Frankreich und Italien aus und rüsteten zum ersten Kreuzzug ins Heilige Land, um die heiligen Stätten von den Ungläubigen zu befreien und den Pilgern freien Zugang zu verschaffen. Weder der französische König, noch Kaiser Heinrich IV. nahmen am Kreuzzug teil; beide waren zur Zeit exkommuniziert.

1099 war das Ziel der Kreuzritter erreicht. Jerusalem war erobert, die Heiligen Stätten befreit. Jetzt konnte man nicht einfach abziehen und Jerusalem wieder den Moslems überlassen. Also gründete man die sogenannten Kreuzfahrerstaaten:

  • Das Königreich Jerusalem
  • Das Fürstentum Antiocha
  • Die Grafschaft Tripolis und
  • Die Grafschaft Edessa

Diese vier Staaten hatten die Aufgabe, das Heilige Land zu verteidigen. Aber wie das so ist mit christlichen Staaten, kaum war die Bedrohung von außen weg, begannen die Staaten, sich gegenseitig das Leben mies zu machen.

Die vier Kreuzfahrerstaaten, das Byzantinische Reich, die Rum-Seldschuken, Damaskus und Ägypten. Die Assassinen waren im Grunde eine Bande von mittelalterlichen Profikillern.

Da die Kreuzfahrerstaaten die meiste Zeit mit sich selbst beschäftigt waren, war es nur eine Frage der Zeit, bis einer von ihnen das Zeitliche segntete. 1144 fiel Edessa, was die Christenheit Europas zum Anlass nahm, einen zweiten Kreuzzug auszurufen. Papst Eugen III. verkündete ihn, der Abt Bernhard von Clairvaux rührte die Werbetrommel. Und konnte neben Flandern, Italienern und Engländern auch den französischen König Ludwig VII. für die Sache gewinnen. Ludwig erhielt den Oberbefehl über den Kreuzzug. Nach einigem Knatsch gab auch der deutsche König Konrad III. (Kaiser war er zu dem Zeitpunkt noch nicht) nach und verkündete seine Teilnahme.

Die Route des zweiten Kreuzzugs

Der Beginn wurde für das Jahr 1147 festgelegt. Und damit begann die Zeit des Versagens für die Kreuzfahrer, denn nur zwei Jahre später endete der Kreuzzug absolut ergebnislos. Denn Misstrauen durchzog die Kreuzfahrer untereinander und den byzantinischen Kaiser, sodass die Belagerung von Damaskus abgebrochen werden musste und das gute Verhältnis zwischen Damaskus und dem Königreich Jerusalem völlig zertrümmert war.

In den folgenden Jahren schmolz der Kreuzfahrerbesitz im Nahen Osten zusammen. Im Jahre 1187 eroberte Sultan Saladin Jerusalem.

Das Herrschaftsgebiet der einzelnen Parteien 1190. Nicht mehr da: Kreuzfahrerstaaten

Die Eroberung Jerusalems war der Anlass für Kreuzzug nummer drei. Die drei wohl mächtigsten Monarchen Europas nahmen persönlich daran teil: Richard I. Löwenherz, König von England, Philip II., König von Frankreich und Friedrich I. Barbarossa, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.

Richard Löwenherz

Philip II. (rechts), hier mit einem päpstlichen Gesandten. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, wie scheiße ich mittelalterliche Kunst finde. Nämlich sehr.

Kaiser Barbarossa. Er erhielt den Namen wegen seines roten Bartes.

Barbarossa stellte das größte Kreuzfahrerheer der Geschichte; mit 100.000 Mann zog der Kaiser über Kleinasien in Richtung Heiliges Land. In anfänglichen Scharmützeln ging das Reichsheer erfolgreich hervor, der Kreuzzug verlief bisher vielversprechend. Doch im Frühsommer 1190 gelangen der Kaiser und seine mächtige Streitmacht an den Fluss Saleph in Kleinasien. Von der flimmernden Hitze erschöpft, hüpfte der Kaiser in den Fluss, um sich abzukühlen. Barbarossa erlitt einen Herzinfarkt, wurde vom Gewicht seiner Rüstung unter Wasser gezogen und ertrank.

Das nun führerlose Heer löste sich auf, ein paar gingen unverrichteter Dinge nach Hause, andere schlossen sich den anderen Kreuzfahrern an und wieder andere versuchten sich, allein nach Jerusalem durchzuschlagen. Der Versuch, den Leichnahm des Kaisers zu pökeln und ihn in einem Fass nach Jerusalem zu bringen, scheitere an den mangelhaften Mumifizierungskenntnissen der Kreuzfahrer.

Die Unternehmungen des französischen und des englischen Königs waren ebensowenig erfolgreich; Jerusalem blieb im Besitz Saladins. Immerhin, das Königreich Jerusalem konnte wiedergegründet werden, mit Akkon als Hauptstadt. Auch die übrigen Kreuzfahrerstaaten konnten vor der völligen Vernichtung bewahrt werden.

1202 wurde der vierte Kreuzzug ausgerufen, an dem vor allem französische Adlige und Venezianer teilnahmen; Venedig finanzierte und organisierte das ganze Unternehmen. Nicht ganz selbstlos, denn obwohl der Kreuzzug angesetzt war, um Ägypten zu erobern, lenkte Venedig das Kreuzfahrer um – 1204 wurde Konstantinopel erobert und damit ein großer Konkurrent im Mittelmeerhandel ausgeschaltet.

Der fünfte Kreuzzug wurde 1213 ausgerufen und hatte die Rückeroberung Jerusalems als Ziel. 1238 brach Kaiser Friedrich II. ins Heilige Land auf. Der Kaiser war ein hochgebildeter Mann, der Arabisch fließend spach. Bei seiner Ankunft nahm er sofort Kontakt mit den muslimischen Herrschern auf und konnte sogar eine Herausgabe Jerusalems heraushandeln. In Jerusalem setzte er sich selbst die Krone des Königreiches Jerusalem auf.

Kaiser Friedrich II. (links) und Sultan al-Kamil

Damit brachte er den Papst zum schäumen, denn Friedrich II. war exkommuniziert und somit gar nicht berechtigt, an einem Kreuzzug teilzunehmen. Den anderen Kreuzfahrern war es außerdem ein Dorn im Auge, dass der Kaiser fast ausschließlich seine eigenen Truppen im Kampf einsetzte und alle anderen Truppen links liegen ließ. Außerdem kämpfte Friedrich 2 nicht, sondern verhandelte lieber und sah die Ungläubigen als gleichberechtigt an. Das machte seinen Vertrag bei allen anderen Christen außerordentlich unbeliebt.

Der sechste Kreuzzug von 1248 war eine einzige Katastrophe; der einzige Herrscher Europas, der teilnehmen konnte, war der französische König Ludwig der Heilige. Das Ziel war Ägypten, um die Kreuzfahrerstaaten zu entlasten. Schlachten gingen verloren, Hunger, Durst und Krankheiten schwächten das Kreuzfahrerheer weiter und bedeutende Befehlshaber kamen ums Leben. Nach zwei Jahren ergebnislosem Gehacke kehrte Ludwig schließlich wieder nach Frankreich zurück, als er vom Tod seiner Mutter erfuhr.

Der siebte und letzte Kreuzzug wurde halbherzig begonnen und ebenso halbherzig geführt. Angeführt wurde er wieder von Ludwig dem Heiligen, dem französischen König. Das Ziel war zunächst Tunis, damit ein Stützpunkt vorhanden war, von dem man aus weitere Angriffe auf Ägypten durchführen konnte, um die Kreuzfahrerstaaten zu entlasten. Doch so weit kam es nicht, denn Krankheitswellen schwächten das Kreuzfahrerheer, das gerade Tunis belagerte. König Ludwig erkrankte während der Belagerung an Durchfall und starb daran. 27 Jahre später wurde er dafür vom Papst heilig gesprochen. Völlig ergebnislos wurde der Kreuzzug abgebrochen – halt, nein! Ein Ergebnis gab es; 1291 wurden die letzten Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land vertrieben.

Ein Versuch, einen neuen Kreuzzug auszurufen, scheiterte am höflichen Desinteresse der europäischen Monarchen. Damit war die Zeit der Kreuzzüge ins Heilige Land ein für alle mal vorbei, diese schmachvolle Geschichte des Scheiterns.