– Der Artemistempel von Ephesos

Der Tempel der Artemis ist wohl das zweitunbekannteste Weltwunder (das allerunbekannteste gibt’s nächstes mal). Er stand in Ephesos, einer der größten Städte Kleinasiens zu der Zeit. Ephesos selbst lag an der Küste Kleinasiens, also in der heutigen Türkei.

Der Bau des Artemistempels wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. begonnen und dauerte etwa hundert Jahre. Was kein Wunder ist, denn der Tempel stand im Grunde auf Sumpf, also musste zunächst der Untergrund trockengelegt werden. Der weiche Boden war jedoch auch von Vorteil, denn er bot Schutz gegen Erdbeben! Endlich! Ein Weltwunder, dass nicht von einem Erdbeben zerstört wurde!

Wie dem auch sei, so ein aufwändiger Bau kostete freilich einen Riesenhaufen Geld. Ephesos war eine reiche Stadt und wurde kurz vorher von König Kroisos von Lydien erobert, besser bekannt als König Krösus. Krösus war als, naja, Krösus eben, unglaublich reich und pumpte Geld in den Tempelbau. Das tat er nicht aus purer Nächstenliebe, sondern um sich mit seinen frisch eroberten Untertanen gut zu stellen.

Gewaltig muss er gewesen sein, der Artemistempel, mit seinen über hundert Säulen von denen jede fast zwanzig Meter hoch waren. Ein atemberaubendes, unzerstörbares Gebäude, das für die Ewigkeit geschaffen war.

Beinahe. Denn wenige Jahre nach seiner Fertigstellung kam ein Verrückter namens Herostratos. Herostratos hatte einen Traum, er wollte unbedingt berühmt werden. Und er hatte einen Plan, wie er berühmt werden würde und setzten diesen in die Tat um: er brannte den Artemistempel nieder.

Man könnte ja meinen, dass Artemis ihren Tempel hätte beschützen sollen, doch die war am gleichen Tag anderweitig beschäftigt. Sie musste über die Geburt Alexanders des Großen wachen. Und zum Danke dafür leistete Alexander finanzielle Hilfe beim Wiederaufbau des Tempels.

Andere hätten die Steine liegengelassen (nicht wahr, Rhodos?), doch der Tempel wurde wieder aufgebaut. In Sachen Prunk und Größe legte man noch eine Schippe drauf.

So stellte man sich den Tempel im 16. Jahrhundert vor.

Nachbau des Tempels im Miniaturenpark Istanbul

Im dritten Jahrhundert nach Christus kam es zum Gotensturm. Das germanische Volk der Goten drängte ins römische Reich, zu dem Ephesos seit 133 v. Chr. gehörte. Die Goten plünderten und zerhauten alles, was in Reichweite war – was auch für den Artemistempel galt. Als das römische Reich nochmals hundert Jahre später christlich wurde, verschwand der Kult um die heidnische Göttin Artemis und Ephesos verlor seine Bedeutung. Ebenso wie der Tempel. Er diente als Steinbruch für Neubauten in der Umgebung.