Reise nach dem Tod Freitag, Sep 24 2010 

– Friedrichs letzter Wille

Mein heutiger Tag war sehr kartoffellastig. Aber hier soll’s ja nicht um meine gegenwärtige Situation gehen, sondern um die Vergangenheit. Sonst hätte ich den Blog ja auch „Jetzt“ nennen können.

Die Kartoffel wurde – wie allgemein bekannt – vom Preußenkönig Friedrich II. populär gemacht, indem er erst kleine Felder anlegen und diese von Soldaten bewachen ließ. Die Bauern wurden daraufhin neugierig und pflanzten ihrerseits die seltsame Erdfrucht an. Die Kartoffel war ein voller Erfolg.

Friedrich II. wurde schon zu Lebzeiten „der Große“ genannt und ebenjene gingen auch einmal zuende. 1786 starb der Alte Fritz und wünschte sich, ohne großes Tamtam in der Erde gelassen und im Garten des Schlosses Sanssouci neben seinen Hunden beerdigt zu werden.

Seinem letzten Wunsch kam sein Neffe, der neue König Friedrich Wilhelm II., nach. Fast. Also, ein wenig zumindest. Na, eigentlich überhaupt nicht.

Denn der Sarg wurde nicht neben den Hunden vergraben, noch nach Sanssouci gebracht, noch überhaupt irgendwie in die Erde gelassen. Stattdessen kam Friedrich nach Potsdam in die Garnisonskirche, wo er neben seinem verhassten Vater liegen musste. Und das ganze ging auch nicht ruhig von statten, sondern mit einer gigantischen Prozession.

Knapp 150 Jahre musste der Alte Fritz in der Garnisonskirche liegen. Im Zweiten Weltkrieg wurde sein Sarg schließlich ausgelagert, aber nicht etwa nach Sanssouci, wie er es sich wünschte, sondern noch weiter weg, nach Westen. Auf Betreiben seiner Nachkommen aus dem Haus Hohenzollern kam der Sarg schließlich anfang der fünfziger Jahre auf die Burg Hohenzollern in Baden-Württemberg. Nach Sanssouci konnte man ihn nicht bringen, denn Potsdam lag nun im Dunstkreis der Sowjetunion.

Mit der Wiedervereinigung gab es schließlich ungeahnte Möglichkeiten. 1991, über zweihundert Jahre nach seinem Tod, bekam Friedrich der Große endlich seinen letzten Willen. Sein Sarg wurde in einer großen Prozession mit totenwachehaltender Bundeswehr endlich umgebettet. Seit dem liegt der Alte Fritz endlich dort, wo er immer liegen wollte, in Sanssouci bei seinen Hunden.

Und geht man sein Grab besuchen, sieht man nicht selten, dass Friedrichfreunde dem Preußenkönig huldigen, indem sie ihm das auf sein Grab legen, wofür er berühmt ist: Kartoffeln.

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Der erste Kaiser von China Samstag, Aug 21 2010 

– Qin Shihuangdi

China, im dritten Jahrhundert vor unserer Zeitrechnung. Wobei, das ist eigentlich nicht richtig, denn ein China gibt es noch nicht, sondern eher so sieben. In der Zeit der Streitenden Reiche kämpfen die Reiche der Qin, Zhao, Wei, Han, Chu, Yan und Qi mit, um und gegeneinander.

Unübersichtliche Karte über die Reiche in China. Die Qin befinden sich im Westen, östlich von ihnen sind die Zhao, Wei, Han und Chu. Die Qi sind im Westen und ganz im Norden sind die Yan. Die anderen Reiche sind erstmal unwichtig.

Als mächtigstes Reich stellte sich rasch das der Qin heraus; die Qin schluckten die anderen sechs Reiche, eins nach dem anderen. 221 v. Chr. fiel mit Qi das letzte und zum ersten mal war China geeint. Der König der Qin wurde Kaiser von China und gab sich einen neuen Namen: 秦始皇帝, was in lateinischen Lettern Qin Shihuangdi ist und das bedeutet soviel wie ‚Erster Erhabener Kaiser der Qin‘.

Qin Shihuangdi

Sein neues Reich musste nun auch im Inneren geeint werden. Das schaffte der Kaiser, indem er ein einheitliches Verwaltungssystem mit Beamten einführte, die ihre Ämter nicht vererben konnten, so wie das stellenweise vorher üblich war. Außerdem wurde der Schriftverkehr vereinheitlicht, sodass die Zentralregierung in der Hauptstadt auch über regionale Dialekte hinweg die einzelnen Präfekturen und Kreise verwalten konnte.

Als besonders einheitsstiftend gab sich Qin Shihuangdi aber gleich selbst. Als „Erster Kaiser“ implizierte er, dass er Dynastiebegründer sei und auf ihn ungefähr unendlich viele andere Kaiser folgen werden. Weiterhin ließ er sich als Gottkaiser verehren und bündelte in seiner Person so auch alle Religion; er stand allen Regionalgöttern vor.

Der Kaiser war das Zentrum des Reiches und das Reich war das Zentrum der Welt, daher spricht man auch vom ‚Reich der Mitte‘, wenn man China meint. Der Kaiser sah sich selbst schon mehr als Gott denn als Mensch, denn seine Palastanlage war eine Nachahmung eines Sternbildes und Sitz des obersten Himmelsgottes war. Dass er sich als Mittelpunkt empfand, zeigte Qin Shihuangdi auch nach seinem Tod. Sein Grabmal stellte das gesamte Universum im Kleinformat dar. Dort wurde der Kaiser beerdigt – mitsamt all seinen Konkubinen, die ihm keine Kinder gebaren.

Wie das Mausoleum genau aussieht, weiß man (noch) nicht, denn das Grab wurde bisher noch nicht geöffnet. Was man jedoch entdeckt hat, kennt wohl jeder. Denn wie’s sich für einen Gottkaiser gehört, hatte er in seinem Miniuniversum auch eine Armee:

Und von diesen Tonkriegern hatte Qin Shihuangdi nicht gerade wenige. Die ganze Armee besteht aus über 7000 Figuren. Darunter sind nicht nur Fußsoldaten, sondern auch Streitwagen. Jede der Figuren war aufwändig bemalt, jeder Krieger hat ein eigenes Gesicht.

Links und rechts, jeweils vorne, sieht man Pferde. Das ist nur eine der Hallen, die mit den Tonkriegern gefüllt war.

Sobald alle bisher gefundenen Teile erfasst und bearbeitet worden sind, will man den eigentlichen Grabhügel öffnen. Das Innere soll wie eine Palaststadt angelegt sein und die Decke, so schreibt der chinesische Historiker Sima Qian im 1. Jahrhundert v. Chr., soll mit Edelsteinen verziert sein, die den Himmel symbolisieren. Auf dem Boden sei die Landschaft Chinas dargestellt, die Flüsse bestünden aus Quecksilber und würden durch einen raffinierten Mechanismus immer fließen. Der Weg zum Sarg des Kaiser sei gesäumt von Tieren aus Ton.

Das klingt alles nicht übel, vielleicht lasse ich mich mal ähnlich beerdigen. Hoffen wir mal, dass die Archäologenteams sich beeilen und den Grabhügel schon bald anschneiden können. Harren wir der Dinge, die da kommen.

Die Sieben Weltwunder VII Dienstag, Jun 8 2010 

– Das Grabmal des Mausolos

Endspurt! Noch dieses eine Weltwunder, dann haben ihr und ich die Weltwunder der Antike hinter uns. Ich bedanke mich bei allen drei Lesern, die täglich das (missglückte) Experiment „Siebenteilige Serie über die Weltwunder“ durch- und mitgemacht haben. Jetzt habe ich erstmal genug von Antike, als nächstes gibt’s mal was aus anderen Epochen. Nun also das Grabmal des Mausolos, das in Halikarnassos stand.

Mausolos II. war im vierten Jahrhundert v. Chr. König und Statthalter des persischen Großkönigs, der unter anderem Kleinasien unterworfen hatte, wo Halikarnassos lag. Obwohl die Stadt unter persischer Herrschaft stand, hatte sie eine griechische Tradition und Mausolos baute seine Hauptstadt deswegen mit schmucken griechischen Gebäuden voll. Den Auftrag zum Bau des Grabmals soll Mausolos nicht persönlich gegeben haben, sondern seine Frau Artemisia – die auch seine Schwester war (oh Gott, schon wieder).

Mausolos erlebte die Fertigstellung seines Grabmals nicht; er starb während der Bauarbeiten und seine Schwester/Frau Artemisia folgte ihm bald in den Hades. Die Baumeister führten den Bau schließlich in Eigenregie zuende.

Das Grabmal hatte eine Höhe von über 45 Metern, war mit Statuen der Götter und Herrscher aus Mausolos‘ Familie (über den Stammbaum mag ich gar nicht nachdenken) üppig verziert und komplett schneeweiß. Denn er wurde aus weißem Marmor gebaut.

Darstellung des Grabmals aus dem 16. Jahrhundert.

Rekonstruktion des Grabmals im Miniaturenpark von Istanbul.

im 12./13. Jahrhundert stürzte das Grabmal ein. Wegen – Überraschung! – Erdbeben natürlich. Die Trümmer und das stabile Fundament blieben jedoch gut zweihundert Jahre unberührt, bis die Ritter des Johanniterordens in die Stadt kamen. Sie befanden sich auf dem Rückzug vor den immer weiter vordringenden Türken und trugen das Grabmal ab. Die Steine verbauten sie in ihrer Küstenfestung. Bei den Steinbrucharbeiten entdeckten die Ritter das Innere des Grabmals wieder und taten das, was jeder anständige Historiker getan hätte: sie zerstörten das Grabmal vollständig…

Das Grabmal des Mausolos wurde zwar vernichtet (und Versuche, es im 19. Jahrhundert wieder aufzubauen, scheiterten), doch der Name Mausolos lebt weiter. Nach ihm und seinem Bauwerk wurde jener Gebaudetyp benannt, den man wohl eher kennt: Das Mausoleum.

Die Sieben Weltwunder III Donnerstag, Mai 27 2010 

– Die Pyramiden von Gizeh

Heute – nach langer Abstinenz meinerseits – gibt’s das dritte und wohl bekannteste Weltwunder: Die Pyramiden von Gizeh. Jedes Kind kennt sie und sind wohl das erste, was einem in den Sinn kommt wenn jemand „Ägypten!“ ruft. Pyramiden. Riesige Dreiecke aus Stein.

Gebaut wurden die Pyramiden vor etwa 4500 Jahren, also ca. 2500 vor Christus. Sie dienten, und das ist ja allgemein bekannt, als Grabstätte der Pharaonen. Ein Pharao baute noch zu Lebzeiten seine eigene Pyramide, die bestenfalls ganz knapp vor seinem Tod fertig wurde, sodass er darin beerdigt werden konnte. Um die Pyramiden herum wurden außerdem noch verschiedene Tempel gebaut, die jedoch nicht mehr erhalten sind – weswegen die Pyramiden etwas einsam anmutend im Sand stehen.

Einsam, aber mächtig. Beeindruckend, wie diese beinahe 150 Meter hohen Pyramiden da so stehen. Die höchste von ihnen ist wohl auch die berühmteste, nämlich die Cheopspyramide, benannt nach ihrem Erbauer und späteren Bewohner. Wie die Pyramiden genau gebaut wurden, weiß man nicht. Was den ein oder anderen Spinner „Forscher“ (Ich meine Sie, Erich von Däniken!) zu der Behauptung hinreißen lässt, dass überhaupt keine Menschen die Pyramiden gebaut hätten, sondern Außerirdische.

Wie dem auch sei, gebaut wurden die Pyramiden von einem riesigen Sklavenheer, das die gigantischen Steinblöcke (auf welche Weise auch immer) aufeinandergeschichtet hat. Interessant ist auch der Ort, auf dem die Pyramiden gebaut sind: Nicht nur ist Gizeh eine Art Friedhofsstadt im ganz alten Ägypten gewesen, sondern die Pyramiden selbst sind an interessanten Orten gebaut  worden. Sie stehen nämlich halb auf vom Nilwasser fruchtbar gemachten Boden und halb in der Wüste, was den Übergang vom Leben ins Jenseits verdeutlichen soll.

Genug gebrabbelt, hier nun ein Bild der Pyramiden. Falls sie wer noch nicht kennt:

Die Pyramiden von Gizeh (Obacht, Bild ist ziemlich groß)

Zum Schluss noch die Frage: Was wurde aus den Pyramiden? Ja. Sie stehen da nun. Seit über viertausend Jahren. Der Zahn der Zeit hat ein bisschen an ihnen genagt, wie man sehen kann, aber ansonsten stehen sie so da. Und werden wohl auch noch weitere vier Jahrtausende da so stehen. Diese unverwüstlichen Dinger! Die Pyramiden. Das einzige Weltwunder, das wir heute noch bestaunen dürfen.