Der Krieg aller Kriege III Dienstag, Mai 24 2011 

– Der Bruderzwist

Im Jahre 1576 starb Kaiser Maximilian II., sein Nachfolger wurde sein Sohn Rudolf II., der im Langen Türkenkrieg gegen die – Überraschung! – Türken kämpfte. Um sein Heer bezahlen zu können, bewilligten ihm die Fürsten im Reich die sogenannte Türkensteuer. Im Gegenzug musste der Kaiser den Fürsten Zugeständnisse machen, insbesondere auch den protestantischen, denn auch sie sollten nach Möglichkeit diese Steuer bezahlen. So trug der Kaiser aus dem Haus Habsburg mit zu einer Stabilisierung des Heiligen Römischen Reiches bei.

Kaiser Rudolf II., hier noch bei Sinnen

Ab etwa 1595 litt Rudolf II. unter geistiger Umnachtung. Er hatte einen Hauweg, einen Knacks, einen Sprung in der Schüssel. Nicht permanent, aber in unberuhigenden Phasen. Das schmeckte den habsburgischen Fürsten Österreichs wenig, insbesondere Matthias, der der Bruder Rudolfs war und sich in der Erbfolge generell benachteiligt sah. Matthias saß in Wien, Rudolf in Prag. Matthias trat als besonders intrigant hervor, indem er die meisten österreichischen Fürsten um sich scharte und gerne Oberhaupt des Hauses Habsburg geworden wäre. Gelang ihm das?

Matthias, aus dem wird noch was!

Matthias stellte Truppen auf und marschierte Richtung Prag, um seinen bekloppten Bruder abzusetzen. Rudolf, kurzzeitig im Besitz seiner geistigen Kräfte, suchte sich unter den böhmischen Adligen Verbündete. Problem nun: der Adel Böhmens war kreuzprotestantisch, Rudolf aber erzkatholisch. Wie konnte er die Böhmen nun für seine Sache gewinnen? Ganz einfach, er stellte ihnen einen Majestätsbrief aus, der den Protestanten in Böhmen umfassende Religionsrechte gewährte. Obwohl ja noch das Prinzip cuius regio, eius religio (Der Fürst bestimmt die Konfession im Land) galt. Eine feine Sache für die böhmischen Adligen also, die ihre neuen, vom Kaiser und König von Böhmen verliehenen Rechte mit Vergnügen gegen Matthias verteidigten.

Rudolf hatte zunächst Erfolg, sein Bruder verkrümelte sich wieder nach Wien. Dann bemerkte Rudolf aber, dass er den Protestanten da in Böhmen ja eigentlich viel zu viele Rechte gegeben hatte. Unter den Anhängern des Protestantismus waren nicht nur Lutheraner, die vom Religionsfriede von 1555 geschützt wurden, sondern auch Calvinisten, die explizit nicht geschützt wurden. Das war Rudolf dann doch ein wenig zuviel des guten und er versuchte, die Rechte aus dem Majestätsbrief nach und nach zu beschneiden.Das fand der böhmische Adel nun weniger lustig, verbündete sich mit Matthias und ließ Rudolf absetzen. Er starb 1612 und sein Nachfolger als Kaiser und Oberhaupt der Habsburger wurde Matthias.

Matthias musste den Böhmen ihren Majestätsbrief zähneknirschend bestätigen. Die Beamten am Kaiserhof in Wien suchten nun fieberhaft nach Lücken und Grauzonen im Vertrag, um die blöden Protestanten in Böhmen legal loszuwerden und den nach ihrer Auffassung wahren – weil katholischen – Glauben in den böhmischen Ländern zu verbreiten.

Und sie wurden fündig.

(Cliffhanger, Cliffhanger)
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Der Krieg aller Kriege I Donnerstag, Mai 12 2011 

– Die Zeit nach dem Augsburger Religionsfrieden

Es ist zwar nicht unbedingt so clever, gleich eine neue Reihe anzufangen, wo ich doch erstmal die englischen Könige fertig machen muss, aber gut. Meine mündliche Prüfung wird mich in den Dreißigjährigen Krieg führen und weil ich gern das Nützliche mit dem Aufwändigen verbinde, gibt’s jetzt all den Kram, den ich zum Dreißigjährigen Krieg so lesen werde, als Eintrag.

Um das Ausmaß des Konflikts verstehen zu können – und das ist ein wunderschöner historikermäßiger Satzeinstieg -, muss man sich ins Jahr 1555 begeben. Nicht körperlich, denn das dürfte mit einigen Schwierigkeiten verbunden sein, sondern gedanklich.

1555 war das Jahr, in dem der Augsburger Religionsfriede in Kraft trat. Zwischen welchen Religionen regelte er den Frieden? Zwischen Katholiken und Protestanten, natürlich. Um genau zu sein, zwischen Katholiken und Lutheranern, die sich im Heiligen Römischen Reich bis aufs Blut bekämpften. 1555 war damit aber schluss; der Kaiser und die Fürsten schlossen Frieden untereinander. Neben dem Katholizismus war der Glaube der Lutheraner ab sofort eine anerkannte Glaubensrichtung – kein Wunder, bei der riesigen Anzahl Protestanten im Reich. In jedem Fürstentum galt von nun an der Grundsatz: cuius regio, eius religio – was soviel bedeutet, wie „Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing“. Der Fürst konnte bestimmen, welchen Glauben seine Untertanen haben sollten. War der Fürst katholisch, konnte er seinen Untertanen befehlen, auch katholisch zu sein. Starb er und sein Nachfolger war ein Protestant, dann konnte der neue Fürst bestimmen, dass alle Untertanen umgetauft werden mussten. Es gab aber auch Fürsten, denen Glaubensfragen wurscht waren und beide Konfessionen in ihren Staaten akzeptierten.

Außerdem wurde 1554 als Normaljahr festgelegt. Das bedeutet, dass alles Kirchengut, was die Protestanten bis zum Stichtag einkassiert hatten, behalten durften. Alles, was danach gemacht wurde, musste wieder zurückgegeben werden.

Viele Protestanten wären auch nach 1555 den Papsthörigen gerne an die Kehle gesprungen und viele Katholiken den ketzerischen Protestanten, doch dazu sollte es ersteinmal nicht kommen. Das war vor allem dem Kurfürstentümern Sachsen und Brandenburg zu verdanken, die beide protestantisch waren und um eine Annäherung der verfeindeten Parteien bemüht waren. Auf der anderen Seite stand der Kaiser – stramm katholisch, aber nicht so lebensmüde, gleich wieder Krieg vom Zaun zu brechen. Gerade Sachsen war um eine vernünftige und konstruktive Politik im Reich bemüht, mit der beide Seiten leben konnten. Diese Frechheit konnte sich die Sachsen herausnehmen, denn sie galten als die vornehmsten, als Vorzeigeprotestanten.

Der Kaiser hatte kein Interesse, die protestantischen Fürsten einfach nicht zu beachten und nur noch mit den katholischen zu sprechen, denn an der Südostgrenze des Reiches standen die Türken, die das österreichische Gebiet bedrohten – schließlich war der Kaiser ein Österreicher (sprich: Habsburger). Und diese unchristlichen Türken hätten wohl jedem Christen, egal ob katholisch oder protestantisch, ein Graus sein müssen.

Eigentlich waren alle Fürsten um Konfliktvermeidung bemüht und taten alles daran, die Bestimmungen des Augsburger Religionsfrieden umzusetzen. Nur ein Fürstentum tanzte aus der Reihe: die Kurpfalz. Die Pfälzer waren auch Protestanten, wollten aber am liebsten den Einfluss des Protestantismus noch weiter vergrößern und stänkerten, wo sie nur konnten. Die Kurpfalz war ganz schön auf Krawall gebürstet.

Während man im ganzen Reich bemüht war, einen Ausgleich zwischen den Konfessionen zu finden, grätschte die Kurpfalz immer wieder dazwischen. Als im erzkatholischen Frankreich die Hugenotten (die französischen Protestanten) in den Hugenottenkriegen bekämpft wurden, leisteten deutsche Fürsten den beiden Kriegsparteien allenfalls indirekte Hilfe – mit Ausnahme der Kurpfalz, die den Hugenotten Söldner stellte. In den protestantischen Niederlanden, die zu dieser Zeit zum katholischen Spanien gehörten, brach ein Aufstand los. Die deutschen Fürsten sorgten sich vor allem um die Grenzsicherung der marodierenden Söldnerheere. Und was machte die Kurpfalz? Unterstützte die Aufständischen nach Kräften.

Im Reich selber versuchten alle Fürsten, jeden Grund für ein erneutes Aufflammen des Konflikts im Keim zu ersticken. Als ein protestantischer Ritter mit seinen Männern kleine Plünderreisen ins katholische Hochstift Würzburg unternahm und eine Gruppe seiner Handlanger den Bischof meuchelten, schlossen sich die nahegelegenen Fürstentümer zusammen, nahmen den Ritter gefangen und ließen ihn hinrichten.

Und wer hegte für den Ritter große Sympathien? Na, wer wohl?