Risorgimento II Montag, Mrz 28 2011 

– Ein Nachtrag zu Italiens Einigung

Mir ist aufgefallen, dass es im Eintrag zum Risorgimento noch ein paar Sachen gibt, die man nachtragen könnte.

Zu allererst, die ganze Situation in Italien entstand nach 1815 auf dem Wiener Kongress, wo Europa neu geordnet wurde, nachdem Napoleon endgültig besiegt worden war. Der italienische Freiheitskämpfer Giuseppe Mazzini gründete eine Organisation mit dem Namen Giovine Italia (Junges Italien) plus eine gleichnamige Zeitung. Ziel der Organisation war die Schaffung eines geeinten, unabhängigen Italiens. Und zwar einer italienischen Republik. Geplant war, das ganze durch Aufstände aus dem Volk zu bewerkstelligen. Einzelne Aufstände sollten immer mehr Menschen mitnehmen und sich zu einem großen Umsturz entwickeln; die Bewegung sollte aus dem Volk, also „von unten“ kommen.

Dieser Ansicht war auch Garibaldi. 1834 kam es zum ersten Versuch, diese Volksbewegung zu erschaffen, doch sie scheiterte. Garibaldi ging nach Südamerika ins Exil und machte sich in Brasilien und Argentinien als Freiheitskämpfer einen Namen. Unter anderem führte er Revolutionäre im Kampf gegen die Herrscher in Argentinien und sammelte dort Erfahrung, die ihm in Italien später behilflich sein sollte.

Als Garibaldi 1848 nach italien zurückkehrte, war er bereits ein Volksheld. Wegen seiner Taten in Italien und Südamerika wurde er in der Bevölkerung auch Eroe dei due mondi (Held der zwei Welten) genannt. Wie dem auch sei, die 48er Revolution wurde niedergschlagen, Garibaldi zog sich zurück. Cavour, der Ministerpräsident des Königreichs Sardinien, mobilisierte unterdessen die Freiheitskämpfer der Revolution und machte die Losung Vittorio Emanuele, Re d’Italia (Viktor Emanuel, König von Italien) zum Motto der Bewegung. Damit standen sich zwei Anschauungen gegenüber. Auf der einen Seite die Anhänger Mazzinis, die die Bewegung von unten forderten und auf der anderen Seite die Pragmatiker, die die Bewgung von oben wollten. Demokraten und Republikaner auf der einen, Monarchisten auf der anderen Seite.

Beide Seiten waren in den Fürstentümern Italiens ungern gesehen, oftmals stand auf ihre Bestrebungen die Todesstrafe. Einer der bedeutendsten Komponisten seiner Zeit war Giuseppe Verdi, wenn man so will der Popstar seiner Zeit, der Beethoven Italiens. Seine Berühmtheit wurde noch dadurch befeuert, dass man an Hauswänden überall in Italien seinen Namen lesen konnte. VERDI. VERDI, überall VERDI.

Das war weniger das Werk von Musikkennern, sondern das der Anhänger des sardinischen Königs. Denn VERDI galt für eine bestimmte Gruppe der Untergrundbewegung als Abkürzung:

Vittorio Emanuele, Re DItalia.

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Die Einigung Italiens Sonntag, Feb 27 2011 

– Il Risorgimento

Italien ging’s im 19. Jahrhundert ähnlich wie Deutschland; auch das stiefelförmige Land war in viele unabhängige Territorien zersplittert.

Italien im 19. Jahrhundert. Im Süden Bourbonen, im Norden Habsburger. Nur im Westen Italiener. Klicken zum Vergrößern.

Doch die Italiener hatten es ungleich schwerer, denn beinahe der gesamte Norden Italiens stand unter der Fuchtel der Habsburger und damit unter der Kontrolle Österreichs. Das Königreich beider Sizilien wurde von den Bourbonen regiert, einer ursprünglich aus Frankreich stammenden Dynastie. Im Zentrum Italiens lag der Kirchenstaat, das Gebiet des Papstes. Echt italienisch beherrscht wurde im Grunde nur das Königreich Piemont-Sardinien.

1848, als es in ganz Europa rumorte und zu Aufständen und Forderungen nach Nationalstaaten und Republik kam, begehrte auch das Volk in Italien auf. Der Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi mischte ordentlich mit, wollte zusammen mit seinen Mitstreitern eine geeinte, italienische Republik schaffen. Doch die republikanischen Bestrebungen in Italien wurden von Frankreich und Österreich niedergewalzt, der Held Garibaldi musste sich zurückziehen.

Giuseppe Garibaldi. Er wird gleich noch eine Rolle spielen.

In weiten Teilen Italiens machte sich Resignation breit, nur im Königreich Piemont-Sardinien nicht. Dort tüftelte der Ministerpräsident Graf Camillo Benso di Cavour an einem Plan, seinem König mehr Einfluss zu verschaffen. Zunächst versuchte er das, was in Italien schon etliche Male zuvor gemacht wurde, man wollte eine fremde Macht mit der Hilfe einer anderen vertreiben. In diesem Falle setzte Cavour auf Frankreich, mit dessen Hilfe Österreich aus Norditalien vertrieben werden wollte. Traditionell verhielt es sich so, dass der ganze Spaß nach hinten losging, Frankreich und Österreich gemeinsame Sache machten und den italienischen Kuchen unter sich aufteilten.

Graf Camillo Benso di Cavour, Ministerpräsident des Königreiches Piemont-Sardinien

Ähnlich auch dieses Mal. Frankreich half Piemont-Sardinien natürlich nicht aus Selbstlosigkeit, sondern forderte an Frankreich grenzende Gebiete. König Viktor Emanuel war bereit, seinen Teil der Abmachung zu erfüllen, die Franzosen dagegen eher weniger. Obwohl der Feldzug für Viktor Emanuel und seinen französischen Verbündeten gut lief, schloss Frankreich 1859 wie aus heiterem Himmel Frieden mit Österreich. Zähneknirschend nahm Viktor Emanuel den Frieden an, der Piemont-Sardinien Mailand und die ganze restliche Lombardei einbrachte. Venetien hingegen blieb bei Österreich. Trotz dieses aus italienischer Sicht eher unbefriedigenden Ergebnisses forderte Frankreich seine Gebiete ein und erhielt Savoyen und Nizza, die vorher zu Piemont-Sardinien gehörten.

Ministerpräsident Cavour hatte jedoch noch ein Ass im Ärmel und knüpfte Kontakte zu den ganzen Freheitskämpfer von 1848. Überall in Italien plädiert man für einen Anschluss an Piemont-Sardinien, sodass flugs beinahe ganz Nord- und Mittelitalien geeint unter König Viktor Emanuel stand. Frankreich traute sich nicht, zu intervenieren, denn in Paris fürchtete man den Konflikt mit Österreich. Wien wollte auch keine Truppen nach Italien schicken, denn man fürchtete die Reaktion Frankreichs. Zum ersten Mal ergriffen die Italiener die Initiative ohne Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen – und schon funktioniert’s!

Der beim Volk sehr beliebte Garibaldi war wenig angetan davon, dass Cavour seine Geburtsstadt Nizza so leichtfertig den Franzosen überlassen hatte und versuchte in der Frage nach der italienischen Nation den Monarchisten um Cavour ein Schnippchen zu schlagen. Mit tausend Mann setzte er 1860 nach Sizilien über, eroberte rasch Palermo und marschierte zurück aufs Festland auf Neapel zu, wo die bourbonischen Könige residierten. Die Bevölkerung feierte Garibaldi als Befreier von der bourbonischen Gewaltherrschaft.

Die kleinen Bauern in Süditalien begannen, das Land unter sich aufzuteilen und verärgerten so die Großgrundbesitzer, die sich flehend an Viktor Emanuel wandten. Von einem sardinischen König beherrscht zu werden war dann doch verlockender, als in einer von einem ex-Piraten geführten Republik voll revolutionärer Bauern zu leben. Viktor Emanuel kam der Bitte nach, kassierte das ehemalige Königreich beider Sizilien und Garibaldi zog sich abermals zurück – auf eine Insel bei Sardinien, auf der er begann, seine Memoiren zu schreiben.

1861 ist das Königreich Italien geboren, jedoch fehlten noch Venetien, was österreichisch war, und ein großer Teil des Kirchenstaates und damit Rom. Die vorläufige Hauptstadt war erstmal Turin, wo sich Viktor Emanuel, der erste König Italiens, aufhielt.

König Viktor Emanuel

1866 schloss das neue Königreich Italien ein Bündnis mit dem Königreich Preußen. Beide wollen Österreich schwächen. Preußen, um die Vorherrschaft im deutschsprachigen Raum endgültig zu erlangen und Italien, um Venetien zu erobern. Im gleichen Jahr kam es zum Krieg zwischen Preußen und Österreich und Italien fackelte nicht lange und erklärte dem Habsburgerreich ebenfalls den Krieg. Österreich unterlag den beiden Königreichen und während Preußen auf Gebietsabtretungen verzichtete, verlor Österreich Venetien an Italien. Damit war die Einigung Italiens fast komplett, fehlte nur noch der Kirchenstaat.

Der Papst und sein Gebiet wurden von französischen Truppen beschützt. 1870 war es dann wieder ein von Preußen geführter Krieg, in dessen Windschatten die Einheit Italiens voranschreiten konnte. Nach Stänkereien und Provokationen erklärte Frankreich Preußen den Krieg. Preußen scharte alle anderen deutschen Länder um sich und marschierte recht mühelos durch Frankreich. Um nicht völlig überrannt zu werden, zog Frankreich seine Truppen aus dem Kirchenstaat Hals über Kopf ab. Das Gebiet des Papstes stand nun schutzlos da, sodass es für Italien ein Leichtes war, auch den letzten Rest auf der Halbinsel Italien einzuverleiben und Rom, die Hauptstadt des antiken Römischen Reiches, zur Hauptstadt des Königreichs zu machen.

Heinrich und seine Klammer Samstag, Okt 23 2010 

– Heinrich (VII.), der Klammersiebte

Es gibt Herrscher, die sind gut und welche, die haben’s einfach nicht drauf. Geradezu tragisch ist es, wenn die Diskrepanz des Talents zwischen Vater und Sohn deutlich wird.

Kaiser Friedrich II. war eine der schillernsten Figuren des Mittelalters und wohl auch einer der besten Kaiser des Heiligen Römischen Reiches. Sein ältester Spross Heinrich hingegen…

Friedrich II. ließ Heinrich noch zu seinen Lebzeiten von den Kurfürsten zum König wählen, da er auf den Kreuzzug gehen und einen Nachfolger bereitstehen haben wollte, man konnte ja nie wissen, was auf so einem Kreuzzug passiert. Heinrich war zu dieser Zeit noch unmündig und hatte verschiedene Vormünder, die für ihn regierten. Als Heinrich schließlich das Zepter in die Hand nehmen konnte und König spielte, machte er keine allzu gute Figur. Seinen Vater, dem Kaiser, war die Macht der Fürsten nicht geheuer und um jene zu schwächen, bevorzugte er die Städte.

Und was machte König Heinrich? Der erließ ein Statut, dass den Fürsten mehr Rechte einräumte. Zähneknirschend bestätigte der Kaiser diese neuen Rechte der Fürsten, denn er brauchte sie im Disput mit dem Papst. Gleichzeitig ließ er seinen Sohn wissen, dass er dem Kaiser zur Treue verpflichtet sei und vom Papst gebannt werde, wenn er gegen seinen kaiserlichen alten Herren arbeite. Trotzig erließ Heinrich weiter Verordnungen, von denen sein Vater einige wieder aufheben musste.

Während Friedrich gerade in Italien beschäftigt war, führte Heinrich Krieg gegen die Wittelsbacher und bezwang den bayerischen Herzog, der Geiseln stellte. Damit zeigte sich der wittelsbacher Herzog gefügig, denn wer seinem Gegner Geiseln gibt, will nicht den Zorn und damit den Tod der Geiseln heraufbeschwören. Friedrich verlangte die Freilassung der Geiseln, um sein Verhältnis zu den anderen Fürsten nicht zu verschlechtern. Der Papst drohte mit Exkommunikation und missmutig gab Heinrich die Geiseln frei.

Schließlich verkündete Heinrich ein Edikt gegen ungerechtfertigte Ketzereivorwürfe, was abermals den Papst auf den Plan rief. Diesem platzte die Hutschnur und er bannte Heinrich. Friedrich kündigte an, über die Alpen zu ziehen, um sich anzusehen, was sein Sohnemann denn da schon wieder treibe.

Heinrich der Stänkerer scharrte Verbündete um sich, meist kaiserfeindliche Fürsten, um seinem Vater militärisch entgegenzutreten. Kaisertreue Fürsten verwickelten Heinrich in kleinere Gefechte, sodass er den Kaiser nicht angreifen konnte und Friedrich durch seine pure Präsenz ein Heer schuf; der Kaiser war da und schon kamen freiwillig Soldaten zu ihm, um an seiner Seite zu kämpfen. Schließlich stellte Heinrich seinen Vater doch – und unterlag in der Schlacht.

1235 zitierte Friedrich seinen Sohn zur Kaiserpfalz Wimpfen dort kam der aufständische Heinrich angekrochen und wurde vom Kaiser belehrt, dass das so nicht weiterginge. Kurzerhand setzte Friedrich Heinrich als König wieder ab und schickte ihn nach Italien, wo er sieben Jahre später starb.

Der arme Heinrich! War König, aber bekam nie die Chance, Kaiser zu werden, weil er vom eigenen Vater abgesägt wurde! Weil er König war, ist er nach der Zählung Heinrich VII., aber weil er’s nicht bis zum Kaiser geschafft hat und überhaupt nicht allzu lang König war, wurde ihm eine Klammer um die VII verpasst, sodass er postum noch ein bisschen gedemütigt wird.

Einen Heinrich VII. sollte es erst gut hundert Jahre später geben. Und der wurde schließlich auch Kaiser.