Hin und her Donnerstag, Okt 7 2010 

– Der Koreakrieg

Dass man im Kalten Krieg sich auch ganz schnell einen Satz warme Ohren einfangen konnte, zeigte sich bereits relativ früh. Die koreanische Halbinsel war, ähnlich wie Deutschland, nach dem Zweiten Weltkrieg zweigeteilt: in einen kommunistischen Norden und einen liberalistischen Süden. Im Norden herrschte ein kommunistischer Diktator, im Süden herrschte auch nicht gerade eine lupenreine Demokratie. Allgemeine Unzufriedenheit in Südkorea nahm Nordkorea schließlich 1950 zum Anlass, in den Süden einzumarschieren.

Für die USA, den Hegemon der westlichen Welt, war der Einmarsch nicht hinnehmbar; Washington fuhr eine Politik der Eindämmung. Der Kommunismus sollte sich nicht verbreiten, sondern da bleiben, wo er war. Durch den UN-Sicherheitsrat wurde eine Resolution geschleust, die es den Amerikanern erlaubte, den Einfluss Nordkoreas wieder zurückzudrängen. Die ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates zu dieser Zeit waren neben den USA noch Frankreich, Großbritannien, Taiwan (das später durch die Volksrepublik China ersetzt wurde) und die Sowjetunion. Theoretisch hätten die Sowjets ein Veto gegen diese Entscheidung einlegen können. Theoretisch. Denn genau an dieser Sitzung boykottierte die UdSSR den Sicherheitsrat, sodass die antikommunistische Entscheidung gar nicht zustande gekommen wäre. Seit diesem Vorfall nahm die Sowjetunion an jeder Sicherheitsratssitzung teil und verpasste keine einzige mehr.

Wie sah’s inzwischen in Korea aus? Nordkoreanische Truppen hatten fast die gesamte Halbinsel unter ihre Kontrolle gebracht. Nur ein kleiner Teil um Pusan im Südosten des Landes leistete beharrlich Widerstand. Dann lief die Kriegsmaschinerie der USA an. Durch tollkühne Manöver und Landungen im Rücken der Front wurde die Hauptstadt Seoul zurückerobert. Noch im Herbst 1950 wurde der 38. Breitengrad, die Grenze zwischen Nord- und Südkorea, erreicht. General MacArthur, der Befehlshaber der US-Streitkräfte, drängte auf einen weiteren Vormarsch und bekam dafür grünes Licht. Die Armee der USA rollte bis Ende 1950 fast ganz Korea auf.

Korea. Im Norden Kommunisten, im Süden bald auch, außer um Pusan. Durch die Landung bei Inchon wurde Seoul zurückerobert.

In Peking schrillten deswegen die Alarmglocken. China war erst seit zwei Jahren kommunistisch geworden und wurde nervös, dass die Armee des Klassenfeindes so nah an der eigenen Grenze kämpfte. Die Volksrepublik stellte Washington ein Ultimatum; die US-Streitkräfte sollten nicht in die Nähe des Flusses Yalu kommen, sonst würde China selbst in den Konflikt eintreten.

Die Amerikaner ignorierten das und rückten weiter gen Norden. China rüstete und marschierte und MacArthur tobte. Denn er wollte am liebsten Korea verlassen und den Kommunismus gleich noch weiter zurückdrängen, durch eine Invasion Chinas. Er schlug dem US-Präsidenten sogar vor, man könne doch ein paar chinesische Städte mit Atombomben einäschern. Der Vorschlag stieß auf wenig Gegenliebe und für seine geniale Idee wurde MacArthur vom Präsidenten seines Kommandos enthoben.

General Douglas MacArthur

Die Chinesen rückten also vor und drückten bis Anfang 1951 die westlichen Streitkräfte zurück über den 38. Breitengrad tief nach Südkorea. Keine Seite erziehlte seit dem so schnelle Erfolge wie zu Beginn des Krieges mehr. Die US-Streitkräfte verschoben die Front bis 1953 bis etwas oberhalb des 38. Breitengrades, doch weiter ging es nicht, für keine der Kriegsparteien. Beide steckten fest, es ging nicht mehr voran, niemand konnte mehr großartig Gelände gewinnen.

Im Sommer 1953 unterzeichneten die Kriegsparteien einen Waffenstillstand und zogen sich auf die Vorkriegsgrenzen zurück; die Grenze zwischen Nord- und Südkorea lag wieder auf dem 38. Breitengrad. Die ganzen fünf Jahre Krieg hatten also für keine Seite auch nur irgendeinen Gewinn gebracht. Einen Friedensvertrag zwischen Nordkorea und dem Nachbar im Süden gab und gibt es bis heute nicht.

Das Loch im Berg Freitag, Mai 28 2010 

– Der Regierungsbunker der Bundesrepublik

Hat sich jemand mal gefragt, was die Bundesregierung im Kalten Krieg gemacht hätte, wenn es zum Atomkrieg gekommen wär? Sicher wäre sie nicht in Bonn geblieben, um sich von russischen Mittelstreckenraketen atomisieren zu lassen. Nein, die Bundesrepublik leistete sich einen Regierungsbunker. Offizieller Name: Ausweichsitz der Verfassungsorgane der Bundesrepublik. Jahrzehntelang war der Bunker ein gehütetes Geheimnis, sehr idyllisch gelegen unter den Weinbergen von Ahrweiler, im Norden von Rheinland-Pfalz. Der gut 13 Kilometer lange Tunnel wurde geräumt und entkernt, bis auf zweihundert Meter, die erhalten wurden. Als Museum. Und ich war da. Aber zurück zum Bunker.

Der Bunker hat eine lange Geschichte hinter sich und war zu Beginn überhaupt kein Bunker. Nach der Gründung des Deutschen Kaiserreiches und der Eroberung Lothringens wollte man für die Wirtschaft eine Bahnlinie errichten, die das Ruhrgebiet mit seiner Kohle mit dem an Erz reichen Lothringen verbinden sollte. In der Nähe von Ahrweiler wurde dazu ein Tunnel durch die Berge geschlagen, denn die Bahnstrecke über die Berge zu legen, wäre zu umständlich gewesen und die direkteste Verbindung zwischen zwei Punkten ist nunmal eine Gerade. 1910 begann man mit dem Bau und trieb den Tunnel durch die Berge. Vier Jahre später brach der Erste Weltkrieg aus. Deutschland verlor den Krieg und musste Lothringen an Frankreich abtreten.

Damit war der schöne, fast fertige Tunnel nutzlos geworden. Das sahen auch die Franzosen so (gegen die der Tunnel ja letztenendes gerichtet war) und ließen die Eingänge sprengen. In der Zwischenkriegszeit wurde der Tunnel nicht weiter genutzt. Aufgrund des kühlen, feuchten Klimas wurde der beinahe-Eisenbahntunnel zur Champignonzucht verwendet.

Wirkliche Bedeutung bekam der Tunnel erst im Zweiten Weltkrieg. In den letzten Kriegsjahren bombardierten die Alliierten – nunja – im Grunde alles, was in Deutschland stand. Auch und vor allem die Rüstungsindustrie, weswegen viele Anlagen unter Tage verlegt wurden. In die ehemalige Champignonzucht zog nun die Rüstung ein. Im für Bombenangriffe unerreichbaren Tunnel wurden nun Abschussrampen für die V2-Raketen gebaut – von Zwangsarbeitern aus einem Nebenlager des Konzentrationslagers Buchenwald.

Nach Ende des Krieges ließen die Franzosen die Tunneleingänge schon wieder sprengen. Und schon wieder dauerte es nicht allzu lang, bis der Tunnel neu genutzt wurde. Denn 1955 trat die junge Bundesrepublik der NATO bei. Eine Bedingung der NATO an alle Mitgliedsstaaten war es, einen Ausweichssitz für die Regierung zu schaffen, um diese im Falle eines Atomschlags in Sicherheit bringen zu können. Die Bundesregierung suchte und entdeckte den Tunnel für sich. Dort sollte der Atombunker entstehen. Die Lage erschien ideal, nur eine knappe halbe Stunde von der neuen Hauptstadt Bonn entfernt, abgelegen, in einem Berg und ein Großteil der Arbeit, nämlich das Aushöhlen, wurde schon fünfzig Jahre vorher erledigt.

1960 begannen schließlich die Arbeiten am Tunnel und zukünftigen Bunker. Natürlich war das keine Angelegenheit, die einfach so herausposaunt wurde; die gesamte Anlage unterlag strengster Geheimhaltung. Zur Tarnung wurde das Gebiet zum Trainingsgebiet des THW erklärt, so konnte man vor der Bevölkerung die Bauarbeiten weitestgehend geheim halten.

Nach zwölf Jahren Bauzeit war der Bunker schließlich fertig. Die dreizehn Kilometer lange Anlage, die vom Marienthal unterbrochen wurde, war in mehrere Segmente aufgeteilt, von denen jedes einzelne eine eigene Strom- und Wasserversorgung und Luftfilter besaß. Die Haupteingänge waren durch jeweils zwei dicke Stahltore gesichert, die im Ernstfall innerhalb von zehn Sekunden geschlossen werden konnten. Der Bunker wurde rund um die Uhr einsatzbereit gehalten, man war stets in Alarmbereitschaft, falls der Russe Faxen machen sollte.

Die Anlage bot Platz für gut zweitausend Menschen und konnte, völlig isoliert und von der Außenwelt abgeschnitten, ca. dreißig Tage lang aushalten. Danach hätte Frischluft von draußen wieder zugeführt werden müssen. Vorgesehen war der Bunker nur für die Führungsschicht der Bundesrepublik, also Bundeskanlzer und -präsident, sowie das Kabinett und die Bundeswehrspitze sollten die administrative Funktion des Landes am Leben halten.

Alle zwei Jahre wurden NATO-Manöver durchgeführt, in denen der Ernstfall im Bunker erprobt wurde. Das bedeutet, dass die Kanzler und Minister ihre Staatssekretäre in den Bunker schickten, damit diese die Funktion eines Ministers (bzw. Kanzlers) während der Übung ausführen konnten. Die Übungen dauerten zwei Wochen. Die Arbeitstage waren je sechs Stunden lang. Das macht 18 Stunden Freizeit. Da dauern zwei Wochen gefühlt schon mal länger, sodass es im Bunker Räume für Filmvorführungen und Fitness gab. Ansonsten konnte man es sich höchstens in den Doppelbetten im Schlafteil gemütlich machen. Einzelzimmer bekamen nur Bundeskanzler und Bundespräsident, alle anderen mussten sich die Unterkünfte mit anderen Beamten teilen. Natürlich waren die Schlafräume nach Geschlechtern getrennt, trotzdem kam es während dieser Übung zu Bunkerbabys oder um genauer zu sein: etwa neun Monate danach. Irgendwie musste man die 18 Stunden ja totschlagen.

Den Bunker hat nie ein Kanzler oder Minister je von innen gesehen; keiner von denen hatte natürlich Zeit, für zwei Wochen von der Bildfläche zu verschwinden, um bei einem NATO-Manöver teilzunehmen in einem Bunker, den es offiziell gar nicht gab.

Mit der Wiedervereinigung und dem Ende des Kalten Krieges wurde der Bunker obsolet. Erst recht, als die Regierung beschloss, von Bonn nach Berlin zu ziehen. Doch was tun mit diesem Bunker? Immerhin fraß er jede Menge Geld und musste instand gehalten werden. In einfach zu versiegeln (wie es die Franzosen wohl gemacht hätten) ging nicht, denn wie das bei Bauwerken so ist, die in den 60ern gebaut wurden: Es wurden jede Menge giftige Materialien verwendet. Und da der Bunker und ex-Tunnel ein enormes Problem mit der Feuchtigkeit hatte und immer noch hat (Champignons, wir erinnern uns), bestand die Gefahr, dass die giftigen Dinge aus dem Tunnel ins Grundwasser gespült werden, was für die Region an sich eher ungut gewesen wäre.

Also wurde 1997 eine Ausschreibung gemacht, in der Hoffnung, dass jemand den Bunker kauft. Weswegen das jemand tun sollte, weiß ich nicht und es kam auch zu keinem Verkauf. Die praktikabelste Lösung war nun die Entkernung des Bunkers; bis auf die Tunnelröhre wurde alles rausgerupft und weggeschafft – bis auf besagte 200 Meter, die nun als Museum dienen.

Bleibt noch die Frage, wie sicher der Bunker war. Da gab es vor allem zwei Probleme.

  1. Der Bunker war ja eigentlich nur ein Tunnel. Also als solcher nicht auf Atomschläge vorbereitet. Die Zerstörungskraft von Atombomben wuchs im Rüstungswettlauf des Kalten Krieges exponentiell; die Bombe, die über Hiroshima abgeworfen wurde, hatte eine Sprengkraft von 21 Kilotonnen. Während des Kalten Krieges wurden Bomben entwickelt mit der Sprengkraft von hundert Megatonnen. Selbst ein indirekter Treffer hätte nicht nur die Gegend entvölkert und die Vegetation in Mitleidenschaft gezogen, sondern den Berg etwas verrutschen lassen. Was das für den Bunker bedeutet hätte, kann sich wohl jeder selbst ausmalen.
  2. Die Geheimhaltung. Natürlich blieb der Bevölkerung Ahrweilers nicht verborgen, was sich im Gebiet um das Marienthal abspielte, doch das war nicht das größte Problem. Das war nämlich die Spionage aus der DDR. Ostberlin war über die Lage des Bunkers und die Fortschritte beim Bau schneller und besser informiert als die Regierung in Bonn. 

Insgesamt kann ich einen Besuch des Museums nur empfehlen, die Führungen dauern etwa anderthalb Stunden. Einen guten Tipp dazu: warm anziehen! Im Bunker herrschen Tag und Nacht, Sommer und Winter, konstant 12°C. Wegen der Champignons. 

 

(Auf diesem Blog gibt’s viele Fotos und anderes zum Bunker)