Die Päpste, die ich rief Samstag, Feb 19 2011 

– Das große abendländische Schisma

1305 freute sich der französische König Philipp IV., denn es wurde mit Clemens V. ein neuer Papst gewählt, der selbst Franzose war und dem König wesentlich freundlicher gestimmt war als sein Vorvorgänger. Philipp konnte zufrieden sein, dass in Rom nun jemand saß, der ihm weder ins Handwerk pfuschte noch ihm widersprach. Stattdessen legte sich Papst Clemens mit den mächtigen Adelsfamilien der Stadt Rom an und verließ schließlich 1309 die ewige Stadt. Er ging nach Avignon und nahm den Sitz der ganzen Kurie der EInfachheit halber gleich mit in die französische Stadt. In den folgenden Jahren blieben die Päpste einfach in Avignon. Es wurden zunehmend Franzosen zu Kardinälen gekürt und einen schmucken Palast bekamen die avignonesischen Päpste auch noch. Die nächsten sechs Päpste waren allesamt französisch.

Papst Gregor XI. kehrt nach Rom zurück. Ein Fresko aus dem 16. Jahrhundert.

1377 kehrte Papst Gregor XI. wieder nach Rom zurück, bereits ein Jahr später starb er. Es musste also ein neuer Papst gewählt werden. Das Kardinalskollegium wählte Urban VI., der kein Freund der französischen Kardinäle war. Jene wählten ihrerseits nun einen eigenen Papst, Clemens VII., einen Gegenpapst. Nun gab es zwei Päpste, Urban saß in Rom und Clemens in Avignon. Zwei Päpste auf einmal zu haben, war nichts allzu ungewöhnliches, schließlich gab es bis dato schon öfters einen Gegenpapst zum Papst. Doch in diesen Fällen waren die Gegenpäpste von weltlichen Herrschern (meist dem Kaiser, der jemanden brauchte, der ihn krönen konnte) eingesetzt, diesmal herrschte jedoch Uneinigkeit bei den Kardinälen. Und diese sollten doch eigentlich, beseelt vom Heiligen Geist, den einzig Richtigen zum Papst wählen. Die Christenheit war deswegen einigermaßen verwirrt, welcher Papst denn nun der Papst sei.

Clemens wurde unter anderem von den spanischen Königreichen und - natürlich - Frankreich unterstützt, Urban von England und dem Kaiser und Polen. Einige andere Fürsten, wie die im Süden und Westen des Heiligen Römischen Reiches, schlugen sich später auf die Seite Urbans. Für ein größeres Bild: Draufklicken!

Über dreißig Jahre lang wählte man sich in Rom und Avignon einen eigenen Papst nach dem anderen. In Europa kamen Stimmen auf, die das Papsttum ganz allgemein anzweifelten und auf Reformbedarf der Kirche hinwiesen. Der Nährboden für die Reformation wurde gelegt. 1409 wollte man diese unwürdige Scharade endlich beenden. Auf dem Konzil von Pisa sollte eine Einigung gefunden werden. Die beiden Päpste in Rom und Avignon wurden für abgesetzt erklärt, man wählte mit Alexander V. einen neuen Papst und damit hätte sich die Sache erledigt gehabt, doch weder der Papst in Rom noch sein Gegenpart in Avignon akzeptierten ihre Absetzung und blieben auf ihren heiligen Stühlen. Das Konzil, dass das Schisma beenden sollte, verschlimmerte es nur, denn jetzt gab es gleich drei Päpste.

Die Stimmen, die fragten, ob man die Kirche nicht mal eine Reform nötig hätte, wurden immer lauter. In Böhmen machte Johannes Hus auf sich aufmerksam, der den Reformbedarf der Kirche offen anprangerte.

Seit 1411 Kaiser des Heiligen Römischen Reiches, verlor Sigismund allmählich die Geduld ob der päpstlichen Kindereien. Jeder Papst, egal ob Gregor XII. in Rom, Johannes XXIII. in Pisa oder Benedikt XIII. in Avignon, hielt sich für den einzig rechtmäßigen. Der Kaiser setzte den pisanischen Papst Johannes unter Druck; jener solle ein Konzil in Konstanz einberufen, um die Sache ein für alle mal aus der Welt zu schaffen. Johannes eröffnet das Konzil, das Papst Gregor aus Rom sogar anerkannte. Nur Benedikt wollte von dem Konzil nichts wissen.

Sitzung des Konzils von Konstanz

Zunächst glaubte Johannes an eine für ihn günstige Entwicklung, doch die Mitglieder des Konzils gewannen mehr und mehr Selbstvertrauen und bestimmten, dass das Konzil in der Hierarchie noch über dem Papst zu stehen hat. Als Johannes merkte, welches Spiel hier gespielt wurde und dass seine Papstträume bald am Ende sein könnten, floh er Hals über Kopf aus Konstanz, wurde jedoch nur kurze Zeit später wieder eingefangen und zurück zum Konzil geschleift. Das Konzil erklärte den gefangenen Johannes für abgesetzt. Gregor trat freiwillig zurück, Benedikt wurde in Abwesenheit abgesetzt. Nun war der Weg frei für Papstwahlen! Drei Jahre nach dem Beginn des Konzils, also 1417, war das Schisma endlich beendet, der neue Papst hieß Martin V. – doch halt! War er auch der einzige Papst? 

Papst Martin V.

Johannes wurde als Gefangener abgesetzt, Gregor trat freiwillig zurück. Doch Benedikt dachte gar nicht daran, auch nur irgendwas aufzugeben und sah sich weiterhin als einzig rechtmäßigen Papst. Trotzig zog er sich nach Spanien zurück, wo er 1423 starb.

Endlich gab es nur noch einen einzigen Papst, doch das Ansehen des Papsttums hatte stark gelitten. Zwar wurde der Reformator Johannes Hus auf das Konstanzer Konzil geladen und dort gleich auf dem Scheiterhaufen erhitzt, aber die reformatorische Bewegung der Hussiten in Böhmen hielt das nicht auf. Auch an anderen Orten rumorte es, bis 1517 ein kleiner Mönch ein paar Thesen an die Schlosskirche von Wittenberg nagelte.

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Unsere Erde, die gute alte Scheibe Freitag, Jul 16 2010 

– Der Mythos von der Erde als Scheibe

Auf die Frage: „Wie haben sich die Menschen im Mittelalter die Erde vorgestellt?“ wird man in über 100% der Fälle als Antwort: „Als Scheibe!“ erhalten. Im Mittelalter war die Welt also flach, schwarz-weiß und 2D? 

Mitnichten! Forscher im Mittelalter kannten sehr wohl die Berechnung der griechischen Mathematiker, die bereits herausgefunden hatten, dass die Erde rund ist und sogar ziemlich exakt den Erdumfang berechnen konnten.

Niemand ging davon aus, dass die Erde eine Platte wäre. Woher kommt dann diese Behauptung, diese hartnäckige Verleumdung?

Dazu muss man ins 19. Jahrhundert schauen. Zu der Zeit kam die Ansicht auf, dass die Menschen vor 500 Jahren dachten, sie würden auf einer Scheibe leben – und dass das auch offizielle Meinung der Kirche war. Passte ja auch gut ins Bild, schließlich behauptete die Kirche (auch im 19. Jahrhundert noch), dass die Erde der Mittelpunkt des Universums sei. Man wollte dem Mittelalter allgemein und der Kirche insbesondere Rückschrittlichkeit, Wissenschafts- und Fortschrittsfeindlichkeit unterstellen.

Und so hat sich der Mythos, dass die Menschen des Mittelalters die Erde für ein flaches Stück Dreck statt für ein kugelrundes Stück Dreck hielten, bis heute gehalten. Ziemlich erfolgeich. Dafür behauptet heute wenigstens niemand mehr, dass die Erde eine Scheibe ist.

Außer der Flat Earth Society.