Wem gehört die Neue Welt? Samstag, Dez 4 2010 

– Die Teilung der Welt

Während Portugal im 15. Jahrhundert damit beschäftigt war, Afrika auf dem Seeweg zu umrunden und eine Handelsroute nach Indien zu finden, suchten die Spanier, mit Hilfe von Kolumbus, im Westen nach dem Seeweg nach Indien. Wie jeder weiß, fand Kolumbus 1492 nicht Indien, sondern Amerika. Die Neue Welt!

Als bekannt wurde, dass man ein Stück Welt gefunden hat, das noch niemandem gehörte, brauchte man einen Schiedsspruch, der die Welt zwischen den beiden großen Seefahrernationen Spanien und Portugal aufteilte. Die beiden Königreiche auf der iberischen Halbinsel waren katholisch, also bot sich der Papst als Vermittler an.

In seiner Bulle Inter caetera teilte der Papst 1493 die neuen Entdeckungen zwischen Spanien und Portugal auf. Vom Nord- bis zum Südpol wurde eine Linie auf der Weltkarte gezogen. Alle neu entdeckten Länder, die östlich dieser Linie lagen, sollten dem König von Portugal gehören. Alles, was es westlich der Linie zu entdecken gab, gehörte dem König von Spanien.

Lila und gestrichelt: Die päpstliche Urkunde Inter caetera. Lila und durchgehend: Der Vertrag von Tordesillas. Vergesst die grüne Linie! Und klickt, um's zu vergrößern.

Die Portugiesen wollten so ihre Route um Afrika nach Indien behalten und die Spanier sich die Kontrolle über die Neue Welt sichern.

Schon ein Jahr später, 1494, wurde die päpstliche Bulle durch den umfassenden Vertrag von Tordesillas ersetzt. Der Vertrag verschob die Trennlinie zwischen Spanien und Portugal ein Stück nach Westen, was es den Portugiesen ermöglichte, einen Teil des heutigen Brasilien zu besiedeln.

Wie man sieht, hat sich Portugal irgendwann nicht mehr an die Grenze gehalten.

Und so kommt’s, dass der westliche Teil Südamerikas Spanisch und Brasilien Portugiesisch spricht.

Die Entdeckung der Neuen Welt Donnerstag, Jul 8 2010 

– Kolumbus und der Seeweg nach Indien

1492 schlossen die Spanier mit der Eroberung Cordobas die Reconquista ab und vernichteten somit die letzte muslimische Herrschaft auf spanischem Boden. Damit (und mit der Heirat zwischen Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon) wurden genug Ressourcen frei, um auf dem Meer auf Entdeckungstour zu gehen. Gesucht wurde ein Seeweg nach Indien

Warum nahm man nicht den Landweg? Das wäre zwar der kürzeste Weg, doch der ist von den Türken kontrolliert, seit sie das byzantinische Reich vernichtet haben und das Verhältnis zwischen Osmanen und den christlichen Herrschern Europas war nicht gerade … nett …

Der Seeweg also – da gab es zwei Möglichkeiten: entweder stur nach Westen fahren, bis man in Indien landet oder um Afrika herum.

Die Spanier entschieden sich für ersteres – oder wurden entschieden, besser gesagt. Denn ein Italiener drängelte sich an den spanischen Hof, nämlich Christoph Kolumbus. Er hatte Wind davon bekommen, dass es eine Westroute nach Indien geben müsse und war seitdem besessen davon, den Seeweg nach Indien zu finden. Dazu ging er hausieren, bei den italienischen Herrschern. Sie lehnten ab und hielten ihn für verrückt. Dann ging er zu den Engländern. Sie lehnten ab und erklärten ihn für verrückt. Dann versuchte er es bei den Franzosen, gleiches Ergebnis. Auch die Portugiesen lehnten ab. Doch Spaniens Königspaar Ferdinand und Isabella überlegten es sich – und stimmten zu!

Kolumbus leierte den Spaniern noch jede Menge Zugeständnisse aus den Rippen – er wurde General auf Lebenszeit, Vizekönig in allen Gebieten, die er entdecken sollte und durfte 10% aller Gewinne behalten. Ein ordentliches Gehalt, aber Spanien hatte es ja. Anders als heute.

Von der spanischen Krone mit Schiffen, Mannschaft und Proviant ausgestattet, segelte Kolumbus also Richtung Westen. Voll Holdrio. Schließlich, nachdem er wochenlang durch den Atlantik gegurkt ist, stieß er schließlich auf Land. Gut, es war San Salvador und nicht Indien, aber Kolumbus behauptete steif und fest, in Indien gewesen zu sein. Danach unternahm er drei weitere Reisen nach Indien in die Karibik.

Kolumbus' vier Reisen: erste Reise violett, zweite grün, dritte gelb und die vierte rot.

Bis zu seinem Tod war Kolumbus fest davon überzeugt, in Indien gewesen zu sein. Deswegen nennt man heute die Ureinwohner Amerikas: Indianer.