Die Bedrohung aus dem Osten Sonntag, Okt 31 2010 

 – Der Mongolensturm

Zur Zeit der Kreuzzüge ging in Europa das Gerücht über ein christliches Reich im Osten um, das im Rücken der Araber bei Indien läge. Wie bereits erwähnt, waren bis auf den ersten Kreuzzug alle anderen ziemliche Reinfälle, sodass man sich bereits während des Zweiten Kreuzzuges Hoffnung auf Hilfe aus dem Osten machte.

Das Reich werde, so die Legende, beherrscht von einem Priesterkönig namens Johannes, der zwar kein Katholik, aber immerhin Christ sei und als solcher seinen Glaubensbrüdern sicher gerne helfen würde, wenn’s um die Befreiung der heiligen Stätten geht. Zum Beginn des 13. Jahrhunderts mehrten sich in Europa die Gerüchte, dass eine gewaltige Streitmacht aus dem Osten käme und die muslimischen Herrscher in arge Bedrängnis brächten. Tatsächlich war da etwas auf dem Weg in den Westen. Aber nicht das, was sich die Christen erhofften.

1206 wählten die Fürsten der asiatischen Steppe den Fürsten Temüdschin zum Großkhan. Aus diesem Anlass legte sich der Herrscher über die Mongolen einen neuen Namen zu: Dschingis Khan. Innerhalb kürzester Zeit eroberte er die Stämme und Königreiche in seiner Nähe und unterwarf den Norden Chinas. Bald darauf drängte es die Mongolen nach Westen.

Dschingis Khan. Der Mann hat einen eigenen Eintrag verdient.

Innerhalb von drei Jahrzehnten unterwarfen die Mongolen ein Reich, das vom Pazifik bis zum Kaspischen Meer reichte. Aus den muslimischen Gebieten drangen rasch Nachrichten über eine kaum zu stoppende Streitmacht ins christliche Land. In Europa war man höchst erfreut über diese Schützenhilfe gegen die Ungläubigen und hoffte, Bündnisse mit den vermeintlich Gleichgesinnten schließen zu können.

Doch dass es mit der Hilfe nicht weit her war, zeigte sich schnell; die Mongolen fingen an, die christlichen Fürsten in Georgien anzugreifen und drängten vom Norden des kaspischen Meeres aus nach Russland. Sie überrannten das Gebiet an der Wolga, nahmen Moskau und Kiew ein. Dass auch noch alle Versuche, Bündnisse zu schmieden, misslangen, löste Nervosität in Europa aus. Offensichtlich handelte es sich bei dem nomadischen Reitervolk doch nicht um den Priesterkönig Johannes. Alles deutete darauf hin, dass es sich bei diesen Kriegern um die biblischen Völker Gog und Magog handele, die das Ende der Welt einleiteten. Da sie geradewegs aus der Hölle, dem Tartarus zu stammen scheinen, wurden sie „Tartaren“ genannt.

Diese Erkenntnis trug nicht besonders dazu bei, die Panik zu mindern; Endzeitstimmung machte sich in Europa breit. Die Tartaren schienen unaufhaltsam zu sein. Sie kamen aus dem Nichts und eroberten in Windeseile riesige Gebiete. Selbst die größten Heere schlugen sie.

Dass die Mongolen so erfolgreich waren, lag an ihrer Kriegsführung. Während die europäischen Ritterheere schwer gepanzert, aber ungelenk und langsam waren, so waren die Mongolen schnell und leicht, sowohl zu Fuß als auch zu Pferde. Hinzu kam, dass nach euopäischen Ehrverständnis nur der Kampf Mann gegen Mann ehrenvoll sei; die Benutzung von Fernkampfwaffen, also Pfeil und Bogen oder Armbrüsten, war hingegen ehrlos. Und diese ehrlosen Mongolen benutzten im Kampf zuerst ihre hervorragenden Bogenschützen, die selbst im Galopp auf große Distanz erstaunlich präzise schießen konnten. So wurden die schwerfälligen europäischen Ritter niedergeschossen, ehe sie überhaupt in die Reichweite der Mongolen kamen. Sobald alle Pfeile verschossen waren, wurde der verstörte Rest einfach niedergeritten. So schwappte die mongolische Welle unaufhaltsam immer tiefer nach Europa.

Mongolische Truppen rollten über die junge deutsche Siedlung Breslau in Schlesien hinweg; einige Truppenteile erreichten Brandenburg und die kroatische Adria. Angst und Schrecken durchzogen das gesamte Abendland.

1241 stellte ein deutsch-polnisches Ritterheer sich dem Vormarsch der mongolischen Hauptstreitmacht bei Liegnitz in Schlesien entgegen. Anführer der Koalitionstruppen war Heinrich II., Herzog von Schlesien. Zahlenmäßig war das Heer Heinrichs den Mongolen deutlich unterlegen und dennoch wagte er den Angriff. Die deutsch-polnischen Truppen erlitten eine fürchterliche Niederlage, Herzog Heinrich fiel in der Schlacht.

Die Schlacht bei Liegnitz. Rechts die deutschen und polnischen Truppen in ihren schweren Rüstungen, links die Mongolen mit ihren Bögen.

Angst und Panik steigerten sich; das einzige, was die Mongolen jetzt noch stoppen könnte, war die Atlantikküste. Man bereitete sich auf das Schlimmste vor. Doch dann – nichts. Die erwartete Eingliederung ins mongolische Großreich blieb aus. denn die Mongolen verschwanden. Ebenso schnell wie sie gekommen waren, waren sie nun wieder weg. Eine glückliche Fügung Gottes?

Die Antwort war viel profaner. Der Großkhan der Mongolen starb und die mongolischen Fürsten mussten in die Hauptstadt Karakorum reisen, die in der Mongolei liegt, um einen neuen Herrscher zu wählen.

In den folgenden Jahren bröckelte das Riesenreich, das immerhin vom Pazifik bis an die Ostsee reichte, und zerfiel in unabhängig werdende Teilreiche. Zwar blieb Mitteleuropa von weiteren Mongoleneinfällen verschont, doch Osteuropa blieb bis ins 16. Jahrhundert hinein unter der Herrschaft des asiatischen Steppenvolkes.

Der Kampf gegen die Ungläubigen Mittwoch, Aug 25 2010 

– Die Kreuzzüge

Seit gut 400 Jahren wurde das Heilige Land von den Arabern beherrscht. Das war bisher auch kein allzu großes Problem, konnten Christen doch ungestört ihre Religion ausüben. Doch Horrorgeschichten der Byzantiner machten die Runde, nach denen die Christen unter den Moslems zu leiden hätten.

1095 trat Papst Urban II. im französischen Clermont vor tausenden Christen auf und lieferte unter Tränen eine hochdramatische Rede über die Lage der unterdrückten Christen im Heiligen Land ab. Dabei begründet er das Motto der Kreuzzüge:

Deus lo vult!

Gott will es! So riefen es Adlige aus Frankreich und Italien aus und rüsteten zum ersten Kreuzzug ins Heilige Land, um die heiligen Stätten von den Ungläubigen zu befreien und den Pilgern freien Zugang zu verschaffen. Weder der französische König, noch Kaiser Heinrich IV. nahmen am Kreuzzug teil; beide waren zur Zeit exkommuniziert.

1099 war das Ziel der Kreuzritter erreicht. Jerusalem war erobert, die Heiligen Stätten befreit. Jetzt konnte man nicht einfach abziehen und Jerusalem wieder den Moslems überlassen. Also gründete man die sogenannten Kreuzfahrerstaaten:

  • Das Königreich Jerusalem
  • Das Fürstentum Antiocha
  • Die Grafschaft Tripolis und
  • Die Grafschaft Edessa

Diese vier Staaten hatten die Aufgabe, das Heilige Land zu verteidigen. Aber wie das so ist mit christlichen Staaten, kaum war die Bedrohung von außen weg, begannen die Staaten, sich gegenseitig das Leben mies zu machen.

Die vier Kreuzfahrerstaaten, das Byzantinische Reich, die Rum-Seldschuken, Damaskus und Ägypten. Die Assassinen waren im Grunde eine Bande von mittelalterlichen Profikillern.

Da die Kreuzfahrerstaaten die meiste Zeit mit sich selbst beschäftigt waren, war es nur eine Frage der Zeit, bis einer von ihnen das Zeitliche segntete. 1144 fiel Edessa, was die Christenheit Europas zum Anlass nahm, einen zweiten Kreuzzug auszurufen. Papst Eugen III. verkündete ihn, der Abt Bernhard von Clairvaux rührte die Werbetrommel. Und konnte neben Flandern, Italienern und Engländern auch den französischen König Ludwig VII. für die Sache gewinnen. Ludwig erhielt den Oberbefehl über den Kreuzzug. Nach einigem Knatsch gab auch der deutsche König Konrad III. (Kaiser war er zu dem Zeitpunkt noch nicht) nach und verkündete seine Teilnahme.

Die Route des zweiten Kreuzzugs

Der Beginn wurde für das Jahr 1147 festgelegt. Und damit begann die Zeit des Versagens für die Kreuzfahrer, denn nur zwei Jahre später endete der Kreuzzug absolut ergebnislos. Denn Misstrauen durchzog die Kreuzfahrer untereinander und den byzantinischen Kaiser, sodass die Belagerung von Damaskus abgebrochen werden musste und das gute Verhältnis zwischen Damaskus und dem Königreich Jerusalem völlig zertrümmert war.

In den folgenden Jahren schmolz der Kreuzfahrerbesitz im Nahen Osten zusammen. Im Jahre 1187 eroberte Sultan Saladin Jerusalem.

Das Herrschaftsgebiet der einzelnen Parteien 1190. Nicht mehr da: Kreuzfahrerstaaten

Die Eroberung Jerusalems war der Anlass für Kreuzzug nummer drei. Die drei wohl mächtigsten Monarchen Europas nahmen persönlich daran teil: Richard I. Löwenherz, König von England, Philip II., König von Frankreich und Friedrich I. Barbarossa, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.

Richard Löwenherz

Philip II. (rechts), hier mit einem päpstlichen Gesandten. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, wie scheiße ich mittelalterliche Kunst finde. Nämlich sehr.

Kaiser Barbarossa. Er erhielt den Namen wegen seines roten Bartes.

Barbarossa stellte das größte Kreuzfahrerheer der Geschichte; mit 100.000 Mann zog der Kaiser über Kleinasien in Richtung Heiliges Land. In anfänglichen Scharmützeln ging das Reichsheer erfolgreich hervor, der Kreuzzug verlief bisher vielversprechend. Doch im Frühsommer 1190 gelangen der Kaiser und seine mächtige Streitmacht an den Fluss Saleph in Kleinasien. Von der flimmernden Hitze erschöpft, hüpfte der Kaiser in den Fluss, um sich abzukühlen. Barbarossa erlitt einen Herzinfarkt, wurde vom Gewicht seiner Rüstung unter Wasser gezogen und ertrank.

Das nun führerlose Heer löste sich auf, ein paar gingen unverrichteter Dinge nach Hause, andere schlossen sich den anderen Kreuzfahrern an und wieder andere versuchten sich, allein nach Jerusalem durchzuschlagen. Der Versuch, den Leichnahm des Kaisers zu pökeln und ihn in einem Fass nach Jerusalem zu bringen, scheitere an den mangelhaften Mumifizierungskenntnissen der Kreuzfahrer.

Die Unternehmungen des französischen und des englischen Königs waren ebensowenig erfolgreich; Jerusalem blieb im Besitz Saladins. Immerhin, das Königreich Jerusalem konnte wiedergegründet werden, mit Akkon als Hauptstadt. Auch die übrigen Kreuzfahrerstaaten konnten vor der völligen Vernichtung bewahrt werden.

1202 wurde der vierte Kreuzzug ausgerufen, an dem vor allem französische Adlige und Venezianer teilnahmen; Venedig finanzierte und organisierte das ganze Unternehmen. Nicht ganz selbstlos, denn obwohl der Kreuzzug angesetzt war, um Ägypten zu erobern, lenkte Venedig das Kreuzfahrer um – 1204 wurde Konstantinopel erobert und damit ein großer Konkurrent im Mittelmeerhandel ausgeschaltet.

Der fünfte Kreuzzug wurde 1213 ausgerufen und hatte die Rückeroberung Jerusalems als Ziel. 1238 brach Kaiser Friedrich II. ins Heilige Land auf. Der Kaiser war ein hochgebildeter Mann, der Arabisch fließend spach. Bei seiner Ankunft nahm er sofort Kontakt mit den muslimischen Herrschern auf und konnte sogar eine Herausgabe Jerusalems heraushandeln. In Jerusalem setzte er sich selbst die Krone des Königreiches Jerusalem auf.

Kaiser Friedrich II. (links) und Sultan al-Kamil

Damit brachte er den Papst zum schäumen, denn Friedrich II. war exkommuniziert und somit gar nicht berechtigt, an einem Kreuzzug teilzunehmen. Den anderen Kreuzfahrern war es außerdem ein Dorn im Auge, dass der Kaiser fast ausschließlich seine eigenen Truppen im Kampf einsetzte und alle anderen Truppen links liegen ließ. Außerdem kämpfte Friedrich 2 nicht, sondern verhandelte lieber und sah die Ungläubigen als gleichberechtigt an. Das machte seinen Vertrag bei allen anderen Christen außerordentlich unbeliebt.

Der sechste Kreuzzug von 1248 war eine einzige Katastrophe; der einzige Herrscher Europas, der teilnehmen konnte, war der französische König Ludwig der Heilige. Das Ziel war Ägypten, um die Kreuzfahrerstaaten zu entlasten. Schlachten gingen verloren, Hunger, Durst und Krankheiten schwächten das Kreuzfahrerheer weiter und bedeutende Befehlshaber kamen ums Leben. Nach zwei Jahren ergebnislosem Gehacke kehrte Ludwig schließlich wieder nach Frankreich zurück, als er vom Tod seiner Mutter erfuhr.

Der siebte und letzte Kreuzzug wurde halbherzig begonnen und ebenso halbherzig geführt. Angeführt wurde er wieder von Ludwig dem Heiligen, dem französischen König. Das Ziel war zunächst Tunis, damit ein Stützpunkt vorhanden war, von dem man aus weitere Angriffe auf Ägypten durchführen konnte, um die Kreuzfahrerstaaten zu entlasten. Doch so weit kam es nicht, denn Krankheitswellen schwächten das Kreuzfahrerheer, das gerade Tunis belagerte. König Ludwig erkrankte während der Belagerung an Durchfall und starb daran. 27 Jahre später wurde er dafür vom Papst heilig gesprochen. Völlig ergebnislos wurde der Kreuzzug abgebrochen – halt, nein! Ein Ergebnis gab es; 1291 wurden die letzten Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land vertrieben.

Ein Versuch, einen neuen Kreuzzug auszurufen, scheiterte am höflichen Desinteresse der europäischen Monarchen. Damit war die Zeit der Kreuzzüge ins Heilige Land ein für alle mal vorbei, diese schmachvolle Geschichte des Scheiterns.