– Das Grabmal des Mausolos

Endspurt! Noch dieses eine Weltwunder, dann haben ihr und ich die Weltwunder der Antike hinter uns. Ich bedanke mich bei allen drei Lesern, die täglich das (missglückte) Experiment „Siebenteilige Serie über die Weltwunder“ durch- und mitgemacht haben. Jetzt habe ich erstmal genug von Antike, als nächstes gibt’s mal was aus anderen Epochen. Nun also das Grabmal des Mausolos, das in Halikarnassos stand.

Mausolos II. war im vierten Jahrhundert v. Chr. König und Statthalter des persischen Großkönigs, der unter anderem Kleinasien unterworfen hatte, wo Halikarnassos lag. Obwohl die Stadt unter persischer Herrschaft stand, hatte sie eine griechische Tradition und Mausolos baute seine Hauptstadt deswegen mit schmucken griechischen Gebäuden voll. Den Auftrag zum Bau des Grabmals soll Mausolos nicht persönlich gegeben haben, sondern seine Frau Artemisia – die auch seine Schwester war (oh Gott, schon wieder).

Mausolos erlebte die Fertigstellung seines Grabmals nicht; er starb während der Bauarbeiten und seine Schwester/Frau Artemisia folgte ihm bald in den Hades. Die Baumeister führten den Bau schließlich in Eigenregie zuende.

Das Grabmal hatte eine Höhe von über 45 Metern, war mit Statuen der Götter und Herrscher aus Mausolos‘ Familie (über den Stammbaum mag ich gar nicht nachdenken) üppig verziert und komplett schneeweiß. Denn er wurde aus weißem Marmor gebaut.

Darstellung des Grabmals aus dem 16. Jahrhundert.

Rekonstruktion des Grabmals im Miniaturenpark von Istanbul.

im 12./13. Jahrhundert stürzte das Grabmal ein. Wegen – Überraschung! – Erdbeben natürlich. Die Trümmer und das stabile Fundament blieben jedoch gut zweihundert Jahre unberührt, bis die Ritter des Johanniterordens in die Stadt kamen. Sie befanden sich auf dem Rückzug vor den immer weiter vordringenden Türken und trugen das Grabmal ab. Die Steine verbauten sie in ihrer Küstenfestung. Bei den Steinbrucharbeiten entdeckten die Ritter das Innere des Grabmals wieder und taten das, was jeder anständige Historiker getan hätte: sie zerstörten das Grabmal vollständig…

Das Grabmal des Mausolos wurde zwar vernichtet (und Versuche, es im 19. Jahrhundert wieder aufzubauen, scheiterten), doch der Name Mausolos lebt weiter. Nach ihm und seinem Bauwerk wurde jener Gebaudetyp benannt, den man wohl eher kennt: Das Mausoleum.