Der makedonische Zankapfel Montag, Jan 9 2012 

– Die Balkankriege

1912 sah’s in Südosteuropa nicht so aus, wie es heute in Südosteuropa aussieht, sondern anders. Etwa so:

Der Balkan vor dem Ersten Balkankrieg. Klicken zum Vergrößern

Nicht alles, was Griechisch sprach, war auf Teil des griechischen Staates, nicht alles, was Serbisch sprach, war Serbien, dito bei Bulgarien. Was taten also diese drei Staaten? Sie schlossen sich zusammen und forderten in einem Anflug von Nationalismus das Osmanische Reich heraus – Krieg!

Ein sehr erfolgreicher Krieg für die Balkanstaaten, denn die Osmanen wurden bis auf einen kleinen Zipfel 1913 komplett aus Europa vertrieben. Dann ging es um die Aufteilung des eroberten Gebietes. Alle bekamen ein großes Stück vom Kuchen und alle waren damit unzufrieden. Gerade auf die Region, in der alle drei Länder aufeinanderstießen, hatten die Mitglieder des Balkanbundes ihr Auge geworfen: Makedonien.

Der Balkan nach dem Krieg. Makedonien ist grob gesagt die Region, in der Bulgarien, Serbien und Griechenland aufeinandertreffen. Klicken zum Vergrößern.

Die Serben sagten, die Mazedonier sind Slawen, also gehören sie zu uns. Die Griechen sagten, Makedonien ist eine griechische Region mit Griechen, die bloß kein Griechisch sprechen. Die Bulgaren sagten, die Mazedonier sprechen Bulgarisch, also sind sie Bulgaren. Recht hatten alle ein bisschen.

Es kam also, wie es kommen musste. Alle Seiten waren sich nicht ganz grün und es kam schon wieder zum Krieg. Nur dieses Mal nicht gegen die Osmanen, sondern gegen den ehemaligen Verbündeten. Besonders Bulgarien überschätzte seine Möglichkeiten arg und musste nach diesem kurzen Zweiten Balkankrieg am Meisten einstecken. Auf den Friedensverhandlungen verlor Bulgarien weite Teile Makedoniens an Serbien und Griechenland und darüber hinaus auch noch an Rumänien. Und sogar die Osmanen bekamen einen Teil wieder zurück.

Der Balkan nach dem Zweiten Balkankrieg. Bulgarien verliert jede Menge Gebiete. Klicken zum Vergrößern.

Kaiserkonkurrenz Sonntag, Okt 3 2010 

– Streit um das Erbe Roms

Der 3. Oktober, unser Nationalfeiertag. Tag der Deutschen Einheit. Wiedervereinigt seit zwanzig Jahren. Schön. Was liegt an einem solchen Jahrestag näher, als ein Eintrag über das Römische Reich?

Beziehungsweise über das Erbe desselben. 476 n. Chr. setzte der Gote Odoaker den letzten römischen Kaiser, Romulus Augustulus, in Rom ab. Damit hatte das weströmische Reich im Grunde aufgehört zu existieren, wobei es sich 476 ohnehin nur noch um einen Rumpfstaat handelte; die Reste des ehemals weströmischen Reiches waren längst unter die Kontrolle barbarischer Könige gefallen.

Blau: Westrom. Rot: Ostrom

Die römische Kaiserwürde lag damit brach. Zumindest die des Westens, denn der oströmische Kaiser (wobei die Römer selbst sich nie als entweder ost- oder weströmisch sahen, sondern immer als Römer) sah sich als legitimer Nachfolger der römischen Kaiser, auch wenn er sich „Basileus“ nannte, was altgriechisch für „König“ ist und in seinem Reich hauptsächlich Griechisch gesprochen wurde.

Das war für’s erste kein Problem, bis zum Jahre 800. Der Papst, in Rom sitzend, benötigte die Hilfe des Königs der Franken, eines germanischen Stammes, der etwa das Gebiet des heutigen Frankreichs (daher der Name) und des südwestlichen Deutschlands beherrschte. Der Name des fränkischen Königs war Karl und nachdem er dem Papst gegen einen in Norditalien sitzenden Germanenstamm half, wurde er vom Pontifex belohnt. Am Weihnachtsage des Jahres 800 wurde Karl, den man schon bald „den Großen“ nannte, die römische Kaiserwürde verliehen. Damit gab’s in Europa zwei römische Kaiser. Man kann sich wohl vorstellen, wie sehr der Basileus in Konstantinopel geschimpft haben mag; schließlich war er der rechtmäßige Nachfolger der römischen Kaiser.

Karl und die auf ihn folgenden römischen Kaiser bemühten sich erst gar nicht um einen Ausgleich mit dem Byzantinischen, also oströmischen, Reich. Das tat erst Otto der Große, der 962 zum Kaiser gekrönt wurde. Um die Byzantiner milde zu stimmen, verheiratete er seinen Sohn Otto mit der byzantinischen Prinzessin Theophanu. Das besänftigte den Basileus etwas, jedoch flammte den folgenden Jahrhunderten der Gegensatz immer wieder auf. Dass es zu keiner großen Auseinandersetzung kam, mag daran gelegen haben, dass es den Kaisern im Heiligen Römischen Reich ziemlich wurscht war, was die Griechen da hinten am Bosporus so dachten und daran, dass ebenjene Byzantiner mit inneren Querelen und anderen, äußeren Feinden beschäftigt waren und ihr Reich immer mehr zusammenschmolz.

Die Rechtmäßigkeit der Nachfolge der römischen Kaiser blieb bis zum Untergang des Byzantinischen Reiches ungeklärt. 1453 eroberten die Türken unter ihrem Sultan Mehmed dem Eroberer (ratet mal, woher er den Namen hat!) Konstantinopel und damit den letzten Zipfel des Byzantinischen Reiches. Der Basileus kam in der Schlacht um die Stadt ums Leben. Damit wäre die Frage ja ein für alle mal gegessen und der Kaiser des Heiligen Römischen Reiches der einzige Kaiser eines römischen Reiches. So leicht war’s dann aber doch nicht. Denn wie nannte sich der Sultan nach der Eroberung Konstantinopels?

Römischer Kaiser.