– Der Wettstreit zweier Bibliotheken

In der Antike gab es zwei Städte, die für ihre Gelehrten berühmt waren. Die eine war Alexandria, eine Gründung Alexanders des Großen in Ägypten. Sie war von Anfang an als Metropole geplant worden und mauserte sich auch zur Hauptstadt des von den Ptolemäern regierten Ägypten. Alexandria als Macht- und Handelszentrum im östlichen Mittelmeerraum war für Gelehrte äußerst attraktiv; stand doch dort die damals wie heute weltberühmte Bibliothek. Gelehrte aus allen Teilen des Mittelmeerraumes zog es in die Stadt.

Viel weiter nördlich von Alexandria, an der Adria in Kleinasien, lag Pergamon. Auch diese Stadt war, ebenso wie Alexandria, berühmt für ihre Gelehrten und zog in ähnlichem Maße die Gelehrten des Mittelmeerraumes an. Und auch Pergamon unterhielt eine große Bibliothek.

Der Beschreibstoff des Mittelmeerraumes in der Antike schlechthin war Papyrus. Aus den Stängeln der Papyrusstaude wurden dünne Scheiben geschnitten, die aneinandergelegt, gepresst und getrocknet wurden und die Grundlage für allerlei Schriftgut darstellte. Die Papyruspflanze wuchs ausschließlich in Ägypten; das Reich am Nil besaß also ein Monopol auf die Herstellung und den Export von Papyrus.

Um die Konkurrenz aus Pergamon zu schwächen und um deren Bibliothek den Nachschub an Schriftgut abzuwürgen, entzogen die Ptolemäer Pergamon schlicht den Beschreibstoff – sie verboten den Export von Papyri nach Pergamon. Die kleinasiatische Stadt hatte daraufhin zwei Möglichkeiten: Stagnation hinsichtlich des Schriftguts oder eine Alternative finden.

Letztere fand man: indem man Tierhäute stramm spannte und hauchdünn schabte, schuf man in Pergamon einen zwar teureren, aber auch wesentlich robusteren Beschreibstoff. Diesen nannte man nach der Stadt seiner Herkunft Pergament.

Bis tief ins Mittelalter hinein blieb Pergament der Beschreibstoff schlechthin. Dann wurde das Pergament von einem anderen Beschreibstoff abgelöst, das nach dem alten Konkurrenzprodukt benannt wurde: Papier.

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