Piefke, wa? Dienstag, Jul 5 2011 

– Herkunft einer Abfälligkeit

Bevor ich zum Thema komme, noch kurz etwas in eigener Sache: den englischen Stammbaum mache ich im Laufe der nächsten Woche fertig, das wird ganz, ganz großartig, wenn das funktioniert.

Aber nun zum Thema:

Wenn man sich südlich der Donau als Deutscher ausgibt, der aus den zivilisierten nördlichen Gefilden Mitteleuropas stammt, hat man – sofern man denn rummault oder sich anderweitig unbeliebt macht – schnell ein abfälliges „Piefke!“ aufgedrückt bekommen.

Warum verunglimpfen uns unsere südländischen Bergbewohner so? Wo kütt dat her, wie der Kölner zu fragen pflegt?

Im Jahre 1866 gab’s Krieg; Österreich hatte mit seinem Verbündeten Sachsen dem Königreich Preußen den Krieg erklärt, es ging um Schleswig und Holstein. Anfang Juli kam es zur Entscheidungsschlacht im böhmischen Königgrätz.

Auf dem Schlachtfeld selbst saß auf preußischer Seite ein Komponist, der noch während der Schlacht den Siegesmarsch für die preußischen Truppen komponiert haben soll. Er wurde zum Symbol für den immerkorrekten Preußen. Sein Name: Johann Gottfried Piefke.

Wie Bayern fast in Belgien war Freitag, Apr 15 2011 

– Der Tausch Bayerns gegen Österreich

Im Heiligen Römischen Reich waren die Wittelbacher eine der mächtigsten Dynastien (auch wenn sie nie einen König stellen konnten, hihi), herrschten über das Kurfürstentum Bayern, über die Kurpfalz und die Herzogtümer Berg und Jülich.

Die hellgrünen Flächen sind von Wittelsbachern beherrschte Gebiete. Das Gebiet nördlich von Regensburg und östlich von Nürnberg ist die Oberpfalz.

Die ganzen Gebiete waren natürlich nicht ein zusammenhängender Staat, sondern mehrere. Wichtig ist erstmal nur die Kurpfalz und Bayern. Kurfürst von der Pfalz war Karl Theodor, er stammte aus der Linie Pfalz-Sulbach, während in Bayern Maximilian III. aus der Linie der bayerischen Wittelsbacher herrschte.

Maximilian III.

1777 starb Maximilian III., ohne einen direkten Erben zu haben. Damit starb auch die ganze bayerische Wittelsbacherlinie aus. Durch einen Vertrag wurde schon vor dem Ableben des bayerischen Herzogs festgelegt, dass Karl Theodor von Mannheim nach München ging und damit zwei Kurfrüstentümer regieren konnte – einmal die Kurpfalz und einmal das Kurfürstentum Bayern. Damit eine Person nun nicht dauerhaft zwei Stimmen bei der Königs- und Kaiserwahl hatte, durfte er nur eine seiner zwei Kurfürstenwürden ausführen. Aber das nur am Rande.

In Österreich begann man, vor Sorge zu rotieren – eine neue Großmacht im Reich? Erst vor ein paar Jahren hatte man Schlesien an Preußen verloren und Friedrich dem Großen so geholfen, sein Königreich Preußen zur Großmacht zu erheben. In Wien steckte man also die Köpfe zusammen und grübelte, wie man nun selbst vom Aussterben der Wittelsbacher profitieren könnte. Und man hatte eine Idee! Der Kaiser erhob für sein Österreich einfach Anspruch auf Bayern, genauer gesagt auf Niederbayern und die Oberpfalz.

Bayern haben, das gefiel den Österreichern. Um Karl Theodor nicht vor den Kopf zu stoßen, bot man an, Gebiete zu tauschen. Österreich bekommt Bayern und Karl Theodor bekommt Vorderösterreich, also den Breisgau. Die Idee gefiel Karl Theodor und er willigte ein.

Vorderösterreich, im Südwesten Deutschlands. Einiges davon wollte man gegen Niederbayern und die Oberpfalz eintauschen. Klicken zum vergrößern

Aber wie das nunmal so ist, es gibt immer jemanden, der den Miesepeter spielt. In diesem Fall war der Miesepeter Preußen. Auch andere Fürsten im Reich stieß das Tauschgeschäft übel auf, aber Preußenkönig Friedrich II. erklärte Österreich gleich den Krieg. Damit hatte er Erfahrung, denn er hatte auf diese Weise Schlesien von Österreich geklaut. Also wieder Krieg, der Alte Fritz schickte seine Armee ins österreichische Böhmen.

Allerdings verhoben sich beide Kriegsparteien; früh kam es zu logistischen Problemen. Schlachten gab es keine, stattdessen eierten die Armeen durch die Lande und versorgten sich irgendwie, weswegen die Preußen das ganze auch „Kartoffelkrieg“ nannten. Die Österreich waren die meiste Zeit damit beschäftigt, Lebensmittel für ihre Armee zu beschlagnahmen. Zwischen dem Kaiser in Wien und dem König aus Berlin herrschte stillschweigend die Abmachung, von einer Schlacht abzusehen. Ein Jahr später wurde ein Frieden vereinbart und das Tauschprojekt stillschweigend bleiben gelassen.

Zumindest für ein paar Jahre.

Sechs Jahre später, also 1785, erhob Österreich erneut Ansprüche auf Bayern, aber diesmal wollte man sich in Wien nicht mit Niederbayern und der Oberpfalz zufrieden geben, sondern beanspruchte das ganze Kurfürstentum. Und wieder machte man Karl Theodor ein verlockendes Angebot, diesmal die Österreichischen Niederlande, also das heutige Belgien. Damit wären die Besitztümer Karl Theodors, nämlich Jülich, Berg und die Kurpfalz alle ganz kompakt beieinander gelegen. Und damit nicht genug, der Kaiser versprach Karl Theodor auch noch, ihn zum König zu erheben – zum König von Burgund. Da wurden Karl Theodors Augen feucht, ein großes Gebiet beherrschen und König sein! Das wäre was. Also willigte er ein.

Da freut sich Karl Theodor!

Und wieder schrieen die Preußen und formten mit anderen Fürsten im Reich einen Fürstenbund, um die Österreicher von ihrem Vorhaben abzuhalten. Und wieder ließ man in Wien von dem Vorhaben ab. Bis 1793. Da änderten die Preußen urplötzlich ihre Meinung und sagten, dass die Österreich tauschen könnten, was sie wollten. Das tat man nicht, weil man in Berlin auf einmal so österreichfreundlich geworden wäre, sondern weil man gerade dabei war, Polen aufzuteilen und aus Wien grünes Licht für die Teilung wollte. Was Preußen schließlich auch bekam.

Zum Tauch Bayern gegen Belgien kam’s jedoch nicht mehr, denn Österreich hatte schon bald nichts mehr zum tauschen. Die Heere der Französischen Revolution rollten bis an den Rhein heran und besetzten auch die Österreichischen Niederlande.

Die Einigung Italiens Sonntag, Feb 27 2011 

– Il Risorgimento

Italien ging’s im 19. Jahrhundert ähnlich wie Deutschland; auch das stiefelförmige Land war in viele unabhängige Territorien zersplittert.

Italien im 19. Jahrhundert. Im Süden Bourbonen, im Norden Habsburger. Nur im Westen Italiener. Klicken zum Vergrößern.

Doch die Italiener hatten es ungleich schwerer, denn beinahe der gesamte Norden Italiens stand unter der Fuchtel der Habsburger und damit unter der Kontrolle Österreichs. Das Königreich beider Sizilien wurde von den Bourbonen regiert, einer ursprünglich aus Frankreich stammenden Dynastie. Im Zentrum Italiens lag der Kirchenstaat, das Gebiet des Papstes. Echt italienisch beherrscht wurde im Grunde nur das Königreich Piemont-Sardinien.

1848, als es in ganz Europa rumorte und zu Aufständen und Forderungen nach Nationalstaaten und Republik kam, begehrte auch das Volk in Italien auf. Der Freiheitskämpfer Giuseppe Garibaldi mischte ordentlich mit, wollte zusammen mit seinen Mitstreitern eine geeinte, italienische Republik schaffen. Doch die republikanischen Bestrebungen in Italien wurden von Frankreich und Österreich niedergewalzt, der Held Garibaldi musste sich zurückziehen.

Giuseppe Garibaldi. Er wird gleich noch eine Rolle spielen.

In weiten Teilen Italiens machte sich Resignation breit, nur im Königreich Piemont-Sardinien nicht. Dort tüftelte der Ministerpräsident Graf Camillo Benso di Cavour an einem Plan, seinem König mehr Einfluss zu verschaffen. Zunächst versuchte er das, was in Italien schon etliche Male zuvor gemacht wurde, man wollte eine fremde Macht mit der Hilfe einer anderen vertreiben. In diesem Falle setzte Cavour auf Frankreich, mit dessen Hilfe Österreich aus Norditalien vertrieben werden wollte. Traditionell verhielt es sich so, dass der ganze Spaß nach hinten losging, Frankreich und Österreich gemeinsame Sache machten und den italienischen Kuchen unter sich aufteilten.

Graf Camillo Benso di Cavour, Ministerpräsident des Königreiches Piemont-Sardinien

Ähnlich auch dieses Mal. Frankreich half Piemont-Sardinien natürlich nicht aus Selbstlosigkeit, sondern forderte an Frankreich grenzende Gebiete. König Viktor Emanuel war bereit, seinen Teil der Abmachung zu erfüllen, die Franzosen dagegen eher weniger. Obwohl der Feldzug für Viktor Emanuel und seinen französischen Verbündeten gut lief, schloss Frankreich 1859 wie aus heiterem Himmel Frieden mit Österreich. Zähneknirschend nahm Viktor Emanuel den Frieden an, der Piemont-Sardinien Mailand und die ganze restliche Lombardei einbrachte. Venetien hingegen blieb bei Österreich. Trotz dieses aus italienischer Sicht eher unbefriedigenden Ergebnisses forderte Frankreich seine Gebiete ein und erhielt Savoyen und Nizza, die vorher zu Piemont-Sardinien gehörten.

Ministerpräsident Cavour hatte jedoch noch ein Ass im Ärmel und knüpfte Kontakte zu den ganzen Freheitskämpfer von 1848. Überall in Italien plädiert man für einen Anschluss an Piemont-Sardinien, sodass flugs beinahe ganz Nord- und Mittelitalien geeint unter König Viktor Emanuel stand. Frankreich traute sich nicht, zu intervenieren, denn in Paris fürchtete man den Konflikt mit Österreich. Wien wollte auch keine Truppen nach Italien schicken, denn man fürchtete die Reaktion Frankreichs. Zum ersten Mal ergriffen die Italiener die Initiative ohne Hilfe von außen in Anspruch zu nehmen – und schon funktioniert’s!

Der beim Volk sehr beliebte Garibaldi war wenig angetan davon, dass Cavour seine Geburtsstadt Nizza so leichtfertig den Franzosen überlassen hatte und versuchte in der Frage nach der italienischen Nation den Monarchisten um Cavour ein Schnippchen zu schlagen. Mit tausend Mann setzte er 1860 nach Sizilien über, eroberte rasch Palermo und marschierte zurück aufs Festland auf Neapel zu, wo die bourbonischen Könige residierten. Die Bevölkerung feierte Garibaldi als Befreier von der bourbonischen Gewaltherrschaft.

Die kleinen Bauern in Süditalien begannen, das Land unter sich aufzuteilen und verärgerten so die Großgrundbesitzer, die sich flehend an Viktor Emanuel wandten. Von einem sardinischen König beherrscht zu werden war dann doch verlockender, als in einer von einem ex-Piraten geführten Republik voll revolutionärer Bauern zu leben. Viktor Emanuel kam der Bitte nach, kassierte das ehemalige Königreich beider Sizilien und Garibaldi zog sich abermals zurück – auf eine Insel bei Sardinien, auf der er begann, seine Memoiren zu schreiben.

1861 ist das Königreich Italien geboren, jedoch fehlten noch Venetien, was österreichisch war, und ein großer Teil des Kirchenstaates und damit Rom. Die vorläufige Hauptstadt war erstmal Turin, wo sich Viktor Emanuel, der erste König Italiens, aufhielt.

König Viktor Emanuel

1866 schloss das neue Königreich Italien ein Bündnis mit dem Königreich Preußen. Beide wollen Österreich schwächen. Preußen, um die Vorherrschaft im deutschsprachigen Raum endgültig zu erlangen und Italien, um Venetien zu erobern. Im gleichen Jahr kam es zum Krieg zwischen Preußen und Österreich und Italien fackelte nicht lange und erklärte dem Habsburgerreich ebenfalls den Krieg. Österreich unterlag den beiden Königreichen und während Preußen auf Gebietsabtretungen verzichtete, verlor Österreich Venetien an Italien. Damit war die Einigung Italiens fast komplett, fehlte nur noch der Kirchenstaat.

Der Papst und sein Gebiet wurden von französischen Truppen beschützt. 1870 war es dann wieder ein von Preußen geführter Krieg, in dessen Windschatten die Einheit Italiens voranschreiten konnte. Nach Stänkereien und Provokationen erklärte Frankreich Preußen den Krieg. Preußen scharte alle anderen deutschen Länder um sich und marschierte recht mühelos durch Frankreich. Um nicht völlig überrannt zu werden, zog Frankreich seine Truppen aus dem Kirchenstaat Hals über Kopf ab. Das Gebiet des Papstes stand nun schutzlos da, sodass es für Italien ein Leichtes war, auch den letzten Rest auf der Halbinsel Italien einzuverleiben und Rom, die Hauptstadt des antiken Römischen Reiches, zur Hauptstadt des Königreichs zu machen.

Mer losse d’r Dom in Kölle Samstag, Okt 16 2010 

– Der Bau des Kölner Doms

Wer in einer Stadt lebt, die sich ein Großprojekt mit zwielichtiger Finanzierung baut, der weiß, dass sich so ein Bau ein paar Jährchen ziehen kann. Nicht anders verhält es sich mit dem Bau einer Kathedrale.

Zum Beispiel dem Dom zu Köln, dem wohl berühmtesten Sakralbau Deutschlands und nebenbei dem zweithöchsten (nach dem Ulmer Münster).

An der Stelle, an der heute der Kölner Dom steht, stand auch vor dem Kölner Dom ein Dom, doch dieser war zu klein für die Pilgermassen, die nach Köln und in den Dom kamen, um die Reliquien der Heiligen Drei Könige zu sehen (und zwar im Kölner Dom). Also beschloss man, einen neuen, größeren Dom im gotischen Stil zu bauen. Gotik, das bedeutet viele Spitzbögen, hohe, große Fenster und zahlreiche Verzierungen. 1248 begann man mit dem Bau.

Und man baute und baute. Gut hundert Jahre lang, immer ein Stückchen. Anfang des 15. Jahrhunderts erreichte der Südturm nach etwa  50-jähriger Bauzeit bereits die zweite Etage. Der Chor war bereits fertiggestellt; Messen konnten gehalten werden. Auch wenn die meisten Kirchgänger noch unter freiem Himmel saßen, weit hinter ihnen stand irgendwo der bisher zweistöckige Südturm.

Die Bauarbeiten wurden immer zäher und langsamer. Um 1500, also gut 250 nach Baubeginn, erfolgte die Grundsteinlegung des Nordturms. Das Geld für den Dombau wurde immer knapper; der Ablasshandel brachte nur noch wenig Geld ein, weil ein verrückter thüringischer Mönch dagegen protestierte. Da weniger Pilger in die Stadt kamen, gab’s von deren Seite auch immer weniger Geld für den Dombau. Um 1530 kam jener schließlich komplett zum erliegen.

Ein Stich aus der Zeit um 1820. Etwa so sah der Dom 300 Jahre lang aus.

Seit dem bestimmte der halbfertige Geisterdom das Bild der Stadt Köln. Wahrzeichen der Stadt war der Baukran auf dem Südturm.

So stand er da, der Dom. Und das gut dreihundert Jahre lang. 1814 wurde Köln und das gesamte Rheinland preußisch. Und die neuen Herren konnten den Anblick dieser halbfertigen Kirchenruine überhaupt nicht ertragen, also gab der preußische König Friedrich Wilhelm IV. den Startschuss zur Wiederaufnahme des Baus.

Mitte des 19. Jahrhunderts wurde wieder gebaut.

Fleißig ging’s voran; Mitte des 19. Jahrhunderts verschwand der Baukran, der bisher Wahrzeichen Kölns war, denn der Südturm konnte endlich fertiggestellt werden. Ebenso der Nordturm und der Rest des Doms. 1880 war es schleißlich so weit: nach 632 Jahren Bauzeit hatte Köln nun endlich seinen Dom. Gestern hatte der Dom Geburtstag; er wurde 130 (wenn man die sechshundert Jahre Bauzeit mal außen vor lässt)! Dafür alles Gute, Dom, und viel Glück für die nächsten 600 Jahre.

Der Kölner Dom heute. Mit Gerüst, natürlich.

Seit seiner Fertigstellung wird der Dom kontinuierlich restauriert, sodass das Baugerüst am Dom genauso zur Silhouette Kölns gehört wie damals der Baukran.

Alle König, außer uns Montag, Sep 20 2010 

– Die Wittelsbacher und die Königswürde

Im 18. Jahrhundert war es äußerst schick, sich „König“ nennen zu dürfen. Markgraf oder Herzog konnte jeder, aber König, das war was besonderes!

Frankreich hatte einen König, die Spanier auch und die Englischen Könige besaßen gleich zwei Königskronen, nämlich die von England (wenig überraschend) und die von Schottland. Die Dänen und Schweden waren auch Könige. Nur im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation sah die Sache etwas anders aus. Nur der Kaiser durfte Standeserhöhungen im Reich vornehmen und so andere Fürsten in den Rang eines Königs erheben. Darauf hatte der Kaiser aber vergleichsweise wenig Lust, denn mehr Könige hätte auch mehr Konkurrenz bedeutet. Außerdem war er selbst Mehrfachkönig; als Kaiser war er ja auch gleichzeitig deutscher König. Nebenbei war er zu der Zeit auch König von Böhmen und König von Ungarn.

Also suchten sich die deutschen Fürsten ihre Königskronen eben im Ausland. Zum Beispiel Hannover. Der Kurfürst von Hannover ging eine Personalunion mit England ein und wurde so auch König von Großbritannien. Der Kurfürst von Sachsen ließ sich einfach zum König wählen; Polen war eine Wahlmonarchie, ähnlich wie das Heilige Römische Reich. So wurden die Herzöge von Sachsen Könige von Polen.

Die Brandenburger machten sich ihre Königswürde im Grunde selbst. Ihnen gehörte das Gebiet, was man heute als Ostpreußen kennt. der Markgraf von Brandenburg krönte sich dann selbst zum König in Preußen, später nannte er sich König von Preußen. Das konnte er machen, weil Preußen kein Teil des Heiligen Römischen Reiches war und der Kaiser dort nichts zu melden hatte.

Das Heilige Römische Reich am Ende des 18. Jahrhunderts. Draufklicken zum Vergrößern. Und mit "Vergrößern" meine ich richtig, richtig groß vergrößern.

Weil nun König größer als Markgraf ist, nannte man den Markgrafen von Brandenburg bald nur noch König von Preußen.

Alle großen Fürsten hatten sich also Königstitel besorgt. Nur die Bayern, respektiv das Herrschergeschlecht der Wittelsbacher, hatte keine Königskrone. So sehr sie sich auch bemühten, es wollte einfach nicht hinhauen.

Dann schließlich ergab sich eine Gelegenheit; der geisteskranke König von Spanien starb und hinterließ keinen Thronfolger. Also ging das Geschachere um den spanischen Thron los. Die Verhandlungen endeten und die Wittelsbacher standen fünf Meter vor dem Ziel! Der Sohn des bayerischen Kurfürsten sollte spanischer König werden, damit waren alle einverstanden. Also begab sich der König in spe auf die Reise nach Spanien. In München ließ man schonmal die Korken knallen – immerhin hatte es endlich jemand aus dem Hause Wittelsbach zu etwas gebracht!

Nach der Freude kam der Schock, der Bayernspross starb unerwartet in Brüssel. Damit stand die Thronfrage in Spanien wieder offen und es kam zum Krieg. Österreich und Frankreich rangelten um den Thron. Am Ende des Spanischen Erbfolgekrieges kam ein Franzose auf Spaniens Thron. Wieder gingen die Bayern leer aus.

Bis eines Tages ein kleiner Franzose namens Napoleon durch Europa zog und den Bayern die Königswürde spendierte. Das war toll für die Bayern, hatte aber auch einen bitteren Nachgeschmack.

Denn Napoleon machte alles zu Königen, was nicht bei drei auf den Bäumen war.