– Der Stammbaum der Ptolemäer

Alexander der Große beherrschte ein gewaltiges Reich. Nach seinem Tod zerfiel es; seine makedonischen Generäle teilten das Reich unter sich auf. Der Feldherr Ptolemaios riss sich Ägypten unter den Nagel, ließ sich zum Pharao krönen – und begründete somit die Dynastie der Ptolemäer, die für die nächsten 300 Jahre Ägypten regieren sollte. Anders als bei anderen Dynastien dieser Zeit waren die Ptolemäer allesamt Makedonen. Reine Makedonen. Denn der ptolemäische  Stammkreis Stammbaum sieht so aus:

Puh. Na, dann will ich das ganze mal aufdröseln!

Ptolemaios I. Soter („Retter“) hatte zwei Kinder: einen Sohn, Ptolemaios II.  und Arsinoe II. Ptolemaios II. war zunächst mit Arsinoe I. verheiratet (aus dieser Ehe ging Ptolemaios III. hervor), doch nach dem Tod seines Vaters heiratete er seine Schwester – und begründete so die ptolemäische Tradition des Inzests. Ptolemaios II. bekam den Beinamen „Philadelphos“, was soviel bedeutet wie „der Geschwisterliebende“ . Wie kam das bei der Bevölkerung Ägyptens an? Nun, die Griechen und Makedonen in Ägypten schlugen die Hände über den Köpfen zusammen – immerhin hatte gerade der Pharao seine eigene Schwester geehelicht. Die Ägypter selbst ließ das kalt; in ihrer Vorstellung war nichts dabei, wenn der Pharao mit der Schwester schnackselt. Schaut man sich die ägyptische Mythologie an, sieht man, dass da auch jeder Gott mit jedem mal, ne?, und alle waren sie miteinander verwandt.

Da Ptolemaios III. Euergetes („Wohltäter“) Einzelkind war, musste er sich seine Frau von außerhalb suchen, doch sein Sohn Ptolemaios IV. Philopator („der Vaterliebende“ – nein… ich weiß, was ihr jetzt denkt. Das bedeutet nur, dass er einen guten Draht zum Papa hatte) konnte seine Schwester Arsinoe III. heiraten. Deren Sohn/Neffe, Ptolemaios V. Epiphanes („der Gott, der erschienen ist“) heiratete die seleukidische Königstochter Kleopatra I. aus politischem Kalkül – und um den Genpool wenigstens ein bisschen auffrischen zu können.

Nach Ptolemaios V. wurden die Dinge unschön und ich meine wirklich, wirklich hässlich. Denn der Pharao hatte drei Kinder: Ptolemaios VIII., Kleopatra II. und Ptolemaios VI.

Ptolemaios VI. Philometor („der Mutterliebende“ – und wieder: nein, nicht so liebend) heiratete seine Schwester Kleopatra II. Soweit, so gewöhnlich (wie man’s nimmt). Die beiden hatten eine Tochter, nämlich Kleopatra III. Nach dem Tod Ptolemaios‘ VI., heiratete Kleopatra II. ihren anderen Bruder, Ptolemaios VIII. Physkon („Fettsack“). Der Sohn der beiden, Ptolemaios VII., wurde zwar zum Pharao gekrönt, regierte jedoch nie, weil er ermordet wurde. Also kam Ptolemaios VIII. Physkon auf den Thron – und heiratete Kleopatra III., seine Nichte.

Mit ihr hatte er vier Kinder: Kleopatra IV., Ptolemaios IX., Kleopatra V. Selene und Ptolemaios X.

Und jetzt wird’s nochmal kompliziert: Kleopatra IV. und Ptolemaios IX. hatten einen Sohn, Ptolemaios XII. und Ptolemaios IX. und Kleopatra V. Selene hatten eine Tochter, Berenike III., während ebenjene Kleopatra V. Selene mit Ptolemaios X. einen Sohn hatte, nämlich Ptolemaios XI. Die beiden Stiefgeschwister Berenike III. und Ptolemaios XI. waren verheiratet, aber ohne irgendwelche Nachkommen. Berenike III. war dann mit ihrem Onkel/Stiefvater Ptolemaios X. verheiratet; die beiden hatten eine Tochter, Kleopatra VI. (auf dem Diagramm fälschlicherweise Kleopatra V.), die wiederum mit ihrem … ach, ich geb’s auf, welches Verwandschaftsverhältnis das ist, jedenfalls war Kleopatra VI. mit Ptolemaios XII. verheiratet.

Aus dieser Ehe gingen fünf Kinder hervor, von denen uns aber nur drei zu interessieren brauchen: nämlich Ptolemaios XIV., Ptolemaios XV. und Kleopatra VII. – ja, die Kleopatra. Die mit der Nase. Kleopatra VII. war im Grunde die Matratze des Mittelmeers, jeder durfte mal drüber. Sie hat sowohl mit ihrem Brude Ptolemaios XIV. angebandelt, als auch mit ihrem anderen Bruder Ptolemaios XV. und auch mit einem römischen Feldherrn namens Gaius Julius Caesar, der ein oder andere wird ihn kennen. Mit Caesar hatte Kleopatra VII. einen Sohn, Ptolemaios Caesarion („Kaiserlein“).

Nach der Ermordung Caesars warf sich das Flittchen dem nächsten römischen Herrscher an den Hals, nämlich Mark Anton. Dieser hatte sich mit Octavian, dem späteren Kaiser Augustus, auf eine Teilung der Einflusssphären geeinigt: Octavian regiert im Westen des römischen Reiches, Mark Anton im Osten. Und als Herrscher des Ostens kam er alsbald mit Kleopatra VII. von Ägypten in Kontakt, bandelte mit ihr an und soll ihr sogar seinen Teil des römischen Reiches als Geschenk angeboten haben. Wie dem auch sei, in der Seeschlacht von Actium besiegte Octavian die Ägypter, Mark Anton nahm sich das Leben, Kleopatra VII. nahm sich das Leben und Ägypten wurde römische Provinz.

Noch ein letztes Wort zu Kleopatra VII.: Angeblich soll sie gar nicht die Tochter von Kleopatra VI. gewesen sein, sondern aus einer Liebelei Ptolemaios‘ XII. mit einer Ägypterin hervorgegangen sein. Das zeigt, dass Kleopatra VII. nicht so belämmert gewesen ist wie ihre inzestuösen Vorfahren – und dass die Ptolemäer auch ab und zu doch mal außerhalb der eigenen Familie rummachten.