Der Krieg aller Kriege I Donnerstag, Mai 12 2011 

– Die Zeit nach dem Augsburger Religionsfrieden

Es ist zwar nicht unbedingt so clever, gleich eine neue Reihe anzufangen, wo ich doch erstmal die englischen Könige fertig machen muss, aber gut. Meine mündliche Prüfung wird mich in den Dreißigjährigen Krieg führen und weil ich gern das Nützliche mit dem Aufwändigen verbinde, gibt’s jetzt all den Kram, den ich zum Dreißigjährigen Krieg so lesen werde, als Eintrag.

Um das Ausmaß des Konflikts verstehen zu können – und das ist ein wunderschöner historikermäßiger Satzeinstieg -, muss man sich ins Jahr 1555 begeben. Nicht körperlich, denn das dürfte mit einigen Schwierigkeiten verbunden sein, sondern gedanklich.

1555 war das Jahr, in dem der Augsburger Religionsfriede in Kraft trat. Zwischen welchen Religionen regelte er den Frieden? Zwischen Katholiken und Protestanten, natürlich. Um genau zu sein, zwischen Katholiken und Lutheranern, die sich im Heiligen Römischen Reich bis aufs Blut bekämpften. 1555 war damit aber schluss; der Kaiser und die Fürsten schlossen Frieden untereinander. Neben dem Katholizismus war der Glaube der Lutheraner ab sofort eine anerkannte Glaubensrichtung – kein Wunder, bei der riesigen Anzahl Protestanten im Reich. In jedem Fürstentum galt von nun an der Grundsatz: cuius regio, eius religio – was soviel bedeutet, wie „Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing“. Der Fürst konnte bestimmen, welchen Glauben seine Untertanen haben sollten. War der Fürst katholisch, konnte er seinen Untertanen befehlen, auch katholisch zu sein. Starb er und sein Nachfolger war ein Protestant, dann konnte der neue Fürst bestimmen, dass alle Untertanen umgetauft werden mussten. Es gab aber auch Fürsten, denen Glaubensfragen wurscht waren und beide Konfessionen in ihren Staaten akzeptierten.

Außerdem wurde 1554 als Normaljahr festgelegt. Das bedeutet, dass alles Kirchengut, was die Protestanten bis zum Stichtag einkassiert hatten, behalten durften. Alles, was danach gemacht wurde, musste wieder zurückgegeben werden.

Viele Protestanten wären auch nach 1555 den Papsthörigen gerne an die Kehle gesprungen und viele Katholiken den ketzerischen Protestanten, doch dazu sollte es ersteinmal nicht kommen. Das war vor allem dem Kurfürstentümern Sachsen und Brandenburg zu verdanken, die beide protestantisch waren und um eine Annäherung der verfeindeten Parteien bemüht waren. Auf der anderen Seite stand der Kaiser – stramm katholisch, aber nicht so lebensmüde, gleich wieder Krieg vom Zaun zu brechen. Gerade Sachsen war um eine vernünftige und konstruktive Politik im Reich bemüht, mit der beide Seiten leben konnten. Diese Frechheit konnte sich die Sachsen herausnehmen, denn sie galten als die vornehmsten, als Vorzeigeprotestanten.

Der Kaiser hatte kein Interesse, die protestantischen Fürsten einfach nicht zu beachten und nur noch mit den katholischen zu sprechen, denn an der Südostgrenze des Reiches standen die Türken, die das österreichische Gebiet bedrohten – schließlich war der Kaiser ein Österreicher (sprich: Habsburger). Und diese unchristlichen Türken hätten wohl jedem Christen, egal ob katholisch oder protestantisch, ein Graus sein müssen.

Eigentlich waren alle Fürsten um Konfliktvermeidung bemüht und taten alles daran, die Bestimmungen des Augsburger Religionsfrieden umzusetzen. Nur ein Fürstentum tanzte aus der Reihe: die Kurpfalz. Die Pfälzer waren auch Protestanten, wollten aber am liebsten den Einfluss des Protestantismus noch weiter vergrößern und stänkerten, wo sie nur konnten. Die Kurpfalz war ganz schön auf Krawall gebürstet.

Während man im ganzen Reich bemüht war, einen Ausgleich zwischen den Konfessionen zu finden, grätschte die Kurpfalz immer wieder dazwischen. Als im erzkatholischen Frankreich die Hugenotten (die französischen Protestanten) in den Hugenottenkriegen bekämpft wurden, leisteten deutsche Fürsten den beiden Kriegsparteien allenfalls indirekte Hilfe – mit Ausnahme der Kurpfalz, die den Hugenotten Söldner stellte. In den protestantischen Niederlanden, die zu dieser Zeit zum katholischen Spanien gehörten, brach ein Aufstand los. Die deutschen Fürsten sorgten sich vor allem um die Grenzsicherung der marodierenden Söldnerheere. Und was machte die Kurpfalz? Unterstützte die Aufständischen nach Kräften.

Im Reich selber versuchten alle Fürsten, jeden Grund für ein erneutes Aufflammen des Konflikts im Keim zu ersticken. Als ein protestantischer Ritter mit seinen Männern kleine Plünderreisen ins katholische Hochstift Würzburg unternahm und eine Gruppe seiner Handlanger den Bischof meuchelten, schlossen sich die nahegelegenen Fürstentümer zusammen, nahmen den Ritter gefangen und ließen ihn hinrichten.

Und wer hegte für den Ritter große Sympathien? Na, wer wohl?

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Der Kampf gegen die Ungläubigen Mittwoch, Aug 25 2010 

– Die Kreuzzüge

Seit gut 400 Jahren wurde das Heilige Land von den Arabern beherrscht. Das war bisher auch kein allzu großes Problem, konnten Christen doch ungestört ihre Religion ausüben. Doch Horrorgeschichten der Byzantiner machten die Runde, nach denen die Christen unter den Moslems zu leiden hätten.

1095 trat Papst Urban II. im französischen Clermont vor tausenden Christen auf und lieferte unter Tränen eine hochdramatische Rede über die Lage der unterdrückten Christen im Heiligen Land ab. Dabei begründet er das Motto der Kreuzzüge:

Deus lo vult!

Gott will es! So riefen es Adlige aus Frankreich und Italien aus und rüsteten zum ersten Kreuzzug ins Heilige Land, um die heiligen Stätten von den Ungläubigen zu befreien und den Pilgern freien Zugang zu verschaffen. Weder der französische König, noch Kaiser Heinrich IV. nahmen am Kreuzzug teil; beide waren zur Zeit exkommuniziert.

1099 war das Ziel der Kreuzritter erreicht. Jerusalem war erobert, die Heiligen Stätten befreit. Jetzt konnte man nicht einfach abziehen und Jerusalem wieder den Moslems überlassen. Also gründete man die sogenannten Kreuzfahrerstaaten:

  • Das Königreich Jerusalem
  • Das Fürstentum Antiocha
  • Die Grafschaft Tripolis und
  • Die Grafschaft Edessa

Diese vier Staaten hatten die Aufgabe, das Heilige Land zu verteidigen. Aber wie das so ist mit christlichen Staaten, kaum war die Bedrohung von außen weg, begannen die Staaten, sich gegenseitig das Leben mies zu machen.

Die vier Kreuzfahrerstaaten, das Byzantinische Reich, die Rum-Seldschuken, Damaskus und Ägypten. Die Assassinen waren im Grunde eine Bande von mittelalterlichen Profikillern.

Da die Kreuzfahrerstaaten die meiste Zeit mit sich selbst beschäftigt waren, war es nur eine Frage der Zeit, bis einer von ihnen das Zeitliche segntete. 1144 fiel Edessa, was die Christenheit Europas zum Anlass nahm, einen zweiten Kreuzzug auszurufen. Papst Eugen III. verkündete ihn, der Abt Bernhard von Clairvaux rührte die Werbetrommel. Und konnte neben Flandern, Italienern und Engländern auch den französischen König Ludwig VII. für die Sache gewinnen. Ludwig erhielt den Oberbefehl über den Kreuzzug. Nach einigem Knatsch gab auch der deutsche König Konrad III. (Kaiser war er zu dem Zeitpunkt noch nicht) nach und verkündete seine Teilnahme.

Die Route des zweiten Kreuzzugs

Der Beginn wurde für das Jahr 1147 festgelegt. Und damit begann die Zeit des Versagens für die Kreuzfahrer, denn nur zwei Jahre später endete der Kreuzzug absolut ergebnislos. Denn Misstrauen durchzog die Kreuzfahrer untereinander und den byzantinischen Kaiser, sodass die Belagerung von Damaskus abgebrochen werden musste und das gute Verhältnis zwischen Damaskus und dem Königreich Jerusalem völlig zertrümmert war.

In den folgenden Jahren schmolz der Kreuzfahrerbesitz im Nahen Osten zusammen. Im Jahre 1187 eroberte Sultan Saladin Jerusalem.

Das Herrschaftsgebiet der einzelnen Parteien 1190. Nicht mehr da: Kreuzfahrerstaaten

Die Eroberung Jerusalems war der Anlass für Kreuzzug nummer drei. Die drei wohl mächtigsten Monarchen Europas nahmen persönlich daran teil: Richard I. Löwenherz, König von England, Philip II., König von Frankreich und Friedrich I. Barbarossa, Kaiser des Heiligen Römischen Reiches.

Richard Löwenherz

Philip II. (rechts), hier mit einem päpstlichen Gesandten. An dieser Stelle möchte ich erwähnen, wie scheiße ich mittelalterliche Kunst finde. Nämlich sehr.

Kaiser Barbarossa. Er erhielt den Namen wegen seines roten Bartes.

Barbarossa stellte das größte Kreuzfahrerheer der Geschichte; mit 100.000 Mann zog der Kaiser über Kleinasien in Richtung Heiliges Land. In anfänglichen Scharmützeln ging das Reichsheer erfolgreich hervor, der Kreuzzug verlief bisher vielversprechend. Doch im Frühsommer 1190 gelangen der Kaiser und seine mächtige Streitmacht an den Fluss Saleph in Kleinasien. Von der flimmernden Hitze erschöpft, hüpfte der Kaiser in den Fluss, um sich abzukühlen. Barbarossa erlitt einen Herzinfarkt, wurde vom Gewicht seiner Rüstung unter Wasser gezogen und ertrank.

Das nun führerlose Heer löste sich auf, ein paar gingen unverrichteter Dinge nach Hause, andere schlossen sich den anderen Kreuzfahrern an und wieder andere versuchten sich, allein nach Jerusalem durchzuschlagen. Der Versuch, den Leichnahm des Kaisers zu pökeln und ihn in einem Fass nach Jerusalem zu bringen, scheitere an den mangelhaften Mumifizierungskenntnissen der Kreuzfahrer.

Die Unternehmungen des französischen und des englischen Königs waren ebensowenig erfolgreich; Jerusalem blieb im Besitz Saladins. Immerhin, das Königreich Jerusalem konnte wiedergegründet werden, mit Akkon als Hauptstadt. Auch die übrigen Kreuzfahrerstaaten konnten vor der völligen Vernichtung bewahrt werden.

1202 wurde der vierte Kreuzzug ausgerufen, an dem vor allem französische Adlige und Venezianer teilnahmen; Venedig finanzierte und organisierte das ganze Unternehmen. Nicht ganz selbstlos, denn obwohl der Kreuzzug angesetzt war, um Ägypten zu erobern, lenkte Venedig das Kreuzfahrer um – 1204 wurde Konstantinopel erobert und damit ein großer Konkurrent im Mittelmeerhandel ausgeschaltet.

Der fünfte Kreuzzug wurde 1213 ausgerufen und hatte die Rückeroberung Jerusalems als Ziel. 1238 brach Kaiser Friedrich II. ins Heilige Land auf. Der Kaiser war ein hochgebildeter Mann, der Arabisch fließend spach. Bei seiner Ankunft nahm er sofort Kontakt mit den muslimischen Herrschern auf und konnte sogar eine Herausgabe Jerusalems heraushandeln. In Jerusalem setzte er sich selbst die Krone des Königreiches Jerusalem auf.

Kaiser Friedrich II. (links) und Sultan al-Kamil

Damit brachte er den Papst zum schäumen, denn Friedrich II. war exkommuniziert und somit gar nicht berechtigt, an einem Kreuzzug teilzunehmen. Den anderen Kreuzfahrern war es außerdem ein Dorn im Auge, dass der Kaiser fast ausschließlich seine eigenen Truppen im Kampf einsetzte und alle anderen Truppen links liegen ließ. Außerdem kämpfte Friedrich 2 nicht, sondern verhandelte lieber und sah die Ungläubigen als gleichberechtigt an. Das machte seinen Vertrag bei allen anderen Christen außerordentlich unbeliebt.

Der sechste Kreuzzug von 1248 war eine einzige Katastrophe; der einzige Herrscher Europas, der teilnehmen konnte, war der französische König Ludwig der Heilige. Das Ziel war Ägypten, um die Kreuzfahrerstaaten zu entlasten. Schlachten gingen verloren, Hunger, Durst und Krankheiten schwächten das Kreuzfahrerheer weiter und bedeutende Befehlshaber kamen ums Leben. Nach zwei Jahren ergebnislosem Gehacke kehrte Ludwig schließlich wieder nach Frankreich zurück, als er vom Tod seiner Mutter erfuhr.

Der siebte und letzte Kreuzzug wurde halbherzig begonnen und ebenso halbherzig geführt. Angeführt wurde er wieder von Ludwig dem Heiligen, dem französischen König. Das Ziel war zunächst Tunis, damit ein Stützpunkt vorhanden war, von dem man aus weitere Angriffe auf Ägypten durchführen konnte, um die Kreuzfahrerstaaten zu entlasten. Doch so weit kam es nicht, denn Krankheitswellen schwächten das Kreuzfahrerheer, das gerade Tunis belagerte. König Ludwig erkrankte während der Belagerung an Durchfall und starb daran. 27 Jahre später wurde er dafür vom Papst heilig gesprochen. Völlig ergebnislos wurde der Kreuzzug abgebrochen – halt, nein! Ein Ergebnis gab es; 1291 wurden die letzten Kreuzfahrer aus dem Heiligen Land vertrieben.

Ein Versuch, einen neuen Kreuzzug auszurufen, scheiterte am höflichen Desinteresse der europäischen Monarchen. Damit war die Zeit der Kreuzzüge ins Heilige Land ein für alle mal vorbei, diese schmachvolle Geschichte des Scheiterns.

Antiochos Antichrist Donnerstag, Jul 1 2010 

– Antiochos IV. und die Juden

Das Seleukidenreich war der größte Konkurrent des ptolemäischen Ägyptens. Die Seleukiden herrschten von der kleinasiatischen Küste bis in den heutigen Iran. Zankapfel der beiden Streithähne war Judäa.

In mehreren Kriegen wechselte das Land immer wieder den Besitzer. Leidtragende des Ganzen waren die Juden im Land, die den Ptolemäern stets zugeneigter waren als den Seleukiden, denn Alexandria versprach eine tolerante Religionspolitik.

Anders verhielt es sich bei den Seleukiden. Antiochos IV., König des Seleukidenreiches, eroberte nach langer Belagerung Jerusalem. Die Juden waren, verständlicherweise, wenig begeistert davon, Spielball der Großmächte zu sein und versuchten, ein unabhängiges Königreich zu gründen.

Diesen Aufstand schulg Antiochos nieder und machte sich dann einen Spaß daraus, die Juden ein bisschen zu demütigen.

Also ging er in den Tempel von Jerusalem. Nicht nur einfach in den Tempel, sondern gleich ins Allerheiligste, wohin nur die Priester durften. Ein Nichtjude im Allerheiligsten, mit Soldaten! Als erstes ließ er die anwesenden Priester fesseln, die ihm am Eintritt hindern wollten.

Da mag sich Antiochos gedacht haben: „Wenn ich schon mal hier bin, kann ich mich auch benehmen wie’n Arsch.“ – und ließ die ewige Flamme des Tempels löschen.

Wie jeder weiß, essen Juden kein Schweinefleisch; Schweine werden seit jeher im Judentum als unreine Tiere gesehen. Also ließ Arschloch Antiochos eine dicke Sau ins Allerheiligste bringen und auf dem Opferaltar schlachten. Dann wurde ein Grill errichtet und das Schwein gebraten (die Sau, nicht Antiochos). Mit dem Bratensud ließ der ungemein tolerante König die heiligen Schriften der Juden bespritzen und zwang die gefesselten Priester, das Schweinefleisch zu essen.

Nachdem Antiochos im Tempel abgefeiert hatte, war er der mit Abstand unbeliebteste Mann Jerusalems.

Und als ob das nicht schon alles genug gewesen wäre, gab er den Befehl aus, dass alle Juden den griechischen Göttern opfern und zu König Antiochos beten sollten. Dann verbot er den Jahwe-Kult und ließ den Tempel zu Ehren des Zeus umweihen. Das Ergebnis waren weitere, blutige Aufstände, die ebenso blutig niedergeschlagen wurden.

Aber Antiochos hatte dafür keine Zeit, er war mit seinem Heer längst auf dem Weg nach Ägypten. Er wollte das Ptolemäerreich vernichten und sich selbst zum Pharao krönen. Es sollte ihm gelingen, doch auf Druck Roms musste er die Dynastie der Ptolemäer wieder einsetzen.

Die Juden indes sollten auf jeden seleukidischen Herrscher etwas verschnupft reagieren. Ihre Aufstände fanden als Makkabäeraufstände ihren Platz in der Bibel – und Antiochos wurde zum Antichristen.