– Der Koloss von Rhodos

Und weiter geht’s, das erste Weltwunder ist schon abgefrühstückt, heute folgt das nächste. Neben den Pyramiden ist der Koloss von Rhodos wahrscheinlich das bekannteste Weltwunder (den Pharos würd‘ ich mal so an dritter Stelle sehen).

Der Koloss war im Grunde eine Ehrenstatue für den Sonnengott Helios, die Helios nicht einfach so bekam, sondern aus Dank. In der Antike war Rhodos ein wichtiger Umschlagplatz und wurde um 300 v. Chr. von Demetrios I., dem Herrscher Makedoniens, belagert. Mit Hilfe der Ägypter unter Prolemaios I. und der Hilfe Helios‘ (zwinkerzwinker) überstanden die Rhodesier die Belagerung. Zum Dank bauten sie also dem Gott eine dreißig Meter hohe Statue aus Bronze, die, so nimmt man an, an der Hafeneinfahrt gestanden haben soll.

Wie der Koloss genau aussah, wissen wir nicht, aber es wird vermutet, dass er die Gesichtszüge von Ptolemaios I. gehabt haben soll. Und da er den Sonnengott darstellte, hatte er wohl eine Strahlenkrone auf dem Kopf. Vermutlich hatte er einen Bogen in der Hand, einen Köcher voll Pfeile auf dem Rücken und in der anderen Hand eine Schale, in der ein Feuer brannte, sodass der Koloss auch als Leuchtturm fungierte. Aus statischen Gründen müsste der Koloss etwa die gleiche Haltung gehabt haben, wie die Freiheitsstatue von New York (die ja auch eine Strahlenkrone trägt).

Eine Darstellung aus dem 16. Jahrhundert...

...und aus dem 19. Jahrhundert

...und aus dem 19. Jahrhundert

Was eine dreißig Meter hohe Bronzestatue zum Weltwunder macht, muss ich wohl nicht noch erklären. Wie dem auch sei, die Rhodesier hatten nicht lange Freude an ihrem hübschen Bauwerk. Knapp siebzig Jahre nach seiner Erbauung wurde der Koloss zerstört – und schon wieder war es ein Erdbeben, das ein Weltwunder plattmachte. Anders als die Ägypter, die ihren Leuchtturm nach dem ersten Erdbeben wenigstens wieder zusammenflickten, machten die Rhodesier erstmal überhaupt nichts. Pharao Ptolemaios III. bot sogar Geld für den Wiederaufbau an, doch die Rhodesier entpuppten sich als äußerst faules Völkchen. Um sich nicht weiter um die Bronzetrümmer kümmern zu müssen, setzten sie das Gerücht in die Welt, dass sie einen Orakelspruch hätten, der besagt:

Was gut liegt, das soll man nicht von der Stelle bewegen!

Und offenbar lagen die Kolossreste sogar ziemlich gut, denn die Trümmer konnte man noch gut 900 Jahre besichtigen. Bis die Araber die Insel eroberten und das taten, was wohl jeder tun würde, wenn er riesige Bronzeblöcke finden würde: sie sammelten die Bronze auf und verkauften sie.

Advertisements