Der Krieg aller Kriege VII Donnerstag, Jun 9 2011 

– Der Prager Friede

Nach dem Tod des Schwedenkönigs übernahm der schwedische Reichskanzler Oxenstierna die Führung der Armee und versuchte, den Krieg für Schweden weiter günstig laufen zu lassen. Die Chancen standen nicht schlecht, denn mit Wallenstein fehlte der kaiserlichen Armee ihr fähigster Heerführer und nun musste sich der Kaiser mehr oder weniger auf die Liga stützen.

Allerdings lief es für die Schweden alles andere als gut, denn ihr Bündnis mit den protestantischen Fürsten begann zu bröckeln. Besonders bockig verhielt sich Sachsen, das im Bund die Führung der protestantischen Reichsstände beanspruchte, was den Schweden weniger lieb war; man wollte selber das Sagen haben. So kam es, dass die Verbündeten langsam entfremdeten. Das kaisertreue Sachsen näherte sich wieder an den Kaiser an, stieg aus dem Bündnis mit Schweden aus – und schloss mit dem Kaier Frieden! 1635 unterzeichneten der Kaiser und der Kurfürst von Sachsen den Frieden von Prag, dem alle anderen Fürsten des Reiches beitreten konnten (was im Laufe der Zeit auch fast alle taten).

Ziel und Hoffnung des Kaisers war es, alle Fürsten des Reichs, ob protestantisch oder katholisch, wieder zu einen und die schwedischen Truppen und die französischen Soldaten (die inzwischen auch Krieg führten, aber dazu gleich mehr) aus dem Reich zu drängen und so Frieden zu schaffen. Um die Bedingungen für alle betroffenen Fürsten akzeptabel zu machen, einigte man sich auf ein Normaljahr, nämlich 1627. Alle religiösen Änderungen in den Gebieten und alle Kirchengüter, die bis 1627 eingezogen wurden, durften so bestehen bleiben. Alles, was seit 1627 geändert wurde, musste wieder auf den stand von 1627 gebracht werden.

Diese Aussichten waren für die allermeisten Fürsten annehmbar und sie traten dem Frieden bei. Alle Truppen der Fürsten sollten zu einer einzigen Reichsarmee zusammen gelegt werden, die dann formal dem Kaiser unterstand. Und damit sich die Fürsten nicht bei der nächstbesten Gelegenheit wieder aus dem Bund mit dem Kaiser lösten und sich dem König von Frankreich oder Schweden um den Hals warfen, wurde allen Fürsten verboten, Bündnisse einzugehen. Weder mit ausländischen Mächten – womit Schwedens Bündnis zusamenfiel wie ein Kartenhaus – noch untereinander. Damit war auch die Katholische Liga Geschichte.

Allein geholfen hatte es wenig. Während man gegen die Schweden ein paar Erfolge feiern konnte, machten die Franzosen mehr Druck. Frankreich befand sich schon seit iniger Zeit mit Spanien im Krieg. In Paris fürchtete man, irgendwann von Habsburgern umzingelt zu sein: Spanien im Süden, im Osten das Reich und der Kaiser und im Norden die Spanischen Niederlande. Dass der Kaiser den Reichsfürsten verboten hatte, mit ausländischen Mächten Bündnisse zu schließen, traf Frankreich schwer, verschärfte da doch ihre Lage in der Habsburgklammer.

Der König von Frankreich hatte einen hervorragenden Staatsminister, nämlich Kardinal Richelieu. Richelieu wusste genau, was zu tun war: man musste Schweden davon abhalten, aus dem Krieg auszusteigen.

Kardinal Richelieu (links, rechts und mitte)

Dazu musste Schweden irgendwie in ein Bündnis mit Frankreich gebracht werden. Und da half das liebe Geld. Schweden war seit so ziemlich immer pleite und konnte sich nur durch Kontributionen aus den besetzten Gebieten über Wasser halten. Der Vormarsch der Reichstruppen verkleinerte das potentiell auspressbare Gebiet und damit die Möglichkeit, eine schlagkräftige Armee zu unterhalten. Frankreich lockte die Schweden also mit Geld in ein Bündnis.

Das protestantische Schweden im Bund mit dem katholischen Frankreich kämpfen gegen den katholischen König von Spanien, den katholischen Kaiser und seine katholischen und protestantischen Reichsfürsten – wir sehen, um Religion ging es schon lange nicht mehr.

Die Franzosen bekämpften besonders die Spanier, die über die sogenannte Spanische Straße in die Niederlande marschierten, um die abtrünnigen Holländer zu bekämpfen. Eigentlich hatte sich Spanien schon mit der Abspaltung der Niederlande abgefunden und war theoretisch auch bereit, deren Unabhängigkeit anzuerkennen. Was man aber in Madrid gar nicht gerne sah, waren die Kaperfahrten, die niederländische Schiffe in der Karibik durchführten. Im Zuge dessen verlor Spanien Schiffsladungen von Gold und Silber, die für ein ganzes Jahr hätten reichen müssen.

Die Spanische Straße. Orange und violett sind die Besitzungen der spanischen Habsburger, grün sind die Besitztümer des Kaisers.

Der Krieg hatte sich im Grunde festgefahren, keine Seite konnte seine Ansprüche allein durch Soldaten durchsetzen. Richelieu verlangte für Frankreich Gebiete im Elsass und Bündnisfreiheit für die Reichsfürsten, Oxenstierna verlangte für Schweden einen ehrenvollen Frieden, das bedeutet, Geld für den Unterhalt der Armee und Gebiete im Norden des Reiches, am liebsten an der Ostseeküste. Der Kaiser wollte unterdessen nur Einzelfrieden mit den Schweden und Franzosen schließen, keinen gemeinsamen, der alle drei Kriegsparteien umfasst.

1637 starb Kaiser Ferdinand II. und sein Sohn, Ferdinand III., folgte ihm auf den Thron. Geändert an der Situation hat es nichts.

Vier Jahre später schlossen die drei Parteien in Hamburg einen Vertrag, dass man bald Friedensverhandlungen einberufen sollte. Hier konnte sich Richelieu durchsetzen, der einen Friedenskongress für alle beteiligten Fürsten wollte, auch für die einzelnen Reichsfürsten, was der Kaiser den Fürsten aber verbieten wollte. Der Kongress sollte nach Konfessionen getrennt ablaufen und als Verhandlungsort wurden zwei Städte samt ihrer Verbindungsstraßen als neutrale Zone vereinbart, die nicht angegriffen werden durfte. An anderen Orten ging der Krieg weiter, als sei nichts gewesen.

Ab 1642 traf man sich zu Friedensverhandlungen in Westfalen. In Münster und in Osnabrück.

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Der Krieg aller Kriege VI Samstag, Jun 4 2011 

– Der Schwedische Krieg

1630 landete eine gewaltigte Streitmacht in Norddeutschland: Schwedenkönig Gustav Adolf hatte mobil gemacht und mischte sich nun in den Krieg im Reich ein.

Gustav Adolf, König der Schweden und knapp bei Kasse

Die schwedische Armee krankte fast den gesamten Krieg über an dem gleichen Problem wie die kaiserlichen Truppen (wenn nicht gerade Wallenstein bezahlte): sie konnte nur schwerlich die eigenen Soldaten bezahlen.  Glücklicherweise gab es ja Frankreich und die Franzosen hassten nichts so sehr wie die mächtigen Habsburger. Die saßen mit dem Kaiser ja nicht nur an der Ostgrenze Frankreich, sondern ja auch noch in Spanien; die Franzosen waren quasi von Habsburgern umzingelt. Das tat ihnen recht missfallen und so ein Gustav Adolf, der sich anschickte, Krieg gegen die Habsburger zumindest im Reich zu führen, kam ihnen gerade recht. Also überwiesen sie regelmäßig Geld an die Schweden.

Aber genug davon, was machte Gustav Adolf nun eigentlich im Reich, warum ist er in Pommern gelandet? Zum einen war Schweden ein protestantisches Land und Gustav Adolf gefiel es gar nicht, dass der katholische Kaiser den Protestantismus im Norden des Reiches bedrohte. Und zum anderen gefiel es ihm noch weniger, dass die mächtigen Habsburger sich mit Mecklenburg ein Standbein an der Ostsee verschafften. Also war Krieg das Mittel der Wahrheit.

Und Gustav Adolf war unheimlich erfolgreich, schlug eine Schlacht nach der anderen und gewann Kampf um Kampf. Viele protestantische Reichsfürsten hießen den ‚Löwen aus Mitternacht‘ willkommen, bejubelten den Befreier. Viele von ihnen gingen ein Bündnis mit dem Schwedenkönig ein.

Nur das Kurfürstentum Sachsen hielt sich heraus. Sachsen wollte weder an der Seite des Schwedenkönigs kämpfen – weil der ja gegen den Kaiser kämpfte – und auch nicht an der Seite des Kaisers – der ja gerade den Katholizismus zu neuen Höhenflügen verhalf. Sachsen wollte sich als dritte Partei etablieren und formte zusammen mit anderen Reichsfürsten den Leipziger Bund – gerichtet gegen die Schweden und gegen den Kaiser und die Liga. Man hoffte, sich zwischen den beiden großen Kriegsparteien durchwurschteln zu können, quasi ein ausgleichendes Gegengewicht zu bilden. Dazu wurde kräftig aufgerüstet.

1631 belagerte Tilly, Heerführer der Liga und der kaiserlichen Truppen (der in Ungnade gefallene Wallenstein hatte sein Herzogtum Mecklenburg an die Schweden verloren und war auf sein Gut in Böhmen zurückgekehrt), die protestantische Stadt Magdeburg, die im Bündnis mit Schwedenwar. Und die Belagerung war erfolgreich, denn die Stadt wurde eingenommen und völlig verwüstet. Die Soldaten plünderten, was nicht niet- und nagelfest war, der Rest wurde angezündet oder sonstwie kaputt gemacht. An der Bevölkerung verübten die katholischen Truppen ein Massaker (20.000 Zivilisten sollen umgekommen sein).

Die Belagerung und Zerstörung Magdeburg schockierte alle Kriegsparteien, selbst Tilly und andere Beteiligte. Klicken, um das Bild zu vergrößern.

Die protestantische Seite schlachtete die Zerstörung Magdeburgs propagandistisch aus. Klicken, um das Bild zu vergrößern.

Die Zerstörung einer protestantischen Stadt gab vielen protestantischen Reichsfürsten einen guten Grund, sich auf die Seite Schwedens zu schlagen – wer konnte schon sagen, ob die katholischen Truppen nicht auch andere Städte ‚magdeburgisieren‘?

Auch der Leipziger Bund sah sich genötigt, weiter aufzurüsten. Der Kaier beobachtete das argwöhnisch, vor allem, weil Schweden versuchte, Sachsen auf die eigene Seite zu ziehen. Und ein militärisch hochgerüstetes Sachsen auf der Seite Gustav Adolfs wäre nun wirklich nicht das gewesen, was Kaiser Ferdinand II. gebraucht hätte. Also stellte er dem Kurfürsten ein Ultimatum. Er solle seine Rüstungsanstrengungen bleiben lassen oder die kaiserliche Armee rückt in das Land ein. Tilly marschierte schon richtung sächsischer Grenze – und Sachsen sah sich in arger Bedrängnis. Der Leipziger Bund scheiterte schließlich, weil der Kaiser das ehemals treue Kurfürstentum Sachsen geradewegs in die Arme der Schweden trieb. Schweden, zusammen mit vielen protestantischen Reichsständen und Sachsen, gegen den Kaiser!

1632 blieb dem Kaiser keine andere Wahl, händeringend suchte er eine Möglichkeit die drohende Katastrophe abzuwenden. Gustav Adolfs Armee walzte durch das Reich, der Schwedenkönig gewann die Kontrolle über weite Teile des Reiches – und fiel sogar in Bayern ein! Das Land wurde verwüstet, München von den schwedischen Truppen erobert und Gutsav Adolf nahm Anlauf auf Wien. Der Kaiser war in arger Bedrängnis. Mehr noch, viele Katholiken fürchteten (zu Unrecht allerdings), dass der Schwed‘ über die Alpen nach Rom marschieren könnte und den Katholizismus ein für alle mal auslöschen könnte!

In letzter Not entschied sich der Kaiser für einen unpopulären Schritt: er holte Wallenstein zurück. Der Heerführer wurde wieder zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen, stellte eine schlagkräftige Truppe auf und sollte sich dem Schwedenkönig stellen. Das erste Zusammentreffen der beiden Schlachtenlenker ereignete sich in Nürnberg. Dort brach Wallenstein Gustav Adolfs Nimbus der Unbesiegbarkeit. Und er setzte dem Schwedenkönig weiter zu.

Bei Lützen kam es nun 1632 zur entscheidenen Schlacht zwischen dem Schwedenkönig Gustav Adolf und Wallenstein.

Die Schlacht von Lützen auf einem Flugblatt. Klicken, um das Bild zu vergrößern.

Für den Kaiser und seinen Generalissmus Wallenstein lief der Krieg wie am Schnürchen, für die Schweden war die Schlacht von Lützen jedoch eine riesige Niederlage: Gustav Adolf fiel auf dem Schlachtfeld. Damit waren die Schweden nicht nur ihres Königs beraubt, sondern verloren auch einen brillianten Herrführer.

Der Tod Gustav Adolfs – erschossen aus nächster Nähe von einem kaiserlichen Söldner. Klicken zum Vergrößern.

Der Tod des Königs traf die Schweden schwer, denn die Thronfolgerin Christina war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal sechs Jahre alt. Vorübergehend übernahm der schwedische Kanzler Axel Oxenstierna die Amtsgeschäfte und den Oberbefehl über das schwedische Heer.

Beim Kaiser in Wien hätten nun die Korken knallen können. Doch wieder wurden Proteste der Reichsstände über Wallenstein laut, dessen militärischer Erfolg vielen Fürsten ein wenig unheimlich wurde. Vor allem Herzog Maximilian von Bayern, der Führer der Liga, kritisierte wieder diesen Emporkömmling Wallenstein, weil die Erfolge des Aufsteigers mit seiner kaiserlichen Armee wieder die Liga an den Rand drängten. Aber anders als beim ersten Mal waren die Proteste und Anschuldigungen deutlich schärfer. Man fürchtete, Wallenstein könnte zu mächtig werden oder könnte sich gegen den Kaiser wenden – immer wieder versuchte Wallenstein, mit den Schweden zu verhandeln, um die Kämpfe zu beenden. Der Generealissimus war in den Augen der Fürsten gefährlich – zu gefährlich. Der Kaiser ließ seinen Oberfehelshaber ein zweites Mal fallen wie eine heiße Kartoffel – und diesmal endgültig.

1634 wurde Wallenstein vom Kaiser wegen Verrats verurteilt. Einige ehemalige Offiziere Wallensteins schickten daraufhin ein paar Soldaten nach Eger in Böhmen, wo sich Wallenstein aufhielt, und ließen den ehemaligen Heerführer der kaiserlichen Armee auf Geheiß des Kaisers ermorden.

Die Mordnacht von Eger. Klicken für ein größeres Bild.

Gustav Adolf tot, Wallenstein tot. Das Kriegsbündnis der Schweden begann zu bröckeln.

Und ein erster Versuch zum Frieden wurde gemacht.

Der Krieg aller Kriege I Donnerstag, Mai 12 2011 

– Die Zeit nach dem Augsburger Religionsfrieden

Es ist zwar nicht unbedingt so clever, gleich eine neue Reihe anzufangen, wo ich doch erstmal die englischen Könige fertig machen muss, aber gut. Meine mündliche Prüfung wird mich in den Dreißigjährigen Krieg führen und weil ich gern das Nützliche mit dem Aufwändigen verbinde, gibt’s jetzt all den Kram, den ich zum Dreißigjährigen Krieg so lesen werde, als Eintrag.

Um das Ausmaß des Konflikts verstehen zu können – und das ist ein wunderschöner historikermäßiger Satzeinstieg -, muss man sich ins Jahr 1555 begeben. Nicht körperlich, denn das dürfte mit einigen Schwierigkeiten verbunden sein, sondern gedanklich.

1555 war das Jahr, in dem der Augsburger Religionsfriede in Kraft trat. Zwischen welchen Religionen regelte er den Frieden? Zwischen Katholiken und Protestanten, natürlich. Um genau zu sein, zwischen Katholiken und Lutheranern, die sich im Heiligen Römischen Reich bis aufs Blut bekämpften. 1555 war damit aber schluss; der Kaiser und die Fürsten schlossen Frieden untereinander. Neben dem Katholizismus war der Glaube der Lutheraner ab sofort eine anerkannte Glaubensrichtung – kein Wunder, bei der riesigen Anzahl Protestanten im Reich. In jedem Fürstentum galt von nun an der Grundsatz: cuius regio, eius religio – was soviel bedeutet, wie „Wes Brot ich ess‘, des Lied ich sing“. Der Fürst konnte bestimmen, welchen Glauben seine Untertanen haben sollten. War der Fürst katholisch, konnte er seinen Untertanen befehlen, auch katholisch zu sein. Starb er und sein Nachfolger war ein Protestant, dann konnte der neue Fürst bestimmen, dass alle Untertanen umgetauft werden mussten. Es gab aber auch Fürsten, denen Glaubensfragen wurscht waren und beide Konfessionen in ihren Staaten akzeptierten.

Außerdem wurde 1554 als Normaljahr festgelegt. Das bedeutet, dass alles Kirchengut, was die Protestanten bis zum Stichtag einkassiert hatten, behalten durften. Alles, was danach gemacht wurde, musste wieder zurückgegeben werden.

Viele Protestanten wären auch nach 1555 den Papsthörigen gerne an die Kehle gesprungen und viele Katholiken den ketzerischen Protestanten, doch dazu sollte es ersteinmal nicht kommen. Das war vor allem dem Kurfürstentümern Sachsen und Brandenburg zu verdanken, die beide protestantisch waren und um eine Annäherung der verfeindeten Parteien bemüht waren. Auf der anderen Seite stand der Kaiser – stramm katholisch, aber nicht so lebensmüde, gleich wieder Krieg vom Zaun zu brechen. Gerade Sachsen war um eine vernünftige und konstruktive Politik im Reich bemüht, mit der beide Seiten leben konnten. Diese Frechheit konnte sich die Sachsen herausnehmen, denn sie galten als die vornehmsten, als Vorzeigeprotestanten.

Der Kaiser hatte kein Interesse, die protestantischen Fürsten einfach nicht zu beachten und nur noch mit den katholischen zu sprechen, denn an der Südostgrenze des Reiches standen die Türken, die das österreichische Gebiet bedrohten – schließlich war der Kaiser ein Österreicher (sprich: Habsburger). Und diese unchristlichen Türken hätten wohl jedem Christen, egal ob katholisch oder protestantisch, ein Graus sein müssen.

Eigentlich waren alle Fürsten um Konfliktvermeidung bemüht und taten alles daran, die Bestimmungen des Augsburger Religionsfrieden umzusetzen. Nur ein Fürstentum tanzte aus der Reihe: die Kurpfalz. Die Pfälzer waren auch Protestanten, wollten aber am liebsten den Einfluss des Protestantismus noch weiter vergrößern und stänkerten, wo sie nur konnten. Die Kurpfalz war ganz schön auf Krawall gebürstet.

Während man im ganzen Reich bemüht war, einen Ausgleich zwischen den Konfessionen zu finden, grätschte die Kurpfalz immer wieder dazwischen. Als im erzkatholischen Frankreich die Hugenotten (die französischen Protestanten) in den Hugenottenkriegen bekämpft wurden, leisteten deutsche Fürsten den beiden Kriegsparteien allenfalls indirekte Hilfe – mit Ausnahme der Kurpfalz, die den Hugenotten Söldner stellte. In den protestantischen Niederlanden, die zu dieser Zeit zum katholischen Spanien gehörten, brach ein Aufstand los. Die deutschen Fürsten sorgten sich vor allem um die Grenzsicherung der marodierenden Söldnerheere. Und was machte die Kurpfalz? Unterstützte die Aufständischen nach Kräften.

Im Reich selber versuchten alle Fürsten, jeden Grund für ein erneutes Aufflammen des Konflikts im Keim zu ersticken. Als ein protestantischer Ritter mit seinen Männern kleine Plünderreisen ins katholische Hochstift Würzburg unternahm und eine Gruppe seiner Handlanger den Bischof meuchelten, schlossen sich die nahegelegenen Fürstentümer zusammen, nahmen den Ritter gefangen und ließen ihn hinrichten.

Und wer hegte für den Ritter große Sympathien? Na, wer wohl?

Alle König, außer uns Montag, Sep 20 2010 

– Die Wittelsbacher und die Königswürde

Im 18. Jahrhundert war es äußerst schick, sich „König“ nennen zu dürfen. Markgraf oder Herzog konnte jeder, aber König, das war was besonderes!

Frankreich hatte einen König, die Spanier auch und die Englischen Könige besaßen gleich zwei Königskronen, nämlich die von England (wenig überraschend) und die von Schottland. Die Dänen und Schweden waren auch Könige. Nur im Heiligen Römischen Reich Deutscher Nation sah die Sache etwas anders aus. Nur der Kaiser durfte Standeserhöhungen im Reich vornehmen und so andere Fürsten in den Rang eines Königs erheben. Darauf hatte der Kaiser aber vergleichsweise wenig Lust, denn mehr Könige hätte auch mehr Konkurrenz bedeutet. Außerdem war er selbst Mehrfachkönig; als Kaiser war er ja auch gleichzeitig deutscher König. Nebenbei war er zu der Zeit auch König von Böhmen und König von Ungarn.

Also suchten sich die deutschen Fürsten ihre Königskronen eben im Ausland. Zum Beispiel Hannover. Der Kurfürst von Hannover ging eine Personalunion mit England ein und wurde so auch König von Großbritannien. Der Kurfürst von Sachsen ließ sich einfach zum König wählen; Polen war eine Wahlmonarchie, ähnlich wie das Heilige Römische Reich. So wurden die Herzöge von Sachsen Könige von Polen.

Die Brandenburger machten sich ihre Königswürde im Grunde selbst. Ihnen gehörte das Gebiet, was man heute als Ostpreußen kennt. der Markgraf von Brandenburg krönte sich dann selbst zum König in Preußen, später nannte er sich König von Preußen. Das konnte er machen, weil Preußen kein Teil des Heiligen Römischen Reiches war und der Kaiser dort nichts zu melden hatte.

Das Heilige Römische Reich am Ende des 18. Jahrhunderts. Draufklicken zum Vergrößern. Und mit "Vergrößern" meine ich richtig, richtig groß vergrößern.

Weil nun König größer als Markgraf ist, nannte man den Markgrafen von Brandenburg bald nur noch König von Preußen.

Alle großen Fürsten hatten sich also Königstitel besorgt. Nur die Bayern, respektiv das Herrschergeschlecht der Wittelsbacher, hatte keine Königskrone. So sehr sie sich auch bemühten, es wollte einfach nicht hinhauen.

Dann schließlich ergab sich eine Gelegenheit; der geisteskranke König von Spanien starb und hinterließ keinen Thronfolger. Also ging das Geschachere um den spanischen Thron los. Die Verhandlungen endeten und die Wittelsbacher standen fünf Meter vor dem Ziel! Der Sohn des bayerischen Kurfürsten sollte spanischer König werden, damit waren alle einverstanden. Also begab sich der König in spe auf die Reise nach Spanien. In München ließ man schonmal die Korken knallen – immerhin hatte es endlich jemand aus dem Hause Wittelsbach zu etwas gebracht!

Nach der Freude kam der Schock, der Bayernspross starb unerwartet in Brüssel. Damit stand die Thronfrage in Spanien wieder offen und es kam zum Krieg. Österreich und Frankreich rangelten um den Thron. Am Ende des Spanischen Erbfolgekrieges kam ein Franzose auf Spaniens Thron. Wieder gingen die Bayern leer aus.

Bis eines Tages ein kleiner Franzose namens Napoleon durch Europa zog und den Bayern die Königswürde spendierte. Das war toll für die Bayern, hatte aber auch einen bitteren Nachgeschmack.

Denn Napoleon machte alles zu Königen, was nicht bei drei auf den Bäumen war.

Ein Name auf Wanderung Mittwoch, Jul 28 2010 

– Von Nieder- nach Obersachsen

Schaut man auf die Bundesländer Deutschlands, erschrickt man. Überall Sachsen! Niedersachsen, Sachsen-Anhalt, Sachsen! Wie kommt’s, dass die Sachsen so eine Schneise durch’s Land geschlagen haben?

Das ganze beginnt im frühen Mittelalter. Karl der Große eroberte den germanischen Volksstamm der Sachsen, der auf dem Gebiet des heutigen Niedersachsens siedelte. Und mit ‚erobern‘ meine ich ‚erobern und grausam abschlachten‘. Wie dem auch sei, damit kamen die Sachsen zum Frankenreich. Nach dem Tode Karls und seiner Nachfolger zerfiel das Frankenreich (lange Geschichte – eigenes Thema); aus dem Ostfrankenreich formte sich schließlich ab dem 10. Jahrhundert das Heilige Römische Reich, der erste Kaiser dieses Reiches war Otto der Große – ein Sachse. Das Herzogtum Sachsen gehörte mit zu den mächtigsten im Reich.

Das Herzogtum Sachsen im Norden und das Herzogtum Bayern im Süden. Beide gehörten im 11. Jahrhundert Heinrich dem Löwen - einem Sachsen.

Herzog Heinrich der Löwe probte den Aufstand gegen Kaiser Friedrich Barbarossa und unterlag; er wurde entmachtet und das Herzogtum Sachsen neu vergeben. 1180 erhielt Bernhard von Sachsen aus der Familie der Arkanier den östlichen Teil des Herzogtums und durfte sich ein Jahr später auch offiziell als Herzog von Sachsen bezeichnen.

1356 wurde die Goldene Bulle verfasst. Diese Urkunde regelte, wer im Reich die Kurfürsten waren, die den Kaiser wählten. Wenn man so will, war das die Verfassung des Heiligen Römischen Reiches. In der Goldenen Bulle wurde festgelegt, dass die Kurwürde des Herzogtums Sachsen am Herzogtum Sachsen-Wittenberg hing. Wem dieses Gebiet gehörte, war Kurfürst.

Das Herzogtum Sachsen-Wittenberg liegt heute im Bundesland Sachsen-Anhalt

Die Arkanier hatten etwa siebzig Jahre Spaß mit ihrer Kurwürde. Als 1422 Herzog und Kurfürst Albrecht III. seinen letzten Atemzug tat, starb mit ihm der letzte Arkanier; die Familie starb aus. Der Kaiser gab das Herzogtum Friedrich IV., dem Markgraf von Meißen aus dem Haus der Wettiner, weil er sich im Krieg auf Seiten des Kaisers hervorgetan hatte. Die Markgrafschaft Meißen umfasste das Gebiet zwischen Chemnitz und Dresden.

Damit wurden die Wettiner Herzöge von Sachsen und erweiterten ihr Gebiet nach und nach. Der Name ‚Sachsen‘ ist seitdem mit diesem Gebiet verbunden:

Das Herzogtum Sachsen in den Grenzen des Reiches nach 1648. (Lizenz: CC 2.0 und GNU 1.2)

Beziehungsweise in der heutigen Bundesrepublik:

Das Bundesland Sachsen (diesmal grün) in der Bundesrepublik. (Lizenz: CC 3.0 GNU 1.2 Urheber: Jack the shark)

Halten wir also fest: Der Name ‚Sachsen‘ ist die Elbe entlanggewandert in Richtung südosten. Und deswegen haben wir heute auch drei Bundesländer, die ‚Sachsen‘ im Namen tragen.