Der Krieg aller Kriege II Sonntag, Mai 22 2011 

– Konflikte an allen Grenzen

Das, was im Heiligen Römischen Reich also um 1600 vorherrschte, war ein System, das zwar ein wenig funktionierte, aber nicht sonderlich stabil war. Mit dem Tod des sächsischen Kurfürsten verschlechterte sich die Lage noch ein wenig, denn sein Nachfolger kam der Kurpfalz näher – und weil Kursachsen das vornehmste protestantische Fürstentum war, kamen in dessen Windschatten auch andere protestantische Fürsten in die Nähe der Kurpfalz, die sich über so viel Unterstützung sichtlich freuen konnte. Sachsen, das zuvor versuchte, mit dem Kaiser in Wien einen Ausgleich zu bekommen, jetzt Hand in Hand mit den keifenden Pfälzern? Das machte die Lage im Reich nicht unbedingt stabiler. Als Sachsen schließlich wieder zur konstruktiven Politik zurückging, blieb die Lage angeknackst, denn eine ganze Reihe protestantischer Fürsten blieben auf der Seite der Kurpfalz.

Die verschiedenen Reichsinsitutionen fingen an, zu versagen. Gerichte, Räte usw. waren paritätisch besetzt, das heißt, dass in den Gremien ebenso viele Katholiken wie Protestanten saßen. Teilweise erkannten katholische Gesandte ihre protestantischen Kollegen nicht an, was die gesamte Institution lahmlegte. Beide Konfessionen saßen sich misstrauisch gegenüber. Die protestantischen Stände gründeten ein Schutzbündnis, die Protestantische Union unter der Führung der Kurpfalz, um sich gegen etwaige Angriffe der katholischen Fürsten wehren zu können. Auf der anderen Seite gründeten die katholischen Fürsten die Katholische Liga, die von Bayern angeführt wurde. Kurpfalz gegen Bayern also, das war schon deswegen brisant, weil die Bayern so gerne Kurfürsten werden wollten – und Anspruch auf die Kurwürde der Pfalz erhoben. Willkommen im Pulverfass.

Immerhin konnte keines der Bündnisse die vornehmsten Mächte ihrer Konfession für sich gewinnen; Sachsen blieb der Union fern und der Kaiser und sein habsburgisches Haus traten nicht der Liga bei.

Aber genug von der Innenpolitik, denn auch um das Reich drumrum tat sich einiges. Im Grunde genommen gab es Zoff an allen Grenzen, fangen wir im Norden an. Dort lag Dänemark, was später noch wichtig werden wird. Der König von Dänemark war ein Fürst des Reiches, denn er war Herzog von Holstein und das war ein Teil des Reiches. Aber dazu später mehr, heute noch nicht. Dänemark war eine Macht, die im Ostseeraum um die Vorherrschaft kämpfte und hatte einen riesigen Vorteil: Dänemark kontrollierte den Zugang von der Nord- in die Ostsee und konnte von allen Handelsschiffen, die vom einen ins andere Meer wollten, Zölle verlangen, was ein einträgliches Geschäft war.

Etwas weiter nördlich von Dänemark war das Königreich Schweden, das auch gerne den Ostseeraum beherrschen würde. Aber es gab ein paar Verzwickungen mit Polen. Das Königreich Polen war – wie das Reich auch – eine Wahlmonarchie, das heißt, der König von Polen wurde von polnischen Fürsten gewählt. Der momentane polnische König stammte aus dem Haus Wasa, das auch die schwedischen Könige stellte. Als König von Polen musste man katholisch sein, die Schweden waren aber Protestanten. Als der Polenkönig nun auch Schwedenkönig werden sollte, gab es im Land der Elche einiges Murren. Als zögerlich der Katholizismus im protestantischen Schweden gefördert werden sollte, platzte den schwedischen Adligen die Hutschnur, sie setzten den in Polen residierenden König ab und setzten einen eigenen (auch aus dem Haus Wasa stammenden) König ein. Das war im Jahr 1600. Er und sein Nachfolger Gustav Adolf, der ab 1611 regierte, reformierten Schweden und bauten ein schlagkräftiges Militärwesen auf und führten Krieg in Polen. Und Russland. Und das so erfolgreich, dass die Schweden so viel Gebiet eroberten, dass Russland keinen Zugang zur Ostsee mehr besaß. Um den schwedischen Anspruch als Ostseegroßmacht durchzusetzen, hätte Stockholm gerne ein paar Gebiete an der Südküste der Ostsee gehabt und schielte dabei auf Pommern. Pommern, das war ein Teil vom Reich.

Im Südosten des Reiches stand es nicht besser, denn der Türke war da. Der gesamte Balkan und fast ganz Ungarn war in der Hand des Osmanischesn Reiches und die Türken schickten sich an, mehr Gebiete zu erobern. Und das  so nah an der Reichsgrenze! Die Habsburger, deren Erblande in Österreich unmittelbar bedroht waren, machten im Reich allerlei Zugeständnisse, damit die Fürsten auf dem Reichstag Steuern bewilligen, um Truppen gegen die Türken zu unterhalten.

Wenden wir uns dem Westen zu. In Frankreich rumorte es heftig, weil die Hugenotten, die französischen Protestanten, mit den Katholiken alles andere als friedlich zusammen lebten. In den Hugenottenkriegen wurden die Hugenotten Stück für Stück aus Frankreich gedrängt. Dass protestantische Reichsfürsten in diesem Konflikt offen Partei ergriffen (ich schaue dich an, Kurpfalz), machte die Lage im Reich nicht stabiler. Aber damit nicht genug!

Denn es gab ja noch die Niederlande. Formal waren sie noch ein Bestandteil des Reiches und gehörten zu Spanien – Spanien wurde von einem Habsburger regiert. Und die Spanier schickten fleißig Truppen in die Niederlande, um den dortigen protestantischen Aufstand niederzuschlagen. Wenn man sich mal so eine Karte anguckt: Spanien, Niederlande – da liegt ja einiges an Gebiet dazwischen! Deswegen mussten die spanischen Truppen durch das halbe Reich marschieren, um in die Niederlande zu gelangen. Sie hätten ja auch durch Frankreich marschieren können, schließlich sind Frankreich und Spanien doch beide katholisch und der Protestant als solcher ist ja mehr so Feind. Falsch, denn wenn Frankreich eine Sache mehr hasste als Protestanten, dann waren’s die Habsburger. Und jede Schwächung der Habsburger – ob in Spanien oder im Reich mit dem habsburgischen Kaiser an der Spitze – war gut. Umso nervöser schaute man in Frankreich nach Norditalien, denn die Franzosen hatten großes Interesse daran, ein Stück von italienischen Kuchen abzubekommen. Im Moment war Norditalien (was zu Spanien gehörte, um die Verwirrung komplett zu machen) allerdings Aufmarschgebiet für spanische Truppen. Und das tat Paris recht missfallen.

Ohr um Ohr Mittwoch, Aug 18 2010 

– Jenkins‘ Ohrkrieg

1731, in der Karibik. Spanien und England geraten andauernd aneinander, denn beide Länder haben Kolonien in der (inzwischen nicht mehr ganz so) Neuen Welt und kratzen zusammen, was sie kriegen können, um es in ihre Heimatländer zu schaffen. Da kommt es schonmal vor, dass man gegenseitig die Konvois überfällt.

Robert Jenkins fuhr für England von der Karibik aus Richtung England. Allzu weit kam er nicht, denn schon bald wurde er von Juan de Léon Fandino von der spanischen Küstenwache abgefangen. Die Spanier überfielen und enterten Jenkins‘ Schiff und durchwühlten es. Vom Inhalt des Laderaums schien Juan wenig angetan; völlig in Rage schnitt er Jenkins ein Ohr ab. 

Der entohrte Engländer machte sich auf den Weg in sein Heimatland und lief sogleich zum König. Dort trug er seine bitterliche Klage vor und stänkerte – und erreichte nichts. Die Beschwerde traf bei König Georg II. auf taube Ohren. Enttäuscht zog Jenkins wieder ab.

Doch nur, um sieben Jahre später, also 1738, wieder aufzutauchen. Diesmal trat er jedoch nicht vor den König, sondern vor das House of Commons, dem Unterhaus. Dort zog Jenkins seine lang vorbereitete, theatralische Show ab. Ausführlich und äußerst dramatisch schildert Jenkins sein Martyrium und die Gewalt der Spanier gegen englische Schiffe. Als Beweis dafür zeigt er sein fehlendes Ohr – einmal das Loch an seinem Kopf und einmal ein in Alkohol eingelegtes Ohr, das angeblich sein eigenes gewesen sein soll.

Das Unterhaus zeigte sich beeindruckt von Jenkins‘ Geschichte, die ohnehin schon große antispanische Stimmung stieg nochmals an. Wegen dieser Übergriffe der Spanier auf englische Schiffe rüstete England zum Kampf gegen die Spanier; 1739 begann der Krieg um die Vorherrschaft in der Karibik und im Überseehandel. Trotz anfänglicher englischer Erfolge endete der Krieg mehr oder weniger unentschieden. Der Konflikt, der nach einem Ohr benannt wurde: War of Jenkins‘ Ear.

Milliarden und Abermilliarden von Schiffen! Freitag, Jul 23 2010 

– Die Spanische Armada

Wenn von irgendeiner Sache unglaublich viel im Anmarsch ist, spricht man gern von einer Armada. Aber wo kommt’n das überhaupt her?

Klettern wir die Leiter der Geschichte hinab ins 16. Jahrhundert. In Spanien regiert König Philipp II., ein Katholik vom Scheitel bis zur Sohle. In London sitzt Elisabeth I., eine Protestantin, und regiert das erst unter ihrem Vater Heinrich VIII. (der mit den vielen Frauen) protestantisch gewordene Königreich England.

Philipp II., König von Spanien

Elisabeth I., Königin von England

 Philipp war zunächst mit Elisabeths Schwester Maria Tudor verheiratet, besser bekannt als Bloody Mary. Nach ihrem Tod wollte der Schürzenjäger und gute Katholik auch Elisabeth heiraten und England so wieder katholisch machen.

Gute Idee, entsetzlich umgesetzt. Denn Elisabeth lehnte die pampig formulierte Heiratsanfrage ab. Das versetzte nun Philipp in Rage; wenn er England nicht durch Heirat katholisch machen konnte, dann eben mit militärischer Gewalt.

Also ließ Philipp eine Invasionsarmee aufstellen und auf Schiffe packen; gegen England segelte nun die mächtige spanische Flotte – die Armada!

Am 31. Juli 1588, also nächste Woche vor 422 Jahren, kam es im Ärmelkanal zur ersten Schlacht zwischen der englischen Flotte und der unbesiegbaren Armada. Die englischen Admirale nutzten geschickt die Schwäche der schwerfälligen, auf Nahkämpfe ausgerichtete und bis an die Zähne bewaffneten Armada aus und hielten sie mit ihren weit schießenden Kanonen auf Distanz. Und bewiesen, dass die unbesiegbare Armada gar nicht so unbesiegbar war; nur die eiserne Disziplin der Spanier verhinderte größere Schäden an der Flotte. Auch wenn die Armada noch immer gefährlich und unfassbar stark war, so war doch jedes Unentschieden ein Sieg für die Engländer, da sie die Invasion hinauszögern konnten.

Gemälde der Schlacht zwischen der Armada und der englischen Flotte im August 1588.

Zerknirscht musste die Armada erstmal ihre Schäden reparieren und steuerte einen Hafen an, der die spanischen Schiffe jedoch nicht aufnahm. Deswegen ankerten die Galeonen des katholischen Königs vor Calais. Unerwartet griffen die Engländer dort an. Und zwar nicht herkömmlich mit Kriegsschiffen, sondern mit sogenannten Brandern – führerlosen Schiffen, die in Flammen standen und auf die spanischen Galeonen zutrieben.

In Panik holten die Spanier ihre Anker nicht ein, sondern kappten einfach die Ankerseile und verließen eiligst ihre Position. Ihre Schlachtordnung konnten die Spanier in diesem Chaos nicht einnehmen, also hatten die Engländer Zeit, sich auf einzelne Schiffe zu konzentrieren und diese zu versenken. Obwohl die Spanier wesentlich mehr Verluste zu beklagen hatten als die Engländer, war die Armada alles andere als besiegt; die Schlacht endete also wieder unentschieden.

Ein Sturm beschädigte die Flotten beider Seiten, sodass die Engländer sich zurückziehen und die Spanier die Invasion abbrechen mussten. Da die Armada nicht den Weg durch den Ärmelkanal nehmen konnte, entschloss man sich, England über die Nordroute zu umrunden. Vor den Küsten von Schottland und Irland kamen die Schiffe der Armada abermals in schwere Stürme und hier rächte sich die Panikreaktion vor Calais: Durch die Anker konnten sonst immer die Stürme gemeistert werden, indem man die hohen Wellen durch das Gewicht des Ankers ausglich. Nun fehlten jedoch bei vielen Schiffen die Anker und eine große Zahl an Schiffen kenterte bei der Umrundung der britischen Inseln.

Die Route der Armada, die Seeschlachten und Verluste von spanischen Schiffen. (Anklicken zum Vergrößern.)

Stark beschädigt und dezimiert kehrte die Aramada schließlich nach Spanien zurück. Philipp war zwar immer noch Herr über die größte Seemacht, doch sein Plan, England wieder katholisch zu machen, war gescheitert. Elisabeth konnte die Invasion abwehren und die englische Flotte machte sich bereit, Spanien abzulösen und größte Seemacht der Welt zu werden.

Die Entdeckung der Neuen Welt Donnerstag, Jul 8 2010 

– Kolumbus und der Seeweg nach Indien

1492 schlossen die Spanier mit der Eroberung Cordobas die Reconquista ab und vernichteten somit die letzte muslimische Herrschaft auf spanischem Boden. Damit (und mit der Heirat zwischen Isabella von Kastilien und Ferdinand von Aragon) wurden genug Ressourcen frei, um auf dem Meer auf Entdeckungstour zu gehen. Gesucht wurde ein Seeweg nach Indien

Warum nahm man nicht den Landweg? Das wäre zwar der kürzeste Weg, doch der ist von den Türken kontrolliert, seit sie das byzantinische Reich vernichtet haben und das Verhältnis zwischen Osmanen und den christlichen Herrschern Europas war nicht gerade … nett …

Der Seeweg also – da gab es zwei Möglichkeiten: entweder stur nach Westen fahren, bis man in Indien landet oder um Afrika herum.

Die Spanier entschieden sich für ersteres – oder wurden entschieden, besser gesagt. Denn ein Italiener drängelte sich an den spanischen Hof, nämlich Christoph Kolumbus. Er hatte Wind davon bekommen, dass es eine Westroute nach Indien geben müsse und war seitdem besessen davon, den Seeweg nach Indien zu finden. Dazu ging er hausieren, bei den italienischen Herrschern. Sie lehnten ab und hielten ihn für verrückt. Dann ging er zu den Engländern. Sie lehnten ab und erklärten ihn für verrückt. Dann versuchte er es bei den Franzosen, gleiches Ergebnis. Auch die Portugiesen lehnten ab. Doch Spaniens Königspaar Ferdinand und Isabella überlegten es sich – und stimmten zu!

Kolumbus leierte den Spaniern noch jede Menge Zugeständnisse aus den Rippen – er wurde General auf Lebenszeit, Vizekönig in allen Gebieten, die er entdecken sollte und durfte 10% aller Gewinne behalten. Ein ordentliches Gehalt, aber Spanien hatte es ja. Anders als heute.

Von der spanischen Krone mit Schiffen, Mannschaft und Proviant ausgestattet, segelte Kolumbus also Richtung Westen. Voll Holdrio. Schließlich, nachdem er wochenlang durch den Atlantik gegurkt ist, stieß er schließlich auf Land. Gut, es war San Salvador und nicht Indien, aber Kolumbus behauptete steif und fest, in Indien gewesen zu sein. Danach unternahm er drei weitere Reisen nach Indien in die Karibik.

Kolumbus' vier Reisen: erste Reise violett, zweite grün, dritte gelb und die vierte rot.

Bis zu seinem Tod war Kolumbus fest davon überzeugt, in Indien gewesen zu sein. Deswegen nennt man heute die Ureinwohner Amerikas: Indianer.