Der große Clinch Sonntag, Jan 30 2011 

– Die Hatfield-McCoy-Fehde

Im 19. Jahrhundert in Amerika. Ein Fluss namens Tug Fork bildete (und bildet noch heute) die Grenze zwischen den US-Bundesstaaten Kentucky und West Virginia. Im Tal, durch das sich dieser Fluss schlängelt, leben zwei Familien. Die Hatfields lebten auf der einen Seite des Flusses, in West Virginia, die McCoys auf der anderen Seite, in Kentucky.

Beide Familien waren sich nicht grün; bereits im Amerikanischen Bürgerkrieg gab es Reibereien. Doch der Streit entzündete sich so richtig erst 1878. Floyd Hatfield fand eines schönen Morgens auf seiner Weide ein Schwein. „Super!“, mag er sich gedacht haben, „ein Schwein! Das behalte ich.“ Doch das Oberhaupt des McCoy-Clans, Randolph „Ole Ran’l“ McCoy, behauptete, das Schwein sei aus seinem Stall entwischt und forderte es zurück. Die causa porcus ging schließlich vor Gericht. Dort wurde entschieden, dass das Schwein  bei den Hatfields bleibt, was an der Zeugenaussage des mit beiden Familien verwandten Bill Staton lag – oder an der Tatsache, dass der Richter aus dem Hatfield-Clan stammte. 1880 bedankten sich zwei Brüder des McCoy-Clans bei Staton für die Aussage und brachten ihn um. Vor Gericht wurden die beiden freigesprochen. Es habe sich um Notwehr gehandelt. Man könnte auch von ausgleichender Gerechtigkeit sprechen, denn nun hatte jede Familie einen Fall vor Gericht gewonnen.

Im Frühjahr des gleichen Jahres bahnte sich ein Techtelmechtel zwischen Roseanna McCoy und Johnson „Johnse“ Hatfield, dem Sohn des Clanchefs, an. Nachdem die beiden vergnüglich die Zeit im Gebüsch verbracht hatten, strich sich Roseanna den Rock glatt, um sich wieder auf den Heimweg zu machen. Doch ihr Bruder, der sie mitnehmen sollte, war bereits weg, sodass Roseanna McCoy im Hause der Hatfields übernachten musste. Aus Frucht vor dem Zorn ihres Vaters flüchtete sie später zu einer entfernt lebenden Tante. Roseanna und Johnse trafen sich weiterhin. Eines Tages flog ihr kleines Liebesnest auf; McCoy-Brüder umstellten das Pärchen und nahm Johnse gefangen, um ihm das Lebenslicht auszuhauchen. Offiziell ging es um Schwarzhandel. Roseanna ritt in einer Nacht- und Nebelaktion zum Clanchef der Hatfields, der schnell einen Befreiungstrupp zusammenstellte. Die Hatfields umstellten die McCoys und befreiten Johnse, ehe er in Kentucky vor Gericht gestellt werden konnte. Johnse war seiner Freundin für diese Rettung so dankbar, dass er die schwangere Roseanna sitzen ließ und 1881 ihre Cousine heiratete. Roseanna hielt der seelischen Belastung nicht stand, bekam erst die Masern und erlitt dann eine Fehlgeburt.

1882 wurde der Bruder des Chefs der Hatfields von drei McCoy-Brüdern mit Messern zerstochen und angeschossen. Die Brüder wurden auf frischer Tat geschnappt und festgenommen. Die Nachricht des Attentats verbreitete sich wie ein Lauffeuer im Tal, der Kopf der Hatfields raste vor Wut. Er stellte eine schnelle Truppe zusammen, die der Polizeieskorte der McCoys den Weg abschneiden sollte und die drei Brüder auf die andere Seite des Flusses brachte. Dort setzte man die McCoy-Brüder fest und knüpfte ihr Schicksal an das ihres dahinsiechenden Opfers. Als der Hatfield schließlich seinen letzten Atemzug gab, fesselte man die Täter und durchsiebte sie mit Blei.

Den Höhepunkt erreichte die Fehde in der Neujahrsnacht des Jahres 1888. Eine Gruppe Hatfields umzingelte das Haus der McCoys und steckte es in Brand, um den Clanchef ins Freie zu treiben. Dieser konnte sowohl dem Feuer als auch dem anschließenden Kugelhagel entkommen, im Gegensatz zu zwei seiner Kinder und seiner Frau. Acht Hatfields landeten für den Überfall vor Gericht. Sieben erhielten lebenslängliche Gefängnisstrafen, einer wurde unter großer Anteilnahme der Bevölkerung öffentlich gehängt.

Die Fehde hatte inzwischen ein so großes Ausmaß angenommen, dass die Gouverneure von Kentucky und West Virginia die Nationalgarde im Tal einsetzten, die jedoch von beiden Familien für die eigenen Zwecke eingebunden wurden. Professionelle Kopfgeldjäger überschwemmten das Tal, nachdem Kopfgelder auf führende Familienmitglieder beider Clans ausgesetzt wurden. Die Notbremse zog schließlich der Oberste Gerichtshof; 1891 einigten sich die Hatfields und McCoys widerwillig auf einen Waffenstillstand.

2003, also vor sieben Jahren, unterzeichneten die Oberhäupter der beiden einst verfeindeten Clans symbolisch einen Friedensvertrag.

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Hin und her Donnerstag, Okt 7 2010 

– Der Koreakrieg

Dass man im Kalten Krieg sich auch ganz schnell einen Satz warme Ohren einfangen konnte, zeigte sich bereits relativ früh. Die koreanische Halbinsel war, ähnlich wie Deutschland, nach dem Zweiten Weltkrieg zweigeteilt: in einen kommunistischen Norden und einen liberalistischen Süden. Im Norden herrschte ein kommunistischer Diktator, im Süden herrschte auch nicht gerade eine lupenreine Demokratie. Allgemeine Unzufriedenheit in Südkorea nahm Nordkorea schließlich 1950 zum Anlass, in den Süden einzumarschieren.

Für die USA, den Hegemon der westlichen Welt, war der Einmarsch nicht hinnehmbar; Washington fuhr eine Politik der Eindämmung. Der Kommunismus sollte sich nicht verbreiten, sondern da bleiben, wo er war. Durch den UN-Sicherheitsrat wurde eine Resolution geschleust, die es den Amerikanern erlaubte, den Einfluss Nordkoreas wieder zurückzudrängen. Die ständigen Mitglieder des UN-Sicherheitsrates zu dieser Zeit waren neben den USA noch Frankreich, Großbritannien, Taiwan (das später durch die Volksrepublik China ersetzt wurde) und die Sowjetunion. Theoretisch hätten die Sowjets ein Veto gegen diese Entscheidung einlegen können. Theoretisch. Denn genau an dieser Sitzung boykottierte die UdSSR den Sicherheitsrat, sodass die antikommunistische Entscheidung gar nicht zustande gekommen wäre. Seit diesem Vorfall nahm die Sowjetunion an jeder Sicherheitsratssitzung teil und verpasste keine einzige mehr.

Wie sah’s inzwischen in Korea aus? Nordkoreanische Truppen hatten fast die gesamte Halbinsel unter ihre Kontrolle gebracht. Nur ein kleiner Teil um Pusan im Südosten des Landes leistete beharrlich Widerstand. Dann lief die Kriegsmaschinerie der USA an. Durch tollkühne Manöver und Landungen im Rücken der Front wurde die Hauptstadt Seoul zurückerobert. Noch im Herbst 1950 wurde der 38. Breitengrad, die Grenze zwischen Nord- und Südkorea, erreicht. General MacArthur, der Befehlshaber der US-Streitkräfte, drängte auf einen weiteren Vormarsch und bekam dafür grünes Licht. Die Armee der USA rollte bis Ende 1950 fast ganz Korea auf.

Korea. Im Norden Kommunisten, im Süden bald auch, außer um Pusan. Durch die Landung bei Inchon wurde Seoul zurückerobert.

In Peking schrillten deswegen die Alarmglocken. China war erst seit zwei Jahren kommunistisch geworden und wurde nervös, dass die Armee des Klassenfeindes so nah an der eigenen Grenze kämpfte. Die Volksrepublik stellte Washington ein Ultimatum; die US-Streitkräfte sollten nicht in die Nähe des Flusses Yalu kommen, sonst würde China selbst in den Konflikt eintreten.

Die Amerikaner ignorierten das und rückten weiter gen Norden. China rüstete und marschierte und MacArthur tobte. Denn er wollte am liebsten Korea verlassen und den Kommunismus gleich noch weiter zurückdrängen, durch eine Invasion Chinas. Er schlug dem US-Präsidenten sogar vor, man könne doch ein paar chinesische Städte mit Atombomben einäschern. Der Vorschlag stieß auf wenig Gegenliebe und für seine geniale Idee wurde MacArthur vom Präsidenten seines Kommandos enthoben.

General Douglas MacArthur

Die Chinesen rückten also vor und drückten bis Anfang 1951 die westlichen Streitkräfte zurück über den 38. Breitengrad tief nach Südkorea. Keine Seite erziehlte seit dem so schnelle Erfolge wie zu Beginn des Krieges mehr. Die US-Streitkräfte verschoben die Front bis 1953 bis etwas oberhalb des 38. Breitengrades, doch weiter ging es nicht, für keine der Kriegsparteien. Beide steckten fest, es ging nicht mehr voran, niemand konnte mehr großartig Gelände gewinnen.

Im Sommer 1953 unterzeichneten die Kriegsparteien einen Waffenstillstand und zogen sich auf die Vorkriegsgrenzen zurück; die Grenze zwischen Nord- und Südkorea lag wieder auf dem 38. Breitengrad. Die ganzen fünf Jahre Krieg hatten also für keine Seite auch nur irgendeinen Gewinn gebracht. Einen Friedensvertrag zwischen Nordkorea und dem Nachbar im Süden gab und gibt es bis heute nicht.