Der Krieg aller Kriege VI Samstag, Jun 4 2011 

– Der Schwedische Krieg

1630 landete eine gewaltigte Streitmacht in Norddeutschland: Schwedenkönig Gustav Adolf hatte mobil gemacht und mischte sich nun in den Krieg im Reich ein.

Gustav Adolf, König der Schweden und knapp bei Kasse

Die schwedische Armee krankte fast den gesamten Krieg über an dem gleichen Problem wie die kaiserlichen Truppen (wenn nicht gerade Wallenstein bezahlte): sie konnte nur schwerlich die eigenen Soldaten bezahlen.  Glücklicherweise gab es ja Frankreich und die Franzosen hassten nichts so sehr wie die mächtigen Habsburger. Die saßen mit dem Kaiser ja nicht nur an der Ostgrenze Frankreich, sondern ja auch noch in Spanien; die Franzosen waren quasi von Habsburgern umzingelt. Das tat ihnen recht missfallen und so ein Gustav Adolf, der sich anschickte, Krieg gegen die Habsburger zumindest im Reich zu führen, kam ihnen gerade recht. Also überwiesen sie regelmäßig Geld an die Schweden.

Aber genug davon, was machte Gustav Adolf nun eigentlich im Reich, warum ist er in Pommern gelandet? Zum einen war Schweden ein protestantisches Land und Gustav Adolf gefiel es gar nicht, dass der katholische Kaiser den Protestantismus im Norden des Reiches bedrohte. Und zum anderen gefiel es ihm noch weniger, dass die mächtigen Habsburger sich mit Mecklenburg ein Standbein an der Ostsee verschafften. Also war Krieg das Mittel der Wahrheit.

Und Gustav Adolf war unheimlich erfolgreich, schlug eine Schlacht nach der anderen und gewann Kampf um Kampf. Viele protestantische Reichsfürsten hießen den ‚Löwen aus Mitternacht‘ willkommen, bejubelten den Befreier. Viele von ihnen gingen ein Bündnis mit dem Schwedenkönig ein.

Nur das Kurfürstentum Sachsen hielt sich heraus. Sachsen wollte weder an der Seite des Schwedenkönigs kämpfen – weil der ja gegen den Kaiser kämpfte – und auch nicht an der Seite des Kaisers – der ja gerade den Katholizismus zu neuen Höhenflügen verhalf. Sachsen wollte sich als dritte Partei etablieren und formte zusammen mit anderen Reichsfürsten den Leipziger Bund – gerichtet gegen die Schweden und gegen den Kaiser und die Liga. Man hoffte, sich zwischen den beiden großen Kriegsparteien durchwurschteln zu können, quasi ein ausgleichendes Gegengewicht zu bilden. Dazu wurde kräftig aufgerüstet.

1631 belagerte Tilly, Heerführer der Liga und der kaiserlichen Truppen (der in Ungnade gefallene Wallenstein hatte sein Herzogtum Mecklenburg an die Schweden verloren und war auf sein Gut in Böhmen zurückgekehrt), die protestantische Stadt Magdeburg, die im Bündnis mit Schwedenwar. Und die Belagerung war erfolgreich, denn die Stadt wurde eingenommen und völlig verwüstet. Die Soldaten plünderten, was nicht niet- und nagelfest war, der Rest wurde angezündet oder sonstwie kaputt gemacht. An der Bevölkerung verübten die katholischen Truppen ein Massaker (20.000 Zivilisten sollen umgekommen sein).

Die Belagerung und Zerstörung Magdeburg schockierte alle Kriegsparteien, selbst Tilly und andere Beteiligte. Klicken, um das Bild zu vergrößern.

Die protestantische Seite schlachtete die Zerstörung Magdeburgs propagandistisch aus. Klicken, um das Bild zu vergrößern.

Die Zerstörung einer protestantischen Stadt gab vielen protestantischen Reichsfürsten einen guten Grund, sich auf die Seite Schwedens zu schlagen – wer konnte schon sagen, ob die katholischen Truppen nicht auch andere Städte ‚magdeburgisieren‘?

Auch der Leipziger Bund sah sich genötigt, weiter aufzurüsten. Der Kaier beobachtete das argwöhnisch, vor allem, weil Schweden versuchte, Sachsen auf die eigene Seite zu ziehen. Und ein militärisch hochgerüstetes Sachsen auf der Seite Gustav Adolfs wäre nun wirklich nicht das gewesen, was Kaiser Ferdinand II. gebraucht hätte. Also stellte er dem Kurfürsten ein Ultimatum. Er solle seine Rüstungsanstrengungen bleiben lassen oder die kaiserliche Armee rückt in das Land ein. Tilly marschierte schon richtung sächsischer Grenze – und Sachsen sah sich in arger Bedrängnis. Der Leipziger Bund scheiterte schließlich, weil der Kaiser das ehemals treue Kurfürstentum Sachsen geradewegs in die Arme der Schweden trieb. Schweden, zusammen mit vielen protestantischen Reichsständen und Sachsen, gegen den Kaiser!

1632 blieb dem Kaiser keine andere Wahl, händeringend suchte er eine Möglichkeit die drohende Katastrophe abzuwenden. Gustav Adolfs Armee walzte durch das Reich, der Schwedenkönig gewann die Kontrolle über weite Teile des Reiches – und fiel sogar in Bayern ein! Das Land wurde verwüstet, München von den schwedischen Truppen erobert und Gutsav Adolf nahm Anlauf auf Wien. Der Kaiser war in arger Bedrängnis. Mehr noch, viele Katholiken fürchteten (zu Unrecht allerdings), dass der Schwed‘ über die Alpen nach Rom marschieren könnte und den Katholizismus ein für alle mal auslöschen könnte!

In letzter Not entschied sich der Kaiser für einen unpopulären Schritt: er holte Wallenstein zurück. Der Heerführer wurde wieder zum Oberbefehlshaber der kaiserlichen Truppen, stellte eine schlagkräftige Truppe auf und sollte sich dem Schwedenkönig stellen. Das erste Zusammentreffen der beiden Schlachtenlenker ereignete sich in Nürnberg. Dort brach Wallenstein Gustav Adolfs Nimbus der Unbesiegbarkeit. Und er setzte dem Schwedenkönig weiter zu.

Bei Lützen kam es nun 1632 zur entscheidenen Schlacht zwischen dem Schwedenkönig Gustav Adolf und Wallenstein.

Die Schlacht von Lützen auf einem Flugblatt. Klicken, um das Bild zu vergrößern.

Für den Kaiser und seinen Generalissmus Wallenstein lief der Krieg wie am Schnürchen, für die Schweden war die Schlacht von Lützen jedoch eine riesige Niederlage: Gustav Adolf fiel auf dem Schlachtfeld. Damit waren die Schweden nicht nur ihres Königs beraubt, sondern verloren auch einen brillianten Herrführer.

Der Tod Gustav Adolfs – erschossen aus nächster Nähe von einem kaiserlichen Söldner. Klicken zum Vergrößern.

Der Tod des Königs traf die Schweden schwer, denn die Thronfolgerin Christina war zu diesem Zeitpunkt gerade einmal sechs Jahre alt. Vorübergehend übernahm der schwedische Kanzler Axel Oxenstierna die Amtsgeschäfte und den Oberbefehl über das schwedische Heer.

Beim Kaiser in Wien hätten nun die Korken knallen können. Doch wieder wurden Proteste der Reichsstände über Wallenstein laut, dessen militärischer Erfolg vielen Fürsten ein wenig unheimlich wurde. Vor allem Herzog Maximilian von Bayern, der Führer der Liga, kritisierte wieder diesen Emporkömmling Wallenstein, weil die Erfolge des Aufsteigers mit seiner kaiserlichen Armee wieder die Liga an den Rand drängten. Aber anders als beim ersten Mal waren die Proteste und Anschuldigungen deutlich schärfer. Man fürchtete, Wallenstein könnte zu mächtig werden oder könnte sich gegen den Kaiser wenden – immer wieder versuchte Wallenstein, mit den Schweden zu verhandeln, um die Kämpfe zu beenden. Der Generealissimus war in den Augen der Fürsten gefährlich – zu gefährlich. Der Kaiser ließ seinen Oberfehelshaber ein zweites Mal fallen wie eine heiße Kartoffel – und diesmal endgültig.

1634 wurde Wallenstein vom Kaiser wegen Verrats verurteilt. Einige ehemalige Offiziere Wallensteins schickten daraufhin ein paar Soldaten nach Eger in Böhmen, wo sich Wallenstein aufhielt, und ließen den ehemaligen Heerführer der kaiserlichen Armee auf Geheiß des Kaisers ermorden.

Die Mordnacht von Eger. Klicken für ein größeres Bild.

Gustav Adolf tot, Wallenstein tot. Das Kriegsbündnis der Schweden begann zu bröckeln.

Und ein erster Versuch zum Frieden wurde gemacht.

Der Krieg aller Kriege V Sonntag, Mai 29 2011 

– Der Dänisch-Niedersächsische Krieg und das Kontributionssystem

Die Söldner der Protestanten waren in arger Bedrängnis und zogen sich nach Norden zurück; die Armee der Katholischen Liga, angeführt vom Heerführer Tilly, folgte ihnen. Die Protestantische Union hatte sich längst aufgelöst, quasi pünktlich zu Kriegsbeginn.

Die protestantischen Fürsten im Norden, im niedersächsischen Reichskreis, wurden ein wenig nervös. Dieser Umstand kam dem dänischen König Christian IV. ganz gelegen.

Die Reichskreise. Der niedersächsische Reichskreis ist der rote im Norden. Klicken für’s größere Bild

Denn Christian IV. war ein Reichsfürst, denn er war der Herzog von Holstein, das zum Reich gehörte, und gehörte als solcher zum niedersächsischen Kreis. Insgeheim hoffte er, irgendwie an ein paar geistliche Territorien, wie das Erzstift Bremen, zu kommen. Einfach, damit er ein paar Herrschaftsgebiete für seinen Filius hatte (nicht zuletzt, weil die Schweden ihm im Ostseeraum langsam die Butter vom Brot nahmen). Dazu wollte er die Angst der anderen Kreisangehörigen nutzen und ließ sich 1625 zum Kreisobersten wählen. Die norddeutschen Fürsten erwarteten, dass König Christian ein Heer aufstellt, um sie gegen die katholischen Truppen der Liga zu schützen – und vor den unterbezahlten Protestantensöldnern des tollen Halberstädters.

Christian IV., König von Dänemark und als Herzog von Holstein ein Fürst des Reiches.

Dem Kaiser ging indes das Geld aus und er musste seine Rüstungsanstrengungen zurückfahren und hätte fast schon gar kein eigenes Heer mehr gehabt, wenn nicht ein gewiefter Neureicher gekommen wäre. Ein Söldnerführer, der durch den Kauf böhmischer Ländereien nicht nur stinkreich, sondern auch ein wenig adlig geworden war, bot dem Kaiser an, auf eigene Kosten eine Armee aufzustellen: Albrecht von Wallenstein.

Der Generalissmimus Albrecht von Wallenstein

Eine riesige Armee, die man nicht mal selber bezahlen muss? Das ließ sich Kaiser Ferdinand II. nicht zweimal sagen und nahm Wallensteins Angebot dankend an. Doch der Söldnerführer war ja kein selbstloser Kaiserfan, sondern forderte von Ferdinand, Oberbefehlshaber aller kaiserlichen Truppen zu werden und später die angefallenen Kosten zurückzubezahlen. Der Kaiser willigte ein gab ihm den Oberbefehl.

Bevor wir nun schauen, wie’s im Norden weitergeht, sollten wir einen Blick auf die Art der Finanzierung von Wallensteins Armee werfen. Allein durch sein Vermögen ging’s natürlich nicht, sonst wäre er schnell arm gewesen. Nein, Wallenstein nutzte das sogenannte Kontributionssystem. Das funktionierte folgendermaßen: Eine Armee hatte in einem Land stets das Recht auf vier Kontributionen: Holz, Salz, Licht und Unterkunft. Das musste die Bevölkerung zur Verfügung stellen, für alles andere musste irgendwie der Söldnerführer aufkommen. Wallenstein begann, in den besetzten Gebieten Steuern einzutreiben. Damit konnte er seine Söldner bezahlen. Überhaupt, damit konnte er seine Söldner überhaupt angemessen und pünktlich bezahlen und das war keine Selbstverständlichkeit. Oft lösten sich Armeen langsam auf, weil die Heerführer ihre Soldaten nicht mehr bezahlen konnten. Bei Wallenstein war das jedenfalls nicht so. Das Kontributionssystem hatte einen Haken, man musste das besetzte Gebiet erweitern, wenn man die Armee vergrößern wollte. Oder wenn man das besetzte Gebiet ausgepresst hatte. Dann zog man ins nächste Gebiet und presste das leer, um den Krieg weiterführen zu können. Das ganze lässt sich unter einer griffigen Formel zusammenfassen: Der Krieg ernährt den Krieg. Denn schon bald übernahmen auch alle anderen Heerführer das Kontributionssystem.

Wallenstein kümmerte es wenig, ob es sich bei dem Gebiet, das er gerade besetzt hielt und auspresste wie eine Zitrone, um feindliches, neutrales oder gar mit dem Kaiser verbündetes Gebiet handelte. Dementsprechend verschnupft reagierten so ziemlich alle Reichs- und Kurfürsten auf Wallenstein, egal ob protestantisch oder katholisch.

Bei den Fürsten der Liga – insbesondere beim Bayernherzog Maximilian, der der Liga ja vorstand – machte sich Wallenstein ganz besonders unbeliebt, weil der Kaiser nun nicht mehr von Max‘ Liga abhängig war. Jetzt hatte der Kaiser ja eine eigene Armee.

Aber zurück nach Norddeutschland!

Christian IV. sah sich im Grunde also gleich zwei feindlichen Armeen ausgesetzt – der Ligaarmee unter Tilly und der Kaiserarmee unter Wallenstein. Der Dänenkönig hoffte insgeheim, Frankreich ins Boot holen zu können, um den Habsburgern irgendwie Paroli zu bieten, aber das hatte sich bereits 1625 erledigt. Die französischen Protestanten, die Hugenotten, probten den Aufstand und Frankreich war für längere Zeit mit inneren Problemen beschäftigt.

So kam es dann auch, dass die kaisertreuen Truppen einen Sieg nach dem anderen erringen konnten und besonders Wallenstein sich als hervorragender Logistiker hervortat. Bis 1628 waren die meisten protestantischen Fürsten wieder kaisertreu und die Dänen friedensbereit geschossen. 1629 schloss Dänemark mit dem Kaiser den Frieden von Lübeck. Christian IV. kam mit einem blauen Auge davon; er durfte seinen Besitz vor Kriegsbeginn behalten und musste im Gegenzug auf jegliches Engagement im Reich und im Reichskreis erstmal verzichten.

Der Herzog von Mecklenburg wurde verscheucht und das Land bekam einen neuen Herzog: Wallenstein. Bei den übrigen Reichsfürsten regte sich Widerstand gegen diesen Emporkömmling – und Angst! Der Kaiser war so mächtig, fürchteten viele, vor allem die protestantischen Reichsstände, er könnte das ganze Reich katholisch machen und in eine Erbmonarchie umwandeln! Das war natürlich beides nicht der Fall, aber die Angst war da. Wallenstein musste weg, das war der erste Punkt. Der Kaiser knickte schließlich vor dem Geschrei der Reichsfürsten, ob katholisch oder protestantisch, ob kaisertreu oder neutral, ein. Wallenstein wurde als Heerführer entlassen, blieb aber Herzog von Mecklenburg.

Damit hatten die Habsburger einen ersten Stützpunkt an der Ostsee. Und darüber hinaus die Übermacht im Reich.

Ein Königreich im Norden sah sich bedroht – und ein König setzte die Segel.