Die Sieben Weltwunder VII Dienstag, Jun 8 2010 

– Das Grabmal des Mausolos

Endspurt! Noch dieses eine Weltwunder, dann haben ihr und ich die Weltwunder der Antike hinter uns. Ich bedanke mich bei allen drei Lesern, die täglich das (missglückte) Experiment „Siebenteilige Serie über die Weltwunder“ durch- und mitgemacht haben. Jetzt habe ich erstmal genug von Antike, als nächstes gibt’s mal was aus anderen Epochen. Nun also das Grabmal des Mausolos, das in Halikarnassos stand.

Mausolos II. war im vierten Jahrhundert v. Chr. König und Statthalter des persischen Großkönigs, der unter anderem Kleinasien unterworfen hatte, wo Halikarnassos lag. Obwohl die Stadt unter persischer Herrschaft stand, hatte sie eine griechische Tradition und Mausolos baute seine Hauptstadt deswegen mit schmucken griechischen Gebäuden voll. Den Auftrag zum Bau des Grabmals soll Mausolos nicht persönlich gegeben haben, sondern seine Frau Artemisia – die auch seine Schwester war (oh Gott, schon wieder).

Mausolos erlebte die Fertigstellung seines Grabmals nicht; er starb während der Bauarbeiten und seine Schwester/Frau Artemisia folgte ihm bald in den Hades. Die Baumeister führten den Bau schließlich in Eigenregie zuende.

Das Grabmal hatte eine Höhe von über 45 Metern, war mit Statuen der Götter und Herrscher aus Mausolos‘ Familie (über den Stammbaum mag ich gar nicht nachdenken) üppig verziert und komplett schneeweiß. Denn er wurde aus weißem Marmor gebaut.

Darstellung des Grabmals aus dem 16. Jahrhundert.

Rekonstruktion des Grabmals im Miniaturenpark von Istanbul.

im 12./13. Jahrhundert stürzte das Grabmal ein. Wegen – Überraschung! – Erdbeben natürlich. Die Trümmer und das stabile Fundament blieben jedoch gut zweihundert Jahre unberührt, bis die Ritter des Johanniterordens in die Stadt kamen. Sie befanden sich auf dem Rückzug vor den immer weiter vordringenden Türken und trugen das Grabmal ab. Die Steine verbauten sie in ihrer Küstenfestung. Bei den Steinbrucharbeiten entdeckten die Ritter das Innere des Grabmals wieder und taten das, was jeder anständige Historiker getan hätte: sie zerstörten das Grabmal vollständig…

Das Grabmal des Mausolos wurde zwar vernichtet (und Versuche, es im 19. Jahrhundert wieder aufzubauen, scheiterten), doch der Name Mausolos lebt weiter. Nach ihm und seinem Bauwerk wurde jener Gebaudetyp benannt, den man wohl eher kennt: Das Mausoleum.

Die Sieben Weltwunder VI Sonntag, Jun 6 2010 

– Der Artemistempel von Ephesos

Der Tempel der Artemis ist wohl das zweitunbekannteste Weltwunder (das allerunbekannteste gibt’s nächstes mal). Er stand in Ephesos, einer der größten Städte Kleinasiens zu der Zeit. Ephesos selbst lag an der Küste Kleinasiens, also in der heutigen Türkei.

Der Bau des Artemistempels wurde im 5. Jahrhundert v. Chr. begonnen und dauerte etwa hundert Jahre. Was kein Wunder ist, denn der Tempel stand im Grunde auf Sumpf, also musste zunächst der Untergrund trockengelegt werden. Der weiche Boden war jedoch auch von Vorteil, denn er bot Schutz gegen Erdbeben! Endlich! Ein Weltwunder, dass nicht von einem Erdbeben zerstört wurde!

Wie dem auch sei, so ein aufwändiger Bau kostete freilich einen Riesenhaufen Geld. Ephesos war eine reiche Stadt und wurde kurz vorher von König Kroisos von Lydien erobert, besser bekannt als König Krösus. Krösus war als, naja, Krösus eben, unglaublich reich und pumpte Geld in den Tempelbau. Das tat er nicht aus purer Nächstenliebe, sondern um sich mit seinen frisch eroberten Untertanen gut zu stellen.

Gewaltig muss er gewesen sein, der Artemistempel, mit seinen über hundert Säulen von denen jede fast zwanzig Meter hoch waren. Ein atemberaubendes, unzerstörbares Gebäude, das für die Ewigkeit geschaffen war.

Beinahe. Denn wenige Jahre nach seiner Fertigstellung kam ein Verrückter namens Herostratos. Herostratos hatte einen Traum, er wollte unbedingt berühmt werden. Und er hatte einen Plan, wie er berühmt werden würde und setzten diesen in die Tat um: er brannte den Artemistempel nieder.

Man könnte ja meinen, dass Artemis ihren Tempel hätte beschützen sollen, doch die war am gleichen Tag anderweitig beschäftigt. Sie musste über die Geburt Alexanders des Großen wachen. Und zum Danke dafür leistete Alexander finanzielle Hilfe beim Wiederaufbau des Tempels.

Andere hätten die Steine liegengelassen (nicht wahr, Rhodos?), doch der Tempel wurde wieder aufgebaut. In Sachen Prunk und Größe legte man noch eine Schippe drauf.

So stellte man sich den Tempel im 16. Jahrhundert vor.

Nachbau des Tempels im Miniaturenpark Istanbul

Im dritten Jahrhundert nach Christus kam es zum Gotensturm. Das germanische Volk der Goten drängte ins römische Reich, zu dem Ephesos seit 133 v. Chr. gehörte. Die Goten plünderten und zerhauten alles, was in Reichweite war – was auch für den Artemistempel galt. Als das römische Reich nochmals hundert Jahre später christlich wurde, verschwand der Kult um die heidnische Göttin Artemis und Ephesos verlor seine Bedeutung. Ebenso wie der Tempel. Er diente als Steinbruch für Neubauten in der Umgebung.

Die Sieben Weltwunder V Donnerstag, Jun 3 2010 

– Die Zeusstatue von Olympia

Der Koloss von Rhodos ist nicht die einzige Statue, die zum Weltwunder wurde. Im Tempel der griechischen Stadt Olympia stand ein riesiges Standbild des Zeus.

Der Baumeister der Statue war Phidias, der sein größtes Werk (das kann man bei zwölf Metern Höhe ruhig wörtlich nehmen) kurz vor seinem Tod 430 v. Chr. erst fertigstellte. Für das Meisterwerk wurden Unmengen an Gold und Elfenbein verbaut; Elfenbein für die nackten Körperteile und Gold für die Kleidung und Haare. Die Statue wurde nicht aus einem Guss geschaffen, sondern in Einzelteilen gebaut. Die vorgefertigten Elemente wurden dann auf ein Gerüst gesteckt und ergaben so die Statue.

Kurz nach Fertigstellung der Statue wurde Baumeister Phidias angeklagt. Er soll von einer anderen Baustelle, auf der er tätig war und eine ähnliche Bauweise anwandte, Gold für den Eigenbedarf abgezweigt haben. Er hat also das getan, was jeder guter Bauarbeiter auf dem Bau tut: klauen, was nicht niet- und nagelfest ist.

So in etwa hat die Statue ausgesehen. Der griechische Schriftsteller Pausanias hatte sie in einem Bericht ausführlich beschrieben.

Und auch dank einiger Münzfunde wissen wir, wie die Statue aussah. In der Hand hält er übrigens die Siegesgöttin.

Sehr anschaulich ist auch diese Rekonstruktion der Zeusstatue.

Was genau mit der Statue passiert ist, ist ein wenig unklar. Entweder wurde sie zu Zeiten des Oströmischen Reiches nach Konstantinopel geschleppt, wo sie im Jahre 475, also nach gut neunhundert Jahren bestehen, einem Brand zum Opfer fiel.

Oder aber die Zeusstatue hatte einen weltwundergerechten Abgang und wurde in Olympia mitsamt dem Tempel zerstört – mal wieder von einem Erdbeben.

Diese Erdbeben…

Die Sieben Weltwunder IV Dienstag, Jun 1 2010 

– Die hängenden Gärten von Babylon

Nun nähern wir uns den Weltwundern, die weniger bekannt sind und auf die wohl nur die wenigsten kommen, wenn sie anfangen, die Sieben Weltwunder aufzuzählen. Nach der langen, trockenen Textwüste über die Bundesbetonröhre in Ahrweiler gibt’s nun etwas grünes und erfrischendes: Die hängenden Gärten Babylons.

Dieses Weltwunder ist etwas ganz besonderes – denn es hat nie existiert! Wahrscheinlich hat der verschlossene Palast in Babylon schlicht die Phantasie der Menschen angeregt, sodass sie sich ausmalten, was alles tolles darin sein könnte. Das Phänomen kennt man ja, im militärischen Sperrgebiet Area 51 sollen die Amerikaner ja angeblich ein UFO erforschen.

Die Gärten haben, wenn es sie denn gab, wohl etwa so ausgesehen:

Die hängenden Gärten von Babylon. Im Hintergrund zu sehen: der Turm zu Babel.

Was aus den Gärten geworden ist, erübrigt sich ja, weil’s sie nicht gab. Falls doch, sind sie wohl verödet. Denn schon gegen Ende der Antike verlor Babylon seine Bedeutung und die Araber, die die gesamte Gegend eroberten, ließen die Stadt schließlich verfallen. In diesem Prozess sollten die Gärten dann auch verdörrt worden sein.

Die Sieben Weltwunder III Donnerstag, Mai 27 2010 

– Die Pyramiden von Gizeh

Heute – nach langer Abstinenz meinerseits – gibt’s das dritte und wohl bekannteste Weltwunder: Die Pyramiden von Gizeh. Jedes Kind kennt sie und sind wohl das erste, was einem in den Sinn kommt wenn jemand „Ägypten!“ ruft. Pyramiden. Riesige Dreiecke aus Stein.

Gebaut wurden die Pyramiden vor etwa 4500 Jahren, also ca. 2500 vor Christus. Sie dienten, und das ist ja allgemein bekannt, als Grabstätte der Pharaonen. Ein Pharao baute noch zu Lebzeiten seine eigene Pyramide, die bestenfalls ganz knapp vor seinem Tod fertig wurde, sodass er darin beerdigt werden konnte. Um die Pyramiden herum wurden außerdem noch verschiedene Tempel gebaut, die jedoch nicht mehr erhalten sind – weswegen die Pyramiden etwas einsam anmutend im Sand stehen.

Einsam, aber mächtig. Beeindruckend, wie diese beinahe 150 Meter hohen Pyramiden da so stehen. Die höchste von ihnen ist wohl auch die berühmteste, nämlich die Cheopspyramide, benannt nach ihrem Erbauer und späteren Bewohner. Wie die Pyramiden genau gebaut wurden, weiß man nicht. Was den ein oder anderen Spinner „Forscher“ (Ich meine Sie, Erich von Däniken!) zu der Behauptung hinreißen lässt, dass überhaupt keine Menschen die Pyramiden gebaut hätten, sondern Außerirdische.

Wie dem auch sei, gebaut wurden die Pyramiden von einem riesigen Sklavenheer, das die gigantischen Steinblöcke (auf welche Weise auch immer) aufeinandergeschichtet hat. Interessant ist auch der Ort, auf dem die Pyramiden gebaut sind: Nicht nur ist Gizeh eine Art Friedhofsstadt im ganz alten Ägypten gewesen, sondern die Pyramiden selbst sind an interessanten Orten gebaut  worden. Sie stehen nämlich halb auf vom Nilwasser fruchtbar gemachten Boden und halb in der Wüste, was den Übergang vom Leben ins Jenseits verdeutlichen soll.

Genug gebrabbelt, hier nun ein Bild der Pyramiden. Falls sie wer noch nicht kennt:

Die Pyramiden von Gizeh (Obacht, Bild ist ziemlich groß)

Zum Schluss noch die Frage: Was wurde aus den Pyramiden? Ja. Sie stehen da nun. Seit über viertausend Jahren. Der Zahn der Zeit hat ein bisschen an ihnen genagt, wie man sehen kann, aber ansonsten stehen sie so da. Und werden wohl auch noch weitere vier Jahrtausende da so stehen. Diese unverwüstlichen Dinger! Die Pyramiden. Das einzige Weltwunder, das wir heute noch bestaunen dürfen.

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